Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin

von Andreas König

Meine jährliche Berlinaletour legte ich dieses Jahr rund um „El kackiko“ in Hannover. Wie immer funktionierte die Ticketbesorgung für die Berlinale, welche ich an dem Montag nach dem Hannoverspiel besuchen wollte, problemlos. Aber alles der Reihe nach.
Nach dem desaströsen Auftritt in Hamburg im Pokal, welchen eine gut aufgelegte Killer Devilstruppe live im Stadion verfolgte, wurde zumindest in den Kneipen Vollgas gegeben und der ein oder andere hatte noch mit den Nachwirkungen vom Silbersack, Osborne oder goldenen Handschuh zu kämpfen, als wir uns am Tag nach der peinlichen Niederlage auf den Rückweg gen Nürnberg machten.
Mit diesem Ergebnis im Rücken führte mich der Weg ein paar Tage später bereits wieder in den Norden, um den im Internet angepriesenen „el kackiko“ live zu sehen. Spielerisch gestaltete es sich nach dem Pokalspiel durchaus besser und auch der Tifo im Gästeblock war ein wenig besser als in Hamburg. Jedoch erhielt unser junger Spieler Simon Rhein nach einer überharten Grätsche gegen seinen Hannoveraner Gegenspieler schon in der Anfangsphase die rote Karte, so dass sich die Mission Auswärtssieg zusätzlich verkomplizierte. Die beiden Tore u.a. mit Halbzeitpfiff durch den Exfürther und aktuellen Leihspieler Nicolai Müller waren die einzigen Tore des Spieles, wodurch der FCN nun Tabellenletzter wurde. Die Stimmung im Anhang war dementsprechend unzufrieden und mit diesem Gefühl ging es für mich dann, dank Lidl-Tickets, im weiteren Verlauf des Abends nach Berlin in den schönen Stadtteil Halensee in unmittelbarer Nähe zur Messe. Den Tag ließ ich bei einer Tom-Clancy-Lektüre ausklingen und freute mich schon auf meine beiden Spiele am nächsten Tage, auch wenn die Qualität zumindest beim ersten der Spiele sicher überschaubar sein würde.
Ausgeschlafen und motiviert verließ ich die Unterkunft, aber bereits kurz nach Verlassen des Hotels wuchsen in mir die Zweifel, ob ich wirklich das Richtige tue und mir zwei Spiele bei leichtem Regen ansehen sollte. Aber Plan ist Plan und somit wurde ein Tagesticket für die Öffis gezogen. Erstes Ziel an diesem Tage war das afrikanische Viertel in Berlin. Lustigerweise habe ich auf der Sportanlage im Sommer bereits eine Berliner Pokalausscheidung gesehen, aber nun konnte ich auch den Kunstrasenplatz kreuzen. Leider wurden seit meinem letzten Besuch die schönen alten Bäume gefällt. Was stand auf dem Sportplatz in der Lüderitzstraße an: Hertha III vs. 1. FC Afrisko in der Bezirksliga Berlin. Hochklassigen Fußball der Amateure der Amateure war nicht zu erwarten. Immerhin habe ich mir vorher noch einen Kaffee und ein paar Leckereien vom Bäcker holen können und für drei Euro war es preislich auch angemessen. Alles andere als ein deutlicher Heimsieg gegen den Tabellenletzten war bei diesem Wetter nicht zu erwarten. Neben einigen Berliner Originalen genoss ich den Kick unter einer kleinen Überdachung und verfolgte das Spiel auf dem Kunstrasenplatz. Leider konnte Hertha III nicht die vielen Chancen nutzen, aber ging dann doch noch vor der Halbzeit in Führung. Mit dieser Führung im Rücken verabschiedete sich die Mannschaft im Regen in die Halbzeitpause. In der zweiten Halbzeit wurde es dann deutlicher, da sich kurz nach dem zweiten Tor für die Gastgeber die Gäste innerhalb von kurzer Zeit mit zwei Platzverweisen selbst schwächten. In folgedessen geht auch der 5:0 Sieg von Hertha vollkommen in Ordnung, der auch nie wirklich gefährdet war. Leider konnte somit der Wunsch einer älteren Dame nicht erfüllt werden, die nach einem 7:0 hätte gehen wollen.
Zügig verließ ich den Sportplatz, um mich auf den Weg gen Erkner und dann weiter nach Fürstenwalde zu machen, da dort mein zweites Spiel des Tages stattfinden sollte. Mein treuer Begleiter an diesem Tage war das Football Leaksbuch, welches ich fleißig und freudig las, um immer tiefer in dieses Thema einzutauchen.
Rechtzeitig zum Anpfiff erreichte ich das Stadion in Fürstenwalde und auch dort gab es keine Überdachung, aber immerhin ließ der Regen nach und hörte schließlich ganz auf, was ein Verweilen außerhalb einer Überdachung möglich machte. Gäste aus Bautzen waren zumindest im Gästeblock nicht vorhanden, aber ein kleiner Haufen supportwilliger Fürstenwaldener fanden sich in dem Stadion ein und unterstützten ihre Mannschaft mit Trommeln und Gesängen. Dass es kein hochklassiges Spiel werden würde, war von Anfang an zu erwarten gewesen, aber immerhin war es eines von zwei Spielen, die an diesem Spieltag überhaupt ausgetragen wurden.
Die Boulette schmeckte echt vorzüglich, aber das Spiel ließ auch weiterhin nicht mein Herzen höher schlagen, so ging es trotz einiger Chancen torlos in die Halbzeit und ich verzog mich in wärmere Gefilde, um mich wenigstens für die zweite Halbzeit ein wenig aufzuwärmen und zu hoffen, dass die Nässe nicht komplett durch meine Jacke dringt. Die Gästemannschaft von Torsten Gütschow konnte auch im weiteren Verlauf kein Tor erzielen, jedoch gelang dies der Heimmannschaft, was die knapp 200 Zuschauer freundlich jubeln ließ. Vom gesamten Umfeld her, werde ich in naher Zukunft voraussichtlich nicht erneut nach Fürstenwalde fahren, da es dort a) nichts zu sehen gibt, b) das Stadion alles andere als wiederbesuchsbar ist und c) dort gefühlt in Teilen der Hund verreckt ist. Aber warten wir mal ab, was die Zukunft so bringt.
Aufgrund eines ausgefallenen Zuges und aufgrund des Wetters auch einer geringen Bereitschaft meinerseits eine Halbzeit von einem dritten Spiel zu sehen ging es für mich zurück in die Unterkunft, um mich ein wenig auszuruhen und zu erholen. Nach einem leckeren Bier im Haus der 100 Biere und einem leckeren Essen verzog ich mich auf mein Zimmer, um mich für den langen Filmtag zu stärken. Wie in den Jahren zuvor hatte ich mir eine bestimmte Reihung und Auswahl getroffen, aber immer mit zusätzlichen Ausweichmöglichkeiten. Dieses Jahr verfolgte ich das erste Mal Kurzfilme und auch meine Vorliebe für Dokus konnte ich mal wieder frönen. Die neue Doku über den Watergateskandal mit einer Laufzeit von über vier Stunden war natürlich ein Highlight, aber danach hieß es wieder Abschied nehmen von Berlin und der ICE brachte mich wieder zurück in das schöne Nürnberg. Aber die Freude auf die nächste Tour nach Italien, die kurz danach stattfinden sollte, ließ mein Herzen höher schlagen, da ich u.a. auf Sonne und schönes Wetter hoffen konnte. Dies ist aber Teil eines anderen Berichts.

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