...und wir fahren überall hin für unser schönes Wien...

von Andreas König

Unter diesem Motto ging es für einen Killer Devil auf eine dreigeteilte Reise in deren Mittelpunkt Rapid Wien stand. Seit Anfang November fliegt Ryanair für wenig Geld von Nürnberg nach Mailand-Bergamo und nach Rom-Ciampiano - eine wudnerbare Sache für den italophilen Schreiber dieses Berichts. Nach der Auslosung der Begegnungen der Europa League wurde der Entschluss gefasst Rapid Wien einmal auswärts zu unterstützen. Die Wahl fiel auf das Spiel in Reggio nell’Emilia bei U.S. Sassuolo Calcio.

Nach dem kurzen Flug wurde ziemlich unkompliziert der Mietwagen geholt, um nach dem Einchecken entspannt nach Reggio zu kommen, was dann auch gelang. Vor Ort wurde das Ticket in Empfang genommen und nach einem Bier und einem Caffè Borghetti ging es auch schon zum Gästeeingang, der praktisch neben einer Eisenbahnlinie liegt. Relativ unproblematisch wurde das in großen Teilen unüberdachte Stadion betreten und es wurde sich ein Platz im Gästesektor gesucht. Geschätzt waren knapp zweitausend Rapidler mit Tagesflieger oder Bussen nach Norditalien gekommen.

Leider kamen die Aufforderungen der Vorsänger nicht so gut rüber, was die Stimmung und den Support ein wenig bremste, aber der größte Hemmschuh bildete die in roten Trikots auflaufende Mannschaft von Rapid. Es entwickelte sich auf dem Rasen eine niveauarme Partie, wobei beide Mannschaften nicht wirklich zu gefallen fielen. Die Italiener, deren Anhänger - wie zu erwarten - nur bescheiden vertreten waren und kaum Akzente setzen konnten, waren aber in der ersten Halbzeit die zielstrebigere Mannschaft, was sich auch an der 2:0 Halbzeitführung ablesen ließ. Den Rückstand hatte sich die pomadig spielende Rapidmannschaft aber auch selber zuzuschreiben. Der Sieger auf den Rängen war weiterhin klar Rapid, aber die Mannschaft konnte noch nicht wirklich ihre Chancen nutzen. Aber sie sollte sich in der berühmten Rapidviertelstunde durch die Joker Jelic und Kvilitaia noch einen Punkt sichern. Dieser Punktgewinn wurde von uns Fans wie ein Sieg gefeiert und trotz der durchwachsenen Leistung auf dem Platz wurde doch ein wenig gefeiert.

Da das Quartier in Bergamo aufgeschlagen wurde, ging es mit dem Mietwagen zurück nach Bergamo. Nach einem nächtlichen Spaziergang fand sich auch noch eine Bar für ein kleines Abendessen inklusive einem Glas Wein zum Abschied, denn am nächsten Vormittag ging es wieder zurück nach Deutschland, um den Ruhmreichen im Erzgebirge zu unterstützen. Dort wurde dann auch ein Sieg eingefahren und es ging nach einer durchwachsenen Leistung wieder zurück in heimische Gefilde nach Nürnberg, um am nächsten Morgen wieder auf Achse zu gehen. Das Ziel dieser Fahrt hieß W-I-E-N. Die Tickets für die West waren vorher schon organisiert worden und es sollte gleich zu Beginn ein weiteres Highlight anstehen. Kurzfristig ergab sich die Möglichkeit an einer Führung durch das Stadion und das Rapideum teilzunehmen. Dies wurde begeistert wahrgenommen, denn wann erhascht man schon einen Blick hinter die Kulissen. Gestartet wurde im Museum. Neben den Fans als 12. Mann bildete natürlich die Jahrhundertelf mit „Bimbo“ Binder, Hanappi, Happel, Herzog oder Panenka einen würdigen Rahmen für die Ausstellung. Bis auf die Schublade \"Niemals vergessen\", die sich mit dem Thema NS-Geschichte befasst, gehen alle Laden zu. Natürlich gab es auch ein Modell der Pfarrwiese - dem ersten Stadion der Rapidler im 14. Gemeindebezirk Hütteldorf. Zusätzlich gab es auch noch Videoaufnahmen zu einem Spiel gegen den AC Mailand in der Pfarrwiese und das Thema „Rapidviertelstunde“ wurde behandelt. Rapid ist ein Arbeiterverein und diese besaßen traditionell nicht viel Geld. Zu Beginn des Fußballs wurden die Stadiontore eine Viertelstunde vor Spielende geöffnet und dann strömten nochmal Leute ins Stadion und es wurde richtig laut. Dies ist eine Erklärung für die berühmte „Rapidviertelstunde“. Die Dauerausstellung ist wirklich sehenswert und mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit ging es in das Innenleben des Weststadions. Neben dem Pressebereich, der Kabine und dem heiligen Rasen stand auch der VIP-Bereich auf dem Tourplan. Manche Logen sind schon sehr gediegen eingerichtet z.B. im britischen Herrenclubstyle. Die West ist eigentlich die Südtribüne und vom alten Hanappistadion wurde auch ein Flutlichtmast übernommen, der als Erinnerung weithin sichtbar ist. Abschließend lässt sich zu der Tour sagen, dass sie sich auf jeden Fall lohnt, genauso wie ein Spaziergang durch den Fanshop. Rapid besitzt schon ein außerordentliches Sortiment an Merchartikeln, die auch v.a. durch Design zu glänzen wissen.

Nach ein paar Bierchen in einem Pub ging es zurück ins Hotel, denn morgen stand nach einem leckeren Frühstück noch ein Besuch in Schönbrunn auf dem Plan bevor es als letzten Höhepunkt auf die West in Hütteldorf ging. Über das Spiel an sich sollte man nicht allzu viele Worte verlieren. Das Spiel war statisch und die Spieler haben sich praktisch gar nicht bewegt. Die Leistung stellte sich als noch schlechter heraus, als unter der Woche in Reggio nell’Emilia. Ausgerechnet der an den Wolfsberger AC ausgeliehener Rapidspieler Prosenik erzielte eine Viertelstunde vor Ende den umjubelten Siegtreffer. Rapid bestimmte das Spiel, aber konnte einfach nicht genug Chancen generieren, die für wirkliche Gefahr sorgten. Zu Beginn gab es eine schöne dreiteilige Choreo des Blocks West bestehend aus Überziehfahnen, Fahnen, Doppelhaltern und Konfettikanonen. Die Choreo war ziemlich gelungen und auch der Support das gesamte Spiel drüber war auf relativ hohen Niveau. Aber dies ist ein typisches Charakteristikum des Block West. Nach dem Spiel wurde die Ablösung des sportlichen Leiters Andreas Müller gefordert. Unausgesprochen blieb dabei die Forderung nach der zusätzlichen Ablösung von Cheftrainer Mike Büskens. Das Präsidium sollte diesem lautstarken Wunsch der Fans am kommenden Tag nachkommen. Hoffen wir, dass es mit einer neuen Führung wieder aufwärts geht mit Rapid.

Auf der Heimfahrt ging es dann durch Schnee und Regen zurück in heimische Gefilde. Aber die nächste Reise zu einem Spiel von Rapid wurde schon fixiert. Es geht auswärts nach Salzburg.

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