Eine Reise zwischen Zukunft und Vergangenheit – Kommerz vs. Tradition

von Andreas König

Nach einem kurzen Flug nach Düsseldorf ging es, anstatt der ursprünglichen Planung nicht nach Eindhoven, sondern direkt nach Brügge. Das Wetter in Brügge sollte auf jeden Fall besser sein als im kalten Nürnberg. Der nächste Tag stand bei knappen zehn Grad und Sonnenschein Sightseeing in Brügge auf dem Plan. Die Stadt hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Brügge sehen und sterben – dieses Motto lässt sich definitiv unterschreiben.
Natürlich durfte das Frittenmuseum inklusive einer Kostprobe nicht ausgelassen werden, während ich mir das Biermuseum für die nächste Reise nach Brügge aufgehoben habe. Nach einem kleinen Umtrunk auf dem Weihnachtsmarkt und einer lokalen Brauerei, die u.a. von einer großen Gruppe Kopenhagenfans bevölkert wurde, ging es für mich erst einmal zurück in meine Unterkunft. Mit dem Bus ging es entspannt in Richtung Stadion, schließlich wollte ich noch einen Happen vor dem Stadion essen und die Atmosphäre genießen. Während es in Deutschland typisch ist, rechtzeitig im Stadion zu sein, gingen die Fans in Belgien erst in den letzten Minuten vor dem Spiel ins Stadion. Die Einlasskontrollen dabei gestalteten sich ähnlich denen in Neapel. Woran das liegen mag, kann ich nicht sagen.
Die Heimkurve war leider nur ein kleiner überschaubarer Haufen, jedoch konnte ich aus nächster Nähe den besten Sechser der jüngeren Vergangenheit unseres Ruhmreichen beobachten, der auch noch mit 39 bzw. seit kurzem 40 Jahren immer aktiv ist. Diesen Spieler zu verlieren, war zwar unvermeidlich, aber seine Professionalität ist einfach umwerfend.
Leider war mein Platz direkt neben dem Eingang, was aufgrund eines Spaltes zwischen Sitz und Betonwand dazu führte, dass viele Personen, die hinter mir saßen, sich dort immer wieder vorbeiquetschten. Im Gegensatz zu dem verstreuten und überschaubaren Haufen Heimfans gab es im Gästeeck eine nette kleine Fahnenchoreo und kontinuierlichen Gesang. Somit haben die Fans auf den Rängen ähnlich ihrer Mannschaft auf dem Feld das Spiel klar und deutlich gewonnen.
Zu Beginn standen die gesamten Fans auf meiner Gerade auf, wenn die Mannschaft sich dem gegnerischen Strafraum näherte, doch nach zwei katastrophalen Fehlern, die auch jeweils zu Gegentoren führten, nahm der Eifer der Heimfans immer mehr ab und auch der Einsatz der organisierten Heimfans wurde immer schlechter. Da es in Brüssel eine Bezahlkarte gab, habe ich auf den Test einer Bratwurst o.ä. verzichtet. Nach einem kleinen Bier ging es zurück, jedoch dieses Mal aufgrund eines Polizisten zu Fuß. Die knapp vier Kilometer wurden bei für den Monat ungewöhnlich angenehmen Temperaturen zügig zurückgelegt, denn am nächsten Tag sollte es in die Hauptstadt gehen, um dort am nächsten Abend den RSC Anderlecht mit dem Extrainer René Weiler gegen den französischen AS Saint Etienne anzuschauen. Im Gegensatz zur Stadt brauche ich nicht zwingend ein weiteres Mal ein Spiel im Stadion von Brügge.

Die einstündige Zugfahrt in die belgische Hauptstadt ging vollkommen entspannt vonstatten und die Sonnenbrille war das wichtigste Utensil nach der Ankunft in Brüssel. Dieses Mal hatte ich mein Ticket mir hinterlegen lassen, somit machte ich mich nach dem erfolgreichen Einchecken auf den Weg in Richtung Stadion. Jedoch wollte ich dieses Mal die Umgebung erkunden und spazierte entlang der vielen verschiedenen Läden, Restaurants aus aller Herren Ländern in Richtung Stadion. Leider wäre ich fast an dem Stadion vorbeigelaufen: Als ich aus einem Wohngebiet auf einen Platz getreten bin, habe ich das Stadion erst nicht wahrgenommen. Trotz einiger Irrungen habe ich dann meine Karte für das Spiel am Abend erhalten, jedoch ging es dieses Mal mit dem Bus zurück ins Hotel, um nach ein paar Bier knapp vor Anpfiff im Stadion zu sein.
Dort ergab sich ein ähnliches Bild wie bereits am Vortag. Die Einheimischen strömen erst kurz vor knapp in den Block und wie bei allen anderen Spielen, die ich auf europäischen Parkett in diesem Herbst verfolgt habe, war das Stadion auch hier nicht ausverkauft. Die Kartenpolitik von manchen Vereinen kann ich daher nicht nachvollziehen, aber die Vereine werden wahrscheinlich ihre eigene Taktik oder Begründung dafür haben.
Das Spiel bot für einen interessierten Fußballfan alles möglich, denn die Fans im Gästeblock ließen trotz eines zwischenzeitlichen 0:2 Rückstand aus Ihrer Sicht nicht nach und zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit eine kleine Choreo. Ihr Team ließ sich von dieser Atmosphäre anstecken und konnte am Ende das Spiel noch drehen, was natürlich riesige Jubelstürme auslösen sollte. Nach ein paar Feierabendbierchen inklusive der zweiten Halbzeit von Schalke international ging es für mich ins Bett, denn am nächsten Tag stand das Spiel in Düsseldorf an.

