Ein Wochenende in Tschechien oder zwischen Bier und Bratwurst...

von Andreas König

...uu entscheiden, fällt an tschechischen Sportstätten immer schwer und am Ende gibt es von beidem mindestens eines pro 90 Minuten Fußball. Aufgrund der Terminierung ging es nach dem letzten Freitagsspiel gegen den FC Schalke 04 am Samstagfrüh gegen 6 Uhr gen Tschechien, da der erste Kick bereits um 10:15 Uhr angepfiffen wurde. Das Ziel war Benesov, um dort das Drittligaspiel in der CFL zwischen Benesov und Olympia Radotin, die in der letzten Saison noch in der zweiten Liga als Olympia Prag gespielt haben, anzuschauen. Das Stadion hospitierte in seiner Geschichte schon höherklassigen Fußball, aber davon ist es aktuell weit entfernt. Deswegen wurden auch Teile der Gegentribüne abgebaut und die Türen dazu verrammelt. Aber selbst diese Veränderungen konnten nicht sehr viele Fans vom Sofa locken. Von dem künstlichen Verein der Gäste ganz zu schweigen, der tabellenmäßig als Favorit anzusehen war. Mit einem Bier ausgerüstet wollte ich gerade von der Terrasse des Schankbetriebes steigen, als mich der freundliche Inhaber doch darum bat das Bier auf der Terrasse zu konsumieren, da der Biergenuss im Glas außerhalb der Bar nur im Plastikbecher erlaubt war. So gab es erstmal ein Bier, welches aber nicht so gemundet hatte, dass ich davon gleich mehr brauchte. Ich bin halt doch weiterhin kein Pilstrinker und werde es wahrscheinlich auch nie, da das Bier im Frankenland doch deutlich besser schmeckt. Aber dies ist meine persönliche Meinung. Noch ohne Klobasa wurde dem Anstoß und dem Spielauftakt entgegengefiebert, der bei schönem Wetter und bei Bier auch nicht mehr lange auf sich warten ließ.
Zwar konnten sich die Gäste, wie nicht anders zu erwarten, einen gewissen Feldvorteil erspielen, aber am Ende konnten sie lange Zeit ihre Chancen nicht nutzen. Jedoch gelang es Ihnen kurz vor der Halbzeit die Führung zu erzielen, die von den Gastgebern bis zur Pause auch nicht mehr gekontert werden konnte. Jedoch erfolgte die Antwort der Gastgeber kurz nach Wiederanpfiff, wobei hierfür ein Elfmeter herhalten musste. Der Jubel der Heimmannschaft war aber gefühlt noch nicht verklungen, da schlugen die Gäste, wie auch ich nun beim Grillstand, mit der erneuten Führung zu. Bei einer Klobasa und einem Gästesieg in Höhe von 2:1 wurde der Ground kurz nach Abpfiff hinter sich gelassen, denn der Abend sollte mit einem Ligaspiel in der höchsten tschechischen Spielklasse zwischen dem 1. FC Slovácko und dem 1. FC Pribram verbracht werden.
Klar sollte dieses Spiel nicht die Klasse wie Opava vs. Ostrau oder das Prager Derby haben, aber mal wieder Erstligafußball in Tschechien ist immerhin eine nette Abwechslung zu den regelmäßigen unterklassigen Spielen im Nachbarland. Die Heimmannschaft konnte auch mit kleinen Fangruppen aufwarten, die das gesamte Spiel versuchten, ihre Mannschaften mit Gesängen etc. zu supporten. Aus Pribram, die vor der Saison aufgestiegen waren, war gerade mal eine Autobesatzung da. Fantechnisch war das Spiel also bereits vor Anpfiff klar entschieden, aber auf dem Platz erwartete ich dagegen ein enges Spiel. Wobei es merklich abgekühlt hatte und es auch immer wieder kleine Regenschauer gab. Also das perfekte Wetter für einen Stadionbesuch. Immerhin war mein Platz überdacht und ich hatte eine Sitzunterlage dabei. Ich werde eindeutig alt. Zwar habe ich mir wieder Bier und Wurst gegönnt, aber die Überlegung hin zu einem Tee oder Glühwein war nicht sehr weit. Am Ende siegte diesbzgl. nur die eigene Faulheit. Die Wurst beim ersten Spiel schmeckte mir persönlich besser, da diese eine Standardwurst war. Das Speise- und Getränkeangebot ist, wie gefühlt auch in Deutschland, in Tschechien in den unteren Klassen besser, als in der jeweiligen Beletage.
