Killer Devils Gastspiel in London

von Team Killer Devils

„Das wird ein Marathon – und kein Sprint!“, warnte Matze vor dem Auftritt in der englischen Hauptstadt. Entsprechend akribisch und intensiv vorbereitet machte sich das Nürnberger Team kurz vor Weihnachten ohne personelle Ausfälle auf den Weg in die englische Hauptstadt. Dabei war davon auszugehen, dass die Partie wohl auch über die Zukunft des zuletzt nicht unumstrittenen Trainers Andreas entscheiden würde. Mit Spannung wurde die Marschroute, die er sich für diesen Spieltag überlegt hatte, erwartet.
Nach dem Anpfiff am Nürnberger Flughafen, wurde schnell deutlich, dass er sich einiges für dieses Spiel vorgenommen hatte, indem er seiner Mannschaft direkt eine strikte Offensive in Form einer Runde Jägermeister verordnete. Dieser Ansturm wurde dann auch bis zum Abflug durch aggressives Schafkopf-Spielen fortgesetzt, ehe die Partie etwas abflaute, bis die Gruppe schließlich in dem gemieteten Apartment im Londoner Osten ankam. Dort wurde sie von einer Freundin der Vermieter empfangen, welche aufgrund des Weihnachtstrubels leider nicht persönlich vorbeischauen konnten. In der Wohnung fand Basti dann sogar direkt die englische Fassung seines Lieblingsbuchs „Sex and Destiny“. Emilie schien die Begeisterung für dieses Werk aber nicht mit ihm zu teilen, sodass sie die Truppe nach kurzer Einweisung schnell wieder verließ. Die Anfangsphase wurde mit dem Beziehen der Wohnung, dem Einkaufen von in erster Linie Bier- und Schnaps-Vorrat sowie dem „Dinner“ im Lahore Kebab Haus gegenüber abgerundet. Der Start war dem Team also gut gelungen, was Hoffnung für die restliche Spielzeit machte.

So hart man mit dem vergangenen Abend ins Gericht gegangen war, so hart sollte jeder einzelne am kommenden Tag persönlich auf die Probe gestellt werden. Am Ende konnte aber niemand sagen, er sei nicht gewarnt gewesen, schließlich war kein geringeres Event als die Dart-Weltmeisterschaft im altehrwürdigen Ally Pally das Ziel! Nachdem die Wohnung mittels einer großen Küche samt schafkopftauglichem Esstisch keine Wünsche offen ließ, sollte das üppige Frühstück eine gute Grundlage bilden können. So lautete jedenfalls der Matchplan. Teil 1 erfüllt, sollte anschließend der zweite Part in Angriff genommen werden: Dem Ally Pally würdige Outfits! Nachdem man bekanntlich neben einer guten Vorbereitung auch hin und wieder etwas Glück benötigt, nahmen wir eben jenes hier allzu gerne in Anspruch. Hatte doch tatsächlich ein kleiner Laden nur einige Häuser weiter die perfekte Lösung parat: PIKACHU-KOSTÜME! Ergänzt durch ein stylisches Accessoire konnte die “Road to Ally Pally“ - durchaus euphorisiert - angetreten werden.
Durch ausreichend Hopfen-Smoothies gestärkt, erfolgte die Ankleidungsphase bei fast allen Mitstreitern reibungslos. In einer körperlich wie optisch herausragenden Verfassung konnte die Herausforderung “Darts-WM“ angegangen werden. Eine erste Challenge sollte der Kostümwettbewerb darstellen. Dass sich bei diesem Turnier durchaus ernstzunehmende Konkurrenten zeigen würden, wurde spätestens jetzt klar. Allerdings zeigte sich hier schnell, dass sich die akribische Vorbereitung auszahlte. Der erste Titel war schnell eingesackt!
Die Gewinner des Kostümwettbewerbs am 23.12.15 im Alexandra Palace kommen also aus Nürnberg!

