Nürnberg international

von Andreas König

Unter diesem Motto ging es für mich gen Südtirol ins Trainingslager des Ruhmreichen. Freitagnachmittag machte ich mich dafür auf den Weg Richtung Brenner. Was wäre aber eine Fahrt in den Süden, wenn man auf dem Weg dorthin nicht noch etwas mitnimmt, was keinen großen Umweg bedeuten würde. Das Ziel auf dem Hinweg sollte in der direkten Nachbarschaft zum Münchner Flughafen in Hallbergmoos liegen. An diesem Abend spielte der VFB Hallbergmoos gegen die TuS Geretsried, was gleichzeitig den Ligaauftakt bildete. Die örtliche Sportanlage weiß zu gefallen, da alles neu und in einem sehr guten Zustand ist und der Verein auch Ambitionen für den Aufstieg aus der Landesliga Südost in Richtung Bayernliga hegt. Der Gast hingegen will die Liga halten, da sie viele junge Spieler hochgezogen hat. In der gut besuchten Sportanlage konnte man erahnen, warum es immer wieder Klagen wegen Fluglärm gibt. Die Maschinen starten im Minutentakt, aber das sollte den Spielkonsum nur bedingt beeinträchtigen. Pünktlich zum Anpfiff erreichte ich das Stadion, da auf der Hinfahrt Petrus teilweise sehr ausgiebig seine Schleusen geöffnet hatte.
Die Auswahl an Speisen – Pommes, belegte Brote, Burger z.B. mit Geflügel und Schwein – und Getränken war sehr reichhaltig und auch preislich fair. Die Heimmannschaft legte los wie die Feuerwehr und bestimmte die gesamte Partie nach Belieben. Am Ende stand ein verdientes 5:1 für die Gastgeber und für mich die Erkenntnis, dass ich sicher mal wieder in Hallbergmoos vorbeischauen werde, wenn es sich ergibt, denn das gesamte Gelände war doch sehr ansprechend.
Nach diesem Feierabendkick ging es für knapp vier Stunden auf die Autobahn, um den Übernachtungsort Meransen im Pustertal zu erreichen. Als Kind bin ich oft mit meinen Eltern nach Südtirol in den Urlaub gefahren. Die Landschaft ist einfach traumhaft, wovon ich mich auch am Pragser Wildsee wieder überzeugen lassen konnte. Der See liegt einfach idyllisch in den Bergen und ist auch in dieser Jahreszeit noch erfrischend kalt. Im Anschluss an diesen Abstecher in die Berglandschaft rund um Bruneck ging es nach Reischach bei Bruneck. Zu Füßen des Skigebiets Kronplatz befindet sich die Sportanlage Reischach. Dort sollte das Highlight dieses Wochenendes stattfinden. Das Testspiel zwischen dem Ruhmreichen und Inter Mailand. Diese Begegnung gab es bereits im Intertoto-Cup 1968. Damals siegte der 1. FCN jeweils mit 3:0 gegen Inter Mailand. Von diesem internationalen Flair war an diesem Tage nicht viel vorhanden, aber die Fans des 1. FC Nürnberg konnten im Ausland ein Spiel ihres Herzensvereins gegen eine internationale Toppmannschaft sehen. Dies hat in den letzten Jahrzehnten auch Seltenheitswert.
Beide Mannschaften weilten in der Gegend für ihr Trainingslager und Inter hatte aus diesem Grunde auch ein Fandorf hinter seiner Kurve aufgebaut, was auch regen Zuspruch der angereisten Interfans fand. Gleichzeitig erhielt jeder Interfan eine Klatschpappe für das Spiel geschenkt.
Das Spiel war nicht hochklassig, aber es gestaltete sich sehr unterhaltsam und nach einem torlosen Remis zur Halbzeit sollten in der zweiten Halbzeit noch Tore fallen. Die Spielanlage und auch die Fans des Ruhmreichen überraschten mich positiv, denn u.a. konnten sich die Spieler ein paar sehr vielversprechende Chancen herausspielen und zwei Chancen wurden auch zu Toren umgemünzt. Inter konnte nur noch den Anschlusstreffer erzielen und so stand am Ende 2:1 für den FCN zu Buche und die Bilanz gegen Inter wurde auf 8:1 Tore geschraubt. Der Abend klang in Bruneck mit einem leckeren Essen aus, denn am nächsten Tag stand neben Shopping am Brenner noch das Cupspiel von Rapid auf dem Plan.
Aufgrund des Anpfiffs am späten Nachmittags ging es ohne Zeitdruck in Richtung Brenner, dort wurde im Outlet ein bisschen geshoppt und beim Zucker für den Kaffee wurden auch ein paar vergangene Klischees bedient. Frisch gestärkt gestaltete sich die Abfahrt nach Schwaz entspannt. Trotz einer langen Schlange am Eingang gab es bei der Ticketabholung keine Probleme und dank freier Platzwahl saß ich fast an der Mittellinie auf der einzigen kleinen Tribüne. Alles andere als ein deutlicher Sieg von Rapid stand für mich außer Frage, doch es sollte ein bisschen anders laufen, als gewünscht. Eine frühe Führung für die Wienergäste fiel zwar, aber danach kam der Gastgeber auch immer wieder gefährlich vor das Tor von Rapid. Mit dieser knappen Führung ging es auch in die zweite Hälfte und es dauerte bis zur Rapidviertelstunde für das zweite und damit erlösende Tor. Viele Worte brauche ich nicht über den Anhang von Rapid verlieren. Der Support etc. ist einfach immer erste Sahne. Aber das Wichtigste des Spieles war, dass die erste Cuphürde nach neunzig Minuten genommen wurde und man sich nicht vor Saisonbeginn blamiert hat.
Mit einem Club- und Rapidsieg im Gepäck verging die restliche Rückfahrt auch wie im Fluge und die pflichtspielfreie Zeit biegt auf die Zielgerade ein. Nach den Qualispielen für den bayrischen Totopokal und die verschiedenen Testspiele lässt der Saisonanfang nicht mehr lange auf sich warten. Dies bedeutet für mich, dass die Reiseaktivitäten wieder zunehmen werden, wenn sich etwas ergibt.

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