Baltikum Teil 1

von Andreas König

Mein lang gehegter Traum war es das Baltikum zu bereisen. Am besten natürlich gleich alle drei Länder mit genug Zeit die Landschaft, die Städte etc. zu besichtigen und zu erkunden. Alles war mir leider nicht vergönnt, aber lest selbst.
Die erste Station meiner Reise führte mich Dank ICBus in die Nürnberger Partnerstadt Prag, welche ich immer wieder gerne besuche. Nicht nur der Fußball sondern auch die Kultur und alte Freunde aus gemeinsamen Veronazeiten ziehen mich immer wieder dorthin. Nach einer ereignislosen Busfahrt, welche ich mir mit einer netten Buslektüre und ein bisschen Schlaf vertrieben habe, ging es nach Žižkov, welches praktisch um die Ecke vom HBF im Norden der Stadt liegt. Dieser Stadtteil wird vom gleichnamigen Fernsehturm Žižkov überragt.
In diesem Stadtteil befand sich mein Hotel, welches durchaus annehmbar ist, was ich vorher bei Gesprächen mit Freunden herausgefunden habe. Allgemein ist der Stadtteil gerade von Gentrifizierung, Nachverdichtung und Restrukturierung betroffen und die alten ursprünglichen Bewohner werden somit leider nach und nach herausgedrängt. Somit ist auch die aktuelle Struktur und das Kneipenwesen in dem Bezirk bedroht, was ich persönlich sehr schade finde, da die Kneipen und der ganze Stadtteil mir doch recht gut gefallen. Da mein Hotel gegen einen kleinen Aufpreis auch ein Schwimmbad zur Verfügung stellt, habe ich mich erstmal in die Fluten des Beckens gestürzt, um ein paar Bahnen zu ziehen. Nach getaner sportlicher Betätigung genoss ich ein leckeres Piwo in einem angrenzenden Biergarten mit dem Blick über die Stadt. Glücklicherweise waren auch keine Touris dort, sondern praktisch nur Einheimische. Ist ja in Prag nicht unbedingt überall so.
Langsam machte sich der Hunger breit und auch das erste von mehreren Treffen mit alten Kommilitonen aus meiner Zeit in Verona stand an. So ging es wieder in Richtung des Mittelpunktes des Stadtteils und bei einem leckeren Kaffee wurde über Gott und die Welt gesprochen. Es war einfach wunderschön sich mit alten Freunden auszutauschen. Einen Aufenthalt in Prag, oder in Tschechien im Allgemeinen, ohne Kloß und einen leckeren Braten gibt es eigentlich nie, so auch in diesem Falle. Gleich um die Ecke vom Stadion von Žižkov genoss ich neben leckerem Bier auch ein reichhaltiges Essen, um mir eine gewisse Grundlage für die nächsten Tage und den anstehenden Abend zu verschaffen. So gestärkt machte ich mich auf via Tram zu meinem nächsten Treffen in einer nahegelegenen Piwobar. Bei Bier, Fußball lief nebenbei, wurde über die aktuelle Situation – privat oder beruflich – sowie die Weltgeschichte gesprochen. Schlussendlich war es ein wunderbarer Abend mit Freunden, der viel zu schnell vergangen war.

Der nächste Tag stand dann unter dem Motto Fußball und Transfer, da es für mich im Laufe des Tages gen Stockholm gehen sollte, aber alles nacheinander.
Dank eines kleinen Aufpreises von 100 Kronen konnte ich ein reichhaltiges Frühstück in aller Ruhe genießen, bevor es mit Sack und Pack zum Fußball ging. In Prag geht am Wochenende meistens schon etwas um kurz nach 10 Uhr. So auch dieses Mal. Lustigerweise liegt der Ground direkt um die Ecke eines mir bekannten Hotels, was ich aber erst beim genaueren Planen festgestellt hatte.
Seit dieser Saison dürfen auch die Zweitvertretungen der großen Vereine, u.a. Viktoria Plzen, Slavia und Sparta Prag etc., in der dritten Liga oder darunter im normalen Ligabetrieb mitspielen. Ich durfte mir die zweite Mannschaft von Plzen bei Loko Vltavín anschauen. Schön war es auch, dass es eine Linienrichterin gab. Ich finde gemischte Teams besser und würde es bevorzugen, wenn noch mehrere Frauen aktiv beim Männerfußball dabei wären.
