Sizilianische Erlebnisse

von Andreas König

Mit dem Saisonende ging es auch wieder in den Urlaub nach Italien. Dieses Mal stand Sizilien auf der Tagesordnung, um u.a. das Stadion vom Absteiger Palermo zu sehen.
Über Bergamo erreichte ich Palermo und nach einem entspannten Einchecken spazierte ich durch die Straßen, um wieder ein Gefühl für das Flair der Stadt zu bekommen. Immerhin sind sechs Jahre seit meinem bisher einzigen Besuch vergangen. Bei einer leckeren Fischmahlzeit ließ ich den Abend ausklingen, um mich am nächsten Tag um die Eintrittskarte zu kümmern und den Dom von Monreale zu besichtigen. Der Blick von Monreale runter auf die Stadt war atemberaubend und ich konnte mich nicht sattsehen an der Aussicht. Jedoch ging es schweren Herzens zurück, um Kraft für den nächsten Tag zu sammeln.
Dort stand neben Strand noch das Thema Monte Pellegrino auf dem Plan, wobei ich ein gutes Stück des Weges heruntergelaufen bin, um nun die andere Sicht auf die Stadt und Hafen zu erhalten. Der Tag klang mit einem Besuch des Strandbades Mondello aus und ich freute mich schon auf den Sonntag, denn dort sollte ein Doppler anstehen. Mit dem Mietwagen ging es vom Flughafen in Richtung Landesinneres, wobei die Straßen immer kleiner wurden und am Ende hatten sie gar keine Namen mehr. Dementsprechend war auch der Zustand oder es gab Ausweichflächen auf Kiesbasis. Das absolute Highlight der Hinfahrt ereignete sich nach einer kurzen Tunneldurchfahrt. Nach einer Rechtskurve stand ich plötzlich mitten in einer Schafsherde und dank des Hirten war die Situation zwar schnell wieder geklärt, aber ein kleiner Schreckmoment war es dennoch. So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Die Fahrt erinnerte eher an eine Rallyefahrt, aber es war irgendwie ein erhabenes Gefühl durch diese Landschaft zu fahren. So erreichte ich mit genügend Puffer Agrigent und nach erfolgreicher Parkplatzsuche wurde im Rahmen der Stadionumrundung für die unüberdachte Gegengerade ein Ticket gekauft. Zielstrebig suchte ich für eine kleine Stärkung die einzige Bar rund um das Stadion auf und genoss ein Panino und ein Wasser zwischen einheimischen Fußballfans. Frisch gestärkt ging es die paar Meter in Richtung Stadion und da es sich um ein Abstiegsrelegationsspiel der dritten Liga handelte, war auch ein bisschen Polizei vor Ort, aber auch einige Heimfans.
Am Eingang wurde ich nach Vorlage meiner Eintrittskarte inklusive Ausweis auf Deutsch angesprochen und es wurde mir viel Spaß gewunschen. So machte ich es mir in der Sonne auf den einfachen Betonplätzen gemütlich und harrte der Dinge, die da kommen würden. Während sich die Heimtribüne immer weiter füllte, waren es bei den Gästen aus Melfi – Region Basilikata – knapp fünf bis zehn Fans. Im Gästeblock waren auch gefühlt ebenso viele Ordner dabei. Je näher die Uhr sich dem Anstoß näherte desto voller wurde das Stadion und im Heimblock wurden Zettel verteilt, um am Ende eine kleine Zettelchoreo in den Vereinsfarben zu entwickeln. Die Choreo klappte auch problemlos, da die Heimkurve gut gefüllt war. Gleich mit dem Anpfiff legten auch knapp 100 Mann direkt hinter dem Tor mit dem Support los. Erwartungsgemäß war von den wenigen Gästen nichts zu hören, da im Stadion knapp 2000 Leute anwesend waren. Akragas als Gastgeber gab auch von Anfang an Vollgas, aber bei einem Drittligaabstiegsrelegationsspiel durfte man auf keinen großen Fußball hoffen. Jedoch jubelten nach neun Minuten die Gäste, da Riggio den Ball in den eigenen Maschen versenkt hat. Somit wäre aktuell Melfi weiterhin in der dritten Liga und Akragas wäre abgestiegen.
Ein netter Nebenaspekt der Hitze war, dass die Betreiberfamilie circa alle zehn Minuten die beiden Söhne mit einem Einkaufswagen die Gegengerade entlang geschickt hat, damit diese Chips, Softdrinks und Wasser verkauften. So etwas gibt es halt auch nur in alten Stadien. War einfach eine super Atmosphäre. Die Heimfans ließen mit dem Support nicht nach und deren Mannschaft übernahm auch wieder das Zepter, aber bis zur Halbzeit konnten sie nichts zählbares erringen. So ging es etwas ernüchtert in die Pause.
