Aufstiegsfeierei in Bukarest

von Andreas König

Die damalige Partie in der Quali für den UEFA-Cup in Bukarest gegen Rapid konnte ich leider nicht besuchen, somit fehlte mir die Stadt, das Land etc..
Als die Playoff-Auslosung kam und es für Rapid nach Bukarest gehen sollte, stand für mich schnell fest, dass ich dorthin fliegen muss. Leider gab es für den angepeilten Zeitraum nur für den Rückweg einen Direktflug von Bukarest nach Nürnberg, aber sich davon abhalten lassen??? Definitiv nicht! So wurde der Flug mit einem Umstieg inklusive Übernachtung am Flughafen in Cluj gebucht. Nach ein bisschen Zeit im Hummelsteiner Biergarten in der Südstadt ging es für mich schnellen Fußes gen Flughafen, an dem ich leicht verspätet aufgrund von Bauarbeiten ankomme. Leicht abgehetzt durfte ich feststellen, dass mein Flieger gen Cluj eine Verspätung von knapp zwei Stunden hat und somit weniger Zeit am Flughafen verdaddeln muss. Am Ende des Fluges dürfte ich der einzige Passagier gewesen sein, der sich über die Verspätung gefreut hatte. Ohne Schlaf, aber gut motiviert ging es für mich weiter gen Bukarest, um dort nach einem leckeren Frühstück inklusive frisch gepresstem Orangensaft Wiener Freunde zu treffen. Bei herrlichem Wetter konnte dann die Wohnung am Rande der Altstadt mit Blick auf den früheren Palast von Ceauşescu und dem heutigen Parlament aufgesucht werden. Immerhin ist es das zweitgrößte Gebäude der Welt.
Bei gemütlichem Essen und Bier wurde der erste Tag genossen. Es wurde nicht viel unternommen, aber die ersten Eindrücke der Stadt wurden gesammelt und diese waren durchweg positiv. Nach einem entspannten leckeren Abendessen und dem erneuten Ausscheiden Salzburgs aus der CL-Quali wurde der Abend bei regionalem Bier und Cocktails inklusive Palinka begossen. Aufgrund meines Schlafdefizits machte ich die Nacht jedoch nicht zum Tag, sondern verschwand zeitig in mein geräumiges Bett. Da die Wohnung im sechsten Stock war und die Fenster gut isoliert, hörte man keinen Verkehr o.ä. von den belebten und befahrenen Straßen zu unseren Füßen. Der Spieltag sah natürlich noch einmal ausgiebigeres Sightseeing vor, da der Vortag doch von den Anreisestrapazen etc. nur wenig Zeit gelassen hatte, um die Stadt intensiver zu erkunden.
Das erste Ziel unseres Spazierganges stellte dabei das Parlament dar. Nach vielen Fotos davor wurde das Gebäude geentert. Da eine Besichtigung nur inklusive einer geführten Tour möglich war, ließen wir davon ab und machten uns auf den Weg in die Innenstadt, um dort u.a. das habsburgerische Erbe zu besichtigen, welches v.a. in der Altstadt zwischen teilweise sehr heruntergekommenen Gebäuden doch noch sehr gut zu erkennen ist. Leider konnten wir einige der Gebäude nicht intensiver in Beschau nehmen, da uns sowohl die Zeit fehlte, aber es uns auch einfach teilweise nicht gestattet war einzutreten. Neben dem architektonischen Erbe musste auch die älteste Bierhalle der Stadt besucht werden. Diese war auch architektonisch eine Schau und das Erbe aus über 100 Jahren war zum Greifen nahe. Wir tranken dort andächtig unser Bier und ließen die Architektur und den historischen Geist, der die Hallen durchwehte auf uns wirken. Dabei zeigte uns auch ein Blick in den Reiseführer, welche Probleme die neue und gleichzeitig auch alte Eigentümerfamilie meistern musste, um wieder der „rechtmäßige“ Eigentümer der Halle nach dem Ende des Kommunismus werden zu können. Die Uhr tickte unaufhaltsam runter und wir wollten uns noch einmal mit griechischem Essen stärken bevor wir kurz in die Unterkunft gingen, um uns für das anstehende Spiel zu stärken und auszuruhen. Bei Bier, Musik und Geschichten bereiteten wir uns auf die kommende Partie vor. Zwar hatte Rapid das Hinspiel in Hütteldorf mit 3:1 gewonnen, aber Zuversicht und Souveränität strahlte die Gogoelf in dieser Saison bisher nicht aus. Beim Treffpunkt wurde auf die üblichen Vertreter gewartet und auch eine marginale negative Erfahrung mit einer lauwarmen Weißweinschorle gemacht, die einfach nicht so gut zu genießen war. Aber frohen Mutes ging es mit den Shuttlebussen gen Stadion. Wie international inzwischen üblich wurde uns erst das Kleingeld verwehrt, aber dann durfte es doch mitgenommen werden. Jedoch folgte die Mehrheit der Leute dem Vorschlag von UR das Geld für die Jugend und das Special-Needs-Team von Rapid zu spenden. Dass Feuerzeuge im Stadion nicht erwünscht sind, ist bekannt, aber dass ich auch meinen Kugelschreiber für meine Postkarten habe abgeben müssen, hat mich aber doch überrascht. So ging es motiviert in den Oberrang des Stadions, welches sich nach und nach füllte, aber der gesamte Bereich um uns herum blieb leer. Da das Spiel auch nicht einmal annährend ausverkauft war, gab es keine Probleme und Berührungsängste. Aufgrund der Struktur des Vereins, welcher vom Präsidenten nach der Pleite neu gegründet wurde und von den aktiven Fans mehrheitlich boykottiert wird und deren Fanverein supportet wird, war es die erwartbare kaum vorhandene Stimmung. Immerhin konnte eine Choreo das Stadion mitnehmen. Auch die Rapidler führten eine Choreo mit speziellen Choreoschals durch, welche ich sehr gelungen empfand. Leider konnte Rapid seine teilweise vorhandenen Chancen nicht umsetzen und kassierte demzufolge auch zwei Gegentore, die bedeutet hätten, dass die Reise auf internationalem Parkett vorbei ist, aber dank einer Willensleistung und der gütlichen Mithilfe der Heimmannschaft konnte noch das wichtige Auswärtstor erzielt werden, was zu fast nicht mehr enden wollenden Jubelstürmen führte. Dazu stieg auch der Geräuschpegel der Fans wieder an. Als der Abpfiff ertönte und es zu einer Blocksperre kam, hallten die Schlachtgesänge Rapids durch das sich schnell leerende Rund.
Mit den Shuttlebussen ging es zügig zurück in die Stadt und mit dem letzten Essen und ein paar Getränken bewaffnet wurde noch ein wenig gefeiert, aber auch zügig ins Bett gegangen, da es für manche schon zeitig zurück ging. Auch für mich hieß es im Laufe des Vormittags zu packen und mit einem HRCT-Shirt im Gepäck und vielen positiven Erinnerungen flog ich zurück in die Heimat, da die Woche bereits wieder rum war und das Wochenende, wie ein weiterer Bericht zeigen wird, wieder Rapid für mich parat hatte, aber das soll eine andere Geschichte sein.

Zurück