Südländische Schönheiten...

von Andreas König

...sind besonders reizvoll, da ihr Charme und ihre Bellezza nicht unbedingt immer auf den ersten Blick zu erkennen sind.
Meine Basis bildete für das anstehende Wochenende Neapel. Der vorherige Mietwagen wurde von mir am Freitagfrüh in Bergamo am Flughafen abgegeben und dann ging es dank Italo zügig nach Neapel. Mein Host in der Altstadt war überaus freundlich und ich habe ein schönes Quartier über das Wochenende in Neapel gehabt. Leider bekam ich im VVK für das Topspiel zwischen Napoli und Juve kein Ticket, da diese nur an Td-Tinhaber o.ä. gingen. Somit beließ ich es bei einem kurzen Besuch am Stadion und schaute das Spiel entspannt in einer Bar. Die nächsten Tage sollten jedoch mit zig neuen Stadien auf mich warten, womit ich das verpasste Spiel in gewissen Teilen verschmerzen konnte. Neapel wird mich aufgrund der riesigen Auswahl auch an unterklassigen Vereinen definitiv noch einmal sehen. Für das anstehende Wochenende hatte ich mir wieder einen Mietwagen gebucht, den ich mir am Flughafen inklusive verpflichtenden Schneeketten abholte. Zwar bin ich kein Freund von Alleinfahrten, aber wie in Oberitalien in dem Bericht über die Pokalspiele erwähnt, ging es nicht anders. Am Samstag stand nur das neue Fertigbaustadion in Frosinone auf dem Plan. Vorher habe ich mich aber noch für einen Abstecher zum historischen Monte Cassino und dessen Kloster entschieden und habe meinen Fiat Tipo die Kehren hochgeprügelt. Wie habe ich es vermisst in den Bergen zu fahren. Die kleine Stippvisite habe ich nicht bereut und danach ging es frohen Mutes weiter nach Frosinone. Vom Stadion etc. habe ich mir nicht viel erwartet und so kam es dann auch. Zu allererst habe ich mir ein Ticket für die Gegengerade besorgt. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn gab es nicht einmal mehr Panini, so dass ich mich mit einem mittelmäßigen Hotdog zufriedengeben durfte. Die Ausstattung mit sanitären Anlagen ließ für meinen Teil zu wünschen übrig, da es für die gesamte Gegengerade gerade einmal zwei Toilettenbereiche mit ein oder zwei WCs gab. Scheinbar rechnen die Betreiber nicht mit vielen Zuschauern auf der Gegengerade ihres knapp 15.000 Mann Stadions. Scheinbar ist es gerade in Italien Mode neue Stadien mit bunten Sitzen auszustatten. Nach Udine fand ich nun das zweite Stadion mit bunten, wenigstens nur in den Vereinsfarben gehaltenen, Sitzen vor.
Das Spiel zwischen einem Aufstiegsfavoriten und einem aktuellen Kellerkind aus Cesena wurde fußballerisch ein wahres Spektakel. Von beiden Fanszenen hatte ich mir nicht viel erwartet, aber es war zumindest in Teilen besser als ich erwartet hatte. Gefühlt hatte das Spiel alles was ein rassiges für den neutralen Zuschauer interessantes Spiel brauchte. Wobei der Schiri gefühlt nicht immer die richtige Entscheidung traf. Aber ich will noch nicht zu viel vorwegnehmen. Die Hausherren legten ordentlich los und erspielten sich auch die ersten Chancen, jedoch fiel die Führung nach knapp 20 Minuten auf der Gegenseite, da die Abwehr der Gastgeber alles andere als sattelfest war und immer wieder durch Fehler dem Gegner Chancen ermöglichte. Jedoch währte die Freude bei den Gästen nicht lange, denn praktisch im Gegenzug konnte Frosinone ausgleichen. Wer dachte, dass die Heimmannschaft wieder das Zepter an sich reißen würde und dann auch noch die Führung erzielen würde, sah sich getäuscht, denn wieder gingen die Gäste in Führung. Nach einer unübersichtlichen