Derby della lanterna

von Andreas König

Unter diesem Namen ist das Derby in Genua zwischen CFC Genua 1893 – dem ältesten Fußballclub Italiens – und dem U.C. Sampdoria Genua bekannt. Dabei nutzen beide Vereine das gleiche kommunale Stadion Luigi Ferraris bzw. Marassi – dem Stadtteil in dem das Stadion liegt –, welches ursprünglich dem CFC Genua gehörte und für die WM 1990 unter laufendem Betrieb abgerissen und neu gebaut wurde.

Die Winterpause in Deutschland bewirkt, dass man in verschiedenen Ländern, die keine Winterpause haben, den ein oder anderen deutschen Fan im Stadion antrifft. Nach einem Tag in Genua ging es in den Genuaer Stadtteil Marassi, um sich das Stadtderby anzuschauen. Nach einem Spaziergang entlang des Flusses kam auch schon das Stadion ins Blickfeld. Die Ankunft wurde mit Böllern und verschiedenen Raketen begleitet. Also schon mal richtig gute Derbystimmung.

Beim Einlass wurde nicht, wie in Italien üblich, mein Ausweis kontrolliert. Dafür war die Kontrolle meines Rucksacks intensiver. Danach ging es auf die Suche nach meinem Platz. Nach einem kleinen Spaziergang durch das Stadion war ich ganz oben im Stadion angekommen und hatte eine gute Sicht auf beide Blöcke. Zwar war mein Sitzplatz wieder nicht vorhanden, aber egal Hauptsache dabei und dann wurde halt gestanden im eisigen Wind Genuas.


Beide Seiten zeigten verschiedene Choreos zu Beginn, welche von beiden Kurven mit Rauch oder Bengalos untermalt wurden. Hinzu kam noch auf der mir gegenüberliegenden Gerade eine Choreo mit vier großen Überziehfahnen. Also war das schon mal stimmungsmäßig ein guter Auftakt. Bereits nach knapp über einer Minute Spielzeit wurde das Spiel aufgrund von Rauch und Leuchtspurgeschossen aus dem Heimblock in den Strafraum des eigenen Keepers für knapp fünf Minuten unterbrochen. Es wurden auch im Verlauf des Spieles immer wieder Rauchtöpfe und Bengalos gezündet. Von beiden Seiten gab es viel Fahneneinsatz, wobei die Fans vom CFC mehr und größere Fahnen hatten. Was mir bei den Fans von Sampdoria nicht gut gefallen hat, war der regelmäßige Einsatz von Böllern. Dafür kamen von deren Seite teilweise Gesänge, die die gesamte Kurve anstimmten.

Durch den Spielverlauf wurde die Heimkurve bald leider ziemlich ruhig, da sie zur Halbzeit 0:2 durch die Tore von Roberto Soriano und Eder zurücklagen. Bedrückend wurde es dann natürlich noch mehr als kurz nach der Halbzeit Soriano das 3:0 besorgte. Gleichzeitig wurden diesmal auf den Gasttorwart Viviano Leuchtspurgeschosse geschossen, die wie bereits in der ersten Halbzeit glücklicherweise niemanden trafen und diesmal das Spiel nur kurz unterbrochen wurde.

Als nach einer Ecke der Anschluss per Kopfball durch Leonardo Pavoletti erfolgte, ging ein Ruck durch die Fans vom CFC. Die feuerten wieder ihre Mannschaft an und fast hätte kurz danach allein vor dem Torwart Darko Lazovic das 2:3 gemacht. Nur knapp hat er neben den linken Pfosten geschossen. Jetzt wurde das Spiel immer spannender und in der 80. Minute fiel noch das 2:3 für Genua. Die Fans vom CFC wurden immer lauter und die von Sampdoria immer leiser v.a. weil es durchaus noch Chancen zum Ausgleich gab. Der bisherige Spielfluss von Sampdoria war weg und man merkte ihnen eine gewisse Angst an, der sich auch auf die Fans übertrug. Der Ausgleich sollte aber nicht mehr fallen, was die verschiedenen Fanlager sehr unterschiedlich aufnahmen. Während die Mannschaft vom Sampdoria rund um Antonio Cassano mit ihren Fans in der Kurve feierten, waren die Fans der Gastgeber natürlich bedient. Trotzdem blieb es in der Gegend rund um das Stadion ruhig als alle wieder nach Hause gingen. Natürlich war auch hier und da Polizei vor Ort, die sich aber nach meinem Dafürhalten doch recht zurückgehalten hat.

Alles in allem eine schöne Fahrt, die sich sowohl stimmungsmäßig und auch vom Spiel her gelohnt hat. Ich würde sagen, dass man sich das durchaus nochmal anschauen kann. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass CFC nicht absteigt, was ich aufgrund der Historie des Vereins nicht hoffe.






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