London calling

von Andreas König

Mit dem gleichnamigen „The Clash“- Song im Ohr ging es für mich in der Früh zum Flughafen. Auf dem Programm stand u.a. eine englische Hochzeit, welche der ursprüngliche Grund für den Flug war, aber ich wäre nicht ich, wenn ich noch ein paar Spiele mitnehmen würde.
Nach der Landung wurden erstmal die Tickets bei Watford für die Stamford Bridge und bei Crystal Palace für das Heimspiel abgeholt, wobei natürlich auch noch die Fanshops nach interessanten Artikeln durchstöbert wurden.
Nach dem Einchecken und einigen kleinen Besorgungen klang der Abend bei ein paar Pints entspannt aus und es wurde für die nächsten Tage ein Plan entworfen. Denn ich wollte möglichst viele Stadien sehen und schauen, welche sich mal lohnen zu besuchen. Natürlich will ich alle sehen, aber es sollte doch auch eine Priorisierung erfolgen. Nach einem Abschluss weiß ich, dass ich neben Brentford (an drei von vier Ecken um das Stadion sind Pub), auch Charlton, Fulham und Millwall sehen will. Dies liegt v.a. an deren Stadien, die eher klein und alt sind. Queens Park Rangers wird wohl scheinbar auch demnächst umziehen. Mal schauen, wie ich das alles hinkriege ;-)
Am Morgen nach der Hochzeit ging es für mich in Londons Süden in den Selhurst Park zum Spiel vom Palace gegen Hull City, die bei einer Niederlage auch sicher absteigen würden. Untypisch für England sind die Fans von Palace, denn es gibt dort u.a. ein Ultragruppe, die Holmesdale Fanatics (siehe dazu den Artikel https://www.11freunde.de/artikel/ultras-von-crystal-palace). Bei diesem Spiel wurde der gesamte Unterrang mit einer Zettelchoreo in den Vereinsfarben und einer Blockfahne mit dem Vereinslogo gezeigt. Ein sehr schöner Start und dann ging es los. Es wurde ordentlich gesungen und viele standen immer wieder zum Singen auf. Normalerweise steht man in England nur auf, wenn es in Richtung Tor geht. Die Fans von Hull City wussten jedoch auch zu gefallen und stimmten immer wieder Gesänge an. Im Gegensatz zu meinen Erfahrungen bei Tottenham war das hier richtig gut. Ich habe mich richtig mitreißen lassen und stand immer wieder auf. Schön zu sehen war dabei, dass das gesamte Stadion bei manchen Gesängen eingestimmt ist. Gleichzeitig sorgte auch das Spiel von Palace dafür, dass die Stimmung gut war, denn sie bestimmte das Spiel und u.a. Benteke und Cabaye zauberten auf dem Platz und der Heimsieg war nie in wirklicher Gefahr. Bereits nach drei Minuten gingen die Eagles in Front und konnten Mitte der Halbzeit erhöhen. Am Ende stand es 4:0 für die Heimmannschaft und die Tigers aus Hull waren abgestiegen. Kurz vor Ende gab es noch einen kurzen Flitzer, der jedoch von den Ordnern nicht gefasst werden konnte und nach einem Sprung über die Bande sich wieder in den Block verkrümelt hatte. Er wollte einfach das letzte Tor mit der Mannschaft feiern, was ihm auch in Teilen gelungen ist. Nach diesen Erlebnissen ging es für mich zurück in die Innenstadt, um entspannt bei ein paar Cider und britischem Fastfood ausklingen zu lassen.
Am Montag wurden die restlichen Stadien erkundet und da das Wetter im Gegensatz zum Vortag nicht so mitspielte, war ich sehr froh, dass es rund um das Brentfordstadion genug Möglichkeiten gab einzukehren. Der Abend wurde jedoch an der Stamford Bridge verbracht, wobei ich bei der Ankunft aus der U-Bahn bereits sah, dass das mit dem Alkohol hier sehr schwierig wird. Somit ging es direkt rein ins Stadion und ab unters Dach, um zwischen vielen Touris aus aller Welt (Spanien, Italien, Asien...) erst einmal einen Cider zu trinken. Im Gegensatz zum Vortag hatte ich doch ein bisschen mehr Beinfreiheit. Eine so gute Stimmung wie