Natürlich war ich nicht der einzige deutsche Hopper bei dem Spiel. Eine Gruppe hat es sich bei leichtem Nieselregen unter einem Sonnenschirm gemütlich gemacht und bei Klobasa und Pivo das Spiel quatschend verfolgt. Die höhere spielerische und technische Qualität lag eindeutig bei den Gästen aus Pilsen. Somit konnten die Gäste u.a. Dank eines Elfmeters bis zur 30. Minute mit 2:0 in Führung gehen, ehe die Gastgeber noch vor der Halbzeit verkürzten. Der zwei Torevorsprung wurde praktisch mit Wiederanpfiff wiederhergestellt. Auch ein zwischenzeitlich verwandelter Elfmeter zum 2:3 half nichts, denn die Gäste kontern mit 4:2 aus ihrer Sicht und nahmen die Punkte aus Prag mit.
Für mich hieß es pünktlich mit dem Abpfiff Marsch zur U-Bahn und ab gen Flughafen, da ich noch ein paar Ziele auf der Tour hatte. Mit SAS ging es für mich nach Stockholm. Während seiner Tätigkeit bei Siemens war mein Vater v.a. in den 90iger Jahren sehr oft in Stockholm und hat immer davon geschwärmt. Ich wollte diese Stadt auch endlich einmal besuchen und nun konnte ich mir diesen Wunsch erfüllen. Vielleicht hätte ich beim Buchen meiner Unterkunft ein wenig stutzig werden sollen, aber günstig ist doch wichtiger. Am Flughafen kaufte ich mir die Stockholmer Dreitageskarte, welche ich auch bei einer nächsten Reise wieder aufladen kann und schon saß ich im Bus und im Anschluss daran im Pendeltåg Richtung Centralen. Danach ging es ein Stück mit der U-Bahn zurück zu meiner Unterkunft, die gleich an einer U-Bahnhaltestelle lag. Somit kam ich überall schnell hin und konnte auch vieles zu Fuß erledigen.
Meine Bed&Breakfast-Unterkunft befand sich im Keller eines Hauses und dort durfte ich zu Beginn erstmal meine Schuhe ausziehen und nach dem problemlosen Checkin erhielt ich u.a. den Code für die Haus- und die Zimmertüre. Mein fensterloses Zimmer hatte vielleicht die Größe und den Grundriss einer Zelle. Jedoch besaß ich einen Ventilator und einen Fernseher und eine Steckdose zum Laden meines Handys. Die Wände, was ich in der zweiten Nacht erfahren sollte, waren ziemlich dünn, so dass ich die Gespräche in den Nebenzimmern so laut hören konnte, als fände das Gespräch neben mir statt. Wahrscheinlich haben meine Nachbarn auch mein bekanntes Schnarchen gehört. Für zwei Nächte reichte es aber und da ich dort eh fast nur zum Schlafen war, brauchte ich nicht allzu viel mehr an Komfort. Dass Dusche und WC am gefühlt anderen Ende der Unterkunft lagen, war vielleicht nicht unbedingt optimal, aber die Lage glich das definitiv aus. Der erste Weg führte mich in das örtliche Hard Rock Café, wie nicht anders zu erwarten habe ich mir dort ein neues Shirt zugelegt. Nebendran fand ich ein leckeres Schnellrestaurant mit Kebab in allen möglichen Varianten in der Odengatan. Nach der Auswahl meines Menüs ließ ich mich an meinem Plätzchen nieder und hatte kurz danach einen großen gut gefüllten Teller mit Salat und Fleisch vor mir. Geschafft habe ich es nicht ganz, aber ich war mir sicher, dass ich den Laden am nächsten Tag nochmal aufsuchen sollte, sofern es sich zeitlich vor dem Spiel ausgehen sollte. Mit der U-Bahn ging es dann in die Altstadt Stockholms auf die Insel „Gamla Stan“. Da es bereits Abend war und dunkel, schlenderte ich ein wenig durch die Straßen und Gassen, kaufte dabei Postkarten und gönnte mir auch ein örtliches Bier in einem Pub. Gleichzeitig tauchte ich in die Geschichte meines Buches ein, welches sich mit dem Mord an Olaf Palme auseinandersetze und die verschiedenen Spuren zusammenführte und den Versuch startete eine Aufklärung des Falles zu bewirken. Auf den Spuren dieses Falles wollte ich den nächsten Tag verbringen. Da ich mir viel für den nächsten Tag vorgenommen hatte und die Stadt zu Fuß und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden wollte, machte ich mich auf den Rückweg in meine Unterkunft und beendete das Buch. Natürlich hatte ich noch mehrere weitere Bücher dabei und so sollte mir der Lesestoff nie ausgehen. 