Situation bei der plötzlich ein Spieler der Heimmannschaft liegen blieb, gab es den ersten Platzverweis des Tages und einen Elfmeter, der zum Halbzeitstand von 2:2 verwandelt wurde. Die gesamten Fußballphrasen könnten jetzt bedient werden, denn sie trafen am Ende zu. Zwar gelang der Heimmannschaft die erstmalige Führung, aber auch durch einen zweiten Platzverweis ließen sich die Seepferdchen nicht beirren und erzielten den für sie vielumjubelten Ausgleich. Aufgrund dieser Leistung wurde die Mannschaft Frosinones beim Weg in die Kurve von ihren Fans gnadenlos ausgepfiffen. Mit ein paar Abschiedsfotos ging es für mich nach einem kurzen Einkauf in einem nahen Supermarkt zurück nach Neapel. Entgegen dem Vorschlag meines Hosts habe ich mir keinen Parkplatz in Materdei gesucht, da ich den Fahrern und mir nicht zu 100 % traute. Daher steuerte ich ein Parkhaus an und leistete mir darin einen Parkschein, der geringer ausfiel als erwartet. Jedoch ersparte ich mir die Rumfahrerei in den Altstadtgassen und kam nach einem kleinen Spaziergang am nächsten Morgen problemlos zu meinem Auto, um dann in meinen kampanischen Dreier zu starten. Der, wie sich im weiteren Tagesverlauf herausstellen sollte, historisch werden würde. Dies konnte ich aber zu dieser Zeit natürlich noch nicht wissen. Nach einem Foto vom schneebedeckten Vesuv ging es über die Autobahn in die Berge und ich wurde von großen Hinweisschildern darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch bitte Winterreifen und Schneeketten ab einer bestimmten Ausfahrt dabeihaben sollte. Meine frühzeitige Abfahrt sollte sich im weiteren Verlauf als Segen herausstellen. Da mich mein Weg nach Benevento über Avellino führte, legte ich einen Stopp am Stadion ein und erstand mein Tribünenticket für den späteren Nachmittag, denn die Fahrzeit zwischen Benevento und Avellino erlaubte diesen Doppler, aber viel Zeit hatte ich nicht. Meinem Handynavi folgend fuhr ich auf eine Nebenstraße, die immer enger wurde und mich dann trotzdem noch auf die Hauptstraße führte, aber teilweise waren die Straßenverhältnisse ähnlich gut wie in Sizilien im Sommer. Der Wetterbericht für die Region sagte für den weiteren Tagesverlauf auch Regen voraus, was in Italien immer zu Pfützen o.ä. führt, da der Abfluss des Regenwassers nicht immer perfekt funktioniert.
Je näher ich Benevento kam, umso mehr stieg die Vorfreude in mir, da ich trotz des Ticketpreises gespannt war, was die fliegende Hexe zu bieten hat. Fotos vom Stadion hatte ich in der Vorbereitung gesichtet. Der Verkehr wurde mit zunehmender Nähe zum Stadion immer dichter, so dass ich mich für einen Stellplatz im Wohngebiet entschied. Das Essen außerhalb des Stadions auslassend machte ich mich nach ein paar Erinnerungsfotos auf den Weg zum Eingang. Die vereinseigenen Ultras sorgten für einen kurzfristigen Einlassstopp beim Passieren meines Zugangsbereiches. Traditionell teste ich gerne mal die lokalen Speisen in den Stadien. Die Wurst hat mich nicht wirklich vom Hocker gehauen, aber ich hatte schon weit schlechtere. Aufgrund des Gegners und der historischen Erstligazugehörigkeit war die altehrwürdige Spielstätte ausverkauft. Ein Ehepaar mit ihrem Kind saß in Teilen auf meinem Platz und auf ihre freundliche Nachfrage wechselte ich Block und Platz und hatte statt eines Print@hometickets ein offizielles Ticket in der Hand. Anstelle meines Platzes neben den Gästen saß ich nun neben der Heimkurve und hatte aber auch einige Milanisti in meinem Block. Dies