La primavera italiana

von Andreas König

Das Montagsspiel gegen den BVB bot sich für einen Kurztrip nach Oberitalien an. Dank dem Ryanair-Angebot von 15 € gestaltete sich der Ausflug flugtechnisch als ausgesprochen günstig und ich konnte diesem Angebot nicht widerstehen. Dass ich auf dem Hinflug auch noch Sitzplatz A01 hatte, war natürlich auch beeindruckend, auch wenn der scheinbar ausgebuchte Flug bereits kurz nach sieben in Nürnberg wegflog. Fluchs das Gepäck im bahnhofsnahen Hotel abgegeben und schon ging es per Regionalzug über Mailand gen Carpi. Dabei kam ich mit einem Niederländer und seinen beiden Kindern ins Gespräch.
Das Stadion Sandro Cabassi beheimatete scheinbar auch einmal Fahrradrennen, da es eine Art Bahn mit Steilkurven gibt. Da das Stadion nicht sehr groß war und mitten im Wohngebiet lag, konnten Interessierte oder Ausgesperrte das Spiel von den angrenzenden Balkonen verfolgen. Rechtzeitig zum Anstoß saß ich auf der Tribüne und konnte den Ex-Clubberer Pachonik, der letzte Saison immerhin der beste Defensivspieler der Serie B war, beim Spielen zu sehen. Leider ist der Gastgeber aus Carpi aktuell am Tabellenende gelistet. Die Gäste aus der umbrischen Hauptstadt Perugia waren auch gut, wenn auch nicht überraschend stark, vertreten und feuerten ihre Mannschaft, die heute der Favorit war, gebührend an. Bisher habe ich die Gäste nur auswärts gesehen und habe diese wunderschöne Stadt schon länger auf meiner Liste, der zu besuchenden Städte. Hoffentlich wird dies bald der Fall sein, da sie aktuell durchaus auch auf Playoffkurs gen Serie A sind. Aber harren wir der Dinge, die die Zukunft bringen wird, denn verändern können wir sie nur marginal.
Dass die Heimmannschaft durchaus Fußball spielen kann, konnte man sehen. Dass sie jedoch zu Recht im Tabellenkeller beheimatet ist, ließ sich auch nicht verhehlen. Wobei die Fans in der Heimkurve ihre Mannschaft durchaus zu supporten wussten, aber sie konnten mit ihren Einlagen nicht die gesamte Hintertortribüne mitreißen.
Der Gästehaufen, der über die gesamte knapp zwei bis dreireihige Hintertortribüne verteilt war, konnte von meiner Position aus nicht immer auf sich aufmerksam machen, aber das war aufgrund meines Platzes auf der Haupttribüne auch nicht sehr verwunderlich.
Somit ging es torlos in die Halbzeit und ich dachte, mich trifft der Schlag. Der große Andrea Pirlo schaut hier im beschaulichen Carpi ein Zweitligaspiel an??? Nach ein wenig genauerem Begutachten kam ich zu der richtigen Analyse, dass es sich um eine Art Double handelte, der mit dem Winzer nicht die Bohne/Traube zu tun hatte. Als ich mich nach meiner Lektüre auf die zweite Halbzeit freute, rechnete ich immer mehr mit einem torlosen Unentschieden, aber in der Nachspielzeit konnte die von Alessandro Nesta trainierte Mannschaft aus Perugia den vom Gästeanhang umjubelten Siegtreffer erzielen. Mit dem Abpfiff machte ich mich auf den Weg in die zentral unter der Tribüne gelegenen Bar, um mich mit einem Fotografen und eine Journalisten zu treffen, die nebenbei für Fanseiten v.a. http://www.fansmagazine.eu/ schreiben, um mich mit Ihnen ein wenig auszutauschen. Glücklicherweise konnte ich ein wenig italienisch, um mich mit Ihnen bei einem Bier zu unterhalten. Dabei wurde über Fußball in Italien und Deutschland, Politik im Stadion etc. gefachsimpelt. Auf meine Aussage, dass ich am nächsten Tag zu Pro Sesto fahren wollen würde, erhielt ich nur Kopfschütteln und stattdessen wurde mir meine zweite Option Lecco wärmstens empfohlen, da beide Seiten eine Tifoseria – Fanszene – hätten. Somit stand mein Plan für den nächsten Tag bereits fest, da es sich außerdem um das Spitzenspiel handelte, da der Tabellenführer den aktuellen Tabellendritten empfang.
