Kein Geld für Kokain

von Michi Fuchs

Als ein mit vier Killer Devils besetztes Auto am Samstag um 8 von Erlangen aus nach Dortmund fuhr, schellte bei mir gerade erst der Wecker und ich lies den Morgen erstmal ruhig angehen. Als ich dann in den Zug von Köln nach Dortmund stieg, ereilte mich die Erkenntnis, dass ich doch auch lieber früh aufgestanden wäre und dafür dann aber mit Gleichgesinnten, Bier und am gscheiddn Meddl angereist wäre, als in einem Wagon voller betrunkener und während der ganzen Fahrt Karnevals- bzw. BVB Hurensöhne- Musik spielenden Dortmund Fans. Nachdem ich diese 2 stündige Tortur überstanden hatte, traf ich mich dann mit normalen Leuten – in diesem Fall Killer Devils – am Busparkplatz. Nach einigen Bierchen brachen wir in bester Stimmung und voller Zuversicht zum Stadion auf.
Auseinandersetzungen beim Einlass unserer Fans mussten wir dann mit einer fast 2 stündigen Wartezeit vor dem Block ausbaden. Jedoch wurde uns in dem Gedränge nicht langweilig, da es durch die bunte Mischung von Heim- und Gästefans, was ich so direkt vorm Gästeblock auch noch nicht gesehen habe, doch die ein oder andere verbale Auseinandersetzung zwischen typisch Halbstarken gab. Endlich ins Stadioninnere vorgedrungen, mussten wir jedoch feststellen, das doch reichlich Platz im Block war, was daran lag, dass eine große Zahl von Fans sich entschlossen hatte aus Protest gegen das Vorgehen der Polizei vor der Arena zu bleiben. Darunter litt dann auch deutlich hörbar (bzw. eben nicht hörbar) die Stimmung im Block. In der ersten Halbzeit war dies dank der durchaus ansehnlichen Leistung unseres Clubs aber noch zu verkraften. Pekhart hätte alleine vor Weidenfeller den Spielverlauf vielleicht ändern können (auch wenn Gertjan Verbeek da anderer Meinung ist), traf aber nur den Pfosten. Als in Hälfte zwei Dortmund dann aber anfing ihr Chancenplus in Tore umzumünzen, war bei den Nürnbergern sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen die Luft raus. Erwähnenswert ist noch ein vom Motto her fragwürdiges aber immerhin richtig und dadurch lesbares Spruchband aus der gelben Wand: Die Dortmunder fragten, ob Nürnberger sich kein Kokain leisten könnten, oder warum wir immer den billigen Scheiß aus Tschechien importieren. Dabei waren drei Buchstaben (BDA) hervorgehoben. Möglicherweise bezog sich das dementsprechend auf Vorkommnisse, die sich unserer Kenntnis entziehen, jedenfalls konnten wir uns auf diese Parole keinen Reim machen. Sollte es sich auf den kürzlich zum Club gewechselten Ondrej Petrak oder auch Adam Hlousek beziehen, bleibt festzuhalten, dass das erstens verachtenswert rassistisch war (solche Umtriebe soll es ja in Dortmund immer wieder geben), aber auch gleichzeitig ziemlich dumm, spielen doch nicht weniger als drei Polen im rot-schwarzen Dress und steht man dort wo man jetzt steht u.a. nur deswegen, weil man sich durch Misswirtschaft nach dem CL Triumph eben selbst kein Kokain mehr leisten konnte und daraufhin ganz tief gesunken ist, indem man sich von den Bauern Geld leihen lassen musste! Wie auch immer - das Spruchband in unserem Block, das auf die glorreiche Menthos Werbung von Kevin Großkreutz hinweisen wollte, dürfte wohl nicht besonders gut zu sehen gewesen sein.

Enttäuscht machten wir uns auf den Rückweg, wo die gedrückte Stimmung dann wohl auch dazu beitrug, dass der Plan noch gemeinsam nach Köln zum Karneval zu fahren, doch nicht umgesetzt wurde. Allerdings wäre dafür sowieso nur wenig Zeit geblieben, da Theresa bereits um 7 Uhr wieder in Nürnberg sein musste, um mit dem Bus nach Salzburg zu kommen, um unsere Freunde von Rapid gegen die Red Bull Söldner zu unterstützen. Jedoch wurde beschlossen dies zum Saisonende vor dem krönenden Abschluss bei den Schalkern noch nachzuholen - wenn dann auch ohne Karneval.  Mir blieb dann nach der Verabschiedung nur noch die Rückfahrt mit dem Zug, wo das Dortmunder Gegröle natürlich durch den Sieg und den noch höheren Pegel nicht unbedingt weniger als bei der Hinfahrt war.

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