Noch einmal England und Großbritannien…

von Andreas König

Vor dem Brexit. Unter dieser Prämisse ging es an die Planung für einen etwas umfangreicheren Trip nach England, Wales und am Ende das Spiel des Ruhmreichen in Hannover.
Nach einem gediegenen Abendessen in Heinos Lieblingsgriechen ging es am Donnerstagabend mit der späten Ryanairmaschine gen Stansted, um dann zwei Nächte in London zu verweilen. Via Bus ging es zum zentralen Victoria Bus Bahnhof und aufgrund der späten Ankunft waren alle Pubs etc. bereits geschlossen. Deshalb wurde sofort unsere Unterkunft in der unmittelbaren Nähe des Busbahnhofs aufgesucht. Nach dem Bezug des Dachbodens, welcher immerhin eine eigene Dusche und Klo besaß, ging es auch schon in die Falle, da der morgige Tag ereignisreich werden sollte.
Wenn man in England ist, sollte es natürlich auch ein ordentliches „English breakfast“ geben und dieser Maxime bin ich gleich um die Ecke der Unterkunft gefolgt. Eine kleine Frühstückslokalität war mein Ziel, welche ich nach kurzer Googlerecherche gefunden und als Destination ausgesucht habe. Gut gestärkt und gesättigt wurde erstmal die Oystercard, nach einem kleinen Supermarkteinkauf mit u.a. Wasser und Cider, aufgeladen, denn das erste Spiel des Tages stand auf dem Plan. Es ging mit dem Zug in den Süden Londons. Genauer gesagt zum Trainingsgelände vom jetzigen Zweitligisten Fulham FC. Am letzten Boxingday habe ich die Mannschaft noch im Aufsteigerduell gegen die Wolves gesehen. Während sich die Wolves problemlos in der Liga halten konnten und aktuell mit Besiktas Istanbul, Slovan Bratislava und Sporting Braga in Gruppe K der Europa League reüssieren, ging es für Fulham direkt wieder in den zweitklassigen Championship.
Zur Mittagszeit spielte jedoch die vereinseigene U23 in der Nachwuchsliga gegen die U23 von Middlesbrough. Am Eingang erlebte ich die erste spannende Begebenheit dieser Tour. Auf dem Parkplatz stand ein Mercedes mit Rother KFZKennzeichen. An der Schranke kam es zu einem Gespräch u.a. mit einem Deutschen und einem Vereinsvertreter. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass es der Vater von dem in Nürnberg geborenen Berti Schöttel ist. Dieser wollte das Auto vom Sohn abholen, da dieser aus privaten Gründen seinen Vertrag im Sommer bei der U23 von Fulham als Torwart aufgelöst hatte und vorübergehend zur Familie nach Wendelstein zurückgekehrt ist. Nun hat er sich vor kurzem dem Regionalligsten Lokomotive Leipzig angeschlossen und hofft aktuell auf Einsätze nach der Verletzung von Benjamin Kirsten. Dies ist nur leider bisher nicht der Fall gewesen. Im Anschluss an dieses spannende Gespräch ging es auf die Tribüne, welche bereits von allerhand Scouts besetzt war. Die Scouts hatten alle eine Arbeitskarte und ein Scoutlineyard. Das Wetter wurde typisch britisch. Sonne, Regen, Bedeckt etc. in immer schnelleren Wechseln. Dabei wusste das Spiel beider Jugendmannschaften von Anfang an zu gefallen. Technisch sehr gut und auch sehr schnell. Spielerisch war sehr viel geboten. Auch Tore technisch war in der Premier League 2 Division Two viel geboten. Nach knapp 20 Minuten konnten die Gastgeber sehenswert die Führung erzielen, jedoch zeigte der Schiri knapp zwei Zeigerumdrehungen später auf den Punkt für die Gäste aus dem Nordosten Englands. Diese Chance und auch dank eines zweiten Tores nur zwei Minuten später hatten sie das Spiel zu ihren Gunsten gedreht. Spielerisch und auch Tabellentechnisch war dies abzusehen. Denn während die Heimmannschaft im unteren Mittelfeld herumdümpelt, ist der Gast auf den Relegationsrängen zum Aufstieg notiert. Aber die Gäste hatten vor der Halbzeit noch nicht genug, denn sie erhöhten sogar auf 3:1 aus Ihrer Sicht.
Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel bei wechselnden äußeren Bedingungen weiterhin offen und offensiv gestaltet und als die Gastgeber nach 67 Minuten den Anschluss erzielten, keimte noch einmal Hoffnung auf, die jedoch sieben Minuten später im Keim erstickt wurde, da dann der Zweitorevorsprung wieder hergestellt war und somit der berühmte Deckel drauf war. Interessant ist noch anzumerken, dass die beiden Tore für Heimmannschaft von dem gleichen Spieler – Nicolas Santos-Clase – erzielt wurden und auch bei den Gästen gab es einen Doppelpacker in Persona von Ben Liddle zu bestaunen. Die ein oder andere Chance wurde noch bei stärkerem Regen liegen gelassen, aber alles in allem eine unterhaltsame Partie. Schön anzusehen war auch, dass der einzige Verkaufswagen mit einer regionalen Schule für geistig behinderte Kinder zusammenarbeitet und immer ein Schüler im Verkaufswagen arbeitet und so auf das Leben außerhalb der Schule vorbereitet werden soll. Dabei konnte ich ein paar meiner Münzen loswerden. Natürlich habe ich ihn dabei unterstützt und hatte bei dem Kauf dort ein gutes Gewissen.
So ging es zurück zum Bahnhof, um von dort ein wenig Sightseeing zu betreiben. Übrigens fand ich das Spiel erst kurz vor Abflug auf der Seite „The London Football Guide“ – http://www.tlfg.uk –, welche immer für eine Woche alle Spiele präsentiert und aufzeigt, wo diese stattfinden. Eine sehr nützliche Seite für Fußballreisende nach London, aber diese dürften die meisten eh schon kennen. Neben Londoneye und Buckingham Palace wurde natürlich auch am Big Ben vorbeigeschaut. Am Ende dieses kleinen Spaziergangs wurde in einem Pub noch eine Mahlzeit eingenommen, um für das Abendspiel bei Fulham gut gestärkt zu sein.
Nach einer kurzen Visite in der Unterkunft ging es per Uber zum Stadion. Wie bereits am Boxingday saß ich recht weit vorne im Stadion und hatte somit eine interessante Perspektive. Im Vergleich zum letzten Besuch wird die Themsetribüne gerade saniert und umgebaut. Somit sind aktuell nur drei Tribünen zugänglich. Die Fans aus Wigan waren u.a. mit Bussen quer durchs Land geeiert, um sich das Spiel anzusehen. Während Fulham oben an den Relegationsplätzen dran ist, muss Wigan seinen Blick nach unten richten und aufpassen, dass sie nicht auf die Abstiegsplätze geraten. So waren die Rollen vor Anpfiff verteilt, obwohl Fulham davor nicht immer brilliert hatte. Es gestaltete sich ein typisches englisches Fußballspiel, wobei beide durchaus zu gefallen wussten, aber aufgrund eigener Unzulänglichkeiten oder Ungenauigkeiten wollte in der ersten Halbzeit kein Tor fallen.
Auf der gesperrten Tribüne standen auch Ordner oder Bauarbeiter und einer davon ist eindeutig ein Fulhamfan, da er eine Schwenkfahne dabeihatte und diese immer wieder zum Einsatz kam. Sonst ist es natürlich traurig, dass eine komplette Tribüne leer ist und du auf Betonstufen starrst.
In der Halbzeit kam man mit einigen älteren Fulhamfans ins Gespräch u.a. über die erfolgreiche Zeit rund um 2011, als man es bis ins Uefacupfinale nach Hamburg schaffte. Dabei wurde ich auch darüber aufgeklärt, dass die „Haupttribüne“ in der auch der Fanshop etc. drinnen ist unter Denkmalschutz steht und daher nicht abgerissen werden darf. Allein die alten Holzsitze etc. machen einen Besuch im Craven Cottage unvergesslich und sollte jeder Fußballromantiker mal gemacht haben. Die Freude der Personen beim Bier stieg noch als wir erzählten, dass wir aus Deutschland herübergeflogen sind und sie das auch gerne machen. Dabei wurden der Wiederanpfiff und das Führungstor für Fulham verpasst, aber dank der vielen TVGeräte an den Imbissbuden konnte man dieses Traumtor sehen. Immerhin war es nicht das einzige Tor des Abends. Denn in den letzten zehn Minuten erhöhten die Gastgeber zum verdienten und umjubelten zwei zu null. Gesangstechnisch war es von beiden Seiten keine Offenbarung und dem hat sich in Teilen auch die spielerische Leistung auf dem Platz angepasst. Immerhin gab es mal wieder einen „leckeren“ Pie im Stadion und dazu ein Bier. Also alles wie gehabt in England.
