Aus dem Tagebuch eines Killer Devils

von Michi Fuchs

17.April 2015


Liebes Tagebuch,


heute hat mich der Wecker schon um 04.45 Uhr geweckt - eine absolute Unzeit, aber was nimmt man für den Club nicht alles in Kauf. Zumal ich mit einem Blick in die Killer Devils WhatsApp-Gruppe feststellte, dass ich 30 Minuten länger schlafen kann, da der Plan um 00.35 Uhr mit fast genügend Vorlaufzeit, dass ich es auch mitbekommen hätte, nochmal geändert wurde.
Nachdem alle mit dem Weinlich’schen Partybus eingesammelt wurden, begann - neben dem Blitzer-Marathon der von uns Killer Devils stets hochgeschätzten Polizei – unser eigener Marathon im Schafkopfspielen. Während ich dir so schreibe, frage ich mich, welcher Marathon für die Allgemeinheit wohl weniger Nutzen erbracht hat. Auch wenn der Allgemeinnutzen der Runde gering ist, mir hat er zumindest eines gezeigt: der Teufel scheißt doch nicht immer auf den größten Haufen und so hat mir unser Bestverdiener die ersten drei Bier in Hamburg finanziert, indem er 0,01% seines hart verdienten Monatseinkommens verspielte.
In der Hansestadt angekommen, bezogen wir unser Luxus-Hostel direkt neben dem „Hustler-Depot“. Darauf machten wir uns sehr zügig auf den Weg zum Millerntor-Stadion, um unseren Club zu sehen. Nachdem Fabi fast von einem Glassplitter in der Lasagne getötet worden wäre, reichte die Zeit vor der Stadionöffnung noch für einen Kurzstrecken-Schafkopfer und 2-7 Bier. Bitte verstehe mich jetzt nicht falsch – ich bin wirklich kein Rassist, aber der Chinese vorm Stadion mit seinem „Tische leidel nur für unsele Kunden“ und „Toiletten leidel nur für Kunden glatis“ hat’s scho nah beinander ghabt…

Zum Spiel selbst will ich dir dann eigentlich gar nicht so viel erzählen - du kennst das ja: der Club is a Depp. Über 90min zwar nicht drückend, aber doch deutlich überlegen und in der letzten Minute das 0:1 kassiert. Erwähnenswert sind auf jeden Fall die Choreos der St. Pauli Fans, unter denen mit Crystalkindlesmarkt und Breaking Bda zumindest zwei Spitzen waren.

Nach dem Spiel holten wir uns die nötige Stärkung mit einem Schnitzelimbiss im Steak Haus an der Reeperbahn, (Lass mich nicht vergessen, die kreative Anrichtung der Gerichte demnächst auch selbst auszuprobieren) bevor es dann auf die typische Kietzrunde mit Pilsbörse, Anker, Osbourne und Co ging. Als Neuentdeckung kann definitiv das Drafthouse genannt werden, zu dessen drei Livebands wir auch bei zukünftigen Hamburg-Fahrten wieder einige Biere heben werden.
Bevor ich mich zur Ruhe lege, muss ich dir gestehen: ich bin wirklich überrascht, denn Andy hat seinen Titel verloren! Welchen Titel fragst du? Den des lautesten Schnarchers natürlich. Die sicher geglaubte Titelverteidigung hat ihm der Hannes gründlich versaut.



