Prag ist in jeder Hinsicht immer eine Reise wert

von Andreas König

Die tschechische Hauptstadt sollte nach ein paar Jahren mal wieder das Reiseziel für einen Killer Devil werden. Dank eines günstigen und schnellen Angebotes erreichte ich mit dem ICbus nach 3,5 Stunden den Prager Hauptbahnhof.
Nach dem Erwerb eines Nahverkehrstickets wurde für ein erstes Piwo einer der berühmten Vietnamesenmärkte besucht, da es für das Einchecken ins Hotel noch zu früh war. Trotz einiger verlockender und verstörender Angebote ging es ohne Errungenschaften in Richtung Hotel.
Jedoch drängte die Zeit, da um 15:00 Uhr das Spiel AC Sparta Prag vs. FK Mladá Boleslav auf dem Plan stand und ich noch kein Ticket mein Eigen nennen konnte. Da die Zeit langsam aber sicher in Richtung Anstoß zu lief, habe ich mich zeitnah angestellt. Nachdem ich das Stadion betreten hatte, fiel mir auf, dass man anscheinend in der Pause zum im Stadion befindlichen McDonald’s gehen kann und dazu noch ein fliegender Verkäufer herumgeht. Jedoch waren die nächste Klobása und ein passendes Bier lohnenswerter. Leider war mein Platz praktisch im hintersten Eck, aber die Sicht war besser als erwartet, jedoch wartete ich bis in die zweite Halbzeit mit einem Platzwechsel und besserer Sicht.
Aktuell ist es anscheinend so, dass verdiente tschechische Spieler in die heimische Liga zurückkehren, um dort ihre Karriere ausklingen zu lassen. Die prominentesten Beispiele sind Tomas Rosicky bei Sparta Prag, Jan Polak bei FC Zbrojovka Brünn und Milan Baroš beim FC Slovan Liberec.
Tomas Rosicky wurde von allen anwesenden Fans frenetisch gefeiert, obwohl er zuerst auf der Bank Platz nahm. Das Spiel ging zu Beginn hin und her, wobei Boleslav die besseren Chancen hatte, aber Sparta ging nach einem Standard in Führung. Jedoch hielt die Führung nicht ewig, da sie kurz danach egalisiert wurde. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich ein ähnliches Bild und es fiel für jede Seite noch ein Tor, wobei bei einem Gegentor der Torwart von Sparta keine gute Figur machte. Es zeigte sich hierbei das gleiche Bild, wie in der ersten Halbzeit. Sparta ging in Führung und Boleslav verkürzte innerhalb kürzester Zeit.
Bei einem Besuch in Prag darf das Nachtleben natürlich nicht fehlen, wobei ich dieses Mal mich nur mit einer Freundin aus gemeinsamen Studientagen traf, um unter anderem mit ihr ein paar Bier zu trinken, da der kommende Sonntag mit zwei Spielen vollgepackt war. Der erste Kick gleich hinter dem Bahnhof begann bereits um 10:15 Uhr.
Das Gepäck wurde im Bahnhof eingesperrt und danach ging es zu Fuß zum Stadion von Viktoria Žižkov, die gegen Banik Sokolov spielten. Selbige hatte ich bereits eine Woche vorher in deren Stadion gesehen. Die Historie von Viktoria umfasst u.a. Pokalsiege in den Jahren 1994 und 2001, was jeweils die Teilnahme an internationalen Wettbewerben zur Folge hatte. Jedoch ist die Mannschaft jeweils sehr früh im Wettbewerb ausgeschieden. Aktuell spielt man in der zweiten tschechischen Liga und hat weiterhin mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Trotz der frühen Anstoßzeit war das Stadion gut gefüllt und es gab auch eine kleine Gruppe, die mit englischem Supportstil ihre Mannschaft anfeuerten und dabei auch teilweise die Fans auf der Gegengerade animieren konnte mit in den Support einzusteigen. Das Spiel war abschnittsweise sehr ansehnlich, jedoch ging im Laufe der ersten Halbzeit Sokolov mit 2:0 in Führung. Als Kuriosum für mich eilte der Heimtorwart bereits kurz vor Ende der ersten Halbzeit bei einer Ecke für sein Team nach vorne, jedoch gelang ihm und seinem Team dabei kein Tor. So ging es mit einer Gästeführung in die Pause, wobei Sokolov seine Chancen einfach besser nutzte, als die Gastgeber.