Bereits nach nicht einmal zehn Minuten konnten die Gastgeber mit einem schönen Tor die frühe Führung erzielen und hätten konsequenterweise auch mehr Tore erzielen können, aber da sie dies unterließen, hätte der Gast sicher auch ausgleichen können, aber dieser präsentierte sich eher schwach. Dabei wurde das Spiel durchaus ruppig geführt und es wurde immer wieder unterbrochen und v.a. die Heimmannschaft sammelte fleißig gelbe Karten. Ein kurzer Blick auf das Schiripersonal (ein gemischtes Team) ergab eine Linienrichterin: Lucie Ratajova, die bereits internationale Erfahrung u.a. in der Frauenchampions League – FC Bayern München vs. FC Barcelona – oder der U17- Frauen-WM sammeln konnte. Dies fand ich persönlich sehr positiv und auch interessant. Sie zog sich natürlich auch immer wieder den Zorn der Fans und Spieler zu, was sie aber kühl an sich abperlen ließ. Wobei ich sagen muss, dass das gesamte Schirigespann keinen schlechten Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Trotz der Überlegenheit ging es mit einer Eintoreführung in die Halbzeit. Ähnlich wie im ersten Abschnitt fiel das Tor für die Heimmannschaft nach ca. 7 Minuten in der zweiten Halbzeit und damit war die berühmte Messe auch gelesen, denn von den Gästen konnte leider kein Tor mehr erzielt werden. Gemütlich unter sich zu ziehendem Himmel ging es zum Auto, denn es fehlte noch die Unterkunft, die klassisch für eine Tschechientour auf dem Weg gebucht wurde. Leider war das Angebot sehr begrenzt und teurer als ein paar Tage vorher, da an dem Wochenende in Brünn, wo das Nachtlager geplant war, am Folgetag Halbmarathon angesetzt war. Der Checkin in einem Hotel mit angeschlossenem asiatischem Restaurant erfolgte problemlos und gestärkt mit einem Bier und einer kurzen Frischzellenkur im Badezimmer wurde die Suche nach einem Restaurant aufgenommen. Diese führte nach kurzer Zeit in die Brauereigaststätte bzw. Pivovarská Starobrno, der örtlichen Brauerei. Bei einem leckeren Gulasch und Bier ließ man den Abend ausklingen. Schließlich sollten am Sonntag noch zwei weitere Spiele auf dem Trapez stehen, die zu besichtigen waren. Wie in Tschechien so üblich wurde auch dort wieder ein Spiel um 10:15 Uhr angepfiffen.
