Home sweet home – San Marino und das Veneto

von Andreas König

Nach einem Wochenende in Wien war ein Killer Devil schon wieder auf Reisen. Dieses Mal ging es zuerst nach Serravalle – San Marino –, um dort das Länderspiel zwischen dem einheimischen Fußballzwerg und dem aktuellen Weltmeister zu besuchen. Dafür machte ich mich morgens mit dem Zug ab München nach Rimini und von dort im strömenden Regen mit dem Taxi nach San Marino auf. Bei dem Wetter hätte ich auch daheim bleiben können, denn den Platzregen gab es auch in Nürnberg - nur dass er dort nicht die Straßen regelrecht in Sturzbächen herunterjagte. Als der Bus nicht an der Bushaltestelle anhielt, dachte ich schon, dass das mit dem Spiel nichts wird, aber dank der Hilfe von Einheimischen kam ich noch pünktlich am Stadion an. Am Ende wurde das Spiel 8:0 bei strömendem Regen gewonnen, aber der Nachgang mit der Diskussion über den Sinn dieser Spiele wehrte länger als die 95 Minuten Spielzeit. Die Antwort aus San Marino verdeutlicht nach meiner Meinung sehr gut die Diskrepanz zwischen dem ultimativen Profitum und dem Leben von Fußballern, die für ihr Land alles geben, aber auch einen “normalen“ Job haben (siehe auch http://www.zeitspiel-magazin.de/offener-brief-von-alan-gasperoni-san-marino-an-thomas-mueller.html ).
Aufgrund des Nichthaltens des Busses am Vorabend wurde eine andere Haltestelle aufgesucht, was sich im Nachgang als übertrieben herausgestellt hat. Denn in Italien ist von Montag bis Samstag Schule und da viele SchülerInnen aus San Marino in Rimini in die Schule gehen, hielt der Bus später auch an meiner Unterkunft. Auf der Fahrt nach Rimini war auch ein kleiner Bach über die Ufer getreten, was für zusätzliche Unterhaltung bis Rimini bei den SchülerInnen sorgte.
Leider konnte ich in einem Tabakladen in Bologna nicht die Tickets für die anstehenden Begegnungen kaufen, da es ein paar Serverprobleme gab. Dafür entschädigte mich das Wetter auf dem Weg gen Padua. Es wurde von Minute zu Minute besser, so wie es aus Erzählungen auch am Donnerstag in San Marino gewesen sein soll. Nach Hinterlegung des Gepäcks ging es durch Padua, aber aufgrund des frühzeitigen Endes des Vorverkaufs für die Spiele musste an den Stadien an diesem Tag mehr ausgegeben werden. Beim Spaziergang durch Padua fiel auch die eingleisige Translohrstraßenbahn auf. Dieses System habe ich vorher noch nie gesehen.
Die Zeit drängte aber, so dass es mit dem Bus und dann zu Fuß zum Stadion ging. Am Stadion angekommen wurden einige Hopper vom Vortag angetroffen, die auch den Doppler mit Vicenza am Abend noch auf dem Schirm hatten. Da das Wetter passte wurde sich in der Sonne ein Platz gesucht und die wenigen Gästefans von FeralpiSalò wurden beobachtet. Dieser Verein ging 2009 aus der Fusion der Vereine AC Salò und AC Feralpi Lonato aus Lonato del Garda hervor. Diese beiden Städte liegen am Gardasee und durch die Fusion lässt sich ggf. auch das geringe Gästeaufkommen erklären. Die Begegnung zwischen Calcio Padova und AC FeralpiSalò der Lega Pro Girone B war Teil des 13. Spieltags. Denn im Gegensatz zu Deutschland spielte in Italien an diesem Länderspielwochenende alles ab der Serie B.
Das Stadio Euganeo besitzt keine Anzeigentafel, obwohl es erst 1996 erbaut wurde. Jedoch sind aktuell nur die beiden Tribünen in Benutzung. Auf den LED-Banden wird die Minute auf die Sekunde genau wiedergegeben und auch der Spielstand. Von Anfang an wollte die Heimmannschaft den Sieg. Jedoch sollte es torlos in die Halbzeitpause gehen. Während der zweiten Halbzeit konnte dann der schnelle Weitertransport – erneut per Taxi – zum Hauptbahnhof in Padua fixiert werden. Die Italiener sind einfach ein wunderbares Volk. Gleichzeitig ging der Gast in Führung, was natürlich die anfeuernde Gruppierung kurz aus dem Gleichgewicht brachte. Da sie neben mir positioniert war, hatte ich nicht immer den besten Blick auf sie. Aber sie haben mich doch positiv überrascht, auch wenn sie nicht viel gesungen oder Fahneneinsatz getätigt haben. Den Heimbereich konnten sie aber immer wieder in ihre Gesänge einbinden. Besser wurde dies natürlich nach dem umjubelten Ausgleich. So ging es in die letzten zehn Minuten. Darin konnte die Heimmannschaft noch das Siegtor erzielen und kurz danach war der Gegner auch nur noch zu zehnt, was deren Widerstand endgültig gebrochen hatte.
