Flucht aus der Tristesse

von Andy und Thomas

Und noch einmal Sonne tanken. Mit dieser Prämisse wurden die Rahmenbedingungen für die letzte größere Tour in 2019 festgezurrt.
So ging es nach einem leckeren griechischen Mahl gemeinsam zum Flughafen, um für eine knappe Woche inklusive Champions League, Europaleague und nationalem Fußball, Meer, Sonne der örtlichen Tristesse zu entfliehen. Am Flughafen gab es ein großes Hallo mit anderen Glubberern die auch in die Sonne flogen. Trotz kleinerer Diskussionen bzgl. des Gepäcks ging es planmäßig in den Flieger nach Porto. Glücklicherweise fliegt Ryanair das auch nach der Flugplanänderung im Frühjahr weiterhin an, was bei den Streichungen von Rom, London, Tel Aviv und Bergamo beachtlich ist. Motiviert und voller Vorfreude ging es mit der Straßenbahn in die Innenstadt, um dort unsere Unterkunft zu suchen. Nach einem kurzen Spaziergang wurde diese auch zeitig gefunden, um sich danach gleich auf die Suche nach einem kleinen Restaurant zu begeben und die hügelige Altstadt zu erkunden, was bei dem Wetter und der Leere in der Stadt auch problemlos funktionierte. Die verschiedenen Angebote uns mit Drogen zu versorgen, ließen wir aus. Dafür gab es zu einem leckeren Fischgericht ein Glas Portwein. So beschwingt ließen wir uns durch die Straßen treiben, um nach einem Erinnerungsfoto am Duoro aber auch zeitig unsere Unterkunft aufzusuchen, da wir am nächsten Tag gen Lissabon aufbrechen wollten.
Der nächste Morgen führte uns zurück zum Flughafen, um unseren Mietwagen zu holen, welcher uns in den nächsten Tagen in den Süden des Landes begleiten sollte. Der Verkehr rund um Porto und die verschiedenen Abfahrten trieben uns keine Schweißperlen auf die Stirn, so ging es gemächlich durch das Land. Die Fahrt verlief bei wechselndem Wetter recht ereignislos, da es sowohl wenig Verkehr auf der Autobahn gab als auch wenig zu sehen. Entspannt und bei Sonne erreichten wir in Zeit Lissabon, wo neben Kultur auch der Fußball eine gewichtige Rolle spielen sollte. Mit der Erwartung Champions und Euro League zu sehen, waren wir angereist. Werden das auch die erhofften Schmankerl sein?
Bei Sonne und angenehmen Temperaturen ging es in die historische Altstadt, um in den engen Gassen die einheimische Kultur aufzusaugen. Natürlich durfte der Portwein, ein Kaffee und das berühmte Pastel del Nata nicht fehlen. Schließlich war Urlaub angesagt und den wollten wir genießen und nicht an die Zukunft und an zu Hause denken. Die Tickets für die Spiele beider großer Lissabonner Vereine hatte ich schon vorher problemlos online gekauft. Ein Kauf vor Ort wäre aber auch möglich gewesen, da beide Stadien nicht einmal ansatzweise voll waren. Obwohl es internationaler Fußball war, aber die Gegner waren auch nicht das Nonplusultra im europäischen Fußball.
