From Russia with love

von Andreas König

Die erste Weltmeisterschaft in einem besonderen Umfeld stand für mich in diesem Jahr auf dem Plan.
Nach langen Vorbereitungen ging es am 14. Juli von München aus gen Moskau. Eine gewisse Vorfreude auf Kollegen und Umfeld etc. stieg von Minute zu Minute und nach den ersten kleinen Problemen bei der Überprüfung meiner Fan-ID konnte ich auch mein Gepäck aufgeben.
Das es am Ende nur ein Dreiakter werden würde, hätte ich mir nicht vorstellen können, aber alles nacheinander.

Erste Station: Moskau

Bei Hähnchen und Tomatensaft ging es mit Aeroflot in den Osten. Unser Ziel war der größte Moskauer Flughafen Sheretmetyevo. Nahezu problemlos ging es durch die Einreisekontrolle und nach Abholung des Gepäcks wurden wir gleich von unserem Fahrer – Vladimir – in Empfang genommen und zu den Volunteers geführt, die uns erklärten, dass wir noch auf Kollegen aus Hamburg warten sollten. Da meine Russischkenntnisse und seine Englischkenntnisse nicht so wirklich gematched haben, haben wir uns auf eine Unterhaltung mit Händen und Füßen verständigt. Nach einigen Komplikationen und Problemen inklusive einer einstündigen Wartezeit sind wir dann mit weiteren Teammitgliedern gen Hotel gefahren. Die Erwartungshaltung bzgl. dem russischen Straßenverkehr und den Teilnehmern war nicht die beste, aber es lief bis auf Stau in der Rushhour auf dem Autobahnring recht zivilisiert. Es gibt scheinbar kein Verbot, jemanden rechts zu überholen.
Aber bei dieser knapp einstündigen Fahrt durch die Ausläufer Moskaus mit den Mietskasernen, Einkaufszentren etc. wurde einem schon die schiere Größe dieser 13 Millioneneinwohnerstadt bewusst. Die Distanzen sind selbstverständlich ganz andere, als wir sie z.B. aus Berlin kennen. Nicht einmal London – immerhin knapp 9 Millionen Einwohner – ist annähernd so groß. Unser Hotel lag südlich vom Ring und war in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn und dem Zubringer zum Flughafen Wnukowo.
Das Erbe des sowjetischen Systems traf uns an der Rezeption, da neben einer Kopie der Fan-ID auch der gesamte Pass erfasst und kopiert werden musste. Was einen natürlich fragend zurückließ, aber da es scheinbar so usus ist, ließ ich die nötigen Dokumente an der Rezeption.
Als nach und nach alle Teammitglieder im Hotel eingetroffen und eingecheckt waren, ging es in ein usbekisches Restaurant im Keller des Hotels, wo wir uns als gesamtes Team das erste Mal auf russischem Grunde trafen. Natürlich war die Freude sich zu sehen groß und so gleich ging es bei Bier, Wodka, verschiedenen gemischten Vorspeisen und Schaschlikspießen rund. So gestärkt verbrachten wir an der Hotelbar den ersten Abend zwischen Australiern, Mexikanern und vielen anderen Nationalitäten. Nur die im Nebenraum der Bar befindliche Karaokebar ließen wir links liegen und verschwanden alle nach und nach in unseren Zimmern. Mein Zimmer war gen Norden ausgerichtet, aber besaß leider nur Vorhänge und keine Jalousien, was dazu führte, dass ich bereits um kurz vor vier das erste Mal wieder wach in meinem Bett lag. Nach einer kurzen Nacht erschien ich gerädert beim Frühstück. Die Auswahlmöglichkeiten der Speisen beim Frühstück ließen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen, wobei ich bei manchen Sachen wie z.B. ein Omelette in Form eines Käsekuchens eher einen Bogen drum herum gemacht habe. Der Sieg der russischen Nationalmannschaft war natürlich das Thema des Tages und das gesamte Spiel, die Highlights etc. lief auf allen Kanälen und wurde jedem Hotelgast auch im Frühstücksraum präsentiert.
U.a. mit Crepes gestärkt ging es nach der ersten Teamsitzung mit der weltberühmten Moskauer U-Bahn gen Citycentre, wo wir unseren Standort der Fanbotschaft an der Touristeninfo inspizierten, um dann in Kleingruppen verschiedene Hotspots der Stadt anzusteuern, um den mitreisenden Deutschlandfans alle nötigen Informationen zukommen lassen zu können.
