Neue Erfahrungen im italienischen Pokal

von Andreas König

Dass der italienische Pokal nicht sehr beliebt ist, war mir schon bewusst. Dazu muss man auch wissen, wie er strukturiert ist und sich manche deutschen Vereine auch schon in ähnliche Richtungen äußern.
In der ersten Runde spielen Dritt- und Viertligisten gegeneinander. Danach steigen die Zweitligisten mit ein und haben dabei fast immer Heimrecht, da sie gesetzt sind. Erst im Achtelfinale steigen die großen Mannschaften wie Juve, Roma, Inter, Milan und Napoli ein und haben alle Heimrecht. Dies führt dieses Jahr im Pokal dazu, dass der Drittligist Pordenone zu Inter fahren darf. Was natürlich ein großer Nachteil ist und auch die gesamte Spannung eines Pokalwettbewerbs killt wie ich finde. Früher gab es noch jeweils ein Hin- und Rückspiel bis auf das Finale natürlich.
Dementsprechend habe ich nicht viel erwartet und auch die Eintrittspreise waren echt human. In Ferrara habe ich 19 € für die Haupttribüne am Rand bezahlt, in Verona für die Gegengerade Mitte 15€ und Haupttribüne zentral in Udine 15€. Die Preise entsprachen aber auch der Nachfrage, denn die war sehr gering. Ein Ticket für die jeweiligen Begegnungen am Stadion zu kaufen, war auch 15 Minuten vor Anpfiff problemlos möglich.
Nachdem mich am Dienstagmittag Ryanair pünktlich nach Bergamo erneut für einen unschlagbaren Preis geflogen hat, ging es mit dem Mietwagen in mein geliebtes Verona. Schnell im Agriturismo oberhalb von Verona mit Blick auf die Stadt eingecheckt und schon ging es über die Bundesstraße weiter gen Ferrara. Dank Berufsverkehr schmolz mein Puffer immer mehr zusammen und inklusive Ticketkauf verpasste ich ein paar Minuten des Spiels. Kurz vor der Führung der Gäste aus Cittadella – Zweitligaverein aus dem Veneto – betrat ich meinen Block. Dank des reichhaltigen Platzangebotes nahm ich in der Nähe der Treppen Platz. Das eingeschweißte Panino in der Halbzeit war ein Fehlkauf, da es einfach nicht schmeckte. Wie bereits in der ersten Halbzeit hatte auch in der zweiten Halbzeit der Gastgeber SPAL mehr Ballbesitz, aber konnte diese Überlegenheit trotz Unterstützung seiner Fans nicht nutzen und wurde kurz vor Ende eiskalt ausgekontert. Cittadella zieht somit in das Achtelfinale des italienischen Pokals ein. Die mitgereisten knapp 30 Fans feierten mit ihren Spielern diesen Sieg. Dabei spielte SPAL vor zwei Saisons noch in der drittklassigen Lega Pro und tritt nun in der italienischen Belletage gegen die großen Mannschaften aus Rom, Turin, Mailand und Verona an. Verlangt dabei aber auch ordentlich Geld, was aber scheinbar gerade bei allen kleineren Vereinen in Mode ist. Dazu in einem späteren Bericht mehr.
Die Rückfahrt brachte mich in mein geliebtes Verona, wo am nächsten Tag das Derby im Pokal anstand. Leider meinte es der Wettergott am nächsten Tag nicht gut mit mir und ich durfte bei Regen und Nebel Wein Einkaufen fahren. Trotz des schlechten Wetters ging es nach einer Stärkung bei da Salvatore auf den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. Es ist der zehnte Geburtstag der Kooperation von Nürnberg und Verona bei den Weihnachtsmärkten. Ausgeschenkt wurde der Glühwein aber im Pappbecher, da ich sparsam war ;-) Das Wetter beflügelte mich nicht und ließ auch kein Weihnachts- oder Winterfeeling bei mir aufkommen. Mit der üblichen Stärkung machte ich