Nach einem leckeren Fischgericht ging es mit der U-Bahn zum Estádio da Luz. Schon von weitem erhob sich dieser Fußballtempel, der auch in der Vergangenheit des 1. FC Nürnbergs eine gewichtige Rolle spielte und die Fans an glorreiche Zeiten erinnern lässt. Damals habe ich es leider nicht geschafft zu fliegen, was ich bis heute bereue, aber es hat nicht sein sollen. So standen wir vor dem Stadion und besuchten auch den örtlichen Fanshop und betraten rechtzeitig das weite Rund des Stadions. Das Wappentier von SLB oder Águias ist ein Adler, wie Águias auch auf Portugiesisch heißt, wurde von einem Tierpfleger an unserem Treppenaufgang präsentiert. Das edle Tier glitt auf sanften Schwingen herunter auf den Platz und wurde dort mit einem Leckerli gefüttert. Die Gäste aus Lyon füllten auch ganz gut den Gästeblock, aber allgemein war das Stadion nicht ausverkauft und von unserem Platz in Höhe der Mittellinie im obersten Ring hatten wir eine traumhafte Sicht auf das gesamte Geschehen auf und neben dem Platz. Zwar gingen die bisher punktlosen Gastgeber gegen den damaligen Tabellensiebzehnten der Ligue 1 bereits nach vier Minuten in Führung. Aber zusehends verflachte die Qualität des Spieles und es sollte kein wirkliches Feuer auf dem Platz entstehen. Fantechnisch war zu dieser Zeit auch nicht viel zu sehen. Als sich beide Seiten stabilisiert hatten konnten die Gäste zwar vermeintlich ausgleichen, jedoch wurde dem Tor die Anerkennung aufgrund von Abseits verweigert. Das Bier in der Halbzeit war alkoholfrei und schmeckte nicht wirklich gut. Mitte der zweiten Halbzeit gelang es den Gästen den Ausgleich zu erzielen, welcher durchaus verdient war. Wobei die Qualität des Spiels von Minute zu Minute abnahm und einer europäischen Spitzenklasse immer weniger würdig war. Kurz vor Ende unterlief dem Keeper der Gäste und gleichzeitig auch noch Kapitän ein folgenschwerer Fehlpass welcher in einem Tor für die Gastgeber resultierte und somit die ersten Punkte in der CL für die Gastgeber bescherte. Der Abend gestaltete sich noch feuchtfröhlich, da mit den anderen Glubberern erstmal an einem Verkaufsstand außerhalb vom Stadion ein Happen gegessen und das berühmte Superbock getrunken wurde. Bei Schnaps und Wein wurde die Nacht doch etwas länger und so brachte uns ein Bolt am Abend nach Hause und es ging in den wohlverdienten Schlaf, da am nächsten Tag eine Stadtrundfahrt und Erkundung der Gegend anstand. Das Wetter passte auch und die Tour konnte nach einem guten Frühstück beginnen, wobei der Kaffee des Hotels verbesserungswürdig war. Dies ist mir in Portugal oft aufgefallen. Aber da bin ich auch sehr verwöhnt und habe durchaus gewisse Ansprüche. Die Hop-on-hop-off-Tour stellte sich als die genau richtige Wahl für uns heraus, da wir dadurch einen schönen Überblick über die Stadt erhalten konnten und auch einiges an Infos mitnehmen konnten. Der Kaffee und die Pause am Tejo in der Sonne waren schon Gold wert. Dabei gab es auch Salutschüsse für ein heimkehrendes Kriegsschiff. Bei der weiteren Fahrt wurde auch die Banksyausstellung als Option für den Folgetag notiert, da wir am nächsten Tag gen Setubal fahren würden, war dies als vormittägliche Option anvisiert. Eine Fahrt in den kleinen gelben Straßenbahnen durfte natürlich nicht fehlen und so ging es durch die Gassen mit fabelhaften Blick über die Stadt. Ich persönlich liebe solche alten Bahnen und finde es spannend, dass es diese noch so zahlreich in anderen Städten gibt. Aber auch hier rief am Abend der Fußball. Nach Benfica am Vortag ging es zum großen Stadtrivalen zu Sporting. Dort wurde im Burger King noch schnell was gegessen, da eine Mahlzeit vorher nicht möglich war. Das Stadion war leider noch leerer, als am Vortag, aber es gab immerhin eine Choreo und Gesänge. Auch Gästefans aus Trondheim habe ich sowohl in der Ubahn als auch vor und im Stadion gesehen. Die bisher punktlosen norwegischen Gäste fackelten natürlich kein herausragendes Feuerwerk auf dem Spielfeld ab, aber auch die Gastgeber erwärmten nicht unser Herz mit ihrem fußballerischen Können. Der Blick auf die Uhr und die Streckung der Beine respektive des Körpers erfolgte häufiger, da die Darbietung zu wünschen ließ. Leider konnte der Exclubspieler Even Hovland seine Chancen am Ende nicht nutzen, so dass es bei dem Tor des Tages durch Bolasie blieb und die Gastgeber in diesem langweiligen Spiel mit diesem Tor gewinnen konnten. Eine kleine Stärkung außerhalb des Stadions war trotzdem noch drinnen, aber um mit der letzten Ubahn zurückzukommen, wurden die ebenfalls schließenden Verkaufsstände verlassen, da wir am nächsten Tag noch etwas vor hatten.
