Ein Wochenende in Italien

von Andreas König

Nachdem in Deutschland die Bundesliga bereits zu Ende war, aber ich noch ein wenig was sehen wollte, bot sich Italien an. Wie berichtet habe ich erstmal Vorausscheidung um die Aufstiegsspiele in La Spezia geschaut. In Gedanken bei dem Wochenende in Gelsenkirchen und Düsseldorf, dachte ich mir, dass ein Wochenende mit zwei Spielen an zwei Tagen doch was Schönes wäre. Das Studium des Spielplanes ergab, dass das einzig wirklich relevante Spiel – Neapel vs. Lazio – zu weit weg war. Aber es gab auch noch das Spiel am Samstag zwischen Atalanta Bergamo, die schon gerettet waren, und dem AC aus dem nahen Mailand plus am Sonntag das Spiel des FC Turin gegen den Absteiger Cesena.
Für das Spiel in Bergamo habe ich mir neben dem Gästeblock ein Ticket in der Kurve gekauft, jedoch nicht direkt in der offiziellen Fankurve. Da mir gesagt wurde, dass Bergamo eine schöne Stadt sei, habe ich mir gedacht, dass ich das doch mit einer kleinen Sightseeingtour verbinden könnte und ich wurde nicht enttäuscht. Das antike Bergamo - oben auf einem Hügel gelegen - ist echt wunderschön und muss sich vor anderen Städten nicht verstecken.
Auf dem Weg zum Stadion von der Altstadt kommend, sah ich schon ein paar Polizeiwagen und kurz danach schön in Sandwichformation alte Autobusse mit Polizeibegleitung. Das war also die Ankunft der Gästefans, die mit dem Zug aus dem nahen Mailand angereist sind und u.a. mit Böllerwürfen auf sich aufmerksam gemacht haben. Nach einem Bier an einer Tankstelle, die von vielen Motorinos – Vespas – belagert wurde, ging es ins Stadion. Wie immer wurde eigentlich nur halbherzig der Rucksack oder die Hosentaschen kontrolliert (niemals beides!) - aber Hauptsache der Name im Pass und auf dem Ticket passt. Verstehen werde ich das nie, aber naja.
Ich bin also rein und dachte mir, dass ich mir mal meinen Sitzplatz suche, um mir das Treiben auf den Rängen anzuschauen. Das Finden des Blocks und des Platzes war allerdings etwas schwierig, denn den gab es so nicht, wie das angehängte Foto zeigt. Also einfach mal irgendwo Platz genommen und sich das Spektakel des sich langsam füllenden Stadions in mich aufgesogen.
Schon recht bald kam es zu den ersten verbalen Auseinandersetzungen, die zu einem Spiel gehören, dabei waren auf Seiten der Milanisti auch Bresciani zur Unterstützung dabei. Dies war natürlich für die Fans von Atalanta ein beliebtes Ziel für Gesänge. Dass diese nicht ganz jugendfrei waren, kann man sich sicher denken.
Nach einer netten kleinen Papier- und Blockfahnenchoreo inkl. ein bisschen Pyro in der Heimkurve ging das Spiel los. Zu Beginn gab es immer wieder nette Gesangseinlagen und ein druckvolles Bergamo, das auch mit 1:0 in Führung gegangen ist. Kurz danach kam es zu einem Elfmeter, der zum Ausgleich führte und kurz danach ging der AC in Führung. Im Rahmen des Ausgleichs kam es zu einem Plastikflaschenwurf aus dem Gästeblock über das angebrachte Netz und traf ein Kind unterhalb vom Auge, was zu einer Platzwunde führte und vom Vater herausgeleitet wurde. Dies hat natürlich für berechtigten Unmut unter den Atalantafans geführt. In der von mir besuchten Kurve gab es auch eine Gruppe, die kontinuierlich gesungen und angefeuert hat und zu Beginn der zweiten Halbzeit eine nette Choreographie mit Blinkern und zweireihigen Spruchband und das trotzder relativ geringen Größe der Gruppe. Im Laufe des Spieles wurde immer deutlicher, dass Milan doch stärker ist, aber Atalanta hatte noch ein paar Chancen, die es aber nicht nutzen konnte. Leider musste ich praktisch mit 3:1 für Milan das Stadion verlassen, damit ich noch rechtzeitig meinen Zug nach Pavia erreichen konnte. Auf dem Klo war noch eine eindeutige Nachricht gen Brescia – Brescia merda (Brescia ist scheiße) – angesprayt. Gleichzeitig gingen die Milanisti auch, da sie dann auch mit mir im Zug fuhren, jedoch wurden sie von der Polizei/Carabinieri zum Bahnhof in Bussen gebracht.