Meine Gruppe führte es nach einem Abstecher über den roten Platz und Kreml gen Luschnikistadion, um dort die örtlichen Begebenheiten zu inspizieren. Das dortige Fan-ID-Center war doch recht überlaufen, aber rund um das Stadion war nichts los, da an diesem Tag kein Spiel stattfinden sollte. Rund um das Stadion habe ich auch das erste Mal Fahrzeuge gesehen, die ausgerüstet mit einem Wassertank die Straßen auf einer Seite besprühen. Dank der regelmäßigen U-Bahnverbindung wurde sich mit dem restlichen Team getroffen und alle notwendigen Informationen ausgetauscht. Die Zeit bis zu einem Treffen mit einer Journalistin vertrieben wir uns mit einem kleinen Spaziergang durch Parks und vorbei an verschiedenen Kneipen etc.. Dabei fiel mir auf, dass viele junge Frauen sich gerne inszenieren und mit Freundinnen Shootings machen. Ich will nicht wissen, ob ich nicht ein paar Fotos unabsichtlich gecrasht habe. Das georgische Restaurant, in das wir alsbald einkehrten, bot eine hervorragende Atmosphäre und bei super Gesprächen wurde die georgische Spezialität „Chinkali“ – Teigtaschen gefüllt entweder mit verschiedenen Arten von Fleisch oder vegetarisch mit Pilzen, Spinat o.ä. – genossen und dazu gab es natürlich georgischen Trester. In die Teigtaschen wird reingebissen und dabei ihr Ende (siehe Bild) festgehalten. Dann wird das Fett bzw. die Flüssigkeit herausgeschlürft und gegessen, wobei der Strunk immer ungegessen übrig bleibt. Hier zeichnete sich bereits ab, dass am Ende die Bestellungen nicht alle aufgegessen wurden. Mit unseren Fahrern und vollbesetzten Bussen ging es nach diesem ausgiebigen Male zurück ins Hotel. Wie bereits in der letzten Nacht wurde ich auch wieder viel zu früh durch die Sonne geweckt, aber mein späteres Ziel sollte das hoteleigene Fitnessstudio sein, welches meiner Hoffnung nach im Preis inbegriffen war. Nach mehreren Anläufen stellte sich diese Info jedoch als fehlerhaft heraus, weswegen ich auf ein Workout im Fitness verzichtete und auf dem Zimmer noch eine kleine Sporteinheit abhielt. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Abstecher in den Baumarkt ging es zu unserem Standort in die Fanbotschaft. Ausgestattet mit Tischen, Stühlen etc. war unser Stand ziemlich fix aufgebaut und da auch das Wetter ein „Einsehen“ mit uns hatte, bescherte uns die Sonne eine tägliche Begleitung. Unser Standort an der Metrostation Majakowskaja (einer der schönsten Metrostationen Moskaus) an der ersten U-Bahnlinie Moskaus, war vielleicht nicht optimal für Laufkundschaft, aber doch in Laufdistanz zum Kreml etc.. Die Mosaiken etc. sind einfach atemberaubend, auch wenn man heute im Vergleich zu 1938 andere Muster nehmen würde. Dabei lohnt sich ein längerer Aufenthalt im Moskauer Untergrund (siehe z.B. https://www.justtravelous.com/2015/06/die-5-schoensten-stationen-der-moskauer-metro/), da dieser viel über die jeweilige Zeit erzählt und verschiedene Stile und Epochen symbolisiert. Trotz der Lage konnten wir Fans begrüßen und kamen mit diesen auch ins Gespräch. Bei vielen Gesprächen verging der Tag wie im Fluge und dann stand auch schon das erste Spiel auf dem Plan.
Das Nachtleben und auch die regelmäßigen Fahrten der U-Bahn in Moskau waren schon beeindruckend. Klar gab es gewisse Regeln, was z.B. den Verkauf von Alkohol in den Abendstunden bzw. auch rund um den Spieltag in Glasflaschen betraf, aber diese vielen Menschen auf der Straße und auch die Party, die diese teilweise abhielten, war schon beeindruckend.
Für mich sollte es eine Premiere im doppelten Sinne werden, denn der Länderpunkt Russland wurde gemacht und ich sah mein erstes WM-Spiel, denn bisher hatte ich nur Qualispiele und eine Begegnung des Confedcups in Deutschland im Stadion verfolgt. Die bisherigen Begegnungen des Turniers waren noch nicht sonderlich hochklassig, aber das sollte sich im weiteren Vorrundenverlauf auch nicht wirklich ändern. Während es in der U-Bahn in Richtung Stadion wenig und v.a. aus meiner Sicht peinliche Gesänge der versprengten deutschen Fans gab, waren auch in der U-Bahnstation und auf dem Weg gen Stadion die Mexikaner zahlen- und gesangesmäßig klar in der Überzahl.
Das Ergebnis ist wohl bekannt und auch wie es dazu kam. Spielerisch wussten beide Mannschaften meiner Meinung nach nicht zu überzeugen, aber die Körpersprache und auch das Auftreten #DerMannschaft oder #ZSMMN war einfach nicht weltmeisterlich. Selbst von außen sah man, dass es in dem Gebilde Probleme gab, wie die Nach-WM-Berichterstattung dann auch bestätigt hat. Mexiko spielte einfach auf Konter und hätte bei einer besseren Chancenverwertung auch mehr Tore erzielen können. Selbstverständlich waren wir nach dem Spiel durchaus bedient, immerhin konnten Probleme etc. gelöst werden. Auf dem Weg in Richtung U-Bahn sahen wir viele junge weibliche Volunteers die „Free hugs“ verschenkten und dann häufig von deutlich älteren Männern umarmt wurden. Glücklicherweise sahen wir das nur in Moskau, denn scheinbar hat unser Hinweis zu einem Umdenken bei der FIFA gesorgt. Im Anschluss machten wir uns auf den Weg gen U-Bahn, um im Hotel bei Wodka, Schaschlik und Bier den ersten Spieltag noch einmal Revue passieren zu lassen. Während des Essens wurde der Wodka gefühlt in üblichen Portionen zu 100 Gramm getrunken und es machten mehrere Trinksprüche wie „za vstrechu“ oder „za druzhbu“ die Runde, um diesen ersten ernüchternden Abend zu verarbeiten.