So weit, so gut: Erspieltes Freibier vernichten und dann die weiteren Zielsetzungen annehmen, so lautete das weitere Vorgehen. Im Folgenden wurden also die anderen anwesenden Teams im Nahkampf getestet. Fazit: Durchaus ordentlich! Darts, Bier, neue Bekanntschaften. So lässt sich der weitere Abend im Ally Pally prägnant zusammenfassen. Ein Besuch ist in jedem Fall ein absolut geniales Erlebnis. Mit einiger Sicherheit lässt sich sagen: Es wird nicht unser letzter Auftritt dort gewesen sein. Darts rockt! Auf verschlungenen Wegen fand am Ende jeder Mitstreiter in unterschiedlich stabilen Zustand zurück ins Hauptquartier.

Der Autor dieses folgenden nächsten Teils ist aufgrund der Auslosung etwas unglücklich gewählt – war er doch am nächsten Tag wegen akuter „Kopf- und Magenschmerzen“ die größte Zeit im Bett gelegen. Diese Tatsache außer Acht gelassen war dieser Tag für die meisten Menschen der Welt natürlich ein Besonderer: Es war Heiligabend. Und so mussten abends natürlich die Künste des Meisterkochs Basti her: Es gab Hähnchenbrust im Speckmantel mit feiner Pilzsoße und Gemüßepfanne à la Michi. Trotz üppiger Zutatenplanung blieb nichts übrig und im Anschluss war das Sauf-Gelage – ja jetzt fehlt mir der Superlativ Freunde – und deswegen ganz schlicht: Nichts für Hodenkobolde!

In unterschiedlich stabilem Zustand wurde der 1. Weihnachtsfeiertag eingeläutet. Zur Einordnung: Werden in heimischen Landen die Hauptfeierlichkeiten am 24.12. begangen, passiert dies in England primär am 25.12.. Geschlossene Läden und Pubs schränken hier also die Auswahl an Aktivitäten durchaus ein. Durch das inzwischen beinah ritualisierte Frühstück gestärkt wurde entschieden, sich per pedes Richtung Tower Bridge aufzumachen und sich so etwas die Beine zu vertreten. Im Anschluss wurde festgestellt, dass sich die weiteren Tagesplanungen doch etwas unterschieden und so traf man sich am frühen Abend zum gemeinsamen Abendessen auf der nicht ganz unbekannten Brick Lane wieder. In der Zwischenzeit führte uns unser 7. Sinn zielgenau in Richtung eines der wenigen geöffneten Pubs, während zwei andere Mitglieder per Fahrrad das regnerische und nahezu menschenleere London erkundeten.
Die Brick Lane bildet das kulinarische Herzstück der Bangladeschi-Gemeinde Londons und ist unter anderem für ihre zahlreichen südasiatischen Restaurants bekannt. Nach einigem hin und her wurde eine entsprechende Lokalität ausgewählt. Dem Angebot von Freibier konnte nicht widerstanden werden. Nachdem von den versprochenen Bieren zumindest 5 von 6 den Tisch unbeschadet erreicht hatten, konnte man sich der Karte widmen. Kurzum: Durchaus schmackhaft aber doch recht trocken. Memo: Nächstes Mal Soße dazu bestellen! Nachdem sich, wie geschildert, die Alternativen an diesem feierlichen Tage doch arg in Grenzen hielten, sollte der restliche Abend im Hauptquartier begangen werden. Nachdem vorab die Bierreserven nochmal aufgefüllt wurden - den 24h-Shops sei Dank - widmete man sich gediegen dem Kartenspiel. Abhängig von der situativen Konstitution wurde der Abend anschließend unterschiedlich früh/spät beendet. Die Vorfreude war spürbar, schließlich stand am nächsten Tag Großes an.

