Pivo a Klobasa

von Andreas König

Vor dem Pokalspiel am Wochenende bot sich die Möglichkeit einige Spiele anzuschauen. Nach längerem Überlegen ging es am Freitagmittag mit dem Mietwagen vom Nürnberger Flughafen aus gen Osten. Mein erstes Ziel sollte Ústí nad Labem – Aussig an der Elbe – sein, um dort die Zweitligapartie zwischen dem ortsansässigen Verein und dem SFC Opava (aus der Gegend um Ostrau) zu besuchen. Das Wetter meinte es derweil leider nicht gut mit mir und es goss während der Fahrt durch Tschechien. Dafür entschädigte mich das Fußballspiel, denn am Ende habe ich sieben Tore und einen 5:2 Auswärtssieg gesehen. Supportmäßig war auf beiden Seiten relativ wenig zu sehen, aber es gab ein paar lustige Gestalten auf den Tribünen. Der Heimverein hatte einen Losverkauf und die beiden jungen Verkäuferinnen versuchten kontinuierlich ihre Lose an den Kunden zu bringen. Nach fünf Minuten führten die Gäste u.a. dank eines Eigentores bereits mit 2:0 und daran sollte sich bis zur Halbzeit nichts mehr ändern. Zwar konnten die Gastgeber kurz nach Wiederanpfiff verkürzen. Dies beeindruckte jedoch die Gegner relativ wenig und sie schossen sich eine 5:1 Führung heraus, die kurz vor Schluss mit dem zweiten Tor der Heimmannschaft noch kosmetisch verändert wurde. Kurz nach Abpfiff ging es Richtung Prag, um dort im Strahov Hostel, welches früher Teil des Spartakiadedorf war, zu nächtigen. Das Strahov-Stadion ist ein Sportstadion im Stadtviertel Strahov und wurde in der Vergangenheit für Turn- und weitere Massenveranstaltungen genutzt und soll dabei in der Spitze zwischen 220.000 und 250.000 Zuschauer gefasst haben, womit es als das ehemals größte Stadion der Welt gilt. Aktuell wird dieses Stadion, in dem sich gleich mehrere Fußballfelder befinden, vom Fußballverein Sparta Prag als Geschäftsstelle und Trainingsstätte genutzt. Theoretisch finden in dem baufälligen Stadion heute noch 56.000 Zuschauer Platz. Ein Stadion nebenan sollte am nächsten Morgen Ziel meines ersten Stadionbesuchs des Tages werden. Vorher stand aber noch Abendprogramm auf dem Zettel. Wie nicht anders zu erwarten, ging es dabei um Bier. Zur gleichen Zeit besuchten auch brasilianische Freunde von mir Prag, da sie nach dem Wacken Open Air noch eine kleine Rundreise durch Europa unternahmen. Dementsprechend klang der Abend in der Prager Innenstadt bei einigen Bieren aus, um dann im spartanisch eingerichteten Zimmer die Nacht zu verbringen.
Der nächste Morgen sollte erstmal eine böse Überraschung in Form eines nicht funktionierenden Autos bereithalten. Dank der technischen Unterstützung von örtlichen Fachkräften konnte das erste Spiel des Tages dann doch noch geschaut werden, was damit zusammenhing, dass meine Bleibe gleich neben dem Stadion war. Diese kleine Schrecksekunde gut verdaut wurde das Derby zwischen Olympia Prag und Viktoria Zizkov im alten Slavia Stadion angeschaut. Immerhin handelte es sich um eine Zweitligapartie, die in Tschechien gerne bereits um 10:15 Uhr angepfiffen werden. Dies ist zwar sehr früh, aber gleichzeitig auch sehr fanfreundlich, wenn du danach noch weitere Spiele anschauen willst bzw. du gleich Mittagessen gehen willst. Die Geschichte von Olympia Prag ist etwas verworren, da der Verein u.a. eine Lizenz aufgekauft hat bzw. erhalten hat und dann nach Prag umgezogen ist. Dadurch hat er mehr Förderung bekommen als an seinem ursprünglichen Herkunftsort. Dies hat zur Folge, dass es keine große Fanbasis gibt, da die Fans sich nicht einfach verpflanzen ließen. Ein bisschen Stimmung wurde wenigstens von den noch angetrunkenen Fans von Zizkov gemacht. Leider ging am Ende keine Mannschaft als Sieger vom Platz und die Partie endete 2:2 unentschieden. Für Prag und diese Uhrzeit nicht außergewöhnlich wurde das Spiel von vielen Fußballtouristen besucht.
In das o.g. Stadion Strahov konnte ich anschließend noch einen Blick werfen. Es ist wirklich beeindruckend, aber leider ist der Zustand des Stadions nicht der Beste. Auf jeden Fall will ich mir dort eine Begegnung anschauen, da es ein recht beeindruckender Bau ist.
