Irish experiences

von Andy und Jürgen

Zwei Killer Devils machten sich in der Länderspielpause über unterschiedliche Anreiserouten auf den Weg nach Dublin und trafen dort praktisch zeitgleich ein. Schnell im Hotel eingecheckt und das Zimmer inspiziert und kurze Zeit später ging es mit ein paar Getränken und Essen ausgestattet mit dem Bus direkt nach Belfast. Der Aufenthalt sollte fußballerisch mit einem Ligaspiel zwischen Glentoran FC und den Crusaders F.C. begonnen werden. Ein kleiner Spaziergang durch das Viertel und mit einigen sehr interessanten Eindrücken von bemalten Häuserwänden über Gedenkbereiche für die gefallenen Glaubensbrüder ging es frisch gestärkt durch ein typisch britisches Wohngebiet zum Stadion. Natürlich war das Spiel nicht ausverkauft, aber auf den Tribünen fanden sich doch einige Gäste wieder, die normalerweise nicht so oft den nordirischen Fußball verfolgen. Die Heimfans hatten ihre Kurve ordentlich beflaggt, während die Gäste nicht einmal eine Handvoll Fahnen dabei hatten. Beide Kurven hielten dem kontinuierlichen Sprühregen stand.
Tabellarisch trennte die beiden nicht viel. Beim Blick auf die Aufstellungen fällt auf, dass wie auch in den unteren Ligen Standard nahezu alle Einheimische sind. Der einzige Spieler mit ausländischen Wurzeln der altgediente dänische Torwart Brian Jensen, der mit stolzen 42 Jahren noch zwischen Pfosten steht und u.a. mit dem FC Burnley in der Premier League gespielt hat. Jedoch waren die Crusaders die klar tonangebenden und führten die Gastgeber immer wieder vor. Mit dem 2:0 durch den Doppelpacker Rodney Brown kurz nach der Halbzeit war den Gastgebern, die ihre Chancen teilweise sehr kläglich vergaben, der Zahn gezogen und somit erwies sich das 3:0 für die Gäste als folgerichtig. Natürlich lässt sich die nordirische Liga nicht mit unseren einheimischen Ligen vergleichen, aber das Stadion verströmte u.a. auch durch Natodraht einen gewissen Charme, der der Geschichte der Stadt und des Landes entspricht. Mit diesen Gefühlen und Gedanken ging es mit dem letzten Bus zurück nach Dublin, dabei ließ sich auf der Fahrt nicht fix herausfinden, wo die genaue Grenze verläuft. Dies dürfte sich in nicht allzu ferner Zukunft ändern.
Trotz meiner Vorliebe für Italien verströmen altehrwürdige Stadien auf den britischen Inseln einen Charme, dem ich erlegen bin. Ein altes Stadion mitten in einem Wohngebiet von einem im Stadtteil verwurzelten Verein lässt das Herz des Fußballromantikers in mir höher schlagen.
Der Folgetag stand unter dem berechtigten Anspruch der Stadterkundung. Aufgrund unseres stadtnahen Hotels stellte dieses Vorhaben auch kein großes Hindernis dar. Im Anschluss an den Unicampus ging es entlang des Liffey zum örtlichen Zoo. Da das Wetter auch hielt, wurde am Nachmittag der gesamte Tiergarten erlaufen und einige neue Erkenntnisse über die verschiedenen Tiere erlangt. Positiv gefielen mir die gesamte Gestaltung des Parkes und auch die kleinen Exkurse in die Vergangenheit des Zoos u.a. die Geschichte über den Elefant Sarah. Auf ihr konnten nach dem Krieg bis in die 1960iger Personen durch den Zoo reiten. Heutzutage nahezu unvorstellbar. Damals gab es jedoch häufiger solche „Attraktionen“.
Zu einem Aufenthalt in Irland gehört natürlich auch Guinness und Pubs. Dementsprechend ging es am Abend zum Essen und zum Ausklingen des Abends in ein Pub mit Livemusik. Die Preise waren typisch irisch, aber die Qualität des Essens war es definitiv wert und ich würde das Pub auch jederzeit wieder aufsuchen.