Zwar verpasste ich trotz Mitnahme gen Modena den RE nach Mailand, aber kurz danach fuhr ein Frecciader mich nach Mailand. Mit dem Regio ging es noch nach Bergamo, wo ich nach dem Einchecken meine Lektüre „Football leaks“ abschloss und mir müde die Bettdecke über den Kopf zog, da der Tag doch recht lange gewesen war.
Mit einem leckeren Frühstück gestärkt und einem kurzen Einkauf inklusive zimmerwarmen Bier startete ich mit einem neuen Buch „Cupido“ gen Lecco. Nach vierzig Minuten ohne Umstieg erreichte ich den Endbahnhof am Comer See. Die beiden Biere wurden bis dahin auch vernichtet, wobei sie natürlich geschmacklich nicht hervorragend waren, da sie einfach die falsche Temperatur hatten. Wenn ich das erste Mal am Comer See bin, dann muss ich diesen natürlich auch besichtigen. Gemütlich schlenderte ich gen See und gönnte mir ein Mittagessen in der Sonne. Neben dem leckeren Burger und einem Bier ließ ich mir die Sonne ins Gesicht scheinen und nahm wohlwollend die 20 Grad auf dem Thermometer der Apotheke nebenan zur Kenntnis. Natürlich wurde diese Temperatur durch die direkte Sonneneinstrahlung begünstigt, denn sobald die Sonne weg war, war es weiterhin richtig frisch. Gestärkt und motiviert lief ich durch das kleine Städtchen zum Stadion. Dieses Kleinod, welches wie das Stadion Brescia nach Mario Rigamonti benannt wurde, der seine größten Erfolge mit Grande Torino errang und gegen Kriegsende auch an Calcio Lecco verliehen war, hatte seine Ticketstände in den Außenmauern rund um das Stadion. So etwas gibt es auch kaum noch, aber es hatte seinen Charme, wobei ich bei knapp 20 € für die Haupttribüne in der vierten Liga nicht von einem Schnäppchen sprechen konnte. Die Heimkurve bereitet schon lange vor Anpfiff u.a. mit Hilfe von Absperrbändern eine Choreo vor, die die gesamte Hintertortribüne in ein zweifarbiges Zettelmuster tauchte und auch die Gegentribüne wurde in diese Choreo mit dem gleichen Muster einbezogen. Aus Savona kam auch ein kleiner Haufen zu diesem Spitzenspiel und meine Vorfreude auf dieses Spiel stieg von Minute zu Minute. Klar wurde kein Weltklassefußball abgeliefert, aber ich konnte wieder neue Eindrücke über den Support sammeln, was mich wieder bereichert hat. Aber dafür entschädigte mich der Blick auf die Berge im Hintergrund komplett.
Das Spiel wog hin und her, wobei die Heimmannschaft durchaus mehr Chancen auf den Sieg hatte und diesen am Ende auch verdient mit dem 1:0 davon trug. Die Gespräche mit den älteren Herren auf der Haupttribüne waren auch sehr herzlich, auch wenn ich teilweise an meine sprachlichen Grenzen geriet und mir schwor wieder mehr zu üben, damit ich die Themen „Zeiten“ und „Vokabeln“ weiter verbessere. Ergo werde ich wieder vermehrt italienische Medien konsumieren und meinen Vokabeltrainer wieder aktivieren. Dank meiner Kontakte vom Vortag lernte ich auch noch einen Hopper aus Spanien kennen und bei einem netten Gespräch in der bevorzugten Bar der örtlichen Ultras verging die Nachspielzeit wie im Fluge. Eingedeckt mit diesen neuen Eindrücke machten wir uns auf den Rückweg gen Bergamo, wo ich mich von meinen neuen Freunden verabschiedete und bei einer Pizza und einem leckeren regionalen Bier die Tour ausklingen ließ. Den Abend versüßte mir noch Biathlon im Fernsehen und schon endete der erste Italientrip des Jahres 2019 für mich. Jedoch werde ich sicher wieder das Land bereisen.


Zurück