Am 2. Weihnachtsfeiertag wird auf der Insel traditionell der Boxing-Day zelebriert, bei dem ursprünglich Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern Geschenke in Form von „christmas boxes“ überreicht haben. Als netter Nebeneffekt werden an diesem Tag auch in sämtlichen englischen Fußballligen Spiele ausgetragen. Dies nutzten wir, um der winterlichen Fußballlosigkeit hierzulande zu entkommen. Schon im Vorfeld des Trips wurde sich für die Partie Tottenham Hotspur gegen Norwich City entschieden, unter anderem auch, weil das in die Jahre gekommene Stadion an der White Hart Lane demnächst neu gebaut werden wird. Nach dem wieder mal üppigen Frühstück machte sich die Truppe auf den Weg zum Stadion. Gerade angekommen und auch der nicht ganz kurzen Anreise geschuldet, wurden zur Stärkung ein paar hopfenhaltige Getränke ausgepackt. Etwas verwundert, warum wirklich niemand auf der stark frequentierten Straße vor dem Stadion uns das gleich tat, machten wir uns auf einen Fußmarsch zur „Cathedral Of Football“. Dabei wurde der Grund dann aber augenscheinlich: Das Gebiet um das Stadion ist eine strikte „No Alcohol Zone“, in der bei Zuwiderhandlung, also dem Genuss von alkoholhaltigen Getränken, eine Strafe von bis zu 500 Pfund fällig wird! Glücklich und auch etwas unterhopft, fanden wir ein paar hundert Meter entfernt ein Pub, in dem auch wir als Nicht-Heimfans willkommen waren. An den Plätzen im Stadion fiel uns als erstes auf, dass in England Fußballspiele doch nicht nur sitzend verfolgt werden. Außerdem gab es weder Fantrennung, noch war der Stimmung machende Teil der Fans durch einen Zaun oder Sonstiges abgetrennt. Weiterhin war die Stimmung im Stadion bei weitem nicht so schlecht wie erwartet. Vor allem die Fans von Norwich, in deren Block wir standen, machten selbst bei dem Spielstand von 0:3 gegen ihre Mannschaft gut Stimmung. Die Stimmung unter dem Heimfans hingegen wurde auch während des Spiels treffend mit den Worten „More noise in a library“ beschrieben. Das Spiel an sich war eine eher mittelmäßige Partie, die nur bis zu dem Foulelfmeter in der 26. und einem Konter in der 42. Minute relativ ausgeglichen war. Nach dem Spiel und einem nicht ganz direktem Heimweg füllten wir unseren Biervorrat einmal mehr auf. Danach ließen wir den Abend mit einer selbstgemachten Lasagne von Basti, einem selbstgemachten Pastagericht von Michi, etwas Bier und reichlich Schafkopf ausklingen.