bei Palace habe ich aber auch nicht erwartet. Jedoch sollten mich beide Fanlager, aber vor allem die Fans aus Watford positiv überraschen und auch hier gilt, dass die kleineren immer eine bessere Stimmung machen, als die Fans/Kunden bei den großen Vereinen. Der Ticketpreis war mit 30 Pfund auch vertretbar und der Support war spielbezogen gut. Von der Qualität und Intensität in etwa bei Norwich gegen Tottenham. Hinzu kam, dass Watford gegen den neuen englischen Meister sehr gut mithalten konnte und teilweise sogar in Führung hätte gehen können. Durch zwei Gegentore nach Ecken und einer Tempoverschärfung seitens Chelsea in den richtigen Momenten konnte Watford die Niederlage nicht verhindern. Dementsprechend traurig waren die Fans, aber hätten sie gewonnen, dann wäre wahrscheinlich das Dach der Bridge weggeflogen. Die Tore von Watford waren in Teilen aber auch schön herausgespielt. Somit blieb am Ende ein 4:3 für ein durchgemischtes Chelsea stehen. Immerhin habe ich wieder einige Tore gesehen, jedoch so ganz vom Hocker hat mich der Besuch an der Bridge nicht.
Der Selhurst Park wird mich wieder sehen, aber die Bridge so schnell nicht. Jetzt hieß es zu schauen, wie die anderen o.g. Stadien gekreuzt werden können, aber vorher stand noch das Emirates mit der Begegnung zwischen Arsenal und dem bereits als Absteiger feststehenden FC Sunderland auf dem Programm. So ging es für mich am Vorabend meines Rückflugs mit der Tube und der Overground zum Emirates. Leider habe ich es nie geschafft, dass alte Highbury zu besuchen. Inzwischen ist dieses einem Wohnkomplex gewichen. An und für sich hätte ich darauf zocken müssen und ohne Ticket hinfliegen müssen, denn das Stadion war nicht ausverkauft und es hätte noch genug Karten gegeben, aber wahrscheinlich nicht für Reihe drei praktisch hinter dem Tor. Bei Nieselregen, der bald einsetzen sollte, war der Platz natürlich suboptimal. Eine Ballberührung war mir leider nicht vergönnt, aber auch das Publikum war, wie erwartet, das stimmungsmäßig schwächste in den drei Spielen. Es wurde nicht einmal bei eigenen Eckbällen o.ä. aufgestanden oder es kamen auch selten Aufrufe zu Gesängen oder Ausrufen. Dies war also der berühmte spielbezogene Support, den man aus England kennt.
Arsenal war wie zu erwarten drückend überlegen und bekam auch gleich einen Treffer aberkannt, warum konnte ich leider nicht erkennen, aber ich vermute Hand- oder Foulspiel. Jedoch konnten Özil, Ramsey, Sanchez und Giroud keinen Ball im gegnerischen Tor unterbringen. Der gegnerische Torwart Pickford hat ein paar Mal schöne Fausteinlagen à la Rapha eingelegt. Wäre er nicht was für den FCN? ;-)
Somit ging es torlos in die Halbzeit und nach einem leckeren Cider ging es auch wieder raus. Kurz nach der Pause gab es eine seltene Situation im Arsenalstrafraum. Nach einer Rettungstat durch Cech gab es für die Gäste einen indirekten Freistoß, den diese aber nicht verwerten konnten. Am Ende sorgte die individuelle Klasse durch zwei Tore von Alexis Sanchez dafür, dass Arsenal gewann. Zum Abschied gab es noch einen kleinen Schmähgesang gegen Sunderland: „Have fun in the Championship“ (zweite Liga in England).
Mit diesen Erfahrungen geht es nun wieder zurück nach Deutschland. England wird mich definitiv wieder sehen, aber dann werden es wohl v.a. die kleineren Vereine, die ich besuche und begleiten werde, da ich die großen Vereine nicht mit noch mehr Geld unterstützen will. Außerdem will ich gerne mal ältere und kleinere Stadien sehen. Vielleicht klappt es ja am Boxing day oder wie ich gehört habe, soll es im FAcup immer mehr günstige Tickets geben.

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