Nach einem kleinen Sprint rund ums Stadion ging es mit dem Taxi in Richtung Bahnhof. Nur fuhr dieses Mal der Zug pünktlich ab, aber es gab ja noch eine zweite Möglichkeit, die dann auch halbwegs rechtzeitig in Vicenza ankam. Das Hotel lag mitten in der Stadt und von allen Sehenswürdigkeiten nur einen spuckweit entfernt. Was aber noch wichtiger war, dass es praktisch auf direktem Weg zum Stadion lag, denn nach der Ankunft im Hotel inklusive Einchecken blieben nur noch fünfzehn Minuten bis zum Ankick. Sportlichen Schrittes ging es den knappen Kilometer bis zum Stadion, welches auch kurz vor Anpfiff erreicht wurde. An diesem Abend spielte in der Serie B Vicenza Calcio gegen U.S. Latina Calcio. Tabellarisch war das der 20. gegen den 14.. Die kleine Gruppe von Fans aus Rom hatte einen richtig guten Auftritt und sorgte immer wieder für Stimmung und machte kontinuierlich auf sich aufmerksam. Klar ist es bei einer Gruppe von knapp 40 Mann schwierig sich gegen eine sehr gut gefüllte Heimkurve zu behaupten, aber es gelang ihnen doch immer wieder Akzente zu setzen. Dem Tabellenstand geschuldet war das Spiel auch nicht immer auf dem höchsten Niveau und das Ticket hat aufgrund des späten Kaufs auch nochmal ordentlich Geld gekostet. Auch bei diesem Spiel hat man verschiedene Hopper gesehen, was aber bei diesem Wochenende auch kein Wunder darstellte.
Das Spiel plätscherte vor sich hin bis es nach knapp 30 Minuten nach einem übermotivierten Einsteigen von hinten für einen Gastspieler die glatte rote Karte gab. Aber Vicenza konnte aus dieser Überzahl nicht viel machen. Im Gegenteil ging Latina kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit per Foulelfmeter in Führung, da das Tor auch noch zur Tribüne der eigenen Fans fiel, war die Stimmung dort natürlich ausgelassen. Vicenza konnte selbst einen Elfmeter nicht verwandeln und somit konnten die mitgereisten Latinafans oben ohne ihr Team feiern, während die Heimkurve die eigene Mannschaft mit Pfiffen verabschiedete und die Mannschaft nicht mal den Weg in die Kurve antrat. Der Abend klang bei einem leckeren Glas Wein aus und das Hotel wird auf jeden Fall vorgemerkt, da es einfach sehr günstig liegt.
Am nächsten Tag stand als Abschluss Verona auf dem Tourplan. Neben dem obligatorischen Kaffee im Caffè Borsari wurde auch am Piazza della Erbe ein Aperol Spritz bei wunderschönem Wetter konsumiert. Im Anschluss an einem schönen Blick über die Stadt ging es gestärkt in Richtung Stadion, um im örtlichen Bentegodi den letztjährigen Erstligisten und aktuellen Tabellenführer Hellas Verona gegen den Tabellenelften Novara Calcio. Erwartet hatte ich u.a. dank Giampaolo Pazzini ein von Verona dominiertes Spiel. Am Ende sollte dies in Teilen auch eintreten, aber Hellas schaffte es nicht die eigenen Chancen zu verwandeln, so dass nach einer knappen Viertelstunde Novara in Führung gehen konnte, was die mitgereisten Fans natürlich feierten. Ab Mitte der zweiten Halbzeit boten sich den Gästen immer mehr Räume, die sie auch immer mehr nutzten und am Ende 4:0 gewinnen konnten. Das Ergebnis entsprach meiner Meinung nach nicht den wahren Kräfteverhältnisse, aber das ist irrelevant. Es hing auch die Fahne aus Kaiserslautern und außerdem war die Curva Sud gut beflaggt. Die Gesänge kamen immer wieder auf, bei denen auch immer Teile des restlichen Stadions teilnahmen. Von den Gästen ist leider auch aufgrund ihrer geringen Anzahl und meiner Distanz zu Ihnen nicht viel zu hören gewesen. Nach einigen Problemen mit Verspätungen klang der Abend bei einem Soave aus, um am nächsten Vormittag mit dem Flieger nach Nürnberg zurückzukehren.
Leider verging die Zeit in der Herzensheimat mal wieder viel zu schnell, aber die Mission Serie A geht weiter.




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