Friet speciaal

von Andreas König

Freitagmittag ging es mit dem Auto gen Niederlande, da dort gehoppt werden sollte. Leider konnte das Spiel in Lotte aufgrund der Absage nicht gesehen werden, womit natürlich während der Fahrt umdisponiert werden musste.
Aber der Abend brachte mir erst einmal Friet speciaal – Pommes mit Curryketchup, Mayo und Zwiebeln –, bevor das Stadion zum Spiel vom FC Dordrecht gegen De Graafschap betreten wurde. Beim Blick auf die Tabellensituation erwartete ich keinen hochklassigen Kick, sondern eher maue Unterhaltung, aber so lange es nicht torlos ausging, war mir das relativ egal.
Die späte Uhrzeit sorgte natürlich dafür, dass es ein Flutlichtspiel wurde, jedoch waren Choreos o.ä. eher nicht zu erwarten. Immerhin gab es eine kleine Gästekurve, die sich auch bemerkbar machte. Ziemlich schnell konnte man sehen, wie die Gäste die Initiative an sich rissen, aber etwas zählbares sollte es in der ersten Halbzeit nicht geben. Somit warteten die knapp 1700 Zuschauer auf Tore in der zweiten Halbzeit und kurz nach Wiederanpfiff war es dann für die Gäste soweit, die damit auch verdient in Führung gingen. Sie kontrollierten anschließend das Spiel auf einem niveauarmen Level und konnten nach einem Freistoßtor nach Wiederanpfiff auch noch nachlegen. Am Ende gewannen sie verdient mit 3:0. Kurz vor Ende flog dabei auch noch ein Spieler der Heimmannschaft nach einem Foul vom Platz, wobei ich persönlich den Platzverweis für übertrieben hielt.
Nach Abpfiff ging es in die Karnevalshochburg Düsseldorf. Denn trotz der späten Stunde ging es noch für einen Killepitsch und ein paar Altbier in die Altstadt. Zu diesem Zeitpunkt stand auch schon der Alternativplan für den nächsten Tag, denn irgendwo gibt es immer ein Spiel. Schlussendlich sollten es am Ende drei Spiele am Samstag sein, aber alles der Reihe nach.
Am nächsten Morgen ging es erstmal nach Duisburg zum dortigen NLZ, um in der U19- Bundesliga West den Meidericher SV gegen die U19 aus der Farbenstadt – Leverkusen – zu beobachten und vielleicht den ein oder anderen jungen Spieler zu beobachten, der für den Ruhmreichen eine Verstärkung darstellen könnte. Im Rahmen dieses Spieles konnte ich auch vier Auswechslungen auf Seiten von Bayer Leverkusen verfolgen. Vor allem in der ersten Halbzeit waren die Gäste spielbestimmender, aber sie konnten ihre Überlegenheit nur mit einem Tor unterstreichen. Auf den Rängen/Hängen standen natürlich neben Scouts auch die Eltern vieler Spieler und feuerten ihre Sprößlinge immer wieder lautstark an. Dabei musste ich an einen Kurzfilm vom letztjährigen 11mm Filmfestival denken. Der Film hieß Padres Hooligans - (Trailer) – So stelle ich mir heutzutage die Eltern von jungen Fußballern vor. Leider konnten in der umkämpften Schlussphase die Gastgeber nur noch den Anschlusstreffer zum 1:2 schießen. Mit dem Abpfiff mussten wir uns beeilen, denn kurz danach stand schon das nächste Spiel an: Hoppen kann teilweise stressig sein ;-), aber was man nicht alles für seine Liebe zum Fußball unternimmt... Dieses Mal ging es zu einem Nachholspiel in der Oberliga Westfalen. In der OBI-Arena in Rheine spielte die örtliche Eintracht gegen den Nachfolgeverein des ehemaligen Zweitligavereins aus Gütersloh. Zu Zweitligazeiten spielte unsere ehemaliger Torwarttrainer Adam Matysek vor seinem Wechsel