Der darauffolgende Tag brachte uns an die Küste u.a. in irischen Golf von Neapel, den wir über den Khyberpass erreichten. Die Aussicht von der Passhöhe auf die nahe und ferne Umgebung war trotz nicht perfekter Sicht wunderschön. Nach beschwerdefreiem Abstieg transportierte uns die DART zurück nach Dublin. Leider ließ die fortgeschrittene Zeit nicht viel Spielraum, so ging es u.a. über Rialto zum Abendprogramm. Zufälligerweise machte der Dart World Grand Prix in einem Hotel in einem Vorort von Dublin Station. Am Vorabend wurden noch Tickets organisiert, was problemlos möglich war. Die Begegnungen des Abends verhießen mit van de Pas, Mensur Suljovic und Snakebite Peter Wright großartigen Sport und wir wurden auch nicht enttäuscht. Da am nächsten Tag das Länderspiel in Belfast anstand und es definitiv spät werden würde, ging es nach der letzten Begegnung zügig mit den Öffentlichen zurück ins Hotel, um für die Stadtbesichtigung von Belfast ausgeruht zu sein.
Das bevorzugte Verkehrsmittel war auch wieder der Bus, der wie bereits am ersten Tag erlebt keine Toilette hatte, was dem ein oder anderen durstigen Mitfahrer die Stimmung vermieste. Dies gipfelte dann schließlich in einer unfreiwilligen Pause am Seitenstreife. In Belfast kommt niemand an der Geschichte des Hafens und damit an Harland and Wolff Ltd. vorbei. Diese konstruierten und legten u.a. die Olympic-Klasse mit der Titanic auf Kiel. Der Besuch der Titanicexperience lohnte sich im Nachgang, da die Ausstellung sehr gut konzipiert wurde und der Besucher vieles selbst erfahren kann und es nicht nur ellenlangen Texte zum Lesen gibt. Die Größendimensionen ließen sich an Hand des alten Trockendocks erahnen, denn die Menschen waren daneben einfach winzig.
Im Anschluss daran ging es zum Vouchertausch und somit dann auch langsam in Richtung Stadion, welches selbstverständlich ausverkauft war. Glücklicherweise hielt das Wetter und das Spiel war auch recht ansehnlich, wobei offensichtlich war, dass die Gäste nicht mehr als nötig machten. Dementsprechend war das Ergebnis mit einem 3:1 Auswärtssieg standesgemäß. Was ich als sehr positiv empfand war das Gratulieren der nordirischen Fans und das gemeinsame Feiern in Belfasts Straßen. Aufgrund der späten Uhrzeit wurde trotz einiger Unbequemlichkeit ein Teil der Rückfahrt verschlafen und um 03:00 Uhr früh erreichte auch der Letzte sein verdientes Bett.
Da am Freitagabend noch das Irlandländerspiel gegen Moldawien auf dem Plan stand, wurde der Tag recht entspannt verbracht, um auch die zeitlichen Nachwirkungen des Vortages ein bisschen zu kompensieren. Wider Erwarten war das Stadion praktisch ausverkauft, jedoch waren wir rechtzeitig drinnen, so dass wir den Ankick noch mitbekamen. Bereits nach zwanzig Minuten war die Messe mit zwei Toren durch Murphy gelesen. V.a. in der zweiten Halbzeit nahm das Niveau kontinuierlich ab, da die Iren sich für das entscheidende Spiel gegen Wales schonen wollten und Moldawien konnte einfach nicht mehr. Mit dem Sieg im letzten Vorrundenspiel qualifizierte sich dann ein paar Tage später Irland für die Playoffs, um doch noch nach Russland fliegen zu dürfen.
Für uns ging es Samstagfrüh, nachdem am Vortag unsere Chipkarten kurzfristig nicht mehr funktionierten, mit dem Flieger nach London. Aus dem geplanten Spiel von Charlton Athletic wurde leider nichts, da es verschoben wurde. Stattdessen ging es abschließend noch einmal ins British Museum, um sich mit der abwechslungsreichen Weltgeschichte intensiver zu beschäftigen. Den Abschluss dieser schönen Fahrt bildete noch ein leckeres Cider, um dann wieder gen Stansted zu fahren und den Flieger nach Deutschland zu nehmen.
Und die Moral dieser Woche? Die britischen Inseln insbesondere der irische Teil wird uns sicher noch einmal sehen, denn da gibt es noch so viele schöne Städte und Landstriche zu erkunden...

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