This is Anfield…

von Andreas König

Nach meinem Kurztrip zur Jahreswende stand ein paar Tage später ein erneuter Flug nach Manchester auf meinem Zettel. Wenn man es recht bedenkt, hätte ich auch gleich oben bleiben können. Naja.
Lange habe ich mich auf diese Reise gefreut und endlich hatte ich die Möglichkeit, den mythischen Ground an der Anfield Road zu betreten und dort ein Spiel zu besuchen. Der Blick auf The Kop und auf die Fans, all das geisterte in meinem Kopf herum. Hinzu kommt die tragische Geschichte in Heysel und in Sheffield. Kurzum ein Verein mit viel Pathos, Patina und aktuell viel Geld und nicht so viel Erfolg. Interessanterweise ist der FC Everton der ursprüngliche Mieter des Stadions gewesen. Man überwarf sich jedoch mit dem Eigentümer und daraufhin zog dann der frisch gegründete FC Liverpool ein. Der FC Everton spielte zwischen 1884 – seinem Gründungsjahr – und dem Jahre 1892 an der Anfield Road und zog erst danach in den in Sichtweite liegenden Goodison Park um. Die sprichwörtliche Nähe beider Vereine zueinander zeigte sich also auch räumlich sehr gut.
Mit dem Zug ging es von Manchester aus in Richtung Liverpool. Rechtzeitig zum Anpfiff saß ich dann auch auf meinem Platz und konnte noch eine kleine Heimchoreo und den Einlauf der Mannschaft von meinem zentral gelegenen Platz beobachten. Durchgängigen Support o.ä. habe ich selbstverständlich nicht erwartet, aber für dieses Do-or-die-game in der dritten Runde des FA-Cup – immerhin der älteste Pokalwettbewerb – sorgte auf beiden Seiten bei dem Merseyside-Derby für Anspannung. Aufgrund des Pokalspieles war die gesamte Hintertortribüne gegenüber der Heimkurve in der Hand der Gästefans, die sich kontinuierlicher und lautstärker bemerkbar machten als die Heimfans. Fußballerisch sollte es auch ein wahrer Leckerbissen werden, aber erstmal hielten die Abwehrreihen stand. Beide Mannschaften erspielten sich Chancen, aber keine der beiden konnte die sich bietenden Chancen verwandeln. Zehn Minuten vor der Halbzeit gab es dann einen umstrittenen Elfmeter für die Reds, der dann auch zum Verdruss der Gästeanhänger versenkt wurde. Da der Elfmeter auf ihre Kurve ging, waren die Pfiffe gegen den Schützen entsprechend lautstark. Mit dieser schmeichelhaften Führung ging es für die Reds in die Halbzeitpause.
Mein Platz war derweil auf der neuen Haupttribüne und die Sicht und die Einrichtung war sehr gut. Ich war positiv überrascht und ich kann mir durchaus vorstellen, ein weiteres Mal an die Anfield zu kommen, aber die zweite Halbzeit hatte ich noch vor mir. Bei dem who’s who auf dem Platz konnte ich mir noch einiges erwarten und ich wurde nicht enttäuscht. Denn der Ex-Hoffenheimer Sigurðsson erzielte nach knapp zwanzig Minuten den vielumjubelten Ausgleich für die Toffees. Bei dieser Jubelarie hatten die Security durchaus ihre Probleme, aber ich habe den Anblick der wogenden feiernden Massen genossen und es erinnerte mich an meine eigene Begeisterung im Stadion, wenn die eigene Mannschaft das entscheidende Tor schießt. Alle erwarteten ein Unentschieden, jedoch war die Messe noch nicht gelesen und der teuerste Verteidiger aller bisherigen Zeiten Virgil van Dijk, erzielte in der 84. Minute den umjubelten Siegtreffer per Kopf für die Reds.
Mit einem Lächeln ging es danach zügig zurück mit dem Bus und dem Zug nach Manchester, um dort nach einem letzten Bier den wohlverdienten Schlaf zu genießen. Denn der folgende Tag sollte auch wieder länger werden.
Am nächsten Tag stand ein selten möglicher Doppler auf dem Programm. Der erste Stopp des heutigen Tages war Ipswich, um dort das Spiel zwischen Ipswich Town und Sheffield United im FAcup zu verfolgen. Wie am Vortag war auch dies eine Begegnung zwischen zwei Ligakonkurrenten. Wobei, wie bereits berichtet, Sheffield United ein Aufsteiger aus der League one ist. Vorteilhafterweise lag das Stadion in Sichtweite vom Bahnhof und nach einem gemütlichen Spaziergang durch die Innenstadt Ipswichs ging es auch zeitig ins Stadion, um sich auf die engen Plätze zu quetschen. Neben einem kalten Wind führte auch das Spiel nicht gerade zu Jubelarien auf den Tribünen. Es plätscherte nur so dahin und Ipswich konnte seine Chancen nicht nutzen und hätte auch noch länger weiterspielen können, ohne auch nur ein Tor zu erzielen, da die herausgespielten Chancen eher schlecht waren oder kläglich vergeben wurden. Somit war es auch nur folgerichtig, dass der Gast Mitte der ersten Halbzeit das einzige Tor der Begegnung erzielte und schlussendlich in die nächste Pokalrunde einziehen sollte. Immerhin gab es einen gescheiten Cider im Stadion, auch wenn es traditionell nicht möglich war, alkoholische Getränke in den Stand mitzunehmen.
Das weitere Ziel des Spieltags bildete mit Norwich eine Stadt und ein Verein, der u.a. gegen die Bayern in den 90igern international gespielt hat, und aktuell auch in der zweiten englischen Liga spielt. Bei meinem ersten Spielbesuch in England supporteten die Fans der Canaries in der alten White Hart Lane für englische Verhältnisse sehr beeindruckend. Dank dieses Spieles hatte ich die Möglichkeit an Tickets für das Spiel gegen Chelsea zu kommen. Leider verpasste ich aufgrund einer kleinen Verspätung und auch einem erzwungenen Spaziergang rund um das Stadion die ersten Minuten, aber ich habe glücklicherweise keine Tore verpasst. Bei Norwich City spielen aktuell einige bekannte Gesichter aus Deutschland und dem Frankenland. Nur um ein paar Namen zu nennen: Timm Klose, Tom Trybull, Antonio Rüdiger, Mario Vrančić oder Christoph Zimmermann. Die eindeutige Favoritenrolle oblag selbstverständlich Chelsea, jedoch hielt ein aufopferungsvoll kämpfendes Norwich die 0 und konnte seine eigenen Chancen leider auch nicht so nutzen, wie gewünscht, so dass es am Ende ein hervorragendes 0:0 wurde, dem es jedoch nie an Spannung und Unterhaltung mangelte. Da der Zug erst recht spät fuhr, ging es noch zum gemütlichen Essen und Cocktail trinken in ein örtliches Pub, um dann nach Southend zu fahren. Nach einer kurzen Nacht flog ich anschließend nach Manchester, um dann mit dem geliebten Irenbomber zurück nach Nürnberg zu gelangen. Am Folgetag ging es mit dem gleichen Anbieter dann gen Trainingslager, aber dazu in einem späteren Bericht mehr.

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