Theatre of Dreams and the class of `92

von Andreas König

Zum Jahresbeginn gab es mit dem Derby della lanterna ein erstes Highlight und zum Jahresschluss habe ich mir ein weiteres Highlight rausgesucht: Das „Theatre of Dreams“ genannte Old Trafford und die Heimstätte von Manchester United, welches unter Sir Alex Ferguson seit der Einführung der Premier League 1992 eine wahrhafte Erfolgsgeschichte ist. Dabei fällt natürlich jedem das CL-Finale in Barcelona gegen den FC Bayern München ein, welches mit den Spielern der Class of `92 u.a. Butt, Beckham, Nevillebrüder, Giggs und Scholes kurz vor Schluss gedreht werden konnte.
Dank der kostengünstigen Ryanairflüge ging es nonstop nach Manchester über den Kanal. Das Quartier lag in dem berühmtberüchtigten Cheetham Hill. Nach einem leckeren Imbiss wurde der erste Abend noch in einem Pub würdig beendet, denn die nächsten beiden Tage standen voll unter der Überschrift Fußball.
Der erste Stopp des Tages und ein erstes richtiges Highlight waren das Museum und die Stadionführung im Old Trafford. Die Trophäensammlung war schon sehr beeindruckend, darunter Klassiker wie Champions League, FA Cup etc. und außerdem berühmte Namen wie Cantona, Best, Schmeichel oder Charlton, die die Historie des Vereines geprägt haben. Aus dieser Geschichte sticht jedoch der 6. Februar 1958 tragisch hervor. An diesem Tag flogen die „Busby Babes“ von ihrem Viertelfinalrückspiel bei Roter Stern Belgrad mit einem Tankstopp im winterlichen München-Riem nach Manchester. Nach zwei gescheiterten Startversuchen kam es beim dritten Startversuch zur Katastrophe bei der Duncan Edwards neben sieben weiteren Spielern und fünfzehn Passagieren ihr Leben lassen mussten. Damit ging dieser Tag sowohl in die Geschichte von Manchester United als auch in die Geschichte von Flugzeugunglücken mit Fußballvereinen (u.a. AC Turin) ein.
Interessanterweise gibt es weiterhin einige ursprüngliche Einlassdrehkreuze aus der Zeit von 1909, dem Jahr in dem Old Trafford erbaut worden ist. Die eigentliche Führung brachte uns ziemlich schnell durch die Katakomben zum Spielfeld. In dieser Ruhe war es schon beeindruckend und man konnte die Geschichte regelrecht atmen. U.a. dürfen keine Kaugummis auf den Tribünen gekaut werden, dafür gibt es an jedem Eingang ein dazugehöriges Auffangbehältnis. Natürlich haben in diesem Stadion auch berühmte Spieler oder Verantwortliche ihre Bereiche oder nach Ihnen wurden u.a. Tribünen benannt z.B. Sir Alex Ferguson Stand. Dieser Rundgang hat mich sehr beeindruckt und empfehle ich jedem, der in Manchester ist, an diesem teilzunehmen.
Nach einer Stärkung an einem riesigen Buffet ging es weiter in Sachen Fußball. Das Ziel war das National Football Museum, welches sich natürlich verschiedenen geschichtsträchtigen Ereignissen im positiven (z.B. WM 1966) oder negativen Sinne (z.B. Hillsborough) beschäftigt. Das Museum ist sehr interaktiv aufgebaut und bietet viele Themen, bei denen auch Kinder aktiv werden können. Es lohnt sich auf jeden Fall und bringt viele Ereignisse des britischen Fußballs den Besuchern näher.
Aber auch das war noch nicht das Ende mit Fußball für diesen Tag, denn es stand noch das Spiel zwischen dem FC Rochdale und Shrewsbury Town in der League one an. Wie bereits mit Southend United vs. FC Millwall wurde also erneut ein Drittligaspiel in England besucht. Im Umfeld dieses Spieles wurden auch mehrere Hopper aus Deutschland gesehen, da sich das Spiel einfach angeboten hat, wenn man Silvester in Manchester verbrachte. Das Stadion war auf einer Anhöhe und hatte eine Bar mit grichtig großer Auswahl zu humanen Preisen. Mein Ticket hatte keinen festen Sitzplatz, so dass ich mir auf der Haupttribüne später einen Platz zwischen verschiedenen Dauerkartenplätzen, die mit reserviert Schildern beschriftet wurden, suchen musste. Die Stehtribüne zu meiner linken war eine klassische zweireihige Tribüne und war recht gut besucht, wohingegen die Gäste zentral auf der Gegentribüne untergebracht werden. Über das kulinarische Angebot sage ich trotz dessen Konsum nichts, auch wenn die 50cm-Wurst imposant war.
