Café 29

von Andreas König

Der Club trat an diesem Spieltag erst am Montagabend in Stuttgart zum Topspiel an - vom Potenzial her klar ein Erstligaspiel, aber die aktuelle Situation sagt nun mal zweite Liga. Was macht man also vorher? Da traf es sich gut, dass die Fluggesellschaft "Wizzair" Skopje anfliegt. Mazedonien habe ich bisher noch nicht besucht und außerdem fehlt mir fußballmäßig der gesamte Balkan noch komplett.
Mit ein paar Infos im Gepäck ging es in die mazedonische Hauptstadt. Der erste Abend klang nach einem reichhaltigen Mahl u.a. mit gelbem Raki aus. Die örtlichen Busse zeigen teilweise ganz interessante Texte von „Schulbus“ über „Gemeinde Gmünd“ etc.. Viele in Deutschland ausgemusterte Busse wurden nach Mazedonien verkauft und leisten hier noch gute Arbeit. Da das Wetter herbstlich nasskalt war, wurde für längere Fahrten jedes Mal das Taxi genommen. Dank einer dieser Taxifahrten stand ich nun vor dem Stadion von Metalurg Skopje. Um sich besser mit der Gegend vertraut zu machen, wurde ein bisschen um das Stadion herumgeschaut. Wo ist der Eingang? Kassenhäuschen? Dank der Hilfe der Ordner stand ich im Stadion. Eintritt? Fehlanzeige. Anscheinend wird hier für die zweite Liga kein Eintritt verlangt. Die Sitzschalen erinnerten mich an unsere alten gelben Sitzschalen im Frankenstadion, was durch die arabischen Zahlen bekräftigt wurde. Eine finale Antwort habe ich bisher noch nicht gefunden.
Pünktlich zum Anpfiff stürmte eine Gruppe Gästefans von Vardar Negotino und startete sofort mit dem Support der Mannschaft. Während die Fans der Heimmannschaft praktisch gar nicht vorhanden waren, wurde im Gästeblock von der Busladung Fans immer wieder gesungen. Leider übertrug sich das nicht auf die Mannschaft auf dem Platz, denn Metalurg ging im Laufe der ersten Halbzeit in Führung. Mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit gab es auch ein paar Raucheinlagen von den Gästen, was zur Folge hatte, dass bei Ihnen dann auch die Polizei im Block stand. Aufgrund des Windes und der Temperaturen wünschte ich mir den Abpfiff entgegen, jedoch gab es vorher noch einen Elfmeter für die Heimmannschaft, was die Gäste bewog ihre Fahne abzuhängen. Jedoch konnte der Elfer nicht verwertet werden.
Kurz nach dem Abpfiff ging es auf die Suche nach einem Taxi und nach ein paar Minuten saß ich auch wieder in einem selbigen, wobei der Fahrer nicht den kompetentesten Eindruck hinterließ und eher im Kreis, denn zum nächsten Ziel – der Handballarena – fuhr. Am Ende wurde die Arena erreicht. Die Karten wurden jedoch noch nicht abgeholt, denn vorher ging es noch zum Café 29. Der Eigentümer ist der in Nürnberg unvergessene Saša Ćirić. Vor dem Phantom Marek Mintal war er mein erstes Idol im Trikot des Ruhmreichen FCN. Glücklicherweise stand er hinter dem Tresen seines Cafés und gesellte sich an den Tisch, als er erfahren hatte, dass er Besuch aus Nürnberg erhalten hat. Im Café sind aus seiner aktiven Fußballkarriere nur Erinnerungsstücke aus seiner Nürnberger Zeit zu besichtigen. Beginnend mit einem Foto der Choreo zu seinen Ehren gegen die Bayern über ein Trikot mit der 29 und so weiter. Ihm fehlt Nürnberg doch sehr und er hat auch weiterhin zu Weggefährten wie Felix Magath noch Kontakt. Aktuell ist er Teammanager der mazedonischen U21 und kommt daher viel rum.
Aber der Abend hatte noch die Handball Champions-League-Begegnung zwischen Vardar Skopje und den Rhein-Neckar-Löwen auf dem Programmzettel. Die heimische Ultragruppe Komiti Skopje hat auch immer einen guten Auftritt beim Handball, von diesem konnte ich mich u.a. auch akustisch bei dem Spiel überzeugen. Zur Halbzeit stand es noch 15:15, jedoch setzte sich am Ende der Gast aus Deutschland mit 26 zu 29 durch. Alles in allem war es eine interessante Erfahrung und vielleicht schaue ich, wenn es sich ergibt, mal wieder beim Handball vorbei. Dank eines kompetenten Taxifahrers gab es ein exzellentes Abendessen. Nach einem ausführlichen Spaziergang durch das abendliche Skopje u.a. vorbei an der 22-Millionen teuren Statue von Alexander dem Großen ging es ins Apartment, um bei ein paar Bier und verschiedenen Sportprogrammen den Abend ausklingen zu lassen.
In unmittelbarer Nachbarschaft der Unterkunft befand sich auch das Nationalstadion Mazedoniens, welches nach Philip den II., dem Vater von Alexander dem Großen, benannt ist. Dort spielte Vardar Skopje gegen Renova Dzepciste. Wie bereits am Vortag gab es auch dieses Mal keine Möglichkeit sich mit Speisen oder Getränken im Stadion einzudecken, was bei knapp über 300 Fans in einem Stadion für über 36.000 Zuschauer auch verständlich ist. Am Eingang wurden die Geldbeutel kontrolliert, ob nicht zu viel Kleingeld als Wurfgeschosse vorhanden ist. Gästefans waren nicht zu sehen, jedoch wieder eine kleine Gruppe von Komiti, die das gesamte Spiel über Stimmung machten. Die regelmäßigen Böller fand ich persönlich nicht so schön. Die Bengaloshow und die Gesangseinlagen gefielen mir hingegen besser. Der Blick in das weite geschwungene Rund war trotzdem enttäuschend, aber neben der Armut im Lande sind auch das mangelnde Renommee und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Liga Gründe für das spärliche Interesse am mazedonischen Fußball. Die Heimmannschaft dominierte das gesamte Spiel, aber schaffte es erst 12 Minuten vor Ende aus abseitsverdächtiger Situation den Siegtreffer zu erzielen. Im Anschluss daran wurde es noch ruppig, was nach Abpfiff zu einem ordentlichen Handgemenge führte, welches sich direkt vor meinen Augen abspielte. Dank eines freundlichen Mitarbeiters von Vardar Skopje fand ich mich kurz darauf noch im neuen Shop von Komiti Skopje wieder. Die anwesenden Fans waren ausgenommen freundlich. Als Abschluss ging es noch auf den Hausberg von Skopje von dem man normalerweise einen traumhaften Blick über Skopje hat, was jedoch aufgrund des tristen Wetters nur begrenzt möglich war. Hier zeigte sich wieder, dass dies einfach der falsche Zeitpunkt für die Reise hierher war.
Für mich war es definitiv nicht der letzte Besuch in Skopje, denn ich will die Stadt auch mal bei schönem Wetter sehen und von Skopje aus den Kosovo besuchen sowie weitere Städte in Mazedonien. Am Montag hieß es Abschied nehmen und es ging mit dem gleichen Fahrer wie bei der Ankunft zurück zum Flughafen und nach der Ankunft in Nürnberg machte ich mich sofort auf den Weg nach Stuttgart. Das Highlight in Stuttgart war sicher das Treffen mit Tim, der unsere Farben an diesem Tag unterstütze. Leider half es nichts und der heimische VfB gewann gegen den Ruhmreichen mit 3:1.

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