Gestärkt machte ich mich recht zeitig auf den Weg, um die Stadt zu erlaufen und zu erfahren. Das Wetter passte für die Erkundung auch, so dass ich als erstes zur Bodenplatte Olaf Palmes aufmachte. Diese lag für mich verkehrsgünstig direkt auf dem Weg in die Innenstadt und so konnte ich mir ein Bild davon machen, wie es damals wohl war bzw. wie es laut dem Buch war. Die U-Bahn brachte mich dann in einen südlichen Teil der Stadt, der v.a. für seine Hügel und die Geschäfte bekannt ist. Während einer Kaffeepause, die scheinbar in Skandinavien gerne zelebriert und genossen wird, schrieb ich meine Postkarten und machte mir weitere Pläne für den Tag. Dabei entschied ich mich auch eine Runde Köttbullar essen zu gehen, denn das verbinde ich zumindest dank IKEA mit Schweden und der erste Treffer im Internet brachte mir eine sehr interessante Lokalität, welche ich nach dem Kauf von zwei Dosen Lättöl für den Abend ansteuerte. Erst im Nachhinein erfuhr ich im Internet, dass eine Reservierung sinnvoller wäre und beim Verlassen des Restaurants konnte ich das nur unterschreiben, da sich vor dem Laden eine ca. 80 Meter lange Schlange gebildet hatte. Dort gönnte ich mir am Tresen den schwedischen Klassiker inkl. Bier und Wasser. Das Essen war eine Show und ich habe es wirklich genossen dort zu speisen.
Da ich noch nicht in den verschiedenen Museen und anderen Attraktionen der Stadt war, wollte ich zumindest die Museumslandschaft und den Freizeitpark ansteuern. Für einen Besuch der ganzen Museen reichte jedoch die Zeit nicht, aber allein rund um Skansen herumzuflanieren und das Flair aufzusaugen hat sich gelohnt. Dabei sah ich auch immer wieder einfach hingeworfene E-Scooter auf dem Weg herumliegen. Im Vergleich zu Nürnberg sind dort aber mehrere Anbieter auf dem Markt. Alleine die Tramfahrt in Richtung Djurgården hatte sich gelohnt. Nun hieß es jedoch für mich Ende mit Kultur, denn ich wollte mich noch kurz frisch machen und in meinem Schnellrestaurant stärken. Die letzten Karten schrieb ich noch bei meinen beiden Lättöl, welche besser schmeckten als ursprünglich gedacht. Im Vergleich zum Vortag war das Schnellrestaurant dieses Mal leer, was wahrscheinlich auch an der deutlich früheren Ankunft meinerseits lag. Immerhin schaffte ich dieses Mal meine Portion und so ging es gut gesättigt mit dem Bus inkl. Umstieg problemlos bis vor das Stadion in Solna. Solna ist eine Ortschaft nördlich von Stockholm und beheimatet das größte Stadion des Landes, welches auch vom örtlichen AIK Solna genutzt wird. Wobei AIK für Allmänna Idrottsklubben zu Deutsch „Der Allgemeine Sportklub“ steht. Heute stand jedoch das Länderspiel gegen Norwegen auf dem Plan. Die schwedischen Fans habe ich schon seit Sotchi in positiver Erinnerung und auch dieses Mal war es sehr entspannt und höflich. Ziemlich rasch erreichte ich meinen Platz, wo ich eine kleine Überraschung fand. Jeder verkaufte Sitzplatz war mit einem Schwedentrikot inkl. Trikotsponsor „Bauhaus“ ausstaffiert. Vorbildlich zog ich mir das Trikot natürlich an, auch wenn es nicht ganz meine Größe war, wollte ich einfach Teil dieser Gemeinschaft sein. Das Stadion war jedoch nicht mal ansatzweise ausverkauft, was mich doch ein wenig gewundert hatte. Immerhin kickte eine gewisse Prominenz auf dem Platz u.a. spielte bei Norwegen mit Harvard Nordtveit ein Exclubspieler mit. Wohingegen Even Hovland die gesamte Spielzeit auf der Bank verbrachte. Mikael Ishak war nicht einmal nominiert nur sein fast gleichgeschriebener Nationalmannschaftskollege Alexander Isak spielte von Anfang an. Die Zeiten eines Ibrahimovic in der Tre Kronor sind leider vorbei, aber ich genoss das Spiel trotzdem. Leider ging das Spiel ohne Sieger aus und ich sah ein leistungsgerechtes 1:1. Da es inzwischen angefangen hatte zu Nieseln und ich am nächsten Morgen zeitig aus dem Haus musste, lief ich zügig zum Bahnhof von Solna und war knapp 30 Minuten nach Abpfiff in meiner Unterkunft. Da ich am nächsten Tag früh aufstehen musste, war ich über jede Minute Schlaf glücklich. Leider wurde es, aufgrund der dünnen Wände, nichts mit allzu viel Schlaf, aber der kommende Tag hatte noch mehr Überraschungen parat.
