Vom Regen in die T(r)aufe

von Andreas König

Nachdem der Vortag mit den beiden Derbies in Novara und Genua schon ein Highlight war, standen an diesem Tage nur Bestätigungen von Grounds an. Natürlich ist das San Siro in Mailand immer wieder eine Reise wert und auch weiterhin beeindruckend, aber nicht mehr so, wie beim ersten Mal. Ähnlich sah es beim Stadion von Bergamo aus. Da macht es einfach die Lage, denn mitten in der Stadt gelegen und nicht außerhalb, hat einfach etwas. Kurz nach meinem Trip wurde in der Presse publiziert, dass das Stadion modernisiert werden soll, was ich nach dieser Fahrt erst recht bestätigen kann.
Nach einer kurzen Nacht und einem kleinen Frühstück ging es bei beständigem Regen an der Hafenpromenade in Richtung Autobahn. Am Vortag konnte das Panorama der Stadt nur bedingt betrachtet werden, da es bereits dunkel war. Die gesamte Schönheit u.a. mit dem Blick auf den Leuchtturm, der dem Derby von Genua den Namen gegeben hat, war entweder durch einige der Kreuzfahrtschiffe verdeckt oder, was weit schwerwiegender war, durch das triste Grau und den damit verbundenen Regen. Die kurvige Autobahn wandelte sich im weiteren Verlauf wie die Landschaft in eine flache eintönige Gegend. Ziel der Fahrt war Mailand und somit ging es durch die malerisch-eintönige Poebene. Das Spiel in Mailand fand bereits um 12:30 Uhr statt und da es im direkten Anschluss nach Bergamo gehen sollte, musste ein günstiger Parkplatz gefunden werden, da es zwar einen Puffer gab, der aber noch für Checkin etc. genutzt werden musste.
Die Parkplatzsuche gestaltete sich dann einfacher als gedacht und nach einem kurzen Mahl in Form eines Panino wurden zügig die Treppen in den obersten Ring erklommen. Das Stadion war für mich wider Erwarten fast ausverkauft, aber immerhin steht Inter noch recht weit oben in der Tabelle. Nach den Eigentümerwechseln in den ersten Monaten des Jahres und den damit verbundenen Investitionen v.a. beim Lokalrivalen zogen die Zuschauerzahlen teilweise in einem vier bis fünfstelligen Bereich an.
Die Position und die Distanz ließen mich an unsere 80iger Mottofahrt nach München erinnern, denn ein Opernglas wäre für dieses Spiel eine gute Wahl gewesen. Der natürliche Vorteil dieser Distanz war der taktische Überblick über das spielerische Geschehen auf dem Platz. Leider bot sich aufgrund der Sitzposition keine Möglichkeit einen Blick auf den Gästeanhang vom FC Turin zu werfen. Schließlich standen sich auf dem Platz die Mannschaften von Inter Mailand und dem FC Turin gegenüber. Neben bekannten Gesichtern aus der Bundesliga z.B. Perisic standen natürlich auch internationale Hochkaräter wie Icardi, Candreva, Belotti und Sirigu auf dem heiligen Grün im Meazza. Die erste Halbzeit endete torlos, war jedoch sehr unterhaltsam. Teilweise hatten die Gäste aus Turin mehr vom Spiel und gingen durch den Exromanista Iago Falqué verdientermaßen in Führung. Dieses Gegentor weckte Inter aus der Lethargie und förderte deren Angriffsbemühungen. Folgerichtig gelang zehn Minuten vor Ende der zu diesem Zeitpunkt verdiente Ausgleich, da sie bereits vorher einige Hochkaräter haben liegen lassen. Alleine das Siegtor wollte auf beiden Seiten nicht mehr fallen, so ging es mit einem 1:1 unentschieden nach Hause. Die Gäste durften traditionell noch etwas länger in ihrem Block verweilen, bevor sie ihre Fahnen mit dem springenden Pferd – dem Turiner Stadtwappen – einpackten und sich auf die Rückfahrt nach Turin machten.
Während des Spieles hatte es bereits angefangen zu regnen und leider wurde der Regen auch nicht weniger. Mein Wunsch, dass es doch bald aufhören möge, wurde leider nicht erhört, denn eher geschah das Gegenteil und der Regen nahm zu. Nach dem Check-in in die Wohnung ging es nach kurzer Zeit mit dem Auto in Richtung Stadion. Im Vergleich zum Spiel in Mailand gestaltete sich die Parkplatzsuche im Stadionumfeld komplizierter. Der Spaziergang durch den Bergamscher Regen führte mich dann bereits komplett durchnässt zum Stadion. Leider war die Platzwahl semioptimal und so stand ich sprichwörtlich wieder im Regen. Die Begegnung wurde trotz des prasselnden Nasses angepfiffen. Die Drainage schien jedoch gut zu sein, denn es bildeten sich keine Pfützen o.ä. auf dem Rasen und der Ball rollte problemlos über das grüne Geläuf. Die Heimmannschaft setze die in weiß auflaufenden Gegner aus Ferrara kontinuierlich unter Druck und ging nach einem zurecht aberkannten Treffer kurze Zeit später in Führung. An dieser Konstellation änderte sich bis zur Halbzeit nichts - nur dass ich komplett durchnässt war und meine Freude an diesem Kick sich in Grenzen hielt. In der zweiten Halbzeit konnte Ferrara noch ausgleichen und kurz darauf flog auch noch ein Spieler von Bergamo mit glatt rot vom Platz. Komplett durchnässt ging es dann mit dem Auto zurück in die Unterkunft, dort wurden erstmal die pitschnassen Klamotten ausgezogen und sich ein wenig aufgewärmt. Mit teilweise frischen Klamotten, die nicht lange trocken blieben wurde noch Verpflegung in Form von Pizza, Bier und Wein geholt und so klang der Abend aus und am nächsten Morgen ging es wieder mit dem Flieger zurück nach Nürnberg, um dort am Abend den Ruhmreichen gegen Ingolstadt zu unterstützen.
Dank des Wetters habe ich mir eine schöne Herbstgrippe eingefangen, aber das hält mich nicht davon ab, demnächst wieder nach Italien zu fliegen...



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