sollte bei der Gästeführung zu einer gewissen Unruhe führen. Die Mannschaft des ehemaligen Milanidols und neuen Milantrainer Gattuso spielte recht gut, aber es ergaben sich immer wieder Chancen für die Gastgeber, die bis dahin noch ohne Punktgewinn waren. Durch teilweise übermäßigen Jubel und Gesten in Richtung Heimblock waren die Heimtifosi von Groß bis Klein aufgebracht und zeigten sehr gestenreich, was sie von den Gästen aus dem reichen Norden hielten, als kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit Milan in Führung gehen konnte. Dies führte dazu, dass ein örtlicher Gendarm einen der Gästeprovocateure aus dem Block begleitete. Interessanterweise waren im unteren Tribünenbereich der Heimkurve die Sitzplätze ohne Sitze ausgestattet. Die Sitzplätze inklusive Nummer waren auf die Stufen und die Sitzreihen aufgemalt. So etwas habe ich auch nie erlebt gehabt. Hatte aber einen interessanten südländischen Charme. Wer dachte, dass Milan mit dieser Führung im Rücken Benevento eine deutliche Klatsche beibringen würde, sah sich getäuscht, denn kurz nach Wiederanpfiff gelang den Gastgebern dank des Rumänen Puşcaş der vielumjubelte Ausgleich. Weiterhin ging es hin und her und kurz danach erzielte Kalinić die erneute Führung für die Gäste aus der Lombardei. Nun werden die Jungs des großen AC Milan das Spiel doch entspannt runterspielen und mit 3 oder 4:1 gewinnen. Nein, so sollte es nicht ausgehen, denn mit der gelb-roten Karte für Romagnoli mit Beginn der Schlussviertelstunde dezimierte sich Milan selbst. Der Wille der Gastgeber war ungebrochen und mit Ende der Verlängerung gab es eine Ecke für die zahlenmäßig überlegenen Gastgeber. Diese sollte dank des Torhüters Brignoli zum umjubelten Ausgleich führen. Das Stadion stand im wahrsten Sinne Kopf, leider konnte ich diese Emotionen nicht sehr lange genießen, denn für mich hieß es nun im Sauseschritt zum Auto und dann zurück nach Avellino.
Leider hing über Avellino eine Regenwolke, was mich aber nicht weiter betraf, da ich mir einen überdachten Sitzplatz besorgt hatte. Die Fans der Lupini beeindruckten mich auch daheim, da ich sie bisher nur auswärts gesehen habe und auch das schon über zwei Jahre her war. Wie erwartet waren maximal fünfzehn Fans aus Carpi gekommen, die in ihrem umzäunten Bereich ausharrten. Das heute knapp über 10.000 Zuschauer fassende Stadion beherbergte zwischen 1978 und 1988 um die 42.000 Zuschauer. In diesen Jahren spielte Avellino in der Serie A. Interessanterweise wurde in diesem Stadion auch schon am 5. Februar 1986 ein Freundschaftsspiel zwischen Italien und Deutschland ausgetragen, welches Deutschland mit 2:1 gewinnen konnte. Daneben fand am 16. Mai 1990 das Rückspiel des UEFA-Cupfinales zwischen dem AC Florenz und Juventus Turin in diesem Rund statt. Auch wird mit einem Gedenkstein an die Opfer von Heysel erinnert. Soweit ein kurzer historischer Exkurs. Bereits nach 10 Minuten gingen die Gastgeber in Führung, die auch bis zur Halbzeit bestand haben sollte. Durch den Regen war das Geläuf nicht immer leicht. Einmal sorgte der Heimtorwart mit einem Ausflug für Schnappatmung bei den Heimfans. Das Spiel verflachte und die Angriffsbemühungen waren teilweise mehr Stückwerk, aber 12 Minuten vor Schluss gelang den Gästen noch der Ausgleich, was auch der Entstand sein sollte. Auf Seiten der norditalienischen Gäste spielte ein ehemaliges Clubeigengewächs mit Tobias Pachonik durch. Seine Vorlage konnte Mbakogu unhaltbar für den Heimkeeper verwerten.