Am darauffolgenden Tag wurde rechtzeitig das Schlafgemach verlassen, um zum ersten Spiel des Tages zu fahren. Leider war es nichts mehr mit angenehmen Temperaturen. Eher das Gegenteil. Ich persönlich fand es zu kalt, aber es half ja nichts. Mitgehangen mitgefangen. Erstes Ziel des Tages bildete Žďár nad Sázavou und der örtliche Viertligist, wo im Gegensatz zu den westlichen Ligen des Landes kein Elfmeterschießen nach 90 Minuten anstehen würde. Im Westen des Landes gibt es in den unteren Ligen nach 90 Minuten kein Unentschieden mehr, denn ein Sieger wird mittels Elfmeterschießen ermittelt. So etwas kenne ich bisher nur aus unserem östlichen Nachbarland. Ist eine interessante Regeländerung. Mal schauen, ob sich das auch in anderen Ländern und Ligen durchsetzen wird oder ob Tschechien das einzige Land bleiben wird. Mit diesem Wissen und einem großen Schein ging es zum Ground, wo ich erstmal Geld wechseln musste, um meinen Eintritt zu finanzieren. Mit einer geräucherten Wurst und einem Bier wurde in den Tag gestartet, wobei ich aufgrund der Temperaturen mit meinem Bier zu kämpfen hatte. Hinzu kam mein Problem mit der Pilsener Brauart. Das Stadion dürfte wohl bald der Vergangenheit angehören, da nebendran ein voll funktionsfähiger Kunstrasenplatz gebaut worden war. Die Tribüne hatte auch schon bessere Zeiten erlebt, aber es ist immer wieder beeindruckend was rund um diese Spielstätten passiert. Auf dem Parkplatz vor dem Stadion ist u.a. ein Gebrauchtwagenhändler beheimatet und praktisch direkt hinter der Tribüne stehen die verkäuflichen Autos bereit.
Die Heimmannschaft ist zumindest tabellarisch gesehen der Favorit und wird diesem Anspruch spielerisch auch gerecht, wenn sie auch ihre Chancen nicht immer konsequent nutzen. Am Ende führen sie jedoch zur Halbzeit mit 1:0, aber leider können sie das Spiel nicht für sich entscheiden, denn in der zweiten Halbzeit gleichen die Gäste aus und es kommt zu einer Punkteteilung. Wie bereits oben angeteasert, wurde jedoch auf ein Elfmeterschießen verzichtet, so dass es schnurstracks in das Auto ging, um sich das örtliche Weltkulturerbe anzuschauen, was aber nicht sehr beeindruckend war, da dort gerade umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Beim örtlichen Supermarkt noch schnell Knobichips erworben und schon ging der wilde Ritt mit viel Knobi und regionalem Bier im Gepäck zum letzten Kick des Tages bevor es wieder gen Franken ging. Abschließendes Ziel sollte Tábor sein, um dort den örtlichen Fußballverein gegen die Ex-Mannschaft unseres Pokalhelden Jan Polak zu schauen. Der 1. FC Brno versucht an seine ehemaligen Erfolge anzuknüpfen und wieder in die oberste Spielklasse aufzusteigen. Leider wird der Aufstieg in die Beletage diese Saison für die Gäste unerreichbar bleiben, wohingegen die Gastgeber in ihrem relativ neuen Sportkomplex mit FK Viktoria Zizkov um die rote Laterne kämpfen. Aktuell stehen beide am Tabellenende. Alles andere als ein Sieg der Gäste wäre sowohl für mich als auch für die mitgereisten Fans aus Brünn eine Überraschung. Von Anfang an versuchten die Gäste, sich Chancen herauszuspielen und ihre Überlegenheit in Tore umzuwandeln. Dies gelang Ihnen auch bei kalten Bedingungen zweimal in der ersten Halbzeit, womit sie folgerichtig auch verdient mit einer 2:0 Führung in die Pause gingen. Sowohl die Fans der Gäste als auch die Mannschaft bestimmten über weite Strecken das Geschehen. Von Heimfans war nur sehr wenig zu sehen und zu hören.
Der übliche Klobasatest wurde zu meiner Zufriedenheit abgeschlossen und auch das Bier schmeckte leidlich, aber an sich war auch hier das Wetter zu kalt, als dass man genüsslich eine Hopfenkaltschale hätte trinken können.
In der zweiten Hälfte ließen die Gäste ein wenig nach, aber mehr als der Anschlusstreffer wollte den Gastgebern, die weiterhin im Tabellenkeller stehen, nicht mehr gelingen.
Nach diesem Spiel wurden die Pferde gesattelt und es ging nach zwei schönen, wenn auch kalten, Tagen wieder gen Heimat.

Wochenendfahrten nach Tschechien sind sicher wieder im Programm, aber auf Dauer wäre mir die Ernährung zu einseitig.



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