18. April 2015


Liebes Tagebuch,


trotz der Sägerei habe ich ein paar Stunden Schlaf gefunden und konnte sogar zwei meiner Mitstreiter zum Frühstücken aus den Federn bringen. Wie sich das für ein Luxus-Hostel gehört, war dieses natürlich all inclusive. Umso mehr wunderte ich mich, dass einige Gäste nach Frühstückmarken gefragt wurden – diese hatten ursprünglich wohl einen günstigeren Tarif als wir gewählt.
Den größten Teil des Tages verbrachten wir dann in der Fischpfanne direkt an den Landungsbrücken, wo FCN-Fans auf Anweisung des Chefs auch bei alkoholbedingten Fehlverhalten immer absolut freundlich behandelt werden müssen. Laut Aussage der sehr niedlichen Kellnerin wurde dies sogar explizit in einem Briefing vor Dienstantritt angesprochen. Wie du dir also schon denken kannst, hatten wir eine sehr gute Zeit während unseres Aufenthaltes zumal sich jetzt auch die Hamburger Sonne von ihrer besten Seite zeigte.
Auf dem Rückweg zum Schanzenviertel, wo wir den Abend verbringen wollten, zahlten wir (bzw. Andy) in der St. Pauli-Beach-Bar für vier Bier noch fast genau so viel wie für die vierzig Stück vorher in der Fischpfanne und kamen im Osbourne zu der Erkenntnis, dass alle Club Fans außer uns genauso schlecht kickern, wie der FCN Fußball spielt.
Im Schanzenviertel entschieden wir uns bei einem Griechen namens „Olympisches Feuer“ zu essen. Dort wurden wir zunächst darum gebeten, noch 15 Minuten auf einen freien Tisch zu warten, der groß genug für uns ist. Die Zeit vor dem Restaurant nutzen wir für ein schnelles Bierchen vom REWE gegenüber und die Stimmung war bestens. Allerdings hätte sich dies fast geändert, als das südländische Temperament des Wirtes mit ihm durchging und er Hannes auf Grund dessen höflichen und kontinuierlichen Einwendens, dass ständig Pärchen an Zweier-Tischen platziert würden und wir immer noch draußen Bier trinken müssten, nicht mehr einlassen wollte. Mit der Diplomatie und Rhetorik eines echten Fachmanns jedoch löschte dieser das (olympische) Feuer des Wirtes und wir durften doch noch unser Gyros essen. Ich sage es dir, diese Griechen! Kein Wunder, dass das Land bankrott ist! Und wir stecken denen ständig neue Milliarden hinten rein - die sollen besser mal anständig und pflichtbewusst arbeiten wie wir Nürnberger eben auch!
Die nächste gewöhnungsbedürftige Begegnung haben wir einigen Punks zu verdanken, die uns den Besuch des „Fritz Bauch“ ans Herz legten. In der Kneipe war lediglich direkt an der Bar noch Platz und so kamen wir mit dem dort sitzenden Paar ins Gespräch. Anfangs eine nette Unterhaltung, mähte die schon etwas in die Jahre gekommene Ehefrau jedes Argument gegen ihre Überzeugung mit einem ausgestreckten Stinkefinger und einem lautstarkem „Fuck you“ nieder. Nachdem sie dann anfing, mit dem gefühlt 120 Jährigem neben sich rumzumachen, während ihr Göttergatte neben ihr saß, entscheiden wir uns die Lokalität zu wechseln und machten uns wieder gen Reeperbahn auf.
Außer, dass ein Killer Devil sich noch auf den Kietz erbrach, ließen wir die Nacht dann vergleichsweise ruhig ausklingen. Fabi und Timo haben noch durchgehalten, um auf dem Fischmarkt ein Mettbrötchen zu essen und sich vom Marktschreier einen riesen Obstkorb aufschwätzen zu lassen, welchen sie dann nur mit vereinten Kräften ins Hotel zurück zu schleppen vermochten. In unserer Luxus-6-Mann-Suite waren zuvor KFC Chicken Wings nicht nur der Grund für den sinnlosen und grausamen Tod hunderter Millionen Hühnern, sondern beinahe auch noch für eine Schlägerei unter Freunden. Aber so weit reicht der Einfluss von Kentucky Fried Cruelty zum Glück dann doch nicht!


19. April 2015


Liebes Tagebuch,


am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück mit dem gerade richtigen Preis-Leistungs-Verhältnis zurück in die fränkische Heimat. Einige Killer Devils waren jetzt schlicht nicht mehr in der Lage eine Schafkopf Langdistanz zu absolvieren, andere verzichteten, da sie die Einsicht ereilte, dass es langsam Zeit sei, mit dem Lernen für die Buchhaltungsklausur um 08.00 Uhr am nächsten Morgen zu beginnen. Du weißt ja, ich sage immer: lernen kann doch jeder, das ist nur was für Anfänger!

Insgesamt war es eine klasse Fahrt und wir freuen uns alle, dass nächstes Jahr zwei Touren dieser Art anstehen, wenn der Hamburger SV nach über 50 Jahren zum ersten Mal in die zweite Liga absteigen wird. Zum Schluss noch ein großer Dank an Andy für’s Fahren und der Appell an Geli, den Kiff für die nächsten Kietz-Ausflüge rechtzeitig fit zu bekommen!

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