Das Spiel wog hin und her, wobei die Heimmannschaft auch aufgrund des Tabellenstandes eine gewisse Feldüberlegenheit aufweisen konnte. Dies zeigte sich u.a. dadurch, dass die beiden Tore für die Heimmannschaft in den ersten dreißig Minuten gefallen sind, denn v.a. in der zweiten Halbzeit erlahmte das Spielniveau der Heimmannschaft, da sie ihre Chancen nicht konsequent zu Ende gespielt hat. Dies führte in beste Fußballmanier dazu, dass kurz vor Ende Shrewsbury noch verkürzen konnte und es dadurch noch einmal spannend wurde. Jedoch fiel kein weiteres Tor, so dass die Heimmannschaft mit einem Heimsieg das alte Jahr abschließen konnte.
Mit dem Abpfiff ging es zu Fuß zurück zum Bahnhof, um mit einer Anzahl anderer Fußballinteressierter zurück nach Manchester zu fahren. Der Abend fand bei einem leckeren Cider noch sein verdientes Ende. Silvester und der Jahresabschluss stand nun an. Dazu bedarf es natürlich eines Highlights. Da ein Doppler mit Liverpool vs. Manchester City aus zeitlichen Gründen nicht möglich war, gab es nur das Spiel zwischen Man United und Middlesborough FC. Im Gegensatz zu deutschen Stadien kommen in England (wie auch in anderen Ländern) die Fans erst kurz vor Spielbeginn ins Stadion. Zu Beginn hatte ich noch Angst, dass ich zu spät im Stadion bin, da ich mich eine halbe Stunde vor Anpfiff aus dem Pub auf den Weg zu meinem Platz gemacht habe, aber ich war noch rechtzeitig am Platz, trotz eines Aufstiegs, der treppenmäßig dem Oberrang von Lautern Konkurrenz machen könnte. Von hier aus hatte ich einen guten Blick auf das Geschehen im Gästeblock und auf das Spielfeld, da ich zentral im Oberrang hinter dem Tor saß.
United war gegen den Aufsteiger klar spielbestimmend und ein reguläres Tor vom Zlatan wurde wegen angeblicher Verletzung von Victor Valdes im Tor von Borough aberkannt. Dabei sprang Zlatan weit früher ab und berührte Valdes nur geringfügig, was eine Aberkennung nicht gerechtfertigt hätte, aber so ging es torlos in die Halbzeit.
Der Gast konnte immer wieder Nadelstiche setzen und ging über einen hervorragend vorgetragenen Konter mit 1:0 Mitte der zweiten Halbzeit in Führung, was im Gästebereich natürlich frenetisch gefeiert wurde. Mit immer weiterem Verlauf des Spieles wurde die Sensation immer möglicher. Doch United wäre nicht United, wenn sie am Ende ihre Überlegenheit doch noch ausspielen konnte. Auch in diesem Falle sollte dies noch kurz vor Schluss innerhalb von zwei Minuten mit zwei Toren klappen. Die Torschützen waren Martial und Pogba, was auf den nahezu ausverkauften Rängen für Jubelstürme sorgte.
Die Atmosphäre hat mich doch in ihren Bann gezogen und die Anfeuerung war besser als erwartet, denn im Gegensatz zu Tottenham wurde hier bei United in unregelmäßigen Abständen gesungen.Mit diesem Hochgefühl ging es zur Vorbereitung auf den Silvesterabend zurück nach Cheetham Hill, um am späteren Abend den Start in das neue Jahr mit der Besichtigung des Feuerwerks einzuläuten. Der Manchester Unitedfan „freute“ sich natürlich über die Niederlage des Stadtrivalen beim FC Liverpool, den United dank Fergie als Rekordmeister abgelöst hatte. Denn was hatte Liverpool schon seit 1990 u.a. mit Gerrard in der Premier League gewonnen? Nichts...
Trotz eingeschränktem ÖPNV ging es aus dem relativ warmen circa 8 Grad und regnerischen Manchester zurück in die Heimat, die einen mit ganz anderen Temperaturen empfing.
Auch wenn meine erste Liebe was ausländischen Fußball betrifft das wärmere Italien ist und auch bleiben wird, so wird es mich auch immer wieder auf die Insel ziehen v.a. in der Winterpause. Denn dort wird neben Dart zu dieser Zeit immer auch Fußball gespielt und was will ein Fußballfan am liebsten??? Fußball schauen…

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