Für einen kleinen Teil des Teams ging es noch einmal an unsere Fanbotschaft, ich für meinen Teil jedoch machte mich nach dem Aufbau der Botschaft auf den Weg, um den Hotspot „Hard Rock Cafe“ zu „kreuzen“ und Souvenirs v.a. Postkarten zu suchen, was sich als sehr kompliziert herausstellte. Aber am Ende wurde ich doch noch fündig. Auf dem Weg zum HRC konnte ich auch eine der sieben Schwestern (siehe hier und hier) aus der Nähe sehen und war von deren Größe mehr als beeindruckt. Meine von nahem gesehene Schwester ist das Außenministerium. Bei einem Blick in die Vergangenheit lässt sich die Zuckerbäckerarchitektur durchaus auch mit der Hochhausarchitektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in anderen Metropolen der Welt vergleichen. Die Größe der Stadt und der enge Zeitplan an meinem offiziell halbfreien Tag verhinderte das „Shoppen“ in den Fanshops der Fußballvereine. Also wieder ein Grund mal wieder nach Moskau zu kommen. Denn der Abend hatte noch ein kulturelles Highlight parat. Das örtliche Touristenbüro lud unsere Reisegruppe zu einem Trachtenabend in ein Moskauer Theater ein. So ging es pünktlich von unserem Hotel an ein anderes Ende der Stadt und mit leichter Verspätung aufgrund der Rushhour erreichten wir auch das Theater und wurden auf unsere Plätze geführt. Ein Ensemble bot inklusive einem wechselnden Bühnenbild einen Querschnitt der russischen Geschichte inklusive Tanz, Gesang und Musik u.a. mit der berühmten Badalaika. Ob als tanzende Tassen oder als Mensch in einem Bärenkostüm war es ein kurzweiliger Abend und bei manchen Tanzeinlagen der weiblichen Mitglieder sah es eher so aus, als würden die Damen schweben oder auf Schienen über die Bühne gleiten, so perfekt waren die Schritte abgestimmt. Zwar mag die Musik in manchen Teilen nicht perfekt abgemischt gewesen sein, aber dieser kurze Einblick in die russische „Folklore“ und die verschiedenen Tänze und Darbietungen haben mich mitgerissen und ich fand es sehr sehenswert und eine gute Ergänzung zu dem normalen Tagesablauf. Ob diese Darbietungen der historischen Überprüfung entsprechen und eine vollkommene Authentizität widerspiegeln, mag ich nicht zu beurteilen, aber sie war wie gesagt beeindruckend.

Mit einem asiatischen Essen und dem nebenbei laufenden Spätspiel der Engländer wurde in einem asiatischen Lokal neben dem Hotel der letzte Moskauer Abend begossen. Dabei wurde über das gemeinsame Tippspiel genauso philosophiert, wie über die „Probleme“ beim Bestellen von Speisen und Getränken in Moskauer Kneipen. Denn die Erfahrung des Aufenthalts in Moskau lehrte uns für die Zukunft, dass die wenigsten Bedienungen englisch o.ä. sprachen und wir uns auf bebilderte Karten stützen. In manchen Bars oder Restaurants dauerte die Aufnahme der Bestellung, die komplette Lieferung der Speisen und Getränke teilweise sehr lange oder es wurde nicht alles Bestellte auch wirklich serviert. Dies sollte uns bei dem weiteren Aufenthalt in Sotchi/Adler und Kazan auch passieren.
Das Wetter in Moskau war bereits phänomenal und wir hatten praktisch nur Sonne, was mit den Leistungen mancher Spieler auf dem Platz in Widerspruch stand, aber nach diesem ersten Kapitel sollten – so hofften wir – noch weitere folgen. Dabei meinten wir natürlich über die Vorrunde hinaus ;-) Trotz der Niederlage bestiegen wir nach ein paar Problemen mit dem Gepäck unseren Flieger gen Sotchi/Adler, um das nächste Kapitel in unserer WM-Reise aufzuklappen.

Der Höhepunkt der Spiele: Sotchi/Adler

Bei der Ankunft auf dem kleinen Flughafen Adlers ging es recht fix und relativ zügig konnten wir das Flughafengebäude verlassen und wurden von der subtropischen Schwüle erschlagen. Das Wetter war drückend und in den Bergen sah es nach Regen aus, aber wie sich zeigen sollte, trugen die Niederschläge nicht zu einer Abkühlung oder Verbesserung der Luftfeuchtigkeit bei. Unsere Fahrer verstauten unser gesamtes Hab und Gut und dann ging es gen olympisches Dorf, wo sich unsere Unterkunft in Laufdistanz zum Schwarzen Meer befand. Nach dem gesamten Checkin-Procedere wurden die Strandpromenade und das Meer ausgekundschaftet. Natürlich wurde sich mit Bier versorgt, um am Strand auch etwas zu trinken zu haben. Selbstverständlich wurde der Abend bei Schaschlik, Bier und WM abgeschlossen. Nach einem Absacker inklusive dem im Sonnenuntergang angestrahlten Olympiastadion ging es auf das klimatisierte Zimmer, welches leider kaum ein funktionsfähiges WLan hatte. Auch wenn nicht gerade das Beste über das Frühstückt hörte, so wollte ich mir selbstverständlich selbst ein Bild davon machen. In Zukunft würde ich aber dann doch lieber länger im Bett verweile, als noch einmal das Frühstück aufzusuchen. Ausgerüstet mit Wasser, Süßkram etc. ging es dann zurück auf das Zimmer, um sich für unseren Tagesausflug vorzubereiten. Als nahezu gesamte Gruppe wurden wir von unseren Fahrern in die Nähe von Sotschi zu einem alten Turm gefahren, welche u.a. mit einer alten Fahne von einer alten Einheit der roten Armee beflaggt ist. Von dort oben hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf Sotchi, Adler und in den Kaukasus hinein. Selbstverständlich wurden auch Fotos mit Helmut aufgenommen und im Anschluss daran fuhren unsere Fahrer mit uns in den historischen Kurort der Sowjetunion und des modernen Russland Sotchi. Da dem Team bereits der Magen knurrte fuhren wir in ein Restaurant und dieser Tipp war einfach atemberaubend, wobei uns unsere Fahrer praktisch sprichwörtlich in das Lokal hineinfuhren, welches parallel zur Sotschi lag und auch den Blick auf den Komsomol’skiy Park gewährte. Die ausgewählte Adresse (http://сочи-кафе.рф/menu-2/) ließ keine Wünsche offen. Neben den üblichen Schaschliks gab es dieses Mal auch Fisch u.a. Stör und Lachs. Am Ende dieses wahren Festmales waren wir so voll, dass wir mehr in unsere Autos rollten denn liefen. Ein Teil unserer Reisegruppe inspizierte noch Sotchi inklusive Fanfest, während es u.a. für mich zurück gen Hotel ging und ich ein wenig am Strand den Tag ausklingen ließ, denn der folgende Tag sollte doch ein längerer werden.