nach Leverkusen in Gütersloh. Alles Vergangenheit und die triste Wirklichkeit sagt Westfalenliga und ganze sechs Fans aus Gütersloh mit eigener Zaunfahne. Das Stadion hat noch eine schöne alte Tribüne an der Längsseite und gleich hinter der „Gegengerade“ ist auch gleich ein kleiner Fluss. Praktisch eine richtige Idylle, wenn da nicht die einzige richtige Tribüne vorhanden wäre. Aber wie für diese Liga typisch, gibt es doch ein schönes kleines Vereinsheim und humane Preise. Dabei konnte die einheimische Eintracht ziemlich schnell in Führung gehen und im weiteren Verlauf sogar noch auf 2:0 erhöhen. Am Ende hatte sie Glück, dass die eigenen Fehler nicht nochmal das Spiel spannend gemacht haben. Somit musste die handvolle Gruppe Gästefans bei leichtem Nieselregen ohne Punkte die Heimfahrt antreten, während es zum Highlight des Abends gehen sollte. Es stand noch die Begegnung zwischen dem FC Groningen und dem FC Utrecht, dem ehemaligen Verein von – The Machine –, auf dem Plan. Also nichts wie ab ins Auto und gen Norden. Bei leichtem Nieselregen wurde Groningen erreicht und ähnlich wie in Heerenveen ist auch das dortige Stadion von außen nicht sofort als solches erkennbar. Daran angeschlossen findet sich u.a. ein Kino und sieht von außen wie ein Bürokomplex aus. Drinnen darf – typisch Niederlande – nur mit Token bezahlt werden, die vorher getauscht wurden. Da ich mir vor dem Spiel noch meine Friet speciaal besorgt hatte, bestand bei mir kein gesteigertes Interesse an Speis und Trank. Auf den Eintrittskarten sind nur der Eingang und der Blockbereich verzeichnet gewesen, was natürlich sehr schön war, denn so gab es praktisch freie Platzwahl. So setzte ich mich etwas seitlich und hatte beide Fangruppierungen im Blick. Auf der Heimseite gab es einen kleinen Stehbereich hinter dem Tor und im Stadion gibt es auch einen Anlaufpunkt für die Heimfans. Der Gästebereich hingegen war im Oberrang lokalisiert und ist mit Plexiglaswänden umschlossen, wobei er nicht ausverkauft war. Das kommt jedoch in den Niederlanden praktisch nie vor. Fahnen o.ä. waren nur sehr sporadisch im Einsatz und auch durchgängiger Support war nicht auszumachen.
Die spielbestimmende Mannschaft in der ersten Halbzeit war eindeutig der FC Groningen, der auch folgerichtig mit einer 2:0 Führung in die Halbzeit ging. Torschütze war jeweils Bryan Linssen. Von dieser spielerischen Leichtigkeit und Beherrschung des Gegners konnte im Verlauf der zweiten Halbzeit nach dem Anschlusstreffer nicht mehr die Rede sein, so dass es dem FC Utrecht gelang, das Spiel zu drehen und einen 3:2 Auswärtssieg einzufahren. Dabei kam es im Gästebereich auch zu einem kleinen Blinkereinsatz. Somit dümpelt der FC Groningen im tristen Tabellenmittelfeld herum und der FC Utrecht stellt aktuell die vierte Macht in den Niederlanden hinter den drei großen Vereinen aus Amsterdam, Eindhoven und Rotterdam.
Mit diesen Eindrücken ging es zwischen Fahrradfahrern zurück zum Auto, um am nächsten Tag das Heimspiel des Ruhmreichen gegen den VFL Bochum anzuschauen. Das Spiel und das Ergebnis sollen hier aber nicht mehr thematisiert werden. Die drei Großen des niederländischen Fußballs will ich mir in meinem Leben auch einmal live im Stadion anschauen, aber wann das sein wird, werden wir sehen…


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