Ein Derbydoppler in Italien

von Andreas König

Nach längerer Pause ging es wieder für ein Fußballwochenende nach Oberitalien. Zwar standen auf dem Reiseplan keine neuen Stadien, aber zumindest der erste Tag versprach u.a. mit dem Derby della Lanterna – dem Genueser Stadtderby – ein wahres Highlight. Dank frühzeitiger Terminierung und Buchung kostete mich der Hin- und Rückflug nach Bergamo mit Ryanair knapp 20 €. Noch kurz den Mietwagen eingesammelt und schon ging es daran, weitere Tickets für das Wochenende zu erwerben.
Mein erstes Ziel an diesem Nachmittag sollte das Derby delle risaie – Derby der Reisfelder – zwischen Novara Calcio und Pro Vercelli. Die Städte Vercelli und Novara trennen knapp 20 Kilometer und liegen im Piemont. Bekanntheit erlangt die Gegend für die Reisfelder, die dem Derby ihren Namen gegeben haben. Eine interessante Bemerkung am Rande: Beide Stadien tragen den Namen des italienischen Profifußballers Silvio Piola, der in seiner Karriere 274 Tore u.a. für Novara Calcio, Lazio Rom und Pro Vercelli erzielt hat und damit noch Rekordtorschütze in der Serie A ist.
Für dieses Mal hoffte ich auf besseres Wetter als in der Relegation 1,5 Jahre früher, da ich mich aufgrund der späten Ankunft für ein Ticket auf der Distinti – Gegengerade – entschied. Von der Ausgangslage und den Quoten her waren die Gastgeber als Tabellenzehnter gegenüber dem Tabellenletzten – 22. der Tabelle – der Favorit. Beide Seiten zeigten ein paar kleinere Aktionen zu Beginn, aber nichts Großes. Trotz des Derbys war das Stadion nicht einmal ansatzweise ausverkauft. Auf der Bank der Gastgeber saß Federico Macheda ein namhafter Spieler, der u.a. bereits beim VfB Stuttgart und bei Manchester United gespielt hat. Eben jenes Manchester führte er mit einem Treffer schon zu Meisterehren. Auf persönliches Interesse stieß bei mir der Name Dickmann. Nach kurzer Recherche stand fest, dass es sich um einen italienischen U-21 Nationalspieler aus Mailand handelte und trotz des Namens kein Deutscher auf dem Platz stand.
Große fußballerische Glanzleistungen brachte diese erste Halbzeit leider nicht und so ging es torlos in die Halbzeit. Die Aggressivität auf den Tribünen übertrug sich auch immer wieder in gewissen Maßen auf das Spielfeld, ohne jedoch übertrieben hart zu werden. Natürlich wurde gerne mal etwas länger liegen geblieben o.ä., aber noch in einem halbwegs akzeptablen Rahmen. Wie aus dem Nichts fiel vor der Gästetribüne dann mit einem wunderschönen Kopfball die Führung für die Gäste aus Vercelli.
Novara rannte die restlichen 35 Minuten teilweise recht planlos an und brachte leider nicht mehr viel zu Stande, so dass natürlich auf der Gastseite die Freude über diesen Auswärtssieg groß war. Die Mitmachquote war in dem kleinen Auswärtsmob bei Schalparaden etc. höher als bei den Heimfans bei denen fast nur das Zentrum mitmachte. Während des Spiels kam es auf der Haupttribüne kurzfristig zu einer kleinen Pöbelei und einem kurzen Handgemenge. Nach wenigen Augenblicken war der Meinungsaustausch auch schon beendet und die ein oder andere Gruppe verließ nach dem Gegentreffer schon früher den Block.
Mit einer kleinen Stärkung machte ich mich auf den Weg gen Genua, da dort das Derby della Lanterna anstand. Leider fing es während der Fahrt nach Genua an zu regnen und auch in Genua gab es neben einer Unwetterwarnung auch ordentlich Regen. Durch einen zeitlichen Puffer wurde vorher noch im Hotel eingecheckt, um dann mit dem Taxi in Richtung Stadion zu fahren. An ein Parkplatz in Stadionnähe war nicht zu denken und im Nachgang hatte ich Glück, denn das Spiel zwischen Lazio und Udine wurde wegen der Wetterkapriolen abgesagt und das Derby stand auch vor der Absage.
Meine bisherigen Derbybesuche – es fehlen noch ein paar interessante – haben mir gezeigt, dass das Derby in Genua immer eine Reise wert ist. Dementsprechend ging ich mit einer gewissen Erwartungshaltung in das Stadion. Spielerisch ist aktuell Samp klar die bessere Mannschaft in der Liga. CFC krebst am Tabellenende rum, aber was sollte dies bei einem Derby schon viel heißen? Als ältester Fußballclub Italiens wurde der Genua FC von englischen Hafenarbeitern gegründet und ist im historischen Zentrum der Stadt verwurzelt, während Samp und seine Anhänger eher aus dem Westen der Stadt und der dortigen Peripherie kommen. Bei einem Blick auf andere Stadtderbies ist häufig ein Verein der Repräsentant der Stadt und der andere Verein aus dem Umfeld.
Um ein paar Schnappschüsse zu schießen, postietre ich mich so, dass ich nahezu alle Choreos betrachten konnte. Im Gegensatz zum letzten Derby wurde recht wenig Rauch gezündet. Die gezeigten Choreos haben mir trotzdem gefallen, wobei bei Samp nahezu nur Fahnen zum Einsatz gekommen sind. Da es dieses Mal keine großen Rauch- und Pyroaktionen gab, wurde gleich normal gespielt. Da das Stadion trotz Derby nicht ausverkauft war, waren noch einige Plätze frei und ich konnte meine Beine etwas ausstrecken.
Leider spiegelte die Leistung auf dem Platz auch den Tabellenstand wider, womit verdientermaßen Samp in der Mitte der ersten Halbzeit in Führung ging. Trotz mehrerer Bemühungen konnte Genua nicht ausgleichen und somit erzielte Sampdoria kurz vor dem Ende durch den mehrmaligen Meisterspieler Quagliarella das verdiente 2:0. Dies war dann auch das Endergebnis.
Nach dem Verzehr einer leckeren Pizza verabschiedete ich mich ins Bett, denn am Folgetag standen mit Mailand und Bergamo noch zwei weitere Spiele auf dem Plan.


Zurück