Da wir bisher nur Zug, Nationalexpressbus und Uber gefahren sind, stand auch noch eine Fahrt mit einem der berühmten roten Busse auf dem Plan. Jedoch wurde sich vorher noch in einem Späti mit Bier und Snacks eingedeckt, um für die Heimfahrt gerüstet zu sein. Dabei kam man auch mit einem Fulhamfan ins Gespräch. Neben allen möglichen Themen wurde auch der Brexit angesprochen, welcher von dem älteren Herrn auch gewählt wurde. Da das Pub in unmittelbarer Nähe zu unserer Unterkunft am Vorabend wegen Bauarbeiten bereits geschlossen hatte, versuchten wir an diesem Abend unser Glück und wurden dafür mit noch zwei Pints belohnt, die dann aber auch zügig getrunken werden mussten, denn die Renovierungsarbeiten sollten auch in dieser Nacht von statten gehen. Man stelle sich das mal bei uns vor. In einem Wohnhaus mit einer Kneipe im Erdgeschoss wird nach Barschließung von Handwerkern noch gearbeitet. Nahezu unvorstellbar.
Der nächste Morgen bedeutete für dieses Mal auch der Abschied aus London und ein Transfer nach Liverpool. So ging es am Vormittag mit der U-Bahn zu unserem Abfahrtsbahnhof, um von dort mit einem Überlandzug nach Liverpool zu kommen. Dank rechtzeitiger Ankunft am Bahnhof durften wir noch warten bis uns das Gleis für die Abfahrt mitgeteilt wurde. Als dieses feststand wurde sich ein Platz im Zug gesichert, um die nächsten fast fünf Stunden dort zu verbringen.
In Milton Keynes wurde dann der Waggon von einer größeren Reisegruppe Frauen zwischen 20 und Anfang 60 geflutet, die einen gemeinsamen Ausflug nach Liverpool unternahmen. Dabei floss auch ordentlich Alkohol. Wobei es hierbei die kleinen 0,2 l Dosen mit Smirnoff Cola, Gin-Tonic o.ä. waren, die von den Damen fleißig geleert wurden. Der Stimmung im Waggon tat dies natürlich keinen Abbruch, jedoch wurde unser Bereich von vielen anderen Reisenden eher gemieden oder es wurde mit Nase rümpfen etc. auf das Verhalten reagiert. Es war auf jeden Fall eine lustige Zugfahrt, welche mit „Stadt, Land, Fußball“ und ein paar Cider wie im Fluge verging. Nahezu pünktlich kamen wir bei leichtem Nieselregen dann in Liverpool an. Unser Host wartete auch bereits auf uns, da wir uns leider etwas verspäteten, aber das Uber fuhr uns direkt vor die Haustüre. Dabei konnte man auch kurz einen Blick auf den „Goodison Park“ erhaschen, welcher nicht weit entfernt war und am späteren Nachmittag unser Ziel darstellen sollte. Beim Checkin traf uns leicht der Schlag, denn die Zimmer waren sehr eigenwillig eingerichtet. In der Küche z.B. war alles auf USA eingerichtet und die Lichtschalter mit der amerikanischen Flagge lackiert, während ein anderes Zimmer z.B. mit französischen Elementen und Symbolen eingerichtet war und auf den Lichtschaltern der Eifelturm prangerte. Die Wohnung war geräumig und jeder hatte genügend Platz, was schon einmal sehr positiv war und jedem einen Rückzugsort gab. Bei einem ersten Gespräch mit unserem Host konnten wir erfahren, dass er z.B. Rammstein, Doro sehr gerne hört und u.a. wegen Rammstein schon bei Dortmund im Stadion war. Er geht aber auch wegen seiner Frau jeden Sonntag in die Kirche. Seine Frau konnten wir dann am nächsten Tag kennenlernen. Um für den nächsten Morgen und den Abend vorbereitet zu sein, wurden Eier, Speck, Getränke und ein paar Kleinigkeiten organisiert, um sich dann auf das anstehende Spiel beim Everton FC vorzubereiten und einzustimmen. Da die Karten über Stubhub gekauft waren, hatten wir diese noch nicht, so ging es zeitig zum Stadion