Unterwegs in der Fußballprovinz mit „Noi vogliamo questa vittoria“ – auf den Spuren der dreiteiligen Lega Pro

von Andreas König

Die italienische Lega Pro ­– dritte Liga – ist in drei Staffeln aufgeteilt: Norden, Mitte und Süden. Interessant an der Liga ist, dass sie noch mit den klassischen Rückennummern 1 - 11 spielen und keine Namen auf den Trikots haben. Ich habe gedacht, dass es das in den oberen Ligen gar nicht mehr gibt. Der Trip durch die Lega Pro – Girone A, also dem Norden – führte mich zu drei Spielen an drei aufeinander folgenden Tagen. Es lässt sich wie folgt charakterisieren: Vom Rennen um die Aufstiegsplätze, zu einem Mittelfeldduell und dann als Abschluss der Abstiegskampf. So in etwa lassen sich auch die Zuschauerzahlen zusammenfassen, aber dazu im weiteren Verlauf mehr. Dabei besuchte ich Spiele in Piemont und in der Lombardei.

Dank eines Ratschlages habe ich mir als erste Begegnung US Alessandria Calcio gegen Padvoa Calcio angeschaut. Wie die Fotos schon zeigen, handelt es sich bei dem Stadion von Alessandria um ein kleines Stadion, welches fast nicht überdacht ist. Das macht natürlich trotz kontinuierlichem Nieselregens einen gewissen Scharm aus, auch wenn die Stufen ein wenig hoch waren. Glücklicherweise sind von beiden Seiten Fans da gewesen und das sorgte für nahezu volle Ränge im Heim- und Gastbereich. Nachdem ich mir ein Ticket für den Heimbereich besorgt hatte, ging es nach einem Bier und einem kleinen Happen zu Essen im Stadionumfeld direkt in den Stehblock, der sich noch bis kurz vor Ankick gut füllte. Es wurden kleinere Schwenkfahnen und Zaunfahnen aufgehängt und da keine Megaphone erlaubt sind, saßen die Vorsänger klassisch auf dem Geländer und haben die verschiedenen Lieder angestimmt. Dabei zog sich durch die drei Begegnungen „Noi vogliamo questa victoria!“ (Wir wollen diesen Sieg). Die Gesänge waren durchaus situationsbedingt und abwechslungsreich. Schön war auch, dass die gegnerische Tifoseria vor Ort war und ihre Mannschaft lautstark angefeuert hat. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, wobei sich Alessandria durchaus mehr Chancen erspielt hat. Aber wie es immer so ist, ging der Gegner mit einer der ersten eigenen Chancen in Führung. Jedoch schaffte Alessandria in der zweiten Halbzeit den Ausgleich und spielte kontinuierlich nach vorne und erzielte auch noch ein zweites Tor kurz vor dem Abpfiff. Dieses wurde leider vom Schiri nicht gegeben, wohl wegen gefährlichem Spiel. Das hat natürlich die Heimfans gegen den Schiri aufgebracht, aber im Großen und Ganzen blieb es ruhig und alle sind nachdem sie die Mannschaften verabschiedet hatten ihre Wege gegangen.

Das nächste Spiel führte mich in die Nähe von Turin in die Alpen, die die Gegend von Cuneo umrahmten. Es spielten Cuneo Calcio gegen Cremonese. Das Wetter sollte im Vergleich zum Vortag besser werden und das Stadion mit Plätzen für 3000 Zuschauer kleiner. Also perfekte Bedingungen. Diesmal habe ich mir wieder ein Ticket in der Kurve gekauft. Dort waren jedoch kaum Fans, denn die meisten waren auf den beiden Geraden, da diese überdacht sind. Die Haupttribüne stammt übrigens noch aus der Zeit Mussolinis. Die Gästefans hatten eine kleine Tribüne neben der Haupttribüne. Der Gästebereich und die Tribüne in der Kurve waren einfache Steckkonstruktionen, aber da nur wenige Leute – sowohl im Gäste- wie auch im Kurvenbereich – darauf waren, gab es auch keine Schwingungen oder dergleichen. Vor dem Spiel kam dann auch noch die Sonne heraus, die zum gemütlichen Sitzen einlud.

Es trafen beim Spiel zwei Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld aufeinander, die auch noch fast punktgleich waren. Die Heimfans stimmten immer wieder ein paar Lieder an, wobei auch die Gästefans teilweise zu hören waren. Aber aufgrund der geringen Anzahl an Support-Willigen kam es nicht zu kontinuierlichen Gesängen, sondern nur zu vereinzelten Gesangeseinlagen. Die waren dann aber grundsätzlich auf das eigene Team bezogen. Leider war das Spiel relativ arm an Highlights, so dass es vor sich hin plätscherte, wobei beide Mannschaften ein paar Torchancen hatten. Eine gute Chance bot dabei ein Lattentreffer von Cremona. Bis zum Ende des Spieles wurde aber leider kein Tor mehr erzielt, dafür durfte der Gästetrainer im Laufe der Partie seinen angestammten Platz an der Seitenlinie verlassen, da er vom Schiri des Platzes verwiesen wurde.