Nach Recherche im Internet und Nachfrage am Hotel besorgten wir uns in einem örtlichen Einkaufszentrum unsere Karten für die Banksyausstellung und gondelten mit dem Bus langsam in Richtung Hafen und Ausstellungsgelände. Unseren Mietwagen wollten wir dafür nicht nehmen, da wir uns nicht mehr als nötig durch die Gassen Lissabons mit dem Wagen bewegen wollten. Eine Ausstellung von einem Graffitikünstler hatten wir vorher noch nie besucht, aber allein der Spaziergang durch die Hallen mit den verschiedenen Erläuterungen, Installationen und Bildern war sehr beeindruckend. Die politischen Statements und verschiedenen Themen sprachen uns durchweg an. Seitdem bin ich auch immer wieder auf der Suche nach neuen Bildern von ihm und verschiedenen Angeboten seiner Kunst.
Auf dem Weg gen Süden durfte natürlich ein Abstecher zur Christusstatue nicht fehlen, die auf der anderen Tejoseite liegt und einen wunderschönen Blick über die Stadt und die berühmte Hängebrücke gibt. Da das Wetter auch noch sonnig war, gab es traumhafte Fotomotive, die wir natürlich nutzten.
Mit einer kleinen Stärkung ging es für uns auf die nächste Etappe, die bei entspannter Fahrt auch zeitig erreicht wurde. Die Umgebung und das Wetter versprachen eine wunderschöne Zeit vor Ort und so machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Dort liefen wir gleich einer Infoveranstaltung des einheimischen Militärs in die Arme. Die Uferpromenade trägt den Namen des berühmtesten Sohnes der Stadt „The special one“ Jose Mourinho. Nach einem leckeren Essen in einem Fischrestaurant am Hafen ließen wir uns noch durch die Gassen treiben und begingen einen Fehler, da wir uns ohne Nachfrage oder Warten einfach setzten, wurden wir auch nicht in dem halbleeren Cafe bedient, sondern gemieden und ignoriert. Dies ließen wir natürlich nicht auf uns sitzen und ließen uns weiter durch die Straßen treiben und landeten in einer kleinen familiengeführten Bar. Dort kamen wir gleich mit dem Chef des Hauses ins Gespräch. Wir seien zur falschen Jahreszeit da, denn im Juni und Juli kommen Delfine in die Bucht und man kann mit Ihnen tauchen und sie beobachten. Ende Oktober war dies natürlich nicht möglich. Unser Interesse war aber geweckt und so schlenderten wir nach ein paar leckeren Getränken in unsere Unterkunft. Gestärkt mit einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir ans Meer, um am nahezu leeren Strand die Sonne zu genießen und bei einem abgewandelten Stadt-Land-Fußball die Zeit und das Meer zu genießen. Mein Abstecher ins Meer absolvierte ich überaus erfolgreich, wobei das Wasser wie erwartet frisch war. Auf der Hinfahrt am Vortag hatten wir eine Burg gesehen, diese wollten wir besichtigen, was uns nach einigen Irrungen und Wirrungen dank Googlemaps gelang. Der Ausblick auf die Bucht mit dem riesigen Kraftwerk im Hintergrund und der Bucht daneben entschädigte für die Anreise. Bei einem Gläschen einheimischen Süßwein und einem leckeren Gebäck inkl. Kaffee stiegen die Glücks- und Zufriedensheitshormone an und die eigenen Probleme verblassten dabei zusehends. Nach einem netten Plausch mit einem Künstler und dem Erwerb einiger selbstgemalten Postkarten fuhren wir zurück zum Hotel, da wir ein weiteres Fußballspiel sehen wollten. Die Anforderungen und Erwartungen haben wir aufgrund der vorherigen Spiele natürlich gesenkt. Hinzukam, dass es ein wahrer Abstiegsgipfel war. Die Gastgeber aber auch sehr geizig mit dem Tore schießen waren, wurde nach einer kleinen Odyssee der Gästeblock betreten, was aber kein Problem darstellte, da auch dieser nur spärlich besetzt war. Der Vorteil des Gästebereichs war die Lage im Süden des Stadions, so dass man die letzten Sonnenstrahlen genießen konnte bevor es kühler wurde, denn sobald die Sonne weg war, wurde es schnell frisch. Die Gäste aus Funchal und auch die Heimmannschaft spielte ab und zu ganz ansehnlich, aber vor dem Tor gab es auf beiden Seiten sehr haarsträubende Fehler, was einen möglichen Torerfolg immer wieder verhinderte. So kam es am Ende zu einem leistungsmäßig gerechten torlosen unentschieden, was beiden nicht groß half. Während des Spieles genossen wir eine Art frittierte o.