und nach ein paar Fotos und dem Aufsaugen der Atmosphäre rund um dieses wichtige Spiel stand ich auch schon in der Schlange, um die Karten abzuholen. Die Abholung der hinterlegten Karten erfolgte problemlos und so verteilten wir uns im Stadion, um von unseren Plätzen u.a. Aguero, Gündogan, Sigurðsson, Pickford etc.. zu bestaunen. Dieses altehrwürdige Stadion ließ einen wahrlich erschaudern und so machte ich mich auf den Weg zu meinem Platz. Trotz eines Rabatts konnte ich problemlos das Stadion betreten, da am Turnstile und an der Ticketkontrolle niemand saß. Nach einer kleinen Erkundung suchte ich meinen Platz und genoss es dort. Bis zum Anpfiff vertrieb ich mir die Zeit mit Lesen, jedoch kam ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und den Vorbereitungen für das Spiel nicht sehr weit, aber das war mir egal. Ich war vor Ort. Zu Beginn wurde ein Banner „No, al razzismo“ mit dem Konterfei des von Juve nach Everton gewechselten Stürmer Moise Kean präsentiert, da er bereits wegen seiner Hautfarbe Diskriminierung ausgesetzt war. Für Fans „The Toffees“ gab es bereits nach zwei Minuten einen ersten Tiefschlag. Am Rande des eigenen Sechszehners verletzte sich Theo Walcott schwer am Kopf, da er u.a. unsanft nach einem Zusammenstoß mit Raheem Sterling auf den Boden stürzte. Nach einer längeren Behandlungspause auf dem Feld wurde auf der Trage quer über das Feld herausgetragen. Alle Zuschauer erhoben sich und klatschten für ihn, so dass er unter Applaus vom Platz getragen wurde. Ein wahrlich ergreifender Moment. Fairplay at its best. Dass trotzdem City der klare Favorit war, zeigten diese auch über die gesamte Zeit. Sie legten sich den Gegner zurecht, der teilweise kaum aus der eigenen Hälfte herauskam und somit gingen sie Mitte der ersten Halbzeit auch verdient in Führung. Stimmungsmäßig war es sehr interessant, denn beide Seiten gingen typisch englisch mit, jedoch empfand ich aufgrund meiner Nähe zum Heimbereich diesen durchaus gut. Wobei dies natürlich auch aus Sicht des Platzes immer verschieden ist. Jedoch konnten die Gastgeber noch vor der Halbzeit und nur wenige Zeigerumdrehungen nach der Führung zum umjubelten Ausgleich treffen. So ging es unentschieden in die Halbzeit. Beide Seiten hatten auch im weiteren Spielverlauf ihre Chancen, jedoch gab es auf dem Platz eine Spitzenmannschaft Europas und eine, aktuell im Mittelfeld der PL stehende, Mannschaft. So konnte nur noch Manchester City zwei Tore erzielen. Wobei ein Tor Dank der Torlinientechnik zu Recht für City gegeben wurde. Von meinem Platz war jedoch nicht zu sehen, ob der Ball drinnen war.
Interessanterweise wurde Iwobi, der gleich zu Beginn für Walcot kam, nach knapp über 70 Minuten bereits wieder ausgewechselt und für ihn betrat Kean den Platz. Dem zu Beginn das Banner gewidmet wurde. Ihm hätte ich durchaus ein Tor gewünscht, aber es hat leider nicht sein sollen. Übrigens, da es aktuell die Diskussion über den militärischen Gruß der türkischen Nationalmannschaft gibt. Cenk Tosun saß die gesamte Spielzeit bei Everton nur auf der Bank.
Typisch Englisch leerte sich das Stadion, zwangsweise, recht schnell und so wurde der Abend in den verschiedenen Pubs rund um die Unterkunft und der Strecke zwischen dem Stadion und unserer Wohnung verbracht. Bei einer Imbissbude gab es noch eine Riesenportion Fleisch inkl. Kebabfleisch, Pommes etc.. Am Ende waren meine Augen deutlich größer als mein Hunger, so gab es für den nächsten Morgen noch Essen zum Frühstück.