Die zweite Halbzeit begann wie die Erste mit einer versuchten Drangphase der Heimmannschaft, aber auch die Gäste aus Melfi kamen immer wieder gefährlich vor das Tor, doch es fiel lange kein Treffer und so ging es in die Schlussviertelstunde. Da ich noch nach Palermo zurückmusste, wurde es langsam eng, aber ich sah noch den Ausgleichstreffer für Akragas. Kurz danach war für mich dann auch schon Schluss, aber glücklicherweise fielen keine weiteren Tore mehr. So blieb Akragas aufgrund der besseren Tabellensituation nach der Saison 16. vs. 19. in der dritten Liga und Melfi muss in die vierte Liga absteigen.
Im Auto hörte ich das letzte Spiel von Totti und seiner Roma, die das Spiel in den letzten Minuten - leider ohne Tottitor - für sich entscheiden konnte und somit nächste Saison wieder CL spielen wird. Mein Navi zeigte mir genug Puffer an, der sich auch in der ersten Stunde nicht veränderte, aber dann gingen die Baustellen los und die Zeit rann mir sprichwörtlich wie Sand durch die Finger. Die Zielankunft war nun nicht mehr kurz vor 20 Uhr, sondern am Ende wurde es 20:20 Uhr, als ich im Zentrum von Palermo angekommen war. Dank einer aufwerksamen Person, die dafür natürlich auch entlohnt werden wollte, fand ich noch eine Lücke in Stadionnähe und erreichte meinen Stadionbereich pünktlich auf die Minute. Da das Stadion jedoch recht leer war setzte ich mich einfach hin. Die Konstellation zu Spielbeginn gestaltete sich folgendermaßen: Sollte Empoli beim bereits feststehenden Absteiger U.S. Palermo verlieren und Crotone gleichzeitig gegen Lazio gewinnen, würde Empoli absteigen und nicht Crotone. Crotone hatte sich durch eine unbeschreibliche Rückserie diese Möglichkeit erspielt, denn nach der Hinrunde mussten sie ihren einzigen bekannten Spieler Rafaele Palladino an den CFC Genua abgeben und hatten zusätzlich bis dahin auch nur 9 Punkte gesammelt.
Leider ist in Palermo die Nordkurve zerstritten und es gibt zwei Gruppen, die auch nicht aufeinander zugehen. Zu Beginn boykottieren beide und die Gruppe im Oberrang präsentiert auch Spruchbänder. In der ein oder anderen Situation spürt man jedoch, was in der Kurve möglich wäre, wenn mehr Fans dabei wären und die Kurve somit auch ausverkauft wäre. Aus der toskanischen Stadt haben auch nicht sehr viele Fans die Reise nach Sizilien auf sich genommen. Zur Halbzeit stand es in Palermo, welches sich durchaus bemüht hatte und in einem niveauarmen Spiel die bessere Mannschaft stellte, als einziges Spiel noch torlos 0:0. In allen anderen Stadien sind bis dahin Tore gefallen, so auch bei Crotone gegen Lazio. Crotone ging mit einem 2:1 in die Halbzeit und in der zweiten Halbzeit musste Lazio auch noch mit einem Mann weniger spielen, da Bastos kurz vor dem Halbzeitpfiff mit gelb-rot zum Duschen geschickt worden war.
Bis zur 76. Minute steuerten wir auf ein torloses Remis hin, aber dann erzielte Palermo innerhalb von acht Minuten zwei Tore und durch die gleichzeitige Führung von Crotone wäre Empoli abgestiegen. Wobei das 2:0 ein klarer Torwartfehler war und er bei einem Pass dem Gegenspieler den Ball praktisch in den Fuß spielte. Dieser konnte mit einem wunderschönen Lupfer die Führung ausbauen. Kurz nach dem 2:0 konnte Empoli noch verkürzen, aber es reichte nicht mehr, so dass das Märchen von Crotone in die zweite Saison geht und Empoli erneut den Gang in die Serie B antreten darf.
Die Gruppe im Unterrang bot in der zweiten Halbzeit ab und zu ein schönes Fahnenmeer und hatte auch Besuch da. Aber sonst blieben beide Bereiche bis auf eine kleine Pyroshow recht ruhig. Die paar kurzen Auftritte ließen schon erahnen, was für ein Potential in der Kurve vorhanden wäre. Schade eigentlich, dass es so um die Kurve steht.
Am nächsten Morgen brachte ich noch den Mietwagen zurück zum Flughafen und meisterte dabei auch den palermitanischen Berufsverkehr. Gegen Nachmittag ging die Reise nach Catania an den Fuße des Ätnas weiter, um dort noch zwei Tage zu verbringen, um dann Rapid im Cupfinale zu unterstützen, aber das ist eine andere Geschichte.

Akragas wird mich definitiv noch einmal sehen und Catania, Messina und Trapani stehen auf der Insel auch noch aus.

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