Mit dem Zug durch Spanien

von Andreas König

Nach einem legendären Strandurlaub mit ein paar Jungs im Jahre 2007 ging es für mich seitdem zum ersten Mal wieder nach Spanien. Die Flüge wurden direkt nach der Auslosung gebucht und so stand am Ende eine knappe Woche Spanien auf dem Plan. Die Stationen sollten Sevilla, Madrid und Bilbao sein. Mit dem ICE und der S-Bahn wurde der Münchner Flughafen angesteuert von dem es aus über Palma nach Sevilla ging. Für das Spiel zwischen dem FC Sevilla und dem FC Liverpool hatte ich bis zum Spieltag kein Ticket und bei den Massen an englischen Fans wurde die Wahrscheinlichkeit auch immer geringer zu einem akzeptablen Preis mir noch Zutritt zu dem Stadion zu verschaffen. Im Gegensatz zu den späteren Stationen hatte ich in Sevilla genug Zeit, um die Stadt zu erkunden und Tapas zu essen, was ich auch reichlich machte. Mein Geldbeutel und meine Linie waren darüber nicht so zufrieden. Es tat mir aber außerordentlich gut, einfach mal das triste Deutschland zu verlassen und in der warmen Sonne Spaniens zu landen. Teilweise zeigte das Thermometer über 20 Grad an. Nur war es mit dieser Herrlichkeit vorbei, sobald die Sonne weg war, denn dann unterschieden sich die Temperaturen nicht von den Deutschen.
Meine Unterkunft in Sevilla war südlich der Innenstadt und nach einer erholsamen Nacht wurde die Innenstadt erkundet und der Versuch unternommen, doch noch an ein Ticket für den Abend zu kommen. Das Unterfangen war in der Innenstadt erwartungsgemäß sinnlos, so dass ich mich dann doch noch auf den Weg in Richtung Stadion machte, aber die aufgerufenen Preise waren oberhalb der Grenze, die ich bereit war zu zahlen. Am Ende hätte ich es bei diesem Spielverlauf doch zahlen sollen, aber es in einer Bar zu schauen, war auch ein echtes Erlebnis und ich will diese Erfahrung bei den mehreren Cervezas nicht missen. Um die Ecke meines Hotels gab es eine Bar, die auch Shishas im Angebot hatte. Dort kostete das kleine frischgezapfte Bier – zwischen 0,1 und 0,2 l – 1,00 €. Was mich natürlich an meinen beiden Abenden durchaus verleitet hat, dort noch ein paar Schoppen zu trinken.
Im Touristenbüro bzw. dem zentralen Ticketverkauf wollte ich eine Tageskarte bzw. Zweitageskarte erwerben. Der Erwerb erwies sich als etwas kompliziert, da die junge Dame nur spanisch sprach und englisch so gut wie gar nicht. Am Ende konnten wir uns verständigen und ich hatte einen Stadtplan und eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Dass die öffentlichen Verkehrsmittel nicht immer fahrplangenau fahren, habe ich auch zügig gemerkt, aber ich habe alle meine Ziele rechtzeitig erreicht.
Dem Titel entsprechend ging es also ohne den Ground in Sevilla frühmorgens mit dem Zug weiter nach Madrid, wo ich dann endlich den Länderpunkt Spanien machen konnte. Zwar sollte der Punkt nicht im stilechten alten Vincente Calderon gemacht werden, aber immerhin mit der Roma im neuen Wanda Metropolitana, welches direkt am Flughafen liegt, also wie alle neuen Stadien weit außerhalb der Stadt. Immerhin fährt eine U-Bahn bis direkt zum Stadion. Das Einchecken in meinem zentralen Hotel verlief problemlos. Natürlich wollte ich etwas von der Stadt sehen und so stürzte ich mich in die Straßenschluchten Madrids und verschaffte mir so einen schönen ersten Überblick über die Stadt, die ich sicher nochmal besuchen werde. Eine Stadionführung bei Real kam sowohl zeitlich wie auch finanziell für mich nicht in Frage, da ich nicht bereit bin über 20€ für eine Stadionführung zu zahlen. Es gibt aber sicher genug Menschen, die das gerne zahlen. Dafür durfte eine Besichtigung des alten Calderons nicht fehlen. Zwar war trotz vieler flehentlicher Blicke etc. kein Betreten des Stadions möglich. So blieb es bei ein paar kurzen Blicken in das Stadion und dem Spaziergang entlang der Stadtautobahn, die bekanntlich unter der Haupttribüne hindurchführt. Nach einem Imbiss in einem hippen Viertel ging es mit der U-Bahn raus in Richtung Stadion. Um Probleme mit der örtlichen Polizei zu umgehen, wurde ein Ticket für einen Bereich auf der Gegengerade gekauft. Die Geschichten über die spanische Polizei dürften dem ein oder anderen Leser sicher bekannt sein. Insgeheim hoffte ich natürlich auf einen Auswärtssieg der Roma, die damit die sichere Quali für die CL im kommenden Frühjahr fix gemacht hätte. Jedoch konnte die Roma ihre vorhandenen Chancen nicht nutzen, wobei v.a. die Abwehr von Atletico nicht die Sicherheit