In der Anlage bestand die Möglichkeit sich Fahrräder auszuleihen und diese Chance ließ sich ein Teil des Teams nicht nehmen, um u.a. zum Stand der Fanbotschaft neben der Formel 1 Rennstrecke zu radeln und den restlichen Tag Streetwork auf dem Fahrrad zu betreiben. Bei teilweise tropisch-drückenden Temperaturen kam ich gut ins Schwitzen, aber die verschiedenen Gespräche ließen einen über den Schweiß hinwegsehen. Die Hoffnung auf eine Wende ließ sich bei den deutschen Fans praktisch mit Händen greifen, auch wenn sich der Eindruck verfestigte, dass auch beim zweiten Spiel mehr Karten nach Schweden gingen und auch allgemein mehr Schweden in der Stadt waren. V.a. reisten die deutschen Schlachtenbummler immer nur in sehr kleinen Gruppen an und waren dementsprechend auch eher vereinzelt unterwegs. Der Strand, die Palmen und die Lage machten aus Sotchi durchaus etwas Besonderes. Zwar sollte sich das Radfahren mit Jutebeutel etc. am nächsten Tag rächen, aber wer denkt denn hier an morgen? Nach getaner Arbeit verschlug es mich noch in das historische Adler, wo es auf der Kneipenmeile doch etwas länger und feuchtfröhlicher wurde als geplant, aber manchmal müssen Opfer gebracht werden. Eine interessante Erfahrung machte ich in einer Bar, als sich eine junge Russin zu uns gesellte und den restlichen Abend mit uns verbrachte. Im Nachgang sollte sich herausstellen, dass diese Art durchaus eine der Maschen der Professionellen ist. Der Spieltag stand an und der Muskelkater sowie der Schlafmangel machten den Start in den Tag doch etwas schwerfälliger, aber mit ein bisschen Bewegung und Flüssigkeit wurde in den Tag gestartet und die übliche Runde über Promenade, Strand etc. gen Formel 1 Strecke zur Botschaft gedreht. Trotz des Spieltages war weder an den erwarteten Spots wie Irish Pub, Promenade, Bars, Restaurants ein größerer Auflauf an deutschen Fans auszumachen. Dies sollte sich auch später im Stadion bewahrheiten. Einige der deutschen Fans waren jedoch Russen oder Asiaten, was eine Kommunikation oder Austausch über das Spiel eher erschwerte. Aber wir ließen nicht nach und konnten verschiedene Fans immer wieder bei uns begrüßen, da sich unser Standort, obwohl etwas abgelegen doch herumgesprochen hatte. Am Spieltag hatten wir nur einen Standort an der Rennstrecke und nicht noch wie am Vortag auch in Sotchi am Fanfest, welches gut besucht wurde, aber auch für eine gewisse Dauerbeschallung der Personen sorgte. Alle Zugfahrer mussten am Spieltag an uns vorbei, was zu interessanten Gesprächen über die verschiedenen Reiseformen führte. So verging die Zeit wie im Fluge und es hieß auf zum Stadion, um die dortige Einlasssituation etc. zu begleiten. Da das Stadion drei Stunden vorher aufmachte und alle Eingänge offen waren, gab es keine Stauungen oder Probleme. Weitere Volunteers informierten entweder stehend oder auf einem Tennisschiristuhl sitzend mehrsprachig per Megaphon über den Einlass etc.. Hinzukamen noch weitere Lautsprecherdurchsagen u.a. über das Engagement der Volunteers. Aufgrund der häufig gleichzeitigen Beschallung war eine Kommunikation oder auch ein Verständnis der einzelnen Durchsagen teilweise nicht möglich. Aufgrund der vielen Eingänge konnten alle Zuschauer zügig das Stadion betreten, wo sie von den verschiedenen Partnern der Fifa sehnlichst erwartet wurden und man sich noch mit allerhand Fanutensilien eindecken konnte. Dabei wurde wieder deutlich, dass es bei anderen Nationen weit mehr Fans der Nationalmannschaft gibt, als bei uns. Die Schweden haben bereits vor dem Stadion in einer großen Gruppe gefeiert und den Vorplatz gerockt. Auch auf den Tribünen war die Farbe Gelb gefühlt präsenter als die deutschen Farben. Gleich zu Beginn konnten kleine Probleme geklärt werden, aber während des gesamten Spieles gab es immer wieder kleine Unruheherde im deutschen Bereich, in dem ich meinen Platz hatte. Ein ordentlicher Stimmungsdämpfer bildete