Als nächste Destination stand Brünn auf dem Zettel. Dort wollte ich die Partie zwischen FC Zbrojovka Brünn und den Kängurus vom FC Bohemians Prag sehen. Die gleiche Begegnung hatte ich mir bereits in Prag in der letzten Saison angeschaut. Ein Blickfang neben der neuen Tribüne bildet der Balkon einer Bar direkt am Stadion. Von diesem aus konnten die Balkonfans inklusive Zaunfahne das Spiel gratis verfolgen. Eine perfekte Location für SVler. Auch in dieser Saison spielt Jan Polak für Brünn und trägt auch weiterhin eine wichtige Rolle zum Spielaufbau bei. Stimmungsmäßig kam nur etwas von der kleinen Gruppe Gästefans, denn es gab kein Stimmungszentrum auf Seiten der Heimmannschaft. Insgesamt war dies enttäuschend. Zwar gab es ein bisschen Zaunbeflaggung, aber nicht sehr viel. Neben der stimmungsmäßigen Enttäuschung gab es noch eine weitere Enttäuschung. Meine Spieleserie mit mindestens einem Tor riss mit diesem Spiel. Die süße Himbeerlimo konnte dabei auch nicht den Frust über das torlose Remis hinwegtrösten. Dementsprechend enttäuscht ging es in Richtung Auto, da im näheren Umfeld keine weiteren Spiele anfahrbar waren. Um die Wünsche einiger zu befriedigen, wurden verschiedene tschechische Biere besorgt. Dabei dürfte die Kassiererin noch von mir Albträume haben, denn 40 Bierflaschen und weitere Getränke einzeln abrechnen und trieben ihr durchaus Angstschweiß und Frustration auf die Stirn. Als auch das gemeistert war, ging es in eine örtliche Studierendenunterkunft, die wie auch die gestrige aus kommunistischen Zeiten war.
Der Sonntag hielt noch weitere Spiele in petto, so dass der Abend in Ruhe ausklang, um gut gestärkt am nächsten Morgen die erste Begegnung zu besuchen. Der Anpfiff dieser Partie um 10:15 Uhr bewirkte, dass es zeitig losging, jedoch war das Spiel auf meiner Heimfahrstrecke, so dass es keines Umweges bedurfte. Pünktlich erreichte ich den Sportplatz, um der Drittligabegegnung zwischen dem FC Velké Meziříčí und dem SK Uničov beizuwohnen. Die aus einem Räuchergrill gereichte Klobasa stellte ein hervorragendes Frühstück dar und damit auch die Weissheit, dass eine geräucherte Klobasa definitiv zu bevorzugen ist. Die Heimmannschaft legte los wie die Feuerwehr und deren Sieg stand auch niemals zur Debatte. Als sehr kinderfreundlich erscheint mir das Errichten eines Sandplatzes für Kinder, denn während die Eltern das Fußballspiel bei einer Limo, Klobasa oder Bier verfolgen können, kann der Nachwuchs ungestört seinem Sandspielhobby nachgehen. Dieser Entwicklung wird in manchen Stadien Deutschlands mit einer Kinderecke o.ä. Rechnung getragen. Natürlich ist dies nichts für die hochgezüchteten Stadien der Profiligen etwas, aber für den Amateurbereich doch sehr sinnvoll. Am Ende dieser einseitigen, aber gut besuchten Begegnung, steht ein 6:1 für den FC Velké Meziříčí. Nach einem Spiel um 10:15 Uhr geht selbstverständlich noch eine zusätzliche Begegnung, denn die Ansetzungen gegen 16 oder 17:00 Uhr sind für so etwas perfekt geeignet. Somit ging es noch einmal in den Norden Prags, um sich das Aufeinandertreffen vom SK Benátky nad Jizerou und dem SK Sokol Brozany anzuschauen. Bei den Gästen sitzt der ehemalige Eurofighter Jiri Nemec auf der Trainerbank. Ab der dritten Liga gibt es in den tschechischen Ligen ein Elfmeterschießen nach 90 Minuten. Hierbei handelt es sich um einen Testlauf, der auch nicht von allen positiv gesehen wird. Während des Spieles konnte ich viel über den tschechischen Fußball durch einen Insider erfahren, jedoch trieb es mich für die zweite Halbzeit auf die kleine Tribüne und konnte dabei auch die knapp 10 Mann der heimischen Ultragruppe näher verfolgen. Der Wettergott meinte es jedoch nicht immer gut mit einem, so dass er immer wieder kurzfristig seine Schleusen öffnete und es teilweise sehr ergiebige Regenschauer gab. Darunter litt auch das Niveau des Spieles, was sich folgerichtig im Ergebnis widerspiegelte. Auch diese Begegnung endete nach 90 Minuten torlos und somit musste das Elfmeterschießen für eine Entscheidung sorgen. Aufgrund der Ligenzugehörigkeit – 3. Liga Tschechei – waren die Schützen nicht immer ausgesprochen zielsicher. Nemec konnte sich dabei nie die Schüsse seiner eigenen Mannschaft anschauen. Dem einen oder anderen Fan kommt dieses Verhalten sicher bekannt vor. Schlussendlich ging die Heimmannschaft als Sieger hervor, welches von der kleinen Gruppe organisierter Heimfans mit Rauch, Pyro und Böllern ausgiebig gefeiert wurden. Dies interessierte standesgemäß kaum jemanden und nach diesem Spiel ging es für mich wieder gen Heimat. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die zweigliedrige dritte Liga von vielen Vereinen genutzt wird, um sich zu präsentieren, jedoch kein Verein ernsthafte Aufstiegsambitionen hegt, da es an der nötigen Infrastruktur mangelt. Es macht jedoch immer wieder Spaß sich in Tschechien Spiele anzusehen, da es doch weniger kommerziell als anderswo ist.

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