ä. Bällchen, die echt lecker geschmeckt haben und hatten in dieser leicht ranzigen Betonschüssel, die definitiv schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat, eine schöne entspannte Zeit. Natürlich wären Tore positiv gewesen, aber so ging es nach Abpfiff zügig in die Innenstadt, da wir uns ein leckeres Fischrestaurant herausgesucht hatten und dort zu Abend essen wollten. Die Gerüche und auch der Eindruck vom Vortag haben uns nicht getäuscht und bei einem Gläschen Wein genossen wir das nahezu perfekte Abendessen, welches wir im beheizten Außenbereich des Restaurants zu uns nahmen. Als „krönenden“ Abschluss unseres Ausfluges zum Meer gingen wir auf einen letzten Absacker in Bar vom Vortag, um uns dann auf den Weg in unsere Unterkunft zu begeben. Der nächste Tag sollte noch einmal ein fußballerisches Highlight für uns haben, da wir Karten für das ausverkaufte Spitzenspiel des FC Porto gegen den erfolgreich aufspielenden Aufsteiger Famalicão. Gemütlich umfuhren wir Lissabon, um uns dann entspannt Amazonradio hörend gen Porto zuzubewegen. Schließlich spielte am Nachmittag der Ruhmreiche gegen den Jahn und das wollten wir doch hören. Die Freude über die Führung und mögliche drei Punkte blieb uns, bekanntermaßen, verwehrt, da es zum wiederholten Male kurz vor Ende zu Punktverlusten für den FCN kam. So genervt und auch frustriert erreichten wir Porto. Während unserer Reise kam es zu Bauarbeiten, weswegen die ursprünglich geplante Anfahrt zu unserem Autovermieter nicht mehr möglich war. Eine kleine Irrfahrt später erreichten wir die Firma und gaben unser Auto wieder ab. Die letzte Nacht verbrachten wir in einem kleinen Hotel direkt am Flughafen, da am nächsten Morgen zeitig unser Flug nach Frankfurt anstehen sollte. Inzwischen kannten wir den Weg in die Innenstadt und so liefen wir ein wenig weiter, um direkt zum Estádio do Dragão zu fahren. Was schließlich auch problemlos in einer sehr gut gefüllten Straßenbahn funktionierte. Der traditionelle Abstecher in den Stadionfanshop wurde auch absolviert, um dann unsere Plätze praktisch neben der Eckfahne einzunehmen. Die Stimmung und das Ambiente waren in diesem Stadion die besten auf dieser Reise. Die Fans sangen regelmäßig, was natürlich auch dadurch befeuert wurde, dass Porto das Spiel dominierte und die Gäste ihre Chancen nicht nutzte. Lange Zeit sah es jedoch nach einem torlosen ersten Durchgang aus, so dass das Tor praktisch erst mit dem Halbzeitpfiff fiel. Das Angebot für Getränke und Essen war an sich ok, aber wie bei vielen Spielen rund um die Halbzeit waren die Kioske überfüllt. Mit fortschreitender Dauer mussten die Gäste aufmachen, was dem FC Porto immer mehr Räume bot, welche diese auch nutzten und am Ende verdient mit 3:0 gewannen. So ging es für uns glücklich und zufrieden zurück in die Innenstadt, wo wir in einem kleinen Lokal noch mit einem amerikanischen Ostküstenpärchen ins Gespräch kamen. Das Essen und die Gespräche lieferten einen wundervollen Abschluss für diese Reise. In Porto haben wir es leider verpasst den aus Harry Potter bekannten Buchladen Lello zu besuchen. Dazu waren wir zu falschen Tageszeiten in Porto unterwegs. Somit haben wir noch etwas offen für weitere Reisen nach Portugal. Die Sardinenbüchsenläden zogen uns auch in den Bann, da es in den jeweiligen Büchsen nicht nur Sardinen, sondern nahezu jegliche Art von Fisch enthalten war. Aber schlussendlich haben wir keine gekauft, da es sowohl preislich als auch transportmäßig nicht die beste Wahl für ein Mitbringsel in die Heimat war.
Mit der Straßenbahn ging es zurück zum Hotel und das Shuttle zum Flughafen wurde auch gleich noch fixiert, so dass wir glücklich und kaputt ins Bett fielen, um am nächsten Tag ins triste Deutschland zurückzufliegen. Mit genug Zeit im Gepäck schlenderten wir zu unserem Gate und ließen uns nach Frankfurt fliegen. Alles klappte wie am Schnürchen, wobei uns auch Bauarbeiten an der Sbahnstrecke nicht aufhalten konnten und so ging es mit dem ICE zurück nach Nürnberg.

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