Am Mailänder Hauptbahnhof sind sie natürlich von Polizei erwartet worden. Man hat es sich aber nicht nehmen lassen, noch singend aus dem Bahnhof als Gruppe zu marschieren. So endete mein erstes Spiel an diesem Wochenende.
Dank eines Superangebots ging es mit dem Schnellzug nach Turin, um sich den örtlichen Verein FC anzuschauen. Da es diesmal keine Verbindung mehr weg aus Turin gab, habe ich die Möglichkeit mitgenommen mir die Stadt anzuschauen.
Wie ich gelernt habe, ist der FC Turin wohl der Verein der Stadtbewohner. Ähnliches kennt man ja auch aus der bayrischen Landeshauptstadt. Nach der Zuganreise und dem Einchecken ging es erstmal ohne Ticket in Richtung Stadion. In Bergamo konnte ich mit dem Ticket für das Stadion auch mit den Öffentlichen fahren, was ich sonst in Italien noch nicht erlebt habe. Auch in Turin war es ähnlich. Am Stadion angekommen ging es erstmal zum Ticketschalter, dabei wie immer mit Perso bewaffnet, damit ich mir mein Ticket ausstellen lassen kann. Nach dem Erwerb eines Tickets neben dem Gästeblock mit Blick auf die Heimkurve und einem guten Blick auf die zweite Kurve mit Turinofans ging es nach einem Bier ins Stadion.
Die vom bereits feststehenden Absteiger angereisten Fans von Cesena waren vielleicht maximal ein Bus voll. Diese hatten auch nur wenig Tifomaterial in Form von kleineren Fahnen dabei - also ein Gast, der in den letzten Saisons in Italien immer mehr aufgekommen ist.
Die beiden Gruppen der Heimmannschaft waren dagegen lautstark und regelmäßig am unterstützen, was auch der Mannschaft geholfen hat. Denn die hat locker aufgespielt und hat sich mit einem deutlichen 5:0-Sieg in die Sommerpause verabschiedet. Leider war bis auf die Gesänge nicht soviel zu sehen, aber sie haben das gesamte Spiel in ihrer Heimkurve ein Banner hängen gehabt, welches ihre Saison ganz gut zusammengefasst hat: Das Derby und Bilbao – Europa League – waren die Highlights dieser doch erfolgreichen Saison. Danke schön.
Es kam einmal eine kurze Schalchoreo, aber sonst war es nicht sehr viel, was auf den Rängen für besondere Stimmung sorgte. Es kam natürlich zu den obligatorischen Gesängen gegen den Gegner, der aber sowohl auf dem Platz wie auch auf den Rängen keinen wirklichen Gegner dargestellt hat. Wie auf den Rängen war auch Cesena nicht wirklich ein Gegner für Torino, wie das Ergebnis zeigt. Dabei hätte Turin auch noch höher gewinnen können, aber auch ein 10:0 o.ä. hätte nicht für eine mögliche Qualifikation für die Europaleague gereicht, da die Mannschaften wie Sampdoria Genua oder Inter Mailand vor Turin auch gepunktet haben. Aber es war ein versöhnlicher Saisonausklang, der durch eine Stadionrunde aller Spieler inklusive Familie abgerundet wurde.
Ich fand es ein positiven Ansatz, was ich dort fußballerisch gesehen habe. Auf den Tribünen war es nett, aber auch nicht absolut herausragend, was vielleicht auch daran lag, dass ich mich das nächste Mal eher neben die größere Kurve – Curva Maratona – setzen sollte, um das noch besser beurteilen zu können.
Zurückkehren will ich auf jeden Fall, da mich noch das Derby della Mole – Turiner Stadtderby – noch reizt und ich bisher Turin nur bei Nacht und auch den Namensgeber des Derbys erst von weitem gesehen habe.

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