Dank offener Supermärkte auch am Sonntag konnte neben frischem Hopfensaft auch noch ein leckeres Frühstück kreiert werden. Nach einem längeren Plausch mit unserem Nachbarn und seiner Frau, die nach der Kirche noch bei uns wegen dem Checkout vorbeigeschaut haben, ging es statt mit dem Zug mit Uber gen Wales. Trotz des Plausches über Gott und die Welt kamen wir Dank Uber noch eine knappe Stunde vor Anpfiff am Zielort bei Nieselregen an. Dank frischem Geld und ein paar neuen Getränkereserven wurde trotzdem noch das nahegelegene Pub aufgesucht. Das Pub trägt den Namen „Sir Gawain and The Green Knight“ und schenkt Bier von „Samuel Smith“ aus. Diese Brauerei hat ihren Pubs aufgetragen Handys etc. zu verbieten, damit die Leute sich unterhalten und in soziale Interaktion treten. Der Independent hat sich dazu sogar in einem Zeitungsartikel dazu geäußert: https://www.independent.co.uk/life-style/gadgets-and-tech/news/sam-smiths-samuel-pub-ban-phone-rules-swearing-a8846316.html
Der Service und auch die restlichen Gäste in dem Pub waren sehr angenehm und ich empfand diese Regelung auch als sehr positiv und finde dies allgemein eine sehr gute Idee, auch wenn sie natürlich für die Leute erstmal gewöhnungsbedürftig ist. So entstand in unserer Runde und auch mit dem Personal eine sehr nette Gesprächsrunde, die wir jedoch zeitig wegen dem anstehenden Fußballspiel verlassen mussten. Schließlich wollte Wales noch gekreuzt werden und es sollte auch noch nach Manchester gehen. So marschierte ich bei leichtem Nieselregen zum Ground, um mir das Spiel zwischen Connah’s Quay und Penybont anzusehen. Wobei die gastgebenden Nomads der klare Favorit waren. Selbstverständlich war das Stadion nicht mal ansatzweise ausverkauft. Die Gastgeber notieren aktuell in der Liga auf Platz eins und die Gegner sind vorletzte. U.a. spielten die Gastgeber vor kurzem in der internationalen Quali gegen Partizan Belgrad, aber dazu später noch ein bisschen mehr, denn das Spiel hatte noch einiges für uns parat. Das Spiel gestaltete sich doch recht einseitig auf einem überschaubaren Niveau, wozu das Wetter und der Platz sicher dazu beigetragen haben. So konnten die Gastgeber mit dem Halbzeitpfiff dank eines Elfmeters auf eine 2:0 Pausenführung stellen. In dieser gab es neben Tee auch für jeden Mitfahrer einen Schal geschenkt, da sie so fasziniert waren, dass wir von weiter weg herkommen, um ihr Fußballspiel zu sehen. Bei einem gemütlichen Plausch verging die zweite Hälfte teilweise recht zäh und am Ende stand ein verdienter 3:1 Sieg der Nomads. Wobei die Gästemannschaft nur aus walisischen Spielern und Offiziellen besteht, spielen bei den Nomads fast ausschließlich Engländer mit und eigentlich nur der Trainer ist Waliser. Was vielleicht auch an der Nähe zur Mersey und somit dem Großraum Liverpool und Manchester liegen könnte. Da wir noch nicht final entschieden hatten und geplant hatten, wie wir weiter gen Manchester kommen, haben wir uns zum Diskutieren in die Vereinsgaststätte begeben. Dort kamen wir bald auch mit Vereinsvertretern und Spielern ins Gespräch. Hierbei erfuhren wir einiges über die Geschichte des Vereins und das einige Vereinsangehörige gerne des Glühweins wegen und der Weihnachtsmärkte nach Deutschland reisen, da sie dort auch Freunde haben. Darüber entspann sich eine wunderbare Gesprächsrunde und am Ende konnten wir auch noch ein Gruppenfoto mit den Spielern machen, die auf ein Bier vorbeigeschaut haben. Nach ein paar Bier und Gesprächen wussten wir einiges über den Verein und die Erfolge in den letzten Jahren z.B., dass sie u.a. in diesem Sommer gegen Partizan gespielt haben. Was niemand vorausgesehen hatte.