Eigentlich wollte ich mit Freunden, die ich in Riga dann traf, ans Meer fahren und in der Ostsee baden gehen. Um dies umzusetzen hatte ich den frühen Flieger gen Riga gebucht. Als ich leicht verschlafen im Zug gen Norden saß und die Spannung in meinem Buch immer weiter anwuchs, erreichte mich beim Einstieg in den Bus gen Flughafen, dass mein Flug gestrichen wurde. Was mich nach dem Terz vom Vortag, wo es eine Ewigkeit mit dem Einchecken gedauert hatte, da mir mein Ticketdealer eine falsche Ticketnummer geschickt hatte, natürlich zusätzlich erfreut hatte. Nach knapp vierzig Minuten hatte ich endlich jemanden in der Leitung und ich konnte meinen Flug umbuchen. Leider wurde ich erst auf den Nachmittagsflieger umgebucht und nicht den gegen 12 Uhr, somit verbrachte ich fast den gesamten Tag auf dem Flughafen Stockholms, da ich auch nicht noch einmal in die Stadt gefahren bin. Raussetzen war auch keine Option, da das Wetter weiterhin bedeckt und leicht regnerisch war. So verbrachte ich die Zeit beim Lesen und Handy daddeln.

Gestärkt mit Bier und Burger saß ich dann endlich im Flieger gen Riga, um die nächste Station meiner Reise anzugehen.
Der Flug nach Riga ist auch nur ein Katzensprung, wie in etwa Nürnberg - Bergamo, nur dass hier noch die Zeitverschiebung um eine Stunde hinzukommt.
Nachdem ich in Schweden alles per Kreditkarte gezahlt habe und nicht eine schwedische Krone abgehoben habe, konnte ich nun wieder mit Euros zahlen. Wie bereits in Schweden sprachen auch in Lettland alle englisch, was natürlich u.a. beim Fahrkartenkauf hilft. So machte ich mich dann mit dem Bus und zu Fuß auf den Weg zu unserer Unterkunft über eines der örtlichen McDonald’s Gaststätten. Eine schnelle Hopfenkaltschalte später ging es dann auch schon gen Innenstadt, um sich mit einer weiteren Freundin aus alten Veronazeiten treffen. Dank eines kleinen Spaziergangs und einiges Wissenswertes über Riga habe ich in der kurzen Zeit auch ein bisschen was von der Altstadt kennengelernt. Das Ende unseres Spazierganges befand sich in einem netten rustikalen Speiselokal mit vielen einheimischen Gerichten und Getränken. Der lokale Schnaps fand dabei nicht bei jedem der Reisegruppe gebührenden Anklang, aber leider mussten wir uns hier von meiner Studienfreundin trennen, da uns ein Bolt – Uberkonkurrent – zum Stadion bringen sollte, denn der Länderpunkt Lettland sollte in Riga mit dem Spiel gegen Nordmazedonien fallen. Unser Fahrer ließ uns direkt am Eingang raus und innerhalb von ein paar Minuten waren wir im Stadion. Der Anpfiff würde in weniger als vierzig Minuten stattfinden und das Stadion war praktisch leer. Mit einem leckeren Bier bewaffnet suchten wir uns ein lauschiges Plätzchen und machten ein paar Fotos. Gefühlt waren nicht einmal 3000 Zuschauer da und diese waren auch noch im Stadion verteilt. Die Rollen bei diesem Spiel schienen klar verteilt, denn Lettland ist noch punktlos in der Gruppe und somit war der Gast, u.a. mit dem Altstar Goran Pandev, der klare Favorit und stellte dies auch von