Zwischen Cuperlebnissen, tristem Ligaalltag und dem Derby of Love – eine Woche Wahnsinn in Wien

von Andreas König

Der letzte Cuptriumph liegt schon eine Ewigkeit zurück. Also hieß es für mich unter der Woche ab nach Wien und Rapid ins Finale zu schreien. Der Gegner an diesem Abend hieß LASK Linz und kam mit mehr Fans unter der Woche, als die aus dem 10. Bezirk zum Wiener Derby an einem Wochenende…
Vor Anpfiff stand schon der Cupfinalgegner mit den Dosen aus Fuschl am See fest, denn die hatten ihr Spiel bei der Admira aus der Südstadt mit 5:0 gewonnen. Die West zeigte eine Zettelchoreo aus dem alten Vereinslogo und dem Cup, denn ohne den Cupsieg würde Rapid nächste Saison nach dieser Oarschsaison nicht international spielen. Je länger das Spiel dauerte, desto weniger sah man einen Klassenunterschied und erst mit Beginn der Rapidviertelstunde kamen die Tore. Über das Spiel vorher verliere ich keine Worte. Es gab einfach nichts zu erzählen, denn der Fußball war ähnlich schlecht wie beim FCN. Die 1:0-Führung hielt bis in die 90. Minute und dann konnte der Gast ausgleichen und wir alle haben uns schon damit angefreundet am nächsten Tag noch später auf Arbeit zu kommen, aber Joelinton gelang kurz vor Ende noch der Siegtreffer und die ganze West war eine einzige Jubeltraube. Mit dem Abpfiff wurde auch schon darüber nachgedacht, wie man zum Cupfinale nach Klagenfurt kommt. Der Traum vom internationalen Geschäft und Fahrten lebt damit weiter. Am nächsten Tag wurde das fixiert, aber dazu in einem späteren Bericht mehr. Da am gleichen Abend auch noch der große FCB verloren hat, war die Stimmung bei einem Haselnuss auf der Heimfahrt ausgelassen. Die Ankunft daheim war natürlich schon etwas später, aber natürlich wurde am nächsten Tag gearbeitet.

Die Heimniederlage des FCN gegen Stuttgart war zu erwarten, aber in der Entstehung natürlich frustrierend. Immerhin gab es eine Halbzeit lang guten Fußball des Ruhmreichen zu sehen.

Am nächsten Tag ging es zurück nach Wien, um in der Südstadt sich die Grünweißen gegen den dank Fusionen und den Titeln der Vorgängervereine neunmaligen Meister, fünffachen Cupsieger und ehemaligen Mitropapokalfinalisten von 1934, Flyeralarm Admira Wacker Mödling anzusehen. Mir wurde schon gesagt, dass Rapid dort immer schlecht aussieht und verliert. Dank der Badner Bahn war ich pünktlich vor Ort und konnte mir entspannt ein Ticket besorgen. Praktisch mit der ersten Szene gingen die Gastgeber in Führung und die Befürchtung bei sonnigem Wetter machte sich breit, dass das wieder ein gebrauchter Nachmittag werden würde. Aber Rapid konnte zwei ihrer vielen Chancen nutzen und drehte u.a. dank Joelinton das Spiel bis zur Halbzeit. In der zweiten Halbzeit beschränkten sich die Angriffsbemühungen der Hütteldorfer auf ein Minimum, was sich natürlich rächen sollte. Am Vortag gab es dank Mühl bereits einen dummen Elfmeter und auch dieses Spiel hatte so einen parat. Diesen verwandelte das aus Wien stammende Ex-Toptalent Christoph Knasmüllner, welches u.a. die Gerlandschule durchlief und nach Stationen bei Inter Mailand nun für die Admira die Schuhe schnürt. Wie ein Dèjà-vu war die Schlussphase in der es dem Gastgeber praktisch mit dem letzten Schuss gelang das Spiel erneut zu drehen und einen Heimsieg einzufahren.
So gefrustet ging es zurück gen Westbahnhof, um den Tag bei einem Schnitzel und ein paar Bieren ausklingen zu lassen. Der nächste Tag sollte auch noch das Derby of Love für mich bereit halten, welches u.a. dank der Insolvenz von der First Vienna möglicherweise für längere Zeit das letzte seiner Art sein sollte.
Das Derby of Love wird zwischen der First Vienna 1894 – dem ersten Fußballverein Österreichs – und dem Wiener Sportklub ausgetragen. Das Spiel fand dieses Mal nicht auf der Hohen Warte der Vienna, sondern beim Sportklub statt. Das Stadion erinnert in Teilen an englische Stadien mit einer nah am Spielfeld liegenden Gerade und einer großen Hintertortribüne. Mein Platz war auf der Friedhofstribüne bei den Fans vom Sportklub. Die Fans des selbigen engagierten sich sehr stark antifaschistisch und sind dementsprechend auch mit USP verbandelt. Zu Beginn des Spieles zeigten die Gäste eine große Blockfahne, während es von der Heimmannschaft keine Choreo gab. Die erste Halbzeit bestimmte der Gast, aber verpasste es ein Tor zu erzielen. Die zweite Halbzeit bestimmte die Heimmannschaft und ging nach einem berechtigten Elfmeter kurz vor Ende als Sieger vom Platz. Das Spiel war praktisch ausverkauft und die Sportklubfans feuerten immer wieder im englischen Stil auch ihre Mannschaft an und nahmen zur Unterstützung ihre Schlüssel in die Hand und schüttelten diese. So etwas habe ich noch nie erlebt. Der Spielertunnel ist neben der Heimkurve angesiedelt und nachdem die eigene Mannschaft gefeiert wurde, wurden auch die Fans der Vienna ausgiebig bei ihrem Gang in die Kabine gefeiert. Mit Wiener Freunden wurde der Abend bei einigen Bier gemütlich begossen.

Für mich hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen, aber ich bin mir sicher, dass ich bald wieder nach Wien fahren werde. Diese Stadt und dieser Verein hat es mir angetan und ich kann nicht mehr davon lassen.

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