Nach dem Spiel ging es nach einem kleinen Spaziergang durch die kleine Stadt in Richtung Hotel, da am nächsten Tag noch das letzte Spiel auf dem Plan stand, welches Abstiegskampf pur versprach. Nach der Fahrt über Turin und Mailand habe ich mein Ziel Bergamo erreicht. Die Stadt und die verschiedenen kleinen Bierlokale mit selbstgebrautem Bier hatten es mir schon bei meinem ersten Besuch angetan. So war es natürlich eine gewisse Fügung, dass am Montagabend noch ein Spiel in Bergamo zwischen UC Albino Leffe und Mantova stattfand. Das Spiel fand im Erstligastadion von Atalanta statt und das war für dieses Spiel völlig überdimensioniert. Da es diesmal keine Tickets im Kurvenbereich zu kaufen gab, obwohl dieser offen war und darin gerade mal 10 Ultras drin waren, nahm ich auf den gemütlichen Sitzen auf der Gerade Platz. Als ich mein Ticket kaufen wollte, war der VVK am Stadion aber noch nicht mal offen. Sie haben ihn aber extra für mich aufgemacht. Danach ging es noch einmal in die Altstadt ein Bier trinken, um dann rechtzeitig zum Anpfiff im Stadion zu sein. Da auch nicht mehr als 20 Fans von Mantua anwesend waren, war die Mehrheit der Zuschauer (ca. 100 - 200) auf der Geraden zu finden. Und anscheinend waren diese auch noch in zwei Gruppen geteilt, wobei eine Gruppe immerhin eine Ultraszaunfahne hatte. Warum das Spiel auf den Montagabend gelegt wurde, lag daran, dass Atalanta Bergamo am Sonntag ein Heimspiel hatte.
Vom Niveau her sei so viel gesagt: Wer sich über Kirschbaum aufgeregt hat oder das blinde Vorschlagen von Bällen, hätte sich das Spiel nicht anschauen sollen. Aber dazu gleich noch mehr.

Die beiden verschiedenen sehr kleinen Fanlager gaben sich redlich Mühe und aufgrund der geringen Zuschauerzahl konnten man die abwechselnden Gesänge gut hören. Natürlich war wieder der Wochenendklassiker „Noi vogliamo questa victoria“ dabei. Dem Tabellenstand entsprechend ging es auch rauf und runter, wobei Mantua besser in der Tabelle positioniert ist und das sah man auch. Die finalen Pässe von AlbinoLeffe kamen aber nicht wirklich an. Hingegen vergab Mantua die große Chance zu treffen: Ein weiter Ball kam in den Strafraum gesegelt, der Stürmer war schneller am Ball als der Torwart und legt den Ball an ihm vorbei. Dann aber schoss er vom Torwart aus liegenden Eck vom 5-Meterraum am langen Pfosten vorbei. Nachdem es kurz vor Ende fast noch einen Elfmeter für Mantua gab, ging das Spiel nach 5 Minuten Verlängerung torlos zu Ende.

Direkt nach dem Abpfiff wurde der Torwart von den Ultras und einigen Fans aus meiner Nachbarschaft im Block, die schon die gesamte Zeit fleißig ihre Kommentare über das Spiel abgegeben haben, beschimpft und er wollte auch nicht gerade in einer glücklichen Stimmung mit den Fans reden. Dieses Aufeinandertreffen konnte jedoch von einem Betreuer verhindert werden, so dass es nur bei einem kurzen intensiven Wortwechsel blieb.

Was ist die Quintessenz dieser Reise? In der dritten Liga habe ich keinen Sieg gesehen und teilweise sehr leere Stadien, was aber auch in Deutschland ähnlich sein dürfte. V.a. in Cuneo ist es so, dass die ursprüngliche Hauptsportart Damenvolleyball war, aber der Verein pleite ist. Desweiteren waren manche Begegnungen einfach unansehnlich, aber mich haben Alessandria und Padua positiv überrascht. Ich kann mir durchaus vorstellen, diese beiden Mannschaften mal auswärts – Alessandria – und daheim – Padua – anzuschauen. Es war aber schön einfach ein wenig herumzureisen und sich Fußballspiele anzuschauen. Ihr könnt euch anhand der Bilder noch einen kleinen Einblick über die Fahrt verschaffen. Es wird auf jeden Fall nicht mein letzter Trip dieser Art gewesen sein. Vielleicht mal weiter in den Süden oder auch mal Serie B oder auch einfach ein ganz anderes Land. Mal schauen, was die Zukunft bringt.


Zurück