Anfang an unter Beweis. Auch die Gastgeber zeigten ihr Können und bewiesen dabei, dass Fußball in ihrem Land nicht so erfolgreich und populär ist. Ihr Können ist leider doch etwas limitiert, weswegen das Spiel mit einem Doppelschlag nach fast 20 Minuten eigentlich entschieden ist. Dabei traf u.a. auch Pandev, der seine Karriere als Rekordnationalspieler gerade seit einigen Jahren beim CFC Genua, dem ältesten Club Italiens, in der Serie A ausklingen lässt. Die verschiedenen Biere taten ein weiteres dazu, dass das Spiel gemächlich voran plätscherte und wir am Ende beim Kwas landeten, was ein Getränk aus dem ostslawisch- und teilweise auch südslawisch-sprachigen Raum ist, das durch Gärung aus Brot hergestellt wird. Kwas ist heute überwiegend in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Serbien, Montenegro und dem Baltikum verbreitet. Das Getränk hat inzwischen aber auch eine gewisse Bekanntheit in weiteren Ländern Europas und des Kaukasus erreicht. Obwohl meist aus Brot oder Zwieback hergestellt und deshalb auch unter dem Begriff Brotgetränk oder Brottrunk bekannt, gibt es auch andere Rezepturen, zum Beispiel Kwas aus Birnen, Beeren oder anderen Früchten. (Auszug aus Wikipedia) Mit dem Bolt ging es wieder in die Innenstadt und in einer Billardkneipe klang der Abend bei Bier und Billard langsam aber sicher aus, denn am nächsten Tag ging es in die nächste Stadt und das nächste Land auf der Tour.

Wie bereits auf meiner Balkantour im Frühjahr gab es auch dieses Mal wieder eine Etappe mit dem Fernbus. Dieses Mal nahm ich Einen von Riga nach Vilnius, der aktuellen Hauptstadt Litauens und in der Vergangenheit u.a. auch zu Weißrussland gehörend und nur knapp 30 Kilometer von der Grenze zu Weißrussland entfernt. Beim Schmökern in meinem Baltikumreiseführer las ich auch einiges über die Bedeutung der Stadt und die vielen verschiedenen Kirchen, welche ich teilweise auch bei meinem Spaziergang durch die Altstadt an diesem Tag besichtigte. Neben dem kulturellen Erkunden der Stadt durfte natürlich auch der Besuch und der Gastrotest in einem regionalen Restaurant nicht fehlen und ich wurde bei meinem Essen nicht enttäuscht. Zufälligerweise traf man sich auch noch mit anderen Clubberern, die auch gerade auf Reise im Baltikum waren. Jedoch rief auch wieder Bruder Fußball. Ein Taxi o.Ä. brauchten wir aber von dem Lokal zu unserer Unterkunft und dann auch zum Stadion nicht, da alles sehr eng beieinander lag. Die Flutlichtmasten konnten wir sogar aus dem Fenster unseres Hostels sehen. Glücklicherweise hatte ich mich rechtzeitig um Karten für das Spiel gegen Portugal gekümmert, denn so konnte ich die letzten Tickets für das Spiel kaufen. Eine große Zahl an Zuschauern musste das Spiel leider von außen verfolgen, denn das Stadion war für dieses Länderspiel viel zu klein. Jeder wollte die eigene Mannschaft und auch CR7 sehen. Auch eine kleine Abordnung aus Portugal war vor Ort, die nach dem Spiel auch einen Corteo in die Innenstadt, direkt an unserem Zimmerfenster vorbei, machte.
