Auf der Suche nach dem Elch…

von Andreas König

Nachdem ich vorher in Tallinn war und gerade noch rechtzeitig auf der Fähre angekommen war, führte mich die Reise nach Helsinki. Jedoch musste sich nach dem kurzen Schlaf erstmal gestärkt werden, so führte mich mein Weg auf der Fähre in den BurgerKing, um mich zu stärken. Da die Fähre doch einiges zu bieten hatte und andere aus Nürnberg auch auf der Fähre waren ging es ins Pub ein paar Ebenen tiefer, um bei Livemusik am Vormittag ein Bier zu trinken. Zwar wurden „nur“ Coversongs gespielt, aber diese wurden richtig gut präsentiert. Natürlich habe ich mir dieses kleine Konzert angehört, wobei mir die Sänger echt leidtun, denn die Fähre fährt mehrmals täglich hin und her und immer das gleiche Programm abspulen, ist doch auf Dauer auch öde. Zum Abschluss gönnte ich mir noch einen Abstecher in den Bordeigenen Dutyfreeshop, aber preislich hatte mir da nichts zugesagt und da ich noch Dosenbier aus Estland dabei hatte, war ich auch erstmal nicht so stark daran gebunden. Wobei ich natürlich das Dosenpfand nicht mehr zurückgeben könnte.
Aufgrund des Regens entschied ich mich nicht zu Fuß zu dem Einkaufscenter zu laufen, sondern mittels Bim dorthin zu gelangen. Frisch gestärkt mit einem Kaffee erkundete ich das Center nach denen im Keller befindlichen Bushaltestellen für unseren Überlandbus von Onnibus gen Pori im Westen Finnlands. Mit ein bisschen Verpflegung u.a. in flüssiger Form bestehend aus Wasser und Bier nahm ich in letzter Sekunde auf meinem reservierten Platz in der ersten Reihe im Oberdeck Platz. Dank Steinschlag o.ä. hatte die Scheibe schon einige Risse, was bei mir ein ungutes Gefühl erzeugte, aber die Scheibe sollte halten. So fuhr der Bus aus Helsinki raus gen Westen und schon bald ging es durch die platte Landschaft mit den üblichen Warnungen vor Elchen, die ich auch hoffte zu erspähen, aber leider nirgends sehen konnte. Die allgegenwärtige finnische Schnellrestaurantkette „Hesburger“ gab es während unserer Zeit in Finnland an jeder Ecke oder an jedem Rastplatz. Teilweise sahen die architektonisch ansprechend aus. U.a. wie man alte McDonald’s Filialen aus Filmen kennt. Ohne große Überraschungen, aber mit vielen Haltepunkten, erreichten wir pünktlich Pori, um dort auch unser während des Tages angemietetes Zimmer in unmittelbarer Nähe zum Busbahnhof zu beziehen. Schnell das Zimmer bezogen und schon wurde sich auf dem Weg zum Stadion gemacht, da die Reservierung verfallen war und wir somit vor Ort noch schnell an Tickets für das fast ausverkaufte Spiel kommen mussten, was uns gerade noch gelungen ist. Zwischen vielen Kindern nahmen wir auf der Tribüne Platz. Als es bei 1860 noch um das internationale Geschäft und nicht um das Überlegen ging, spielten sie im UEFA- Cup 1997/98 gegen den FC Jazz Pori und gewannen den Vergleich am Ende mit 7:1. Auch Paris St. Germain trug sich als letzte international bekannte Mannschaft im UEFA Intertoto Cup 2001 in die Gästeliste des Stadions ein. Seitdem ging es hier eher um kleine Brötchen und um das nackte Überleben. Davon war heute aber nichts zu spüren. Eher die Kälte, die uns hier gefangen hatte.
