Derby-Zeit

von Marie

Frankenderby, DAS Derby, die Mutter aller Derbys, das Spiel des Jahres in Franken – es fanden sich im Vorfeld viele Bezeichnungen für dieses am häufigsten ausgetragene Fußballderby Deutschlands: unser Glubb gegen Greuther Fürth. Schon am zweiten Spieltag sollte es zum 257. Mal soweit sein.
Dank der besonderen Fa(h)nbetreuung beim FCN konnten wir einige der so begehrten Tickets für das seit Wochen ausverkaufte Spiel in Fürth ergattern. Auf dem Weg in die Westvorstadt schlossen wir uns der Hauptgruppe der Glubbfans am Nürnberger Hauptmarkt an. Eskortiert von unzähligen Polizisten und unter lautstarken Fangesängen brachen wir schließlich gegen 16 Uhr auf und fuhren mit der U-Bahn bis zur Fürther Stadthalle, von wo aus wir in Richtung der beiden Gästeblöcke gelotst wurden. Abgesehen von zahlreichen Böllern, die während der Fahrt in den U-Bahn-Schacht und auf die Bahnsteige geworfen wurden, blieben wir von den übrigen Vorfällen, welche nicht nur die Medien, sondern leider wohl auch die Nürnberger Kripo sowie die Staatsanwaltschaft bis heute und darüber hinaus beschäftigen werden, zunächst unberührt. Dennoch war die in der Rivalität der beiden Vereine begründete Brisanz dieses Spiels (um den Jargon der von vor Ort so seriös berichtenden Medien aufzugreifen) bereits auf unserem Marsch zur ehemaligen Trolli-Arena spürbar. Denn einige Fürther befleißigten sich Fahnen wie auch Schals aus ihren Fenstern in den – wie zu erwarten – allesamt oberen Stockwerken der Wohnhäuser, welche unsere Route säumten, zu hängen, was die Glubbfans mit diversen den Lesern wohl bekannten Sprechchören beantworteten.
Nach mehreren Kontrollen (bei denen wir jeweils mehr oder weniger gründlich abgetastet wurden) betraten wir ca. eine ¾ Stunde vor Spielbeginn den Gästeblock und erwarteten gespannt den Auftritt unserer Mannschaft, die wir im Rahmen zweier Fahnenchoreographien zu unterstützen bemüht waren. Doch der Spielverlauf entwickelte sich aus Sicht unseres Glubbs und seiner Fans weniger erfreulich, wiewohl wir durch den Anschlusstreffer kurz vor Ende der ersten Halbzeit durchaus optimistisch in die Pause gingen. Ungeachtet dessen ist der Ausgang des Spiels vermutlich allen bekannt, weshalb an dieser Stelle auf einen ausführlichen Spielbericht verzichtet wird. Es sei lediglich bemerkt (wenn auch nicht gern), dass wohl weder die in einigen Fällen nur bedingt nachvollziehbaren Schiedsrichterentscheidungen noch die durchaus reife schauspielerische Leistung einiger Fürther für sich genommen spielentscheidend waren. Neben diesen sportlichen Fragen boten auch die zahlreichen angebrannten Bengalos, Böller, Rauchbomben und Leuchtraketen im Nachhinein ausreichend Gesprächsstoff. Welcher Meinung auch immer man bezüglich des Einsatzes von Pyrotechnik im Stadion sein mag, steht am Ende doch fest, dass dies dem Verein eine nicht unerhebliche Geldstrafe sowie einen möglichen Teilausschluss der Fans bei einem der anstehenden Heimspiele eingebracht hat.
Auch mit einigem zeitlichen Abstand betrachtet war dies gewiss ein leidvolles Spiel, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nichtsdestoweniger setzen wir unsere Hoffnungen schon jetzt auf das Rückspiel, bei dem wir an den 15:0-Sieg anzuknüpfen hoffen, als das Derby im Herbst 1902 erstmals ausgetragen wurde. Ein Gutes hatte der Tag dennoch: Das ARD hat dazu beigetragen, einige Fanclub-Mitglieder nun endlich auch öffentlich als Hooligans zu outen (Link). Der Name der sichtlich verschüchterten bemitleidenswerten Reporterin ist uns leider nicht bekannt; unser aller Rundfunkbeiträge scheinen allerdings, das beweist deren Beitrag einmal mehr, in eine durchweg seriöse Berichterstattung zu fließen.

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