Die Vorzeichen für das Spiel waren natürlich klar verteilt. Die Gastgeber waren gegen den Europameister und Nations League Sieger aus Portugal die klaren Außenseiter. Trotz dieser Diskrepanz in der Qualität der Spieler konnten die Gastgeber v.a. in der gesamten ersten Halbzeit sehr gut mithalten. Sie erspielten sich immer wieder Chancen, jedoch konnten die Gäste recht früh durch einen Elfmeter, den CR7 eiskalt verwandelt hat, in Führung gehen. Sein 90. Tor im 160. Länderspieleinsatz. Dabei stürmte er zum Jubeln direkt vor unseren Block und nicht auf die andere Seite des Strafraums zum Gästeblock.
Davon ließen sich die Gastgeber nicht beirren und spielten weiter nach vorne, was ihnen nach 30 Minuten den Ausgleich bescherte. Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Halbzeit, welche ich bei einem Bier genoss und der Blick auch immer wieder zu den „Ausgesperrten“ ging, die da auch immer wieder für Stimmung sorgten. Litauen konnte leider in der zweiten Halbzeit nicht mehr an die Leistungen aus der ersten Halbzeit anknüpfen und Dank eines Kullerballs ging Portugal nach knapp 60 Minuten in Führung. Zwischen der 61. Und 76. Minute erzielte CR7 auch noch einen lupenreinen Hattrick. In dieser Zeit war der Widerstand der Gastgeber gebrochen und Portugal konnte schalten und walten wie sie wollten.
Interessanterweise gab es ab und zu Rauch und Böller von draußen, die jedoch nie ins Stadion reingeworfen wurden, sondern die Schwaden zogen nur in das Stadion rein. Alles in allem ein verdienter Sieg der Gäste, der vielleicht ein bisschen zu hoch ausgefallen ist. Entspannt ging es zurück in unsere Unterkunft, jedoch nicht ohne vorher noch ein Spielshirt für lau abzugreifen, welche es am Ausgang des Stadions gab. Dabei kam auch ein Ordner angerannt und hat sich durchgedrängelt, um sich einfach mal eine Handvoll Shirts zu sichern. Da die Kneipen in der Innenstadt schon relativ zeitig danach schließen würden, haben wir es uns auf unserem Zimmer gemütlich gemacht und noch ein wenig Stadt-Land-Fluss in der Fußballversion gespielt und dabei auch den Feiercorteo der Gästefans beobachten können, da diese nach dem Spiel noch eine kurze Zeit lang eine Blocksperre hatten.
Am letzten Tag stand noch einmal ein wenig Sightseeing an. Hierbei wurden Fahrräder geliehen, die an verschiedenen Abgabeorten in der Stadt zurückgegeben werden konnten. So ging es bei strahlendem Sonnenschein entlang der Neris in die Vororte, um dann zum Abschluss noch in einem leckeren rustikalen Biergarten ein abschließendes Essen und Bier einzunehmen und bei netten Gesprächen den Kurztrip ausklingen zu lassen. Nach der Rückkehr in die Unterkunft ging es via Bolt zum Flughafen und von dort zurück nach Deutschland. Jedoch nicht nach Nürnberg, sondern in die bayrische Landeshauptstadt, um von dort mit dem letzten RB quer durch Bayern u.a. über Ingolstadt, Eichstätt, Weißenburg nach Nürnberg zu fahren. So erreichte ich dann gegen 1 Uhr nachts meine Wohnung.
Alles in allem war es ein traumhafter Trip, der mit vielen Erfahrungen, Treffen von alten Freunden und teilweise sehr schönem Wetter begleitet wurde.
Teil 2 folgt dann in den nächsten Wochen, denn da werde ich noch Estland und Finnland bereisen, weswegen der Bericht auch Teil 1 heißt.
Das Baltikum ist landschaftlich, was ich gesehen habe, sehr schön und ich denke, dass es im Sommer noch schöner ist. Riga werde ich sicher noch einmal besichtigen, da ich einfach zu kurz dort war, um wirklich was zu sehen und besichtigt zu haben. Auch Stockholm war eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht missen will. Dies v.a. in Kombination mit dem Buch, welches ich über den Palmemord gelesen habe und dann einige der Schauplätze selbst besichtigt habe.
Es war sicher nicht der letzte Trip in diesem Jahr und dann schauen wir auch mal weiter was die Zukunft so bringen wird.

 





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