Danish Dynamite

von Andreas König

Rund um das wichtige Auswärtsspiel in Kiel, welches auf einen Montag terminiert wurde, ergab sich für mich endlich die Möglichkeit den Länderpunkt Dänemark zu machen.
An diesem Wochenende sollte ich am Ende fünf Stadien in verschiedenen Ligen rund um Kopenhagen haben. Aber natürlich war am Anfang der Weg das Ziel. Da das erste Spiel bereits auf den frühen Samstagnachmittag terminiert war, ging es die Nacht durch Deutschland gen Kopenhagen. Selbst als Tourist ohne Fußballambitionen hat es mich bisher erst einmal nach Billund verschlagen. So stieg die Vorfreude auf den Besuch Kopenhagens je näher wir Kopenhagen kamen.
Da das Wetter auch passte stand einem positiven Nachmittag nichts im Wege bzw. fast nichts. Da reist du durch die gesamte Bundesrepublik und am Eingang des ersten Stadions in Vanlöse kommt dir jemand mit einem Kleeblatttrikot entgegen. Wobei es sich bei der Person um einen Einheimischen handelte, da er kein Deutsch verstand.
Die Gegentribüne war eine wunderbare Holztribüne und bei leichtem Wind ließ es sich auf dieser bei Bier und einer Bratwurst wirklich gut aushalten. Für einen Viertligakick waren selbstverständlich nicht viele Leute da, aber es war schon entspannt zu sehen, wie locker die Dänen den Fußball nehmen und wie familienfreundlich das Stadion bis auf den Eintritt war. Der eigentliche Star neben dem ruhig das Spiel herunterspielende Tabellenführer bildete die Tribüne aus den 70ger Jahren, die von einem Ingenieurbüro entwickelt wurde und dreimal gebaut wurde. Alle drei Tribünen durfte ich in den kommenden knapp 48 Stunden bewundern. Am Ende des Spiels stand ein ungefährdetes 3:0 für die Heimmannschaft gegen das Kellerkind aus Roskilde.
Für die Autobesatzung ging es gleich zum nächsten Spiel, da der BK Frem gg. Sydvest spielte und für den gleichen Preis von knapp 5 € gab es statt Bier auch Bacardi Cola und Gin Tonic im Stadion. Da das Spiel schon deutlich höherklassig war, war das Zuschauerinteresse auch weit höher. Wie bereits beim ersten Ground gab es auch hier eine ähnliche Tribüne, welche aber nicht sehr gut besucht war, da die Mehrheit der Zuschauer sich sonnte und das Bier auf der Stehtraverse genoss. Wie bereits beim ersten Spiel setzte sich auch hier der Gastgeber durch, wobei es hier eher ein Kellerduell war, denn ein Spitzenreiter gegen ein Kellerkind.
Nach ein paar netten Gesprächen wurde unsere Unterkunft aufgesucht und erst einmal in das Hostelzimmer eingecheckt und ein Bierchen getrunken, um den Abend in Christiania und Umgebung ausklingen zu lassen. Jedoch waren wir alle sehr platt und der Abend wurde eher kurz, da der nächste Tag auch mit drei Spielen wieder vollgepackt war.
Hochmotiviert ging es in die nördlichen Ausläufer der Hauptstadt, um den FC Helsingör gg. Silkeborg zu schauen. Leider war der Zuschauerzuspruch überschaubar - in Deutschland sind teilweise weit mehr Zuschauer bei einem Drittligaspiel vor Ort als bei diesem Abstiegsspiel. Am Ende sahen nur knapp über 1200 Zuschauer ein grottiges torloses Unentschieden. Immerhin gab es verschiedene leckere Würste und das allgemeine Catering gestaltete sich vor Ort auch sehr positiv. Aber da der Verein zu dieser Zeit bereits als Absteiger fest stand, war auch bzgl. der Qualität des Spieles etc. wenig zu erwarten. Auf den Tribünen konnte man immerhin ein paar organisierte Fans ausmachen, die versuchten in einer chilligen Art ihren Verein zu supporten.
Der zweite Sonntagskick hatte auch die dritte gleichartige Tribüne zu bieten. Hier spielte der akademische Fußballclub oder wie er in der Landessprache heißt Akadmisk Boldklub. Wie es hier für unterklassigen Fußball üblich war, war auch hier wenig Zuschauerandrang und der Parkplatz direkt vor dem Stadion war selbstverständlich kostenlos. Bei gutem Wetter bot sich auf den Tribünen genug Zeit zu philosophieren und den Nachmittag zu genießen. Das Wetter passte und aufgrund der Tabellensituation war eigentlich ein Heimsieg zu erwarten. Aber es war eher ein lauer Sommerkick an dessen Ende das Kellerkind noch mit einem Punkt hat heimfahren können.
Das letzte Spiel meines ersten Dänemarkaufenthaltes sollte das Highlight neben dem FCN-Spiel werden. In der Begegnung standen sich der FCN – FC Nordsjælland – und der Verein aus dem Arbeiterbezirk, mit der vielleicht besten Fanszene von Dänemark - Brøndby IF gegenüber. Ein Blick auf den Kader der Gäste, die mit einer hervorragenden Choreo punkteten, verriet schon die Favoritenrolle. Neben Benedikt Röcker, dem Torschützen zur Gästeführung Teemu Pukki, Hany Mukhtar, dem Ex-Nürnberger Besar Halimi waren v.a. die Ex-Leipziger u.a. mit Trainer Alexander Zorniger, Anthony Jung und Benjamin Bellot bei Bröndby vertreten. Ihre Favoritenrolle konnte die Mannschaft auch zu Beginn gut umsetzen und führte mehr als verdient mit 3:1 zur Halbzeit. Die Motivation bei den Heimfans ließ bereits zu dem Zeitpunkt zu wünschen übrig und man verlegte sich auf das Spiel. Dieses erzeugte in der zweiten Halbzeit mehr Spannung als in der ersten, aber am Ende reichte die starke erste Halbzeit für die Gäste, um als Sieger nach Hause zu fahren.
Auch für uns ging es zurück und man ließ den Abend entspannt ausklingen, da am Montag das Spitzenspiel des Ruhmreichen in Kiel anstand.
Dass wir dort einen grandiosen 3:1 Sieg nach einem entspannten Spaziergang entlang der Fjörde sehen würden, war zu dieser Zeit noch nicht absehbar. Dieser Sieg öffnete das Tor zum Aufstieg einen guten Spalt und auch die Flutlichtatmosphäre sorgte für Gänsehautmomente, an dessen Ende nicht viel geschlafen wurde. Der Abend in Kiel wurde lange gefeiert und auch die spielerische Klasse sorgte für frohe Stimmung beim Gästeanhang.
Der enttäuschende Abstecher nach Koblenz ins Stadion Oberwerth zum Spiel der Tus gegen Waldhof bildete den Abschluss. In diesem Spiel waren die Rollen klar verteilt und diese wurden auch spielerisch sehr deutlich. Wobei sich v.a. die Gäste auch selbst auf den Füßen standen und fahrlässig mit den Chancen umgingen, was ihnen am Ende der Saison auch das Genick brechen sollte. So fuhren die Waldhöfer verdient mit einem 2:0 Auswärtssieg zurück nach Mannheim.
Nach diesen Tagen freute ich mich auf mein Bett und ein bisschen Ruhe.

Am Saisonende stand für den Ruhmreichen der Aufstieg, welcher leider durch die unnötige Niederlage gegen Düsseldorf geschmälert wurde.

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