natürlich die verdiente Führung der Schweden dank eines sehenswerten Treffers. Taktisch waren die Schweden ziemlich gut auf die deutsche Mannschaft eingestellt, aber es sollten noch 45 Minuten zu spielen sein. Während der Pause wurde ich auch auf Oliver Pocher aufmerksam, der wohl im erweiterten Tross der deutschen Mannschaft gereist war. Das Lebenszeichen der Mannschaft dank des Treffers von Reus sorgte für Freude auf den Rängen und es gab wieder ein Lebenszeichen auf dem Platz. Kurzfristig stieg auch bei uns die Stimmung und man ging noch mehr mit. Als dann Boateng mit Gelb-rot zu Recht vom Platz gestellt wurde, war eine mögliche positive Stimmung dahin. Der letzte Freistoß durch Kroos sorgte für Bierduschen, Freude, Extase und Freude, dass es doch noch weitergehen würde und wir sicher gen Samara o.ä. fahren könnten. Die während des Spiels aufgetretenen Probleme konnten dank der Unterstützung einer englisch sprechenden Volunteerin geregelt werden und so ging es für fast das gesamte Team noch feiern, während ich bei aufziehendem Regen mich auf meinen Drahtesel schwang, um ins Bett zu kommen und ein wenig Schlaf nachzuholen. Dabei legte ich noch einen kleinen Abgang hin, welcher für mich recht folgenlos blieb, aber eine Speiche ging dabei zu Bruch. Wie bereits bei dem kurzen Regenschauer am Vortag brachte der Regenschauer in der Nacht auch keine Veränderung im Wetter am kommenden Tag. Mein Drahtesel wurde ohne Beschwerden entgegen genommen, da ich vorbildlicherweise das Schloss immer dabei und den Schlüssel immer eingesteckt hatte, konnte ich beides dem freundlichen jungen Herren übergeben und zog weiter. Da die Fanbotschaft auch am Tag nach dem Spieltag besetzt sein musste, hatte ich an diesem Tage Dienst und konnte dabei u.a. einem Peruaner helfen, wie er zum Ticketoffice kommen konnte. Sonst blieb es im Olympic Park wie erwartet ruhig und die Zeit ging bei Gesprächen doch recht schnell vorbei. Währenddessen ging es für einen großen Teil der anderen Gruppenteilnehmer in den Kaukasus zu den Wintersportanlagen der Olympischen Spiele von 2014. Austragungsort des Bewerbe war damals die Region Krasnaja Poljana. Auf über 2000 Höhenmeter kühlte das Wetter verständlicherweise deutlich ab und scheinbar bestand teilweise die Möglichkeit eine kleine Schneeballschlacht zu veranstalten. Die Fotos der Kollegen und deren Berichte im Nachgang machten mich durchaus neidisch, aber alles für das Team und die Hoffnung auf eine Wiederkehr besteht ja immer noch. Den späten Nachmittag ließ ich am Strand mit Lesen und in Gemeinschaft mit den Kollegen ruhig ausklingen, während sich einer noch mit dem Fahrrad bis zur nahenden Grenze nach Abchasien aufmachte, welche nicht einmal zehn Kilometer von unserer Unterkunft entfernt war. Bei regionaler Küche in einem der Restaurants in unserer Anlage wurde der letzte Abend begangen. Mit frisch gewaschener Wäsche, welche in der Wäscherei gereinigt wurde und dank mehrerer Durchschläge von mir auch an der Rezeption bezahlt wurde, ging es schick gekleidet über Moskau in die Hauptstadt der Republik Tatarstan nach Kasan, welche mit knapp 1,1 Millionen Einwohnern immerhin die achtgrößte Stadt Russlands ist und wie jede Millionenstadt in der alten Sowjetunion eine U-Bahn ihr eigen nennen darf.

Letzte Ausfahrt: Kazan

Nach der Landung auf dem örtlichen Flughafen, der zwar zwei Terminals sein Eigen nennen darf, aber im Vergleich zum Nürnberger Flughafen äußerst klein ist, ging es mit der Abfertigung und der Gepäckausgabe sehr fix, wobei die anderen deutschen Mitreisenden u.a. vom BFC uns dann verließen. Unser Abholdienst stand zumindest für einen unseres Teams bereit und er war so freundlich, dass er uns auch noch mitnahm. Wie es schon häufiger in der Zeit passiert ist, wurden wir von den Ordnungskräften herausgezogen und unsere Fanid-Nummern wurden überprüft. Diese unregelmäßigen Kontrollen begleiteten uns immer wieder.
