Ein ganz normales Wochenende zwischen Sonnenschein und Wasserschlacht

von Andreas König

So ließe sich das letzte Maiwochenende perfekt zusammenfassen. Während es am Samstag in Piacenza noch um die 28 Grad hatte, war es am Sonntag in der Reisregion Novara eine wahre Wasserschlacht bei knapp 20 Grad, aber dazu später mehr.

Kurz nach dem 17. Jahrestag der Tragödie von Salerno, bei der vier jugendliche Fußballfans der Salernitana am Ende ihren Tod fanden und es seitdem auch keine Fußballsonderzüge mehr gibt (vgl. auch hier) ging es mit dem Regionalzug nach Piacenza. Nach einem kleinen Spaziergang durch die Stadt ging es in Richtung Stadion, welches etwas außerhalb am Rande eines Wohngebietes liegt. Beide Mannschaften aus Piacenza nutzen dieses Stadion, aber während der ehemalige Erstligist Piacenza Calcio in der vierten Liga – Serie D – spielt, kämpft A.S. Pro Piacenza an diesem Nachmittag gegen den Abstieg aus der dritten Liga in die vierte Liga. Heute ging es im Relegationsrückspiel gegen U.C. AlbinoLeffe um den Verbleib in der dreigliedrigen Lega Pro.

Wie bereits bei dem Spiel von U.C. AlbinoLeffe daheim in Bergamo war auch hier in Piacenza mehr oder minder nur eine Tribüne offen im Verkauf. Leider war es daher nicht möglich, sich in die Sonne zu setzen und das Spiel zu genießen, jedoch wurde z.B. mein Rucksack nicht kontrolliert. So ging es mit Bier und Cafe Borghetti in den Block. Da die Tribüne so leer war, war auch in Teilen freie Platzwahl möglich.
Das Spiel begann mit einer Schweigeminute und das dazugehörige Banner hing dann während des Spieles im Stehblock der Fans von AlbinoLeffe, die heute Unterstützung von den Fans von Chievo Verona erhalten hatten. Eine kleine Choreo und immer wieder Gesänge sorgten für den Support ihrer Mannschaft, die das Hinspiel mit 0:1 verloren hatte.

Die Heimmannschaft kam in der Mitte der ersten Halbzeit immer besser ins Spiel und konnte das Führungstor erzielen. Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde es immer ruppiger und der Spielfluss ließ merklich nach. In dieser Phase gelang AlbinoLeffe der Ausgleich, was jedoch durch das folgende Kartenfestival nicht reichte, denn kurz vor Ende schoß Piacenza das 2:1. Leider konnte ich nicht immer genau sehen, warum es insgesamt dreimal eine rote Karte für AlbinoLeffe gab. Die erste war noch ersichtlich, da es ein überhartes Einsteigen gegen den Gegenspieler war. Vermutlich waren die anderen beiden Beschwerden o.ä.. Auf jeden Fall habe ich noch kein Spiel gesehen, in dem innerhalb von 16 Minuten drei Spieler vom Feld verwiesen wurden, aber auch genauso wenig drei Platzverweise für eine Mannschaft, wobei die Kartenverteilung auch als sehr gastlastig erschien. Final heißt es aber, dass sich Pro Piacenza gerettet hat und AlbinoLeffe nun viertklassig kicken wird. Nach einem Spaziergang zurück zum Bahnhof inklusive Verspätung auf der Heimfahrt war es Mitternacht als ich wieder in Pavia angekommen war. Da jedoch das Spiel in Novara auch erst abends sein sollte, war es kein Problem.

Das Wetter am Samstag war wunderbar, jedoch meinte es Petrus am Sonntag eher gut mit dem Reis und den Gartenpflanzen und öffnete immer wieder die Himmelspforten. Am Ende kam Pescara Calcio, die einen Delfin (passend zu dem Spielfeld) im Wappen haben, besser mit dem teilweise stark unter Wasser stehenden Kunstrasen zurecht. Es gab ein paar Beschwerden am Eingang, da welche ihre großen Schirme aufgrund der Konstruktion der Spitze nicht mit hineinnehmen durften, aber es blieb grundsätzlich relativ ruhig. Pünktlich zu Beginn des Spieles ging ein Wolkenbruch herunter, der mich in die Stadionbar führte und nach einem Bier und einem Cafe Borghetti bekam ich noch einen zweiten geschenkt, der natürlich besonders gut geschmeckt hat. Wie auf den Fotos ersichtlich, war es in Teilen mehr eine Lotterie wie und wohin der Ball fliegt. Die Platzverhältnisse führten auch dazu, dass nach knapp 20 Minuten Pescara durch den Toptorjäger der Serie B Gianluca Lapadula in Führung ging, da er sich geschickt um seinen Gegenspieler drehte und eine bessere Ahnung zu haben schien, wohin der Ball gehen würde. Dabei sah der Platz teilweise ziemlich unbespielbar aus, was sich auch in dem Niveau widerspiegelte. Im Laufe der Halbzeit wurde der Regen weniger, was aber auch nicht schlimm war, da eh schon alle klitschnass waren. Das Wasser floss auch mit der Zeit ab, was der Bespielbarkeit des Platzes gut tat. Leider konnte jedoch Novara trotz einiger Chancen nicht ausgleichen, was dazu führte, dass Pescara 20 Minuten vor dem Ende in Führung ging und das Spiel damit leider entschieden war.

Die beiden Fanlager boten dabei ein paar interessante Einlagen: Während die Fans von Novara eine kleine Choreo zeigten, fielen die Fans von Pescara immer wieder durch ein paar Gesänge auf. Beide Fangruppen sangen jedoch nicht die komplette Zeit durch.

Mit dem Abpfiff ging es mit einem Spaziergang in Richtung Bahnhof. Dabei ließ ich die vergangenen vier Spiele Revue passieren und ich musste über das ein oder andere Erlebnis schmunzeln. Klar war nicht alles immer perfekt, aber die nächste Tour wird im Sommer geplant. Wohin es dann geht - mal schauen. Turin, Rom, Neapel oder doch Venedig, Bassano, Vicenza oder Padua oder ganz woanders hin... Die Antwort wird die Zukunft zeigen, aber sicher ist, dass es nicht die letzte Reise dieser Art war.

 

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