mich auf den Weg in Richtung Bentegodi. Dabei noch schnell eine Wasserflasche getrunken und mit einem Ticket für die Poltrone Est versorgt. Dem Spiel und dem erwarteten Ansturm entsprechend, gab es rund um das Stadion kaum Buden und sehr wenige Leute. Sollten es am Ende wirklich mehr als 5000 Zuschauer gewesen sein, dann war es echt viel. Die Gäste von Hellas standen auch dieses Mal wieder traditionell in der Sud und hatten wieder ordentlich beflaggt. Ich liebe deren Support- und Zaunfahnenstil einfach. Auch wenn sie sehr wenige waren, konnten sie doch mit ihren Stimmen das weite Rund immer wieder mitreißen. Während dem Spiel kam ich mit einem Amateurschiedsrichter ins Gespräch und so verging v.a. die zweite Halbzeit wie im Fluge, da es nach zwei haarsträubenden Fehlern in der ersten Halbzeit 1:1 stand, ging es in die Verlängerung, die aber noch keine Entscheidung brachte. Somit erlebte ich mal wieder ein Elfmeterschießen, bei dem alle bis auf den ersten Schützen von Chievo Pellissier trafen. Somit zieht Hellas in die nächste Runde ein und darf nach Mailand zum AC fahren. Ein Heimspiel wäre da natürlich etwas schöner und einfacher gewesen.
Das letzte Spiel dieser Pokaltrias bildete das Spiel zwischen Udinese Calcio und dem Zweitligisten AC Perugia Calcio. Die Dacia Arena oder nuovo stadio friuli fehlte mir noch in meiner Sammlung an italienischen Erstligastadien und daher bot es sich an, dorthin zu fahren. Zwar würde die Rückfahrt nach Bergamo sich abends etwas ziehen, aber okay. Was tut man nicht alles für sein Hobby. Nach einer entspannten Anreise wurde schnell ein Ticket gezogen und es ging auf die Haupttribüne. Ein schöner gemütlicher Sitz, der auch ein wenig wärmte, sollte mein Zuhause für das Spiel werden. Die vielen bunten Sitze erinnerten mich an Düsseldorf, jedoch war nur die Haupttribüne und der Gästebereich offen, so dass du als Zuschauer auf die leeren bunten Sitze schauen durftest. Supportmäßig fand ich die Gäste besser als die Heimfans, aber ich hatte mir auch nicht viel erwartet. Udine war zwar klar spielbestimmend und ging folgerichtig zwischen der 17. und der 40. Minute u.a. durch einen Elfmeter von Maxi Lopez mit 3:0 in Führung, wer aber dachte, dass sich Perugia da zurückziehen und das Spielen einstellen würde, hatte sich getäuscht. Mit dem Halbzeitpfiff kamen sie auf 3:1 per Elfmeter heran. Die zweite Halbzeit wurde jedoch noch spannender, da beide Seiten mit offenem Visier spielten. Zwischen der 49. und 70. Minute wogte das Spiel hin und her und es stand auf Messersschneide. Erst mit seinem vierten Tor zum 6:3 für Udine konnte Maxi Lopez für Ruhe sorgen. Die beiden abschließenden Tore zum 7 bzw. 8:3 waren nur noch Ergebniskosmetik. Perugia hat vielleicht verdient verloren, aber definitiv nicht in dieser Höhe. Die Mannschaft hat sich nie aufgegeben und hat immer weitergespielt und es zumindest versucht. Hut ab vor dieser Leistung. Für den normalen Fußballfan stellte dieses Spiel einen wahren Augenschmaus da und ich werde mich noch länger an diesen Abend in Udine erinnern. So glückselig ging es für mich dann noch drei Stunden nach Bergamo, um von dort am nächsten Tag in den Süden gen Neapel aufzubrechen, aber das sollte eine andere Geschichte werden. Dabei wird es sicher um die unverschämten Eintrittspreise gehen.


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