ausströmte, für die sie in den letzten Jahren bekannt war. Sie glich eher einer komplett unsicheren Mannschaft. Am Ende konnten die Gastgeber triumphieren, da Antoine Griezmann mit einem wahren Sahnetor – herrlicher Seitfallzieher in Klaus- Fischer-Manier – die Führung erzielte und am Ende konnte noch das 2:0 draufgelegt werden. Somit spielt die Roma gg. Qarabag um den Einzug in die nächste CL-Runde und Madrid gegen Chelsea. Glücklicherweise werde ich das Spiel der Roma live im Stadion verfolgen können, da mein Rückflug aus Rom am 06. Dezember sein wird. Zwar werde ich nicht mal 24 Stunden in Rom sein, aber ich freue mich schon wieder dieses ehrwürdige Stadion betreten zu können. Zum Stadion und den Gruppen lässt sich auch noch ein bisschen was sagen. Das Stadion erinnert ein bisschen an das Hannoveraner Stadion und sieht echt gut aus. Die Heimfans sind auch recht gut und konnten sogar die restlichen Zuschauer teilweise für einen gemeinsamen Support animieren. Spätestens nach dem zweiten Tor war von den Romanisti nichts mehr zu hören. Immerhin hatten sie einige Fahnen dabei und konnten zu Beginn durchaus ein bisschen überzeugen. Wie so oft in neuen Arenen sind die Gästebereiche unter dem Dach o.ä., was auch hier der Fall ist. Mit einem Bierchen nach dem Spiel ging es für mich jedoch zeitig ins Bett, da die nächste Zugfahrt bevorstand und dieses Mal brachte mich der Zug ins Baskenland.
In Spanien konnte ich mich noch verständigen bzw. konnte ich das baskische nicht einmal ansatzweise herleiten. Glücklicherweise wurde dort auch spanisch gesprochen, so dass ich problemlos in meinem kleinen Hotel in der Altstadt Bilbo einchecken konnte. Bilbo ist der regionale baskische Begriff für Bilbao. Zwar blieb mir nicht viel Zeit, aber ich konnte die Altstadt ein wenig erkunden und spazierte dann am Fluss entlang in Richtung Stadion, welches leider auch nicht mehr das alte, sondern das neue San Mames ist. Zum Golf der Biskaya habe ich es leider nicht mehr geschafft, aber es wird definitiv ein nächstes Mal geben. An dem heutigen Abend konnte ich mir vom Ruf der spanischen Ordner und Polizei ein Bild machen. Zuerst standen sie einfach nur da, aber sobald es etwas gab, was ihnen nicht gefiel z.B. eine Rangelei bzw. Geschiebe am Eingang waren sie gleich Gewehr bei Fuß und schritten kompromisslos ein. Warum ich z.B. am Einlass nur einen Schuh ausziehen sollte, entzog mich meiner Kenntnis, aber ich war froh, dass ich pünktlich drinnen im Block war, denn trotz rechtzeitiger Ankunft ging es längere Zeit praktisch gar nicht voran. Die Gäste aus der Hauptstadt bestimmten das Spiel und gingen folgerichtig in Führung. Die Hertha brauchte einen Sieg, um weiter den Traum von Europa am Leben zu erhalten. Der italienische Schiedsrichter entschied im Laufe der ersten Halbzeit auf Strafstoß für die Heimmannschaft, den diese auch verwandelten. Praktisch im Gegenzug ging die Hertha wieder in Führung. Das Spiel ging hoch und runter. Es war sehr unterhaltsam und so ging es dann auch in die Halbzeitpause. Scheinbar haben die Berliner in der Halbzeit den Faden verloren bzw. ihr Fortune, denn es gab u.a. wieder Elfmeter und am Ende hatte die Heimmannschaft das Spiel gedreht und gingen mit einem 3:2 als Sieger nach Hause. Mit dem Ende der obligatorischen Blocksperre ging es für mich auf dem schnellsten Wege in mein Quartier, ohne nicht vorher noch einen Gerstensaft zu mir zu nehmen. Der Wecker sollte mich am nächsten Tage wieder gegen 05:00 Uhr aus dem Schlaf klingeln, da ich die frühe Maschine nach Barcelona genommen habe. Sparfuchs olé. Der Flieger war von Gästen aus der Hauptstadt gut besucht. Die Stärkung auf dem Flughafen in Form von Kaffee und einem Panino war gerade verdaut, da wurde bereits mein Flug nach Hannover aufgerufen, denn der Ruhmreiche hatte seinen Auftritt in Braunschweig, den ich natürlich nicht verpassen wollte und mit der riesigen Vorfreude auf ein sicher gelungenes Wochenende stieg ich in den Flieger nach Hannover. In Wolfenbüttel – bekanntlich der Heimat des Jägermeisters – wurde der Abend mit einem leckeren regionalen Bier eingeläutet und nach einem ebenso leckeren leicht scharfen Mahl beim Asiaten ging es noch für ein paar Bier, Mexikaner und einige Würfelrunden zu Theo. Aber die große Fitz mit Inge, Tobi und den ganzen Jungs sollte am Abend nach dem Spiel des Ruhmreichen starten. Dies ist jedoch eine andere Geschichte…



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