Ein netter Fan brachte uns mit seinem Auto noch rüber nach Chester, damit wir von dort gen Manchester Airport fahren konnten, da wir dort die Nacht verbringen würden, da wir zeitig am Morgen einen Flug nach Hamburg hatten. Nach einer Stippvisite am Bahnhof und dem Preisvergleich mit Uber, entschieden wir uns nach einem Bier im Bahnhofspub für die Fahrt mit Uber, welche auch deutlich schneller vonstattenging als die Fahrt mit dem Zug. So wurde nach einem Checkin und nach der erfolgreichen Zimmersuche noch zu Abend gegessen und dann zumindest von mir zeitig das Bett aufgesucht, da der nächste Tag mit Hamburg, Hannover und der anschließenden Heimfahrt doch recht lange werden würde.
Gegen sechs Uhr war die Nacht bereits wieder zu Ende und mit dem Flieger ging es günstig und problemlos nach Hamburg. Wo dank des guten Wetters u.a. die Elbphilarmonie besichtigt und der Ausblick auf den Hafen genossen wurde. Leider schlug das Wetter im Laufe des Tages um, so dass es bei Regen dann zum letzten Stopp der Tour ging. Der Ruhmreiche sollte beim Mitabsteiger aus Hannover zum Montagabendspiel antreten. Beide Mannschaften haben noch nicht das Spiel und die Leistungen gezeigt, die sie zeigen wollen. Während unser Herzensverein sich scheinbar gefangen hatte, stand es um den kleinen HSV aus der niedersächsischen Landeshauptstadt noch schlechter. Zwar war es ein Spiel im grauen Tabellenmittelfeld, aber die Leistungskurve bei den Gästen zeigte eher nach oben, während die Heimmannschaft eher stagnierte bzw. sich nach unten bewegte. Was würden die knapp 1000 Clubfans an diesem Abend im Niedersachsenstadion erwarten? Es sollte historisch werden, denn die Zweifel der Fans wurden lange Zeit „bestätigt“ bzw. sich gegenseitig bestätigt. Man hatte einfach schon zu viel erlebt und gerade hier wurde dank einiger Fehlentscheidungen aus einem 3:0 Halbzeitstand am 14. Dezember 2013 noch ein 3:3. Aber der Reihe nach. Bereits kurz nach dem Anpfiff konnte der FCN mit der ersten Chance in Führung gehen. Da war gerade mal die dritte Minute angezeigt und auch der zweite Angriff in der 26. Minute saß dank unseres Kapitäns. Aber war das Spiel auch gut und hatten wir die Kontrolle über das Spiel? Nein, aber wir nutzten unsere Chancen eiskalt aus und nach dem Sololauf von Hack kurz der Halbzeit und dem damit verbundenen 3:0 zur Halbzeit, stand man am Bierstand oder Kopfschüttelnd im Block. Was war jedoch die einhellige Meinung bei vielen Clubfans??? Das ist noch nicht durch, siehe 2013… Hannover war schlecht, aber auch wir waren nicht gut, aber kaltschnäuzig vor dem Tor. Aber wir sind der Club und da muss doch noch was passieren, oder??? Es passierte auch noch was, aber nicht so wie man es erwartet hat. Der Club hielt stand und spielte geschickt und kurz vor Ende erzielte Magreitter per Kopf nach der einzigen Ecke für den Ruhmreichen das 4:0 und dann war auch für die meisten Pessimisten der Deckel drauf, denn trotz einer besseren Zweikampfquote, mehr Ballbesitz, mehr Ecken und bspw. einer deutlich besseren Passquote fiel den Gastgebern nichts ein, was die Mannschaft des FCN vor unlösbare Probleme gestellt hätte. Man muss aber auch sagen, dass die eigene Abwehr nicht immer sattelfest aussah und manchmal vielleicht auch Glück hatte, aber das gehört nun mal zum Fußball dazu. So ging es erleichtert und glücklich nach Hause, welches gegen vier auch erreicht wurde. Ein wunderbares Ende für diese eindrucksreiche Tour und die nächsten Touren kommen noch. Wartet einfach ab, was es noch auf die Augen geben wird. Neue Länderpunkte, hoch- und niedrigklassiger Fußball. Praktisch von Länderspielen über Champions League bis zum Amateurfußball.

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