Nach dem Spiel ging es gemächlichen Schrittes zurück zum Auto, da am Abend noch ein drittes Spiel auf dem Plan stand. Auf dieses freute ich mich nach der Terminierung besonders, da ich von Juve Stabia schon viele Videos, Berichte und Fotos gesehen hatte. Da das Spiel in Castellammare di Stabia erst um 20:30 Uhr angepfiffen wurde, hatte ich genug Puffer, um dorthin zu kommen. Durch einige Pfützen und über Landstraßen erreichte ich endlich den Ort. Aufgrund der Dunkelheit konnte ich wenig vom Charme der Stadt mitkriegen. Dies sollte sich bei der Einfahrt in die mit Weihnachtslichtern herrlich geschmückten Straßen des Ortes ändern. Nach einigen Irrungen durch die engen Straßen der Stadt fand ich in unmittelbarer Nähe zum Stadion einen Parkplatz. Gleich darauf hielt ein älterer Mann auf einem Moped neben meinem Auto und erwünschte sich 2 € „Schutzgeld“ fürs Parken. Nachdem auch diese abgedrückt waren, ging es auf die Suche nach einem Ticket. Das Tickethäuschen am Stadion gab nur die reservierten Pressekarten heraus. Dank meiner Italienischkenntnisse wusste ich ziemlich schnell, dass ich in eine nahe gelegene Bar gehen muss, um mir mein Ticket zu besorgen. Typisch Italien eben. Die junge Dame an der Kasse druckte mir meine Karte aus und nach einem leckeren Kaffee machte ich mich noch auf die Erkundung der Umgebung des Stadions. Dabei fiel mir ein hervorragend gestaltetes Graffiti mit Andy Cap ins Auge. Frisch gestärkt betrat ich das Stadion. Mit einem guten Polster betrat ich die Tribüne und postierte mich in Blickrichtung Heimkurve, die sich kontinuierlich füllte. Der Gästesektor war noch verweist, aber ich hatte mir schon Gäste erwünscht, diese sollten auch kurz nach dem Anpfiff den Block betreten. Mit Einlauf der Mannschaft – siehe Video – legte die Heimkurve mit Fahnen, Rauch und Blinkern ein gutes Intro hin, welches mir sehr gut gefallen hat. Leider konnten die Gastgeber ihre Überlegenheiten nicht wirklich in Tore ummünzen, so dass kurz vor der Halbzeit der Schock durch die Führung für die Gäste aus Caserta fiel. Aufgrund des späten Anstoßes und der Jahreszeit war es im Stadion nicht wirklich warm, aber meine Stimmung und die der Heimfans stieg in der zweiten Halbzeit, da es den Gastgebern gelang das Spiel zu ihren Gunsten zu drehen. Dabei flogen die Heimtifosi praktisch durch den Block. Es war ein wahnsinniges Schauspiel, aber leider durften die Gäste auch noch einmal jubeln und somit ging es mit einem Unentschieden für mich zurück nach Neapel. Zusätzlich habe ich viele neue Eindrücke sammeln können und der Entschluss war auch rasch gefallen nochmal nach Castellammare und auch nach Benevento zu fahren, wobei Benevento definitiv erst wieder in der zweiten Liga, wenn die Eintrittspreise moderater waren.
Die Rückgabe des Mietwagens am Flughafen gestaltete sich vollkommen stressfrei, nur habe ich leider meinen letzten Bus in Richtung Stadt verpasst, weswegen ich auf ein Taxi umsteigen musste. Dabei fühlte ich mich klassisch ein wenig über den Tisch gezogen, da er mich erst eingesammelt hat und nach einer kurzen Zeit ausstieg, um was zu besprechen etc. während der Taxometer kontinuierlich weiterlief. Als er dann zwei Spanierinnen noch hatte, ging es in Richtung Stadt und ich war froh, dass ich in meinem Bett lag, denn auch der nächste Tag sollte mich an einen anderen Ort bringen. Dabei befuhr ich eine Strecke, die ich einige Jahre zuvor auch schon einmal befahren bin. Mein Ziel hieß das kalabrische Crotone. Ganz weit unten im Stiefel. Der Umstieg mitten im Nirgendwo sollte noch eine Überraschung für mich bereithalten. Da ich, um Geld und Zeit zu sparen, meine Zugtickets meistens vorher kaufe, hatte ich u.a. ein IC-Ticket in Richtung Crotone. Einen Zug mit mehreren Waggons am Bahnsteig stehend erwartend war ich doch etwas verwirrt als ein Triebwagen einfuhr. Es sollte aber kein Irrtum sein. Da es bald keine Oberleitung mehr gab, war auch der Grund für diesen Zug verständlich. Bei einer kurzen Pause im Nirgendwo konnten wie - ich und der Zugfahrer - auch eine kurzweilige Beischlafszene an der Station verfolgen. Trotz dieser Pause erreichte ich planmäßig Crotone und wurde dort von dem Mann meiner Vermieterin abgeholt und mir wurden die wichtigen Aspekte erklärt. Die Wohnung war