Das Hotel bildete das bisherige Highlight und nach dem Checkin und einer Fahrt im verglasten und warmen Aufzug wurde das Zimmer geentert und man konnte sich darin fast verlaufen. Vor dem Abendessen gab es noch eine kurze allgemeine Besprechung mit einem Update über die aktuellen Begebenheiten vor Ort. Voll motiviert wurde sich auf die Suche nach einer Speisemöglichkeit gemacht. Als diese gefunden wurde, sollte es die bevorzugte Location für die restlichen Tage in Kasan werden. Dass es am Ende auch an keinen anderen Ort mehr gehen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Als Orientierung galten die bisherigen Bestellungen. So gab es wieder gemischte Vorspeisen und verschiedene Grillspezialitäten, sowie den standesgemäßen lokalen Wodka. Mein Tomatensaftkonsum erreichte inzwischen ungeahnte Höhen und nebenbei wurde auch wieder Fußball geschaut. Gesättigt und glücklich ging es zurück ins Hotel. Der nächste Tag sollte bereits der Vorspieltag werden und somit ein langer Tag an der Fanbotschaft mitten auf der zentralen Baumannstraße, welche nach dem russischen Revolutionär Nikolay Bauman benannt ist, und als Fußgängerzone dient. Als Teil der Spätschicht machte ich im hoteleigenen Fitnessstudio am Vormittag eine Sporteinheit, um dann in die Hitze des Tages zu starten und die Fußgängerzone etc. abzulaufen. Leider waren wie in Sotchi und Moskau nur wenige Deutsche am Vortag des Spieles vor Ort. Das Interesse an unserer dritten Ausgabe des Helmuts war jedoch gut vorhanden, auch wenn dem ein oder anderen ein kleiner Druckfehler aufgefallen ist, da es das zweite zweite Spiel war. Dies nahmen wir mit Humor, da wir weiterhin von einem Weiterkommen gegen Südkorea ausgingen. Schließlich sorgte der Gegner Südkorea bei uns Zuschauern nicht für Furcht o.ä.. Unsere Schicht fiel teilweise auch sprichwörtlich ins Wasser, da es einen Wolkenbruch gab, der innerhalb von wenigen Minuten ein Überlaufen der Straßen bewirkte. Dies ist jedoch hier Gang und Gebe und sorgte für kaum einen Verdruss bei den Einwohnern. Die Kanalisation in Russland ist für Wassermassen nicht wirklich ausgelegt, was z.B. auch dazu führt, dass man auf vielen Klos nur die Fäkalien runterspülen darf und das Toilettenpapier in separate Mülleimer zu entsorgen hat. Der Spuk mit einer auch unter Wasser stehenden Fanbotschaft dauerte aber nur knapp dreißig Minuten, dann war es wieder genauso drückend heiß wie vorher. Also wieder keine Abkühlung o.ä., aber alles für die Botschaft und das Team.
Der Kreml Kasans – Festung Kasans – steht inzwischen unter Unesco-Weltkulturerbe und war einfach atemberaubend schön. Inzwischen steht im Innenhof eine riesige Moschee, die dem Kreml eine ganz neue Außenwirkung gibt. Traumhaft ist einfach das Nebeneinander der Kulturen und Religionen, denn u.a. befindet sich eine Kirche auf dem Gebiet des Kremls und das Stadtpanorama dominieren viele Moscheen und Kirchen. Zusätzlich gibt es auch noch eine Synagoge in Kasan und wie uns berichtet wurde, ist das Nebeneinander kein Problem, was in heutigen Zeiten ja nicht immer der Fall ist. Bei einem längeren oder wiederholten Aufenthalt in Kasan will ich auf jeden Fall weitere Kirchen besichtigen, denn ich bin zuversichtlich, dass es mich hierhin noch einmal verschlagen wird.
Nach guten Gesprächen wurde der Abend bei leckerem gegrillten Fleisch und Gemüse in dem gleichen Restaurant vom Vortag ausklingen gelassen.
Der Spieltag wartete wieder mit hervorragendem Frühstück u.a. mexikanisches Quesadilla, Rührerei etc. auf. So gestärkt wurde sich mit ein bisschen Sport im Schwimmbecken auf diesen langen anstrengenden Tag vorbereitet. Für dieses Spiel habe ich mich freiwillig für die spätere Schicht entschieden und konnte so ein wenig entspannt u.a. noch Getränke kaufen, um bei erneut schweißtreibenden Temperaturen den Tag zu überstehen. Dass dieser Tag historisch werden könnte, hat sich zu diesem Zeitpunkt noch niemand vorstellen können. Motiviert wurden die Hauptstraße und die angrenzenden Straßen nach Fans durchstreift und verschiedene Gespräche mit deutschen Fans, aber auch anderen Nationen wurden geführt. Durch diesen prominenten Standort schauten viele Fans, aber auch neugierige Einheimische und Fans anderer Länder an unserem Stand vorbei, um ggf. das ein oder andere Präsent o.ä. abstauben zu können. Für dieses Spiel waren v.a. die Pins heiß begehrt, die jedoch sehr rar waren. Dabei erhielten wir auch ein interessantes Feedback über die Fanclub Nationalmannschaftsveranstaltung am Vorabend in einem Brauhaus, welche nicht unbedingt positiv war.