Der bekannteste Spieler auf dem Platz dürfte dabei Bruun Larsen vom BVB gewesen sein. Aber auch auf Seiten der Finnen war ein prominenter Name mit Jääskeläinen zu finden. Natürlich nicht Jussi Jääskeläinen, der für Bolton Wanderers über 400 mal im Kasten stand, sondern sein Sohn Will. Leider musste dieser nach nicht einmal einer Viertelstunde hinter sich greifen, was auch kurz gesagt das Tor des Tages war. Denn trotz stetigem Bemühen konnte keine Mannschaft ein weiteres Tor erzielen.
Der Bierkonsum war nur in einem begrenzten Bereich möglich, sonst war es strengstens verboten aus diesem auch nur mit Bier in der Hand herauszugehen.
Da es keinen Glühwein, Grog o.ä. gab, wurde auf Kaffee zurückgegriffen und eine Wurst mit Senf gegessen, welche als regionale finnische Spezialität mir angepriesen wurde. Aber mich jetzt nicht so dermaßen vom Hocker riss, dass ich sie erneut essen wollen würde.
Um das regionale, wenn auch nicht gerade günstige Bier in einer Bar zu testen, bestand leider nur begrenzt Zeit, da es sowohl kaum Bars gab als auch diese zeitnah schlossen, so wurde nach einer Runde Bier noch ein örtlicher Kebabstand aufgesucht, um sich dort einen leckeren Kebabteller zu gönnen, um die Dosenbiere aus den verschiedenen Ländern auf dem Zimmer zu vernichten. Wobei das Pfand, welches wir bisher immer bezahlt haben, stehen blieb, da wir keine Möglichkeit fanden, dies abzugeben bzw. es auf unserer nächsten Tour mitzunehmen.
Am nächsten Morgen wurde der nächste Onnibus bestiegen. Dieser sollte uns an einem riesigen AKWkomplex vorbei gen Turku bringen, da wir dort das Länderspiel zwischen Finnland und Armenien besuchen wollten. Glücklicherweise konnte ein Kauf über den Gastverband abgewickelt werden, denn der Heimbereich war restlos ausverkauft.
Da wir doch sehr früh in Turku angekommen sind, haben wir uns erstmal auf den Weg zu unserer Unterkunft gemacht, welche über einem Reifenhändler lag. Das Airbnbzimmer war passend für die Nacht und am Kühlschrank hing u.a. auch ein Magnet aus Nürnberg. Manchmal ist die Welt echt klein. Da das Wetter in den letzten Tagen recht nass war, wurde zwar die Stadt erkundet und erlaufen, aber das nasse Laub ließ einen doch vorsichtiger sein, um nicht zu stürzen o.ä.. Bei dem Spaziergang durch die Innenstadt wurden auch die ersten Gästefans gesichtet, welche auf dem Vorplatz der örtlichen Kathedrale unter den Augen der Miliz kickten. Bei einem leckeren Bier und Burger in einem Pub wurde sich final auf das Spiel vorbereitet, um von dort zum Stadion zu marschieren. Leider fing es in der Zeit auch erneut an zu regnen. Was meine Zufriedenheit nicht gerade steigerte. So ging es zügigen Schrittes zum Gästeeingang und den dortigen Kontrollen, welche aufgrund des Gästebereichs intensiver gewesen sein dürften als beim Heimbereich. Kaum hatten wir den Sektor geentert wurde das Spiel angepfiffen und sowohl die Heim- wie auch Gästefans unterstützten mit Gesängen ihre Mannschaften. Da wir im armenischen Bereich waren, wurde dort natürlich diese Mannschaft unterstützt. Leider mussten sie auf ihren in Deutschland bekanntesten Armenier Henrikh Mkhitaryan, welcher aktuell im Dienste des AS Roms ist, verzichten. Auf Seiten der Finnen, welche sich am Ende der Qualifikation das erste Mal für ein kontinentalen oder interkontinentalen Wettbewerb qualifizieren konnten, spielte natürlich der Exschalker Teemu Pukki sowie Torwart Lukáš Hrádecký von Anfang an. Die Ausgangslage war eindeutig und seiner Favoritenrolle konnten die Gastgeber auch immer mehr nachkommen. Wobei selbst der Regen die Fans nicht vom singen abhielt, