Der (Alb-)Traum von Amsterdam

von Andreas König

Nach Jahren des Versuchens und Überlegens hat es für mich nun endlich mit dem Stadionbesuch von Amsterdam geklappt. Die Amsterdam- bzw. Johan-Cruyff-Arena ist die erste Arena modernen Stils gewesen und wurde 1996 eröffnet und hatte als erstes Stadion in Europa ein verschließbares Dach. Was nun keine Innovation mehr darstellt, war damals ein Novum. Den Schwachpunkt bildet hierbei aufgrund der Dachkonstruktion der Rasen, da die Lichtintensität mangelhaft ist.
Es sollte diesmal kein Spiel von Ajax Amsterdam sein, sondern eine Begegnung der Nations League. In der höchsten Eingruppierung spielen in dieser Saison Frankreich, Niederlande und Deutschland in einer Gruppe. Ob alle drei Mannschaften noch höchstes fußballerisches Niveau bieten, sei nach der WM jedoch dahingestellt, da u.a. Niederlande und Italien sich nicht haben qualifizieren können. Die „goldene“ Generation um Van der Vaart, Kuyt, Sneijder, Robben, Van Nistelrooy und wie sie alle hießen haben ihre Karriere ohne große internationale Titel mit der Nationalmannschaft beendet bzw. lassen sie gerade ausklingen. Auf der deutschen Seite kam der große Umbruch noch nicht und wie es weitergehen wird, ist nach der Begegnung alles andere als sicher.
Meine geplante und am Ende durchgeführte Reise per Zug wurde durch den ICE-Unfall und Streckenbrand zwischen Frankfurt und Köln durcheinandergewirbelt. Im Nachgang wäre es überlegenswert gewesen per Flug zu reisen. Während ich auf der Fahrt gen Köln am Rhein entlang nur eine marginale Verspätung von 20 Minuten angehäuft hatte, sollte sich die Verspätung am Ende zwischen Köln und Amsterdam auf 80 Minuten auswachsen, da zusätzlich aufgrund der Verspätung auch noch der Halt Amsterdam ausfiel, ging es nochmal bei IC weiter gen Arena. Der einzige Vorteil von dieser verkürzten Fahrt bildete der Halt direkt am Hotel. Eingecheckt und kurz ein paar Dinge abgesprochen und ab zum Voucher-Tausch. Im vor paar Jahren gegenüber eröffneten Ziggo Dome spielte am Abend die südkoreanische Popboyband BTS, deren Stehplatzticket bei Preisen von 160 € innerhalb von weniger als einer Stunde ausverkauft waren. Die Schlangen und die dazugehörigen Müllberge bedeckten den gesamten Bereich rund um das Stadion und die weiteren Veranstaltungsörtlichkeiten. Mülleimer wurden leider nahezu vergeblich gesucht, weswegen v.a. nach dem Spiel überall Müll lagerte, was den öffentlichen Raum sehr ungemütlich machte. Ich habe mich auf jeden Fall nicht wohl gefühlt. Der Vouchertausch, der ja bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft obligatorisch ist, verlief problemlos, da ich jedoch erst auf erneutes nachfragen beim DFB meinen Voucher zugesendet bekommen hatte, da scheinbar meine Überweisung nicht bemerkt worden war. Im Vergleich zu dem Konzertticket löhnte ich für die Karte inklusive Versand des Vouchers 38 €. Mit dem Ticket in der Hand und kurz danach auch meinen Kollegen um mich wurde der Zustrom der Fans und das gesamte Drumherum ließ einiges für den Abend erwarten. Schließlich war das Stadion auch ausverkauft und scheinbar hatten sich einige Fans auch mit Tickets außerhalb des originären Gästeblock eingedeckt, da für diese Sitze auch keine Mitgliedschaft im Fanclub Nationalmannschaft nötig war.
Beim Betreten des Stadions kam es zu einigen kurzen Verwirrungen, da ich neben einer Eintrittskarte auch noch eine Akkreditierung um meinen Hals hatte. Aufgrund dessen wurde ich von den vielen verschiedenen Securitymitarbeitern umringt und nach einer Rechtfertigung für die Akkreditierung etc. gefragt. An dessen Ende konnten wir alle verspätet den Block betreten, welcher in manchen Bereichen durchaus von sehr sangesfreudigen Fans beherrscht wurde. Zu Beginn konnte sich die Mannschaft aus Deutschland durchaus gewisse Feldüberlegenheiten inklusive einiger Ecken erspielen, jedoch waren die Chancen, die daraus entstanden eher mangelhaft bzw. wurden kläglich vergeben. Mitte der ersten Hälfte konnten sich die Gastgeber ein wenig befreien und die junge Mannschaft erspielte sich über schnelle Passstaffeten und ihre Grundschnelligkeit Chancen, welche in der 30. Minute nach einem Eckball, den Neuer gefühlt unterlaufen hatte, zur viel umjubelten Führung der Oranje mündete. Torschütze war der Capitano von Oranje van Dijk, der normalerweise sein Geld unter Kloppo in Liverpool verdient und in der Winterpause den Rekord für den teuersten Abwehrspieler aufstellte. Die Niederländer spielten bis dahin und auch im weiteren Verlauf keinen wirklich guten Fußball, aber sie zeigten der deutschen Mannschaft v.a. bei Kontern deren Grenzen auf. Grundsätzlich wären sie schlagbar gewesen, aber die Naivität immer wieder in gleiche Konstellationen zu rennen, wie bei der WM war schon erschreckend. So konnten mit Glück weitere Gegentore bis zum Seitenwechsel verhindert werden. Mit zunehmender Spielzeit wurden die Ideen immer durchschaubarer und man scheiterte an der eigenen Unfähigkeit, sowie einem trägen Spiel. Ob sie wollten oder nur nicht konnten sollen am Ende andere entscheiden. Denn in der letzten Viertelstunde konnte die Heimmannschaft endlich ihre Chancen auch in Tore ummünzen. So stand am Ende ein 3:0 Sieg für die Oranjes und die deutsche Mannschaft ist bei noch zwei ausstehenden Spielen praktisch schon aus der Gruppe A abgestiegen. Für die unter der Woche anstehende Partie in Paris gegen den Weltmeister lässt sich böses erahnen. Spätestens zum Jahresende sollte eine Lösung stehen, wie es mit der Mannschaft und dem Trainerteam weitergehen soll. Gen Ende hin wurden die Rufe „Jogi raus“ immer lauter. Koordiniert waren sie zwar nicht aber mit jedem Gegentor wurden sie mehr und lauter.
Nach dem Abpfiff wurden die beiden verdienten Spieler Kuyt und vdv verabschiedet und durften noch einige Worte an die Fans richten. Für einen Fan des Fußballs bildete die Verabschiedung dieser beiden verdienten Spieler den emotionalen Höhepunkt des Abends. Dies wurde v.a. durch die Bilder und Szenen ihrer Karriere im Nationaltrikot verstärkt. Eine wirklich gelungene und würdige Verabschiedung beider. Da ich leider der Sprache nicht mächtig bin, konnte ich nicht viel verstehen, was sie gesagt haben und was die Themen ihrer Laudatio waren.
Bei zwei Bieren klang der lange Tag aus, da ich bereits um kurz nach fünf Uhr auf den Beinen war. Mit Blick auf das Stadion schlief ich ein und freute mich auf ein gutes Frühstück, welches ich auch kredenzt bekommen hatte.
Mit ein paar Problemen wegen der Streckensperrung machte ich mich auf den Rückweg gen Nürnberg, wobei ich in den letzten Stunden der Fahrt immer häufiger das Handy konsultierte, da der Tag der Landtagswahlen in Bayern anstand.

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