Natürlich herrschte eine gewisse Anspannung vor, aber die Zuversicht war definitiv höher. Die vorausfahrenden Kollegen berichteten bereits von Staus etc., sodass ein Teil unserer Gruppe halsbrecherisch mit einem Taxi gen Stadion fuhr und gewisse neue Erfahrungen bzgl. Gas und Bremsen hat sammeln können. Zu Fuß ging es zwischen den Spalier stehenden und einen mit Musik beschallenden Volunteers gen Stadion. Das Polizeiaufgebot etc. fühlte sich visuell massiver an, als an den anderen Spielorten und auch die Beschallung war wieder grenzwertig laut. Das Stadion, welches vom einheimischen Verein nur für Top-Spiele genutzt wird, war schon imposant, aber mir persönlich hätte auch das ältere Stadion getaugt, aber das wurde während der WM nur für die Trainings genutzt. Mein kleiner Turnbeutel wurde bei dem Einlass besonders intensiv kontrolliert und auch im Vergleich zu den beiden anderen Spielorten dauerten hier die Kontrollen am längsten und waren auch am gründlichsten. Die Führung der Leute zum Block empfand ich ein wenig gewöhnungsbedürftig, da man einmal um das Stadion nach den Kontrollen herumlaufen muss, um zu seinem Bereich zu kommen, da eine komplette Umrundung des Stadions aufgrund der architektonischen und geographischen Begebenheiten (u.a. kleine Sumpf- und Auenlandschaft hinter dem Stadion) nicht möglich war. Mein persönlicher Standort war dieses Mal nicht im Fanblock mit den Deutschlandfahnen - dieser gestaltete sich auch im Vergleich zu den vorherigen Spielen als noch kleiner. Was auch die verminderte Anzahl an Pins erklären würde. Auf jeden Fall waren wieder viele Touristen im Stadion, die lieber Selfies o.ä. machten, als sich auf das Spiel zu konzentrieren, was teilweise auch dazu führte, dass die Zuschauer mitten auf den Treppen standen, um Fotos zu machen und somit die restlichen Leute behinderten. In diesem Stadion fiel es mir besonders auf, dass die Fifa bestimmte zusätzliche Bereiche eingerichtet hatte u.a. für die Übertragung und diese Boxen in die Zuschauerbereiche v.a. im Oberrang einbaute. Somit mussten teilweise einige Bereiche gesperrt werden, da die Plätze hinter dieser Box selbstverständlich nichts sehen konnten.
Die spielerische Klasse, welche nominell in der deutschen Mannschaft stecken müsste, wurde nicht einmal ansatzweise präsentiert und es wurde wieder eine pomadige Leistung geboten. Die Südkoreaner, die auch mit einem Sieg nicht mehr weiterkommen könnten, spielten mit Kampf, Einsatz teilweise einen ansehnlicheren und zielstrebigeren Fußball als die Weltmeister. Zwar wurden immer wieder Chancen herausgespielt, wenn man plötzlich mal schnell spielte, aber leider wurde dann zu ungenau gezielt, so dass der Gästetorwart sich immer wieder auszeichnen konnte. Demzufolge wurde er auch am Ende als Spieler des Spiels ausgezeichnet. Die Uhr lief für den Weltmeister immer weiter ab und nach einer Ecke inklusive Videobeweis durften die Koreaner jubeln und feierten zu Recht dieses Tor. In den letzten Minuten schaltete sich Manuel Neuer immer wieder mit in die Bemühungen etc. mit ein und so wurde em Ende noch das 2:0 durch Son erzielt, der den Ball im leeren Tor versenkte. Mit dem Abpfiff wurde bei mir gefühlt einfach ein Stecker gezogen. Während die vorherige Anspannung in der Schlussviertelstunde mich kaum noch auf dem Sitz bleiben ließ, war nun einfach nur Leere da. Das historische Ergebnis und die Fortsetzung der Traumata der europäischen WM-Gewinner wurde nun auch von Deutschland fortgesetzt. Nach Frankreich 2002, Italien 2010 und Spanien 2014 schied Deutschland als amtierender Weltmeister in der Vorrunde aus. Bei seinen bisherigen Teilnahmen kam Deutschland immer über die Vorrunde hinaus, nur nicht, wenn ich das erste Mal im Ausland bei einer WM dabei bin. Ob dies ein Omen für die Zukunft ist??? Man wird es sehen. Es dauerte einige Zeit bis wir uns gefasst haben und uns aus dem Stadion auf den Weg gen Stadt machten. Dabei stoppten wir an einem Wett- und Getränkehändler und gönnten uns erst einmal mehrere Biere, um das Erlebte zu verdauen, denn die „Maßnahme“ war hier und heute in Kazan Geschichte. Trotz all der aufmunternden Nachrichten auf meinem kaum noch stillstehenden Handy, die einem eine längere Zeit in Russland gewünscht hätten, hieß es nun zeitnah Koffer packen. Aber der Abend war noch zu jung, um ihn schon zu beenden. So ging es dank fixer Taxifahrer wieder in unser bewährtes Restaurant und dort wurde aufgetischt und getafelt wie Weltmeister. Natürlich durften rührselige Reden, Toasts etc. nicht fehlen. Neben Bier wurde reichlich Wodka und Tomatensaft konsumiert. Die unentwegten, was fast die gesamte Gruppe war, marschierte um die Ecke in ein Irishpub, wo die Nacht zum Tag gemacht wurde und bei Bier und Schnaps mit den Kollegen vom Ballesterer über die WM im Allgemeinen, Fußballmagazine, Rapid und Gott und die Welt philosophiert. Mit einem weiteren einschneidenden Erlebnis, welches sich den Beobachtern in das Gedächtnis eingebrannt hatte, ging es für die letzten Kämpfer, die alles gegeben haben, noch an die Hotelbar. Draußen war es bereits um halb vier taghell und die Bauarbeiter auf der Baustelle neben dem Hotel gingen fleißig ihrer Arbeit nach. Das war eine wahrlich verstörende Erfahrung, aber so geflasht fiel ich totmüde in mein Bett, um noch pünktlich für ein spätes Frühstück aufzuwachen und mich für den Tag zu stärken. Nach kleinen Besorgungen ging es mit dem Bus entlang der Wolga auf eine Insel in der Wolga. Nach einem Gruppenfoto und dank der Fanid kostenfrei ging es in das Freilichtmuseum auf der Insel Swijaschsk. Zur Zeiten der SU wurden die Kirchen etc. als Ställe und zeitweise wurde die Insel auch als Gefängnis genutzt. Die Besichtigung dieser Insel war beeindruckend. Ein unbeschreibliches Erlebnis bildete für mich die Wolga. Ich stand mit den Füßen in der Wolga und das gegenüberliegende Ufer war nicht so einfach zu sehen. Bei so etwas kriegt man ein ganz neues Gefühl was die Größe der Landschaft betrifft. Bei einer Okroschka – russische kalte Suppe – wurden die gesammelten Eindrücke der letzten Woche noch bekräftigt und die gemeinsame Zeit ließen wir noch einmal Revue passieren. Am vorletzten gemeinsamen Abend ging es für ein Großteil der Gruppe in ein tartarisches Restaurant. Als örtliche Spezialität gilt vor Ort Pferd, welches ich mir nach meinen Erfahrungen in der Gegend von Verona bestellte. Das Fazit dieser Spezialität ist trotzdem durchweg positiv.
