Killer Devils in Übersee

von Michi Fuchs

Während meins Auslandssemesters in Kanada habe ich Anfang Juni beschlossen mir nach einigen NHL und MLB Partien, dann doch auch mal die heimische Fußball-Kulisse anzuschauen. Ich wählte dafür die Partie des FC Toronto gegen Philadelphia Union. Im Vorfeld des Spiels hörte ich von anderen Kanadiern nur positives über die eingefleischten Fans des lokalen Fußball Clubs.
Am Stadion angekommen war das Wetter ziemlich mies und dementsprechend hielt sich der Andrang in Grenzen. Für 20 CAD kaufte ich von einem Supporter ein Ticket für die Gegengerade, was eigentlich mit 61 CAD ausgeschrieben war. (Der offizielle Preis für die Supporter Blocks liegt dann wohl auch irgendwo zwischen 20 und 30 CAD). Laut seiner Aussage kann man sich damit jedoch frei im ganzen Stadion bewegen, was sich später auch als wahrheitsgemäß herausgestellt hat: zwischen den Blocks gibt es keinerlei Hindernisse oder etwa Ticketkontrollen. Dies ist mir auch beim Baseball aufgefallen, wobei beim Eishockey immer jeder Block mit einem Extra-Kontrolleur versehen ist.  
Ich bahnte mir also meinen Weg zu dem mir als Supporter Bereich ausgewiesenen Blocks und war gespannt auf die lokale Fanszene. Bereits vor Spielbeginn fielen mir einige kleinere, an den Tribünen befestigte Banner auf, die ich so in NHL oder MLB auch nie gesehen habe.  Als dann angepfiffen wurde standen etwa 60 Mann im Block, die aber dafür von Anfang an direkt gut Stimmung machten und dies auch bis zum Ende durchzogen. Dies hat mich dann zugegebener Weise doch ein wenig überrascht, denn bis auf die Dimension war hier nicht so viel Unterschied zu Europa auszumachen: Z.B. stand die komplette Truppe durchgehend, obwohl natürlich das ganze Stadion nur Sitzplätze hat, man konnte eine klare Organisationsstruktur mit einer gewissen Hierarchie erkennen und es gab auch einen Vorsänger. Zur Stimmung muss ich sagen, dass dieser kleine Haufen eine bessere Atmosphäre zu schaffen in der Lage war, als die tausenden Zuschauer in den vollgefüllten Eishockeyarenen (über Baseball brauchen wir hier nicht zu reden…), die für mich in keiner Weise organisiert schienen. Außerdem wurde es immer nur dann laut, wenn das Heim-Team gescort hat, die halbnackten Cheerleader vor einem rumhüpften oder irgendwelche aberwitzigen Mitmach-Spiele auf dem überdimensionalen Videowürfel ausgestrahlt wurden (auf der Leinwand erscheinen Trommeln und darüber werden zufällig Fans gefilmt, die dann ihre Hände so bewegen müssen, dass es so aussieht, also ob sie auf der digitalen Trommel zu Werke sind…). Aber zurück zum Fußball: die Stimmung war also sehr gut, es gab auch vereinzelt kleinere Fahnen, die geschwenkt wurden.  Nahezu jeder Fan hatte einen Schal und die meisten hatten auch ein offizielles Trikot an, was mich etwas verwunderte, besonders, weil der Hauptsponsor des FC Toronto die Bank of Montreal ist und Montreal Impact aber der Erzrivale….
Jedenfalls blieb meine Anwesenheit im Block auf Grund der geringen Zuschauerzahl natürlich nicht unbemerkt und in der Halbzeitpause wurde ich von einem Fan zuerst etwas pampig angesprochen. Nachdem ich mich aber als Nürnberger Fußballfan, der auch selber in einem Fanclub Mitglied ist, zu erkennen gegeben habe, verhielt man sich mir gegenüber sehr aufgeschlossen. Nürnberger Fußball (fans) war(en) in Toronto zu meiner (erneuten) Überraschung demnach durchaus bekannt. In meiner Unterhaltung mit einigen SUpportern während der zweiten 45 Minuten konnte ich u.a. erfahren, dass es vor ein paar Jahren wesentlich mehr Mitglieder in der lokalen Szene gab, die extreme anhaltende Erfolgslosigkeit des Clubs (in der MLS kann man nicht absteigen…) jedoch mit der Zeit immer mehr abgeschreckt hat. Z.B. wurde mir erzählt, dass man in den letzten 5 Spielen jeweils in der Nachspielzeit noch ein Gegentor kassiert hat. Zwar glaubte ich dies nicht so wirklich, aber auf jeden Fall wurde das damalige Spiel, in dem Toronto mit einem Mann weniger 1:0 führte, in der fünf minütigen Nachspielzeit noch von Philadelphia ausgeglichen..

Nach Abpfiff fragte ich dann noch, ob die Fans denn eigenes Merch vertreiben würden und ich wurde direkt dem Präsidenten der Red Patch Boys (einem der größeren Fanclubs) vorgestellt. Dieser freute sich offensichtlich über mein Interesse und schenkte mir sogleich einen Schal und hielt ein paar Bilder für die Homepage fest. Die anschließende Einladung in die Fankneipe musste ich leider schweren Herzens ausschlagen, da ich mich bereits mit dänischen Couchsurferinnen zum Essen verabredet hatte…
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es ein sehr aufregender und v.a. lehrreicher Nachmittag war und dass der Fußball auch im hockey-dominierten Kanada stark engagierte Fans hat.

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