Für den letzten ganzen Tag in London hatten wir uns für ein traditionelles britisches Frühstück entschieden. Leider war das ursprünglich avisierte Lokal geschlossen, so dass man nach kurzem Suchen eine Alternative gefunden hatte. So betrat die Mannschaft das Café und wurde zügig als Deutsche enttarnt. Nach einem reichhaltigen und sättigenden Frühstück sollten sich die Wege für kurze Zeit wieder trennen. Während ein Teil sich einen entspannten Nachmittag mit Hydepark und einem Museumsbesuch machte, ging es für den anderen Teil mit der Overground in einen Vorort im Norden Londons. Auf der Fahrt wurde auch ein Tipp für die Abendplanung gegeben. Nach einem Spaziergang durch ein Wohngebiet mit einem veganen Hopfengetränk wurde die Lodham Lodge erreicht. Hier sollte sich ein Ligaspiel in der neunten Liga zutragen. Nach kurzem Umsehen und der Möglichkeit Getränke mit auf die Tribüne zu nehmen, wurde ebenjene Tribüne mit einem Ale in der Hand betreten. Der tiefe Platz sorgte nicht gerade für filigrane Spielzüge, sondern eher für klassischen unterklassigen Fußball. Im Laufe der Partie wurde Kontakt zum gastgebenden Verein geknüpft und Michi hat mit einem Kopfball zurück auf das Feld einen zusätzlichen Scorerpunkt in seiner Statistik verzeichnen können. Im Anschluss an die Partie, die von den Gästen mit 3:1 gewonnen wurde, kam es noch zu verschiedenen Gesprächen mit Offiziellen inklusive Schalübergabe, sowie englischen Groundhoppern. Mit diesen Eindrücken ging es zurück zum Treffpunkt mit dem Rest der Gruppe. Dort wurde nach kurzem Diskurs entschieden, den Abend mit Comedy ausklingen zu lassen. Dies sollte nach einem Abendessen geschehen. Statt der erwähnten 150 Personen waren es jedoch eher 10 Personen, wobei Mannschaftsmitglieder auch ins Programm mit einbezogen wurden. Nach Ende dieser Etappe wurde jedoch noch der eigentliche Zielort gefunden und es war durchaus ein kurzweiliger Abend, der dort verlebt wurde. Im Anschluss ging es danach noch ins Hauptquartier, um sich auf die letzten Etappen vorzubereiten und einen Großteil der restlichen Hopfen- und Schnapsvorräte zu vernichten.

Am letzten Tag ging es für die Mannschaft raus aus London ans Meer. Ziel der Zugreise war Southend-on-Sea. Nachdem die verschiedenen nationalen Gerichte schon verspeist wurden, fehlte als Krönung nur noch Fish and Chips. Nach einem Flanieren durch die Fußgängerzone in Richtung Meer wurde auch gleich ein Lokal dafür gefunden. Gestärkt ging es dann noch für ein paar Fotos an die Promenade, um sich dann mit dem gesamten Gepäck in Richtung Stadion aufzumachen. Der kurzweilige Spaziergang führte hinaus in Richtung Stadion und auf dem Weg dorthin konnte man erahnen, dass das hier etwas anderes wird. Die Einsatzkräfte waren bei diesem Spiel in der dritten Liga zahlreicher als am Boxing Day vertreten. Der Grund dafür liegt im Gegner, denn dieser war der berühmte FC Millwall. In der Geschäftsstelle wurden wir freundlich empfangen und konnten unser Gepäck vor Ort lassen. Nach Erhalt der Tickets ging es in das auch schon etwas ältere Stadion, wobei wir leider erst knapp nach Anpfiff an unseren Plätzen in der ersten Reihe im Unterrang unterhalb der Grasnarbe ankamen. Zwar saßen wir direkt hinter dem Tor, aber wirklich unterhalb des Spielfeldes. Obwohl Southend United vor dem Spieltag knapp vor Millwall in der Tabelle notiert war, wurde es ein deutlicher Auswärtssieg des FC Millwall mit 4:0. Millwall spielte einfach zielstrebiger und nutze seine Chancen eiskalt aus. Dabei zeigten die Gesänge der Gästefans bei uns durchaus Wirkung. „Ab jetzt wird nur noch für den Gästeblock nach Tickets geschaut.“ wurde beschlossen. Die Heimfans zeichneten sich im Gegensatz zu den Fans des FC Norwich nicht durch Kreativität in ihren Texten aus. Es ging durchweg gegen den Gegner und es wurden Gesänge und Laute angestimmt, die für uns der Vergangenheit angehören und mit unseren Meinungen nicht konform gingen. Das war dann doch etwas ernüchternd, dies konnte auch nicht durch die Freundlichkeit der Angestellten des Vereins wieder wett gemacht werden.

Die abschließende Fahrt zum Flughafen wurde von allen Mitgliedern in Ruhe verbracht, da man sich auf der Zielgerade des Marathons befand. Der Rückflug ging dann auch zügig vonstatten, so dass wir alle im nun kühlen Nürnberg landeten und uns mehr erschöpft als erholt auf den Heimweg machten.

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