Der nächste Tag bildete den Abschluss der Maßnahme und es hieß für uns alle packen und unser Gepäck nach einem erneuten Spabereichsbesuch in die verbliebenen Zimmer unterzubringen. Das gesamte Team konnte die Zeit noch einmal nutzen, um Postkarten und Souvenirs zu kaufen, den Kreml zu besichtigen und sich bei heißen Temperaturen durch die Stadt treiben zu lassen. Da am nächsten Tag das nächste Spiel in Kazan angesetzt war, wurden an diesem Tage auch keine Glasflaschen mit alkoholischem Inhalt verkauft.
Leider enttäuschte uns unser bisheriges Lieblingsrestaurant in Kasan mit einer chaotischen Organisation am letzten Abend und es wurde nicht so lustig, wie gedacht, da einige Essen einfach vergessen wurden. Am Ende waren wir mehrheitlich alle gesättigt und spazierten zu unserem Hotel, wo bei Berliner Luft die Zeit totgeschlagen wurde bis unser Busshuttle zum Flughafen kommen sollte. Pünktlich stand auch ein Auto da, welches aber nicht unsere Leute transportieren konnte und so nur eine erste Abordnung zum Flughafen fuhr, während die anderen noch warten durften und dann gegen Mitternacht am Flughafen ankamen. Die Gepäckaufgabe für die letzte gemeinsame Etappe unseres Abenteuers Russland verlief reibungslos und so machten wir uns gen Sicherheitskontrolle. Bei allen Kollegen/-innen vor mir verlief es absolut problemlos trotz verschiedener Länderstempel drinnen. Für mich hieß es dann plötzlich \"Warten Sie mal bitte\". Diese Bitte wurde mehrmals verlängert. Dabei stieg mein Puls nachts um halb zwei langsam an. Schließlich sollte mein Turkish Airlinesflug gen Istanbul um 02:00 Uhr abfliegen. Nach quälend langen Minuten und der moralischen Unterstützung der letzten Teammitglieder durfte ich am Ende doch noch meine Dokumente in Empfang nehmen. Bei der Beantragung ist mir scheinbar eine Verwechslung zwischen 0 und O unterlaufen, was sie mir mitgeteilt haben. Erleichtert ging es nach absolvierter Kontrolle gen Flugsteig und Dutyfreeshop, wo ich noch den obligatorischen Wodka der Region erwerben konnte. Diesen haben wir immer in unserem Stammrestaurant getrunken und mit dieser persönlichen Ergänzung zu meinem Reisegepäck warteten wir auf unseren Flieger, der plötzlich von den Abflugsbildschirmen verschwand. Dies sorgte auf den letzten Metern erneut für gesteigerten Puls, da mit jeder Minute Verspätung mein bereits enges Zeitpolster in Istanbul für meinen Weiterflug nach München schrumpfte. Am Ende ging es mit knapp einer Stunde Verspätung gen Istanbul und bei Justice League und ein bisschen Schlaf etc. wurden die vier Stunden Flug bewältigt. Mit weniger als einer halben Stunde Umstieg war bereits abzusehen, dass es sportlich werden würde. Mit viel Glück erreichten wir unser Gate und saßen verschwitzt auf unseren Plätzen, aber wie zu erwarten war, natürlich in München ohne Gepäck. Dank Black Mass verging auch der letzte Flug wie im Fluge und gegen Mittag hatte mich Deutschland wieder. Die Weiterleitung meines Gepäcks wurde auch noch angeleiert. Leider viel zu früh und auch noch nicht Franken. Denn die letzte Etappe mit dem ICE gen Nürnberg musste noch erfolgreich bewältigt werden und als ich am Ende nach über 30 Stunden ohne längeren Schlaf meine Wohnungstüre öffnete war ich einfach nur froh, dass ich wieder daheim angekommen bin.
Mein Gepäck und das meines Kollegen kamen auch wie versprochen an den jeweiligen Bestimmungsorten an und der Nach-WMB-lues setzte auch zügig ein.

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