Prager Nächte

von Andreas König

Schon wieder ging es in die Hauptstadt der Tschechei. Gestartet bin ich bei gutem Wetter in Bergamo und gelandet bei regnerischem Wetter in Prag.
Zielstrebig ging es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Flughafen zu meiner Unterkunft, die ich von einer früheren Fahrt bereits kannte. Glücklicherweise konnte ich mich nach längerer Zeit wieder mit einem alten Freund aus meinen Zeiten in Verona treffen und die Zeit bei ein paar Bier und leckerem tschechischen Essen zu verquatschen.
Im Anschluss daran ging es mit der Tram durch Prag zur Eden Arena. Musikhörend und Buch lesend wurde die Zeit verbracht. Während der Fahrt wurde ich dann von Deutschlandfans auf Englisch angesprochen, wo sie denn aussteigen müssten. Trotz meiner deutschen Antwort glaubten sie, dass ich Tscheche bin und befanden, dass ich ein gutes Deutsch spreche. Manchmal ist es vorteilhaft nicht als Deutscher angesehen zu werden.
Über das Rundherum verliere ich nicht mehr viele Worte. Am nächsten Morgen wurde bei der Fahrt zu weiteren Spielen schon über die Folgen des Spieles gesprochen und die Meinung war einhellig, dass da große Geschütze aufgefahren werden würden. Beim Lesen der Journaille in den nächsten Tagen wurden die Vorahnungen bestätigt. Leider nur wenige Artikel, die mit etwas Abstand erschienen, setzen sich kritischer und hintergründiger mit dem Thema auseinander. Ein Bild sagt nun mal mehr als 1000 Worte. Zwischen Fans mit Plastikpickelhaube etc. habe ich mich zwar nicht wohl gefühlt, aber da war ich nicht der Einzige.
Mit diesem Fazit wurde sich dann in die erste Prager Nacht gestürzt. Diese sollte jedoch nicht zu lange dauern, da am nächsten Tag drei Spiele anstanden. Bei einigen Bier und Becherovka wurde auf die Vergangenheit und die Zukunft getrunken.
Durch das tschechische Frühstück gestärkt ging es auf den Weg in Richtung deutsche Grenze, um dort typisch für Tschechien das erste Spiel um 10:15 Uhr bei einem Bier und einer Debreziner zu genießen. In diesem Stadion wurde vor kurzem eine Juniorinnen-EM gespielt, was z.B. noch an Bandenwerbungen etc. zu erkennen war. Die aufgestellten Drehkreuze werden auf jeden Fall nie wieder benutzt. Glücklicherweise fiel auch wieder ein Tor. Das ein oder andere Mal stellten sich beide Mannschaften etwas umständlich an, aber am Ende ging der Sieg von Hořovicko bei Přeštice auch in Ordnung, da der Heimverein zu Recht am Tabellenende herumdümpelt. Bei solchen Touren ist Timing und Planung alles und so ging es nach einem kurzen Stopp im Supermarkt direkt weiter zum nächsten Spiel. Mit dem Anpfiff betraten wir das Stadion leider durch den Nebeneingang. Entspannt machten wir es uns bei Bier und Klobasa auf der Tribüne gemütlich, dabei trug ein tschechischer Rentner dank meiner Mithilfe einige Fettflecken auf seiner Jacke davon, da beim Reinbeißen viele Fettspritzer auf dessen Jacke gelandet sind. Gab ein sehr interessantes Muster. Wie immer in Tschechien schmeckten die Wurst und das Bier vorzüglich, aber leider wurde auch hier der Räuchergrill nicht angeschmissen. Das Aroma einer geräucherten Wurst ist doch etwas ganz besonderes. Wie bereits im ersten Spiel waren wir auch hier nicht die einzigen Deutschen, aber es waren deutlich weniger, als bei Spielen in Prag. Eine weitere Gemeinsamkeit zum ersten Spiel des Tages bildete der sichere 3:1 Auswärtssieg.
Als letztes Ziel der Fahrt stand das Spiel zwischen Klatovy und Karlovy Vary auf dem Plan. Wie die beiden Spiele vorher gewann auch hier der Gast. Dieses Mal sogar mit 4:1, Ziel der Gäste scheint auf jeden Fall der Aufstieg zu sein. In keiner Phase der Partie stand der Gästesieg außer Frage.
Alle drei „Stadien“ hatten etwas für sich, auch wenn meist nur eine Tribüne ausgebaut war, kam ein schönes ursprüngliches Fußballgefühl auf. Wie für Tschechien üblich waren die Preise und die Qualität der angebotenen Speisen und Getränke sehr gut.
So gestärkt ging es nach der Rückkehr nach Prag wieder in das Prager Nachtleben, welches länger und getränkereicher wurde als geplant, aber am nächsten Tag stand vor der Abreise per Fernbus nach Berlin noch ein Spiel auf dem Plan, welches trotz widriger Umstände pünktlich mit der Tram erreicht wurde. Als krönender Abschluss stand die Viertligapartie zwischen Admira Prag und Spartak Chrastava auf dem Plan. Wobei es hier auch einen kleinen Haufen organisierter Fans gab, die ihre Mannschaft nach vorne trieben. Neben zwei verschiedenen Bars und unterschiedlichen Klobasaständen, welche u.a. auch geräuchertes Fleisch verkauften waren auch wieder viele deutsche Hopper anwesend. Als einziges Spiel dieses Wochenendes gewann am Ende verdient die Heimmannschaft mit 2:1. Frisch gestärkt mit einem Stück geräuchertem Fleisch ging es zurück ins Hotel, um dann gemütlich in Richtung Busbahnhof zu gehen, um von dort innerhalb von vier Stunden in Berlin anzukommen.
Aber die nächste Fahrt nach Tschechien kommt bestimmt. Man muss ja Ziele haben ;-)

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