Diese Strecke legte ich mal wieder mit der Bahn zurück, was trotz verschiedenen Verspätungen problemlos ablief. Dazu beigetragen hat auch die filmische Begleitung durch „Nordkurve“, wobei ich „Fußball ist unser Leben“, den ich von Düsseldorf nach Brügge gesehen hatte, besser fand. Während es für einige Killer Devils am Samstag wieder in die fränkische Heimat zurückging, brachte mich die deutsche Bahn nach Münster, um dort das Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und dem SC Paderborn zu besuchen, was immerhin vom geographischen her ein Derby darstellte.
Der schönen Innenstadt wurde ein kurzer Besuch inklusive Weihnachtsmarkt abgestattet und dann ging es auch gleich in Richtung Preußenstadion. Leider meinte es der Wettergott nicht so gut mit mir und es nieselte immer wieder, aber nach einigem Anstehen und einem verpassten Anstoß war ich dann im Stadion. Das kulinarische Angebot stellte nur das wichtigste da, denn das Spiel konnte nun wahrlich nicht begeistern, aber was sollte man machen. Es war ein typischer Drittligakick und am Ende konnte Paderborn in diesem Kellerduell mit einem 1:0 Auswärtssieg ein bisschen Morgenluft schnappen.
Für mich war der Tag aber noch nicht beendet, denn es gab einen Doppler mit dem Spiel SC Heerenveen gegen Excelsior Rotterdam. Im Vergleich zu vielen Stadien in Deutschland konnte man in Heerenveen kostenlos vor dem Stadion parken. Nach dem Erwerb der Eintrittskarte ging es in ein Treppenhaus mit klassischem PVC-Boden - etwas ungewöhnlich. Nach mehreren Ebenen ging es durch eine Türe und ich stand im Barbereich des Stadions und rechts war gleich mein Block. Etwas surreal fand ich das schon. Pünktlich zum Spiel entrollte die Nordkurve eine große Blockfahne, um den eigenen 15-jährigen Geburtstag der „Neuen Nordkurve“ zu feiern.
Um etwas kaufen zu können, musste man - für die Niederlande typisch - erst einmal Geld in Tocken wechseln und dabei kostete mich das kleine Bier 0,25 l schlappe 2,50 €. Da das Spiel den Jahresabschluss bildete, erhielt am Eingang jeder Gast eine in den Vereinsfarben blau und weiß gehaltene Zipfelmütze, die nach Entfernen der Sperre auch noch blaue blinkende Sterne hatte. Durch den späten Anpfiff war es bereits dunkel, so dass es ein sehr schönes Bild abgab, als alle möglichen Gäste einen blinkenden Kopf hatten.
Die Gäste aus Rotterdam gingen durch einen Elfmeter kurz vor der Halbzeit schmeichelhaft in Führung, jedoch gelang Heerenveen kurz nach dem Wiederanpfiff der Ausgleich. In der Schlussviertelstunde gelang mit einem schönen Freistoßtor noch der Siegtreffer. Nach dem Abpfiff der Partie feierten die Fans im gesamten Stadion mit DJ etc. noch ausgiebig den 15. Geburtstag der „Neuen Nordkurve“. Für mich ging es nach einem Abschiedsbierchen und der Zusage, mal wieder vorbeizuschauen, zurück nach Gelsenkirchen bzw. Gladbeck. Dort ließ ich mit einer Gruppe Schalkern den Abend in einer Kneipe bei ein paar Bier und Kurzen entspannt ausklingen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es zum Spiel von Schalke 2 gegen die Sportfreunde Siegen in Wanne-Eickel. Auf dem schwierigen Geläuf war es v.a. zu Beginn keine wirkliche Augenweide, da beide Mannschaften im Tabellenkeller der Regionalliga West feststecken. Bei Schalke spielte unser ehemaliger Spieler Tobias Pachonik eine solide Partie, doch leider konnte ich in dessen Verlauf kein Tor von den jungen Schalkern bejubeln. Jedoch erzielte Siegen Mitte der zweiten Halbzeit den Siegtreffer, der von den Schalkern nicht mehr egalisiert werden konnte. Mit diesem Ergebnis ging es rüber zu den großen Schalkern, die ich mir als Abschluss für diese Fußballwoche vorgenommen hatte.
Bei diesem Spiel konnte ich wieder ehemalige Clubspieler auf beiden Seiten beobachten. Vor über 60000 Zuschauern musste Naldo einen schlechten Pass korrigieren und traf dabei die kleine Erbse in den Hacken, so dass dem Oberasbacher Schiri nichts anderes übrig blieb und Naldo nach vier Minuten zum Duschen zu schicken. Schalke hatte immer wieder gute Chancen v.a. über Konter und als gegen Schalke ein Standardtackling gepfiffen wurde, nahm in der 89. Minute das Schicksal seinen Lauf und der Kies traf für die Werkself zum Sieg.
Der Support in der Nord war, nach meiner Auffassung, durchwachsen, aber die Reise hat sich auch trotz der Niederlage gelohnt. Im kommenden Kalenderjahr will ich häufiger Schalke live sehen und diese auch international supporten. Warten wir ab, wohin es mich noch verschlagen wird.

Mit dieser Niederlage im Gepäck ging es auch für mich in die Heimat, denn am nächsten Tag rief wieder die Arbeit.

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