Die zweite Halbzeit lief genauso wie das dazugehörige Bier und kaum einer im Stadion hat noch mit einem Erfolg der Heimmannschaft gerechnet. In der Schlussviertelstunde schaffte es die Mannschaft jedoch noch zwei verdiente Tore zu erzielen, so dass es noch zu einem Unentschieden reichte.
Da der Tag noch jung war und die Rückfahrt erst für den Abend geplant war, ging es mit den öffentlichen in die Richtung vom Stadion von Bohemians, wobei vorher noch ein paar Haltestellen weiter gefahren wurde, um sich das neue Stadion von Slavia anzuschauen. Nach einem kurzen Spaziergang rund um das Stadion und dem anscheinend obligatorischen McDonald’s im Stadion ging es zu Fuß zurück zum Bohemians Stadion. An der Ecke zum Gästeeingang gibt es ein nettes Pub und dort wurde sich noch ein leckeres kühles Bierchen gegönnt. Dabei entspann sich ein nettes Gespräch mit einer Gruppe von Brünnfans, die heute ihre Mannschaft bei Bohemians 1905 unterstützen wollten. Als interessante Konstellation stellte sich dabei die Situation heraus, dass am Nebentisch eine Gruppe von Heimfans saß. Kurz vor Spielbeginn ließ ich meine neuen Bekannten zurück, um mir noch ein Ticket zu kaufen.
Eine interessantere Ergänzung war hier ein Rasensprenger vor dem Blockeingang, denn das Thermometer zeigte über 30 Grad an und da war eine Erfrischung mehr als nötig. Die beiden bisherigen Spiele an diesem Wochenende gingen immer 2:2 zu aus. Auch diesmal hoffte ich auf ein paar Tore und ich sollte nicht enttäuscht werden. Der Kapitän von Brünn war ein alter Bekannter vom Ruhmreichen, denn der dortige Kapitän ist Jan Polak, der in Brünn seine Karriere ausklingen lässt. Seine Erfahrung hat der Mannschaft in der Begegnung jedoch wenig geholfen, denn die Gastgeber nutzten ihre Chancen und gewannen ungefährdet 3:0. Alle Tore fielen bereits in der ersten Halbzeit. Zwar gab es von den Fans von Bohemians in diesem schicken alten Stadion keine große Choreo, aber ein paar Kassenrollen sorgten zu Beginn der zweiten Halbzeit für eine kurze Unterbrechung. Sie unterstützen ihre Mannschaft nahezu ununterbrochen. Der Charme dieses älteren Stadions hat mich in seinen Bann gezogen, da es einige große Haupttribüne gab und dazu nur zwei kleinere Bereiche für Fans, wobei die Gästefans auf der Gegengerade untergebracht waren und die Heimfans hinter dem Tor. Für die Biertrinker gab es auch noch eine neue Erfahrung, denn erstmalig habe ich in einem Stadion mehr für das Pfand 50 Kronen – knapp über 2,00 € - bezahlt, während ich für das Bier gerade einmal 30 Kronen – knapp über 1,00 € - bezahlt habe. Außerdem gab es noch eine mobile Anzeigentafel, wobei nicht ersichtlich war, ob die nach jedem Spiel wieder abgeholt wird.
Immerhin gab es in diesem Spiel auch mal wieder einen Platzverweis zu sehen. Dabei traf es kurz vor Ende die Gäste aus Brünn, denn der Spieler ging ohne Chance auf den Ball von hinten in die Beine des Gegenspielers. Nach dem Spiel war dieses ereignisreiche Wochenende in Prag schon wieder Geschichte und ich machte mich auf den Weg zum Hauptbahnhof, um von dort wieder mit dem ICBus zurück nach Nürnberg zu fahren.

Die Quintessenz dieser Fahrt ist, dass ich mich auf jeden Fall nochmal nach Prag und Tschechien im Allgemeinen für Fußball begeben werde, um mich noch mehr mit diesem Land auseinanderzusetzen und um alte Studienfreunde zu besuchen.

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