für mich viel zu groß, aber trotzdem um einiges günstiger als ein Hotel. Jedoch muss auch festgehalten werden, dass es keine Touristensaison mehr war und daher viele Hotels geschlossen haben. Nach einer leckeren handlichen Calzone machte ich mich auf den Weg in das fußläufig erreichbare örtliche Stadion. Crotone ist das zweite Jahr in der Serie A und hat auch aufgrund der Ligazugehörigkeit mit den in Italien beliebten Stahlrohrkonstruktionen sein Stadion erweitert, wodurch z.B. die sanitären Anlagen mitten in den Stahlrohrkonstruktionen hängen. Für Stahlrohrtribünenliebhaber ist das Stadion schon eine wahre Perle. Aus dem 1100 Kilometer entfernten Udine waren an diesem Montagabend knapp 40 Fans angereist. Fantechnisch ist das echt ein wahrer Supergau. Die Gäste hatten eine gut im unteren Bereich gefüllte Kurve. Die Mannschaft der Gastgeber schwebt, wie erwartet, in Abstiegsgefahr und sollte eigentlich versuchen zu punkten. Jedoch scheint den Gästen der Sieg im Pokal Flügel verliehen zu haben, denn im Gegensatz zu Crotone konnten sie ihre Chancen teilweise eiskalt nutzen. Aber das Abwehrverhalten der Kalabresen war teilweise auch dilettantisch. Aufgrund dieser Ereignisse ging der 3:0 Auswärtssieg in Ordnung. Aufgrund der späten Tore leerte sich dann zeitweise die Kurve und die Gegengerade sehr schnell, was durch den kontinuierlichen Nieselregen zusätzlich befördert wurde. Denn bis auf die Haupttribüne war kein Tribünenbereich überdacht. Dieses Spiel sollte mein letztes Ligaspiel in Italien für das laufende Kalenderjahr sein, aber ich hatte mir noch ein Highlight für den Abschluss aufgehoben.
Am frühen Morgen ging es zu Fuß zum Bahnhof Crotone, um über Catanzaro und Lamezia Terme nach Rom zu gelangen. Scheinbar konnte der Zug problemlos seine Verspätung aufholen, so dass ich in Catanzaro nicht übermäßigen sportlichen Einsatz am Gleis leisten musste. Um ein Ticket für das Spiel am Abend gg. Qarabag hatte ich mich noch nicht gekümmert, da ich nicht von einem ausverkauften Haus ausging. Trotz einer älteren Dame, die sich über mein Arbeiten im Zug beschwerte und dass sie zu wenig Beinfreiheit hatte, erreichte ich entspannt Rom und checkte bei meiner chinesischen Gastgeberin ein. Gen Stadion ging es dann mit ein paar Bierchen und auch die Ticketakquise verlief komplett problemlos. Neben der Heimkurve hatte ich einen guten Blick auf das Spielfeld, aber auch auf beide Kurven. Wobei in der Curva Nord eine kleine Romafangruppe eine Fahnenchoreo in den Vereinsfarben aufführte. Die Gäste erzeugten mit Hilfe von Papptafeln die aserbaidschanische Nationalflagge. Erwartungsgemäß übernahm die Roma von Anfang an die Kontrolle über das Spiel und erspielte sich auch Chancen, aber konnte bis zum Halbzeitpfiff keinen Ball im Tor unterbringen. Das goldene Tor erzielte in der 53. Minute Perotti, was zu wahren Jubelstürmen im Stadion sorgte. Leider machte es die Roma dahingehend spannend, dass sie kein weiteres Tor mehr erzielen konnte. Als das Endergebnis vom Spiel Chelsea vs. Atl. Madrid bekannt gegeben wurde, sang und feierte die gesamte Curva Sud den Gruppensieg. Hätte mir jemand im Sommer nach der Auslosung bescheinigt, dass die Roma diese Gruppe gewinnen würde, hätte ich einen Lachkrampf bekommen, da ich dies für absolut unwahrscheinlich hielt. Aber da die Spiele gegen Atletico Madrid und Chelsea v.a. daheim gewonnen wurden, sehe ich diesen Gruppensieg als verdient an. Der Abend klang bei einigen fränkischen Bieren in Ostinese aus. Trotz des langen Abends schlief ich nicht sehr lange, aber auch der Rückflug nach Nürnberg lief ohne Komplikationen ab und ich erreichte am frühen Nachmittag entspannt den Nürnberger Flughafen.
Die vielen Eindrücke konnte ich verarbeiten und ich bin jetzt schon wieder heiß auf Flüge oder Fahrten nach Italien, denn nun ist mein Jagdtrieb wieder geweckt. Ich will zeitnah die Serie A und danach die Serie B komplettieren und noch verschiedene neue Städte sehen. Außerdem habe ich es richtig genossen dort zu sein und auch Fußball zu schauen. Die Trauer über die Rückkehr wird dadurch überstrahlt, dass ich bereits wieder den ersten Flug nach Italien gebucht habe und auch schon wieder am planen der nächsten Reise bin.

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