Killer-Devils auf Abwegen in Dunkeldeutschland

von Kiff

Nachdem der Club am Freitag-Abend des 25. Spieltags trotz vier zu absolvierender Partien innerhalb von elf Tagen auch das 15. Spiel in Folge ungeschlagen blieb, konnten sich die Killer-Devils getrost von der 2. Liga ab- und zumindest für ein Wochenende der 3. Liga zuwenden.

Da aktuell gleich acht ostdeutsche Traditionsclubs im Unterunterhaus spielen und Killer-Devil Michi aktuell seine Zelte in Leipzig aufgeschlagen hat, bot sich dafür natürlich ein Abstecher in diesen Teil Deutschlands (Basti nennt ihn auch Dunkeldeutschland – wohl der Grund, dass er zu Hause blieb) an.

Am Samstag stand zunächst das Derby FC Magdeburg gegen FC Hansa Rostock auf dem Programm, welches im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt hatte. Zuerst wollte der Verein nur 700 Tickets an die Gäste aus der Hansestadt abgeben, um so das Gefahrenpotential des Hochsicherheitsspiels zu entschärfen. Als sich daraufhin jedoch die Fanszenen beider Teams solidarisierten und zu Demonstrationen innerhalb der Magdeburger Stadtgrenze aufriefen, brachte ein Treffen aller Beteiligten Gruppen doch noch die Wende. Letztendlich erhielten die Rostocker Fans 2.000 Karten - das übliche Kontingent an Auswärtstickets von 10%. Die Demonstrationen fanden trotzdem statt.

Die gemeinsame Sache schien die beiden Lager ihre Feindseligkeiten aber zumindest vorübergehend vergessen zu haben lassen, da das Spiel, welches mit über 1.100 Beamten „gesichert“ wurde, nahezu komplett friedlich abgelief. Umso bemerkenswerter war dagegen die Stimmung im Stadion. Die Heimfans, die ihrem Verein europaweit den dritthöchsten Zuschauerschnitt aller 3. Ligen bescheren, legten von Anfang an fulminant los und überzeugten durch eine hohe Beteiligung aller Blocks sowie durch eine ungeahnte Variantenvielfalt in ihrer Unterstützung. Besonders die minutenlangen Wechselgesänge über drei Geraden mit wechselnden Choreographien (Hüpfen, Einhaken, Schalwedeln…) und die Polonaise mit Richtungswechsel ließen die Killer-Devils staunen. Als nach zehn-minütigem Schweigen (10% Auswärtsticket-Kontingent) auch die Suptras begannen, ihre Mannschaft anzutreiben, entwickelte sich ein lautstarker Schlagabtausch auf den Tribünen, der das Spielgeschehen auf dem Rasen vollends zur Nebensache werden ließ. Nach dem 4:1 Sieg für den FCM lautete unser Fazit, mit dem wir uns auf den Weg nach Leipzig machten, entsprechend, dass wir eine solche Stimmung bis in den allerletzten Winkel des Stadions so noch nie zuvor erlebt haben.

In Leipzig wurde zuerst der Hunger, den diese 90 Minuten Stimmungsatmosphäre pur zuvor erzeugt hatte, mit Burger und Pommes gestillt, ehe wir in einer Shisha-Bar den eigentlichen Abend einleiteten. Dieser sollte uns in das doch eher links-politisch angehauchte Connewitz im Süden Leipzigs führen. Während wir mit unserem Einlassbegehren am Fischladen (einer sowohl Chemie- als auch Roter Stern- affinen Lokalität) zunächst noch scheiterten, kamen wir nach dem Besuch einiger weiterer Etablissements einfach später zurück, als dort schon alle zu betrunken waren, um sich für vier Nürnberger zu interessieren. Nachdem u.a. antifaschistische Katzenkalender-Promotion-Plakate erworben wurden, suchten wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite die letzte Lokalität des Abends auf und beschlossen dort - in einem plötzlichen Drang zur Pädagogik , dass zwei Uhr morgens genau der richtige Zeitpunkt ist, unserem Grandseigneur noch ein kulturell wertvolles Kartenspiel beizubringen. Letztendlich war es aber vielleicht doch weniger altruistisch als vielmehr Selbstzweck, da dessen Lehrgeld aus einer Runde Mexikaner bzw. Gurkenlikör bestand. Den Abschluss eines gelungenen Abends bildete dann das einzige Gruppenfoto des Tages, auf dem alle Reiseteilnehmer vollständig zu sehen sind (zuvor wurde auf mysteriöse Weise stets ein Killer Devil vom Bild verdrängt): vor dem Wahrzeichen der Stadt – dem Völkerschlachtdenkmal – wurden einige Killer-Devils besser, andere schlechter getroffen. Vor dem wohlverdienten Schlaf outete sich der Taxi-Fahrer, der uns zu unserer Bettstatt chauffierte, leider noch als Red Bull Fan – wohl auch der Grund, dass ihm offensichtlich jemand in die Klimaanlage gekotzt hat.

Am nächsten Morgen dann, wurde es richtig hektisch. Unser nächstes großes Ziel war Dresden, aber davor musste noch getankt und gefrühstückt werden. Unter Michis zähem Drängen schafften wir es auch noch rechtzeitig ins Cafe Puschkin, um dort dann zwei Stunden auf unsere Pfannkuchen warten zu können und trotzdem noch rechtzeitig zum Spiel in der sächsischen Landeshauptstadt zu sein. Die Wartezeit haben wir uns mit Zeitungsfahnen und Kartenspielen vertrieben; zu unserem Glück gab es an der Tankstelle danach keine Jägermeister.

Auf dem Weg zum Stadion ließ es sich Michi nicht nehmen uns lautstark seine Expertise im Felde der Genealogie unter Beweis zu stellen. Noch ein kurzer Schoppen im Biergarten auf der anderen Straßenseite und rein gings. Oder auch nicht. Das gemeine Fußvolk musste bis nach Anpfiff Schlange stehen. Drinnen erwartete uns dann ein gelbes Meer und ein recht löchriger Gästeblock mit Fans der Stuttgarter Kickers. Ein bisschen dekadent geworden nahmen wir sogar die Klappsitze zeitweise in Anspruch. Auf dem Rasen war nicht viel Spannung geboten, die Kickers wurden abgewatscht. Auf den Rängen ging das DÜ-NA-MÖ rundum, aber war kein Vergleich zu Magdeburg. Man merkte der Begegnung am Sonntag ihre Alltäglichkeit. Ein eher gemütlicher Fußball Sonntag.

Und so nahm auch unser Wochenende langsam sein verdientes Ende. Über einen kleinen Umweg nach Leipzig, kam Michi noch nach Hause und der Rest döste weiter bis nach Nürnberg. Alles in allem ein spannender Trip in den Osten und die dritte Liga. Danke, Michi, für die Einladung! Erwähnenswert bleibt die wohl mieseste Stadionwurst in Magdeburg und dass im Osten zum Glück doch nicht alles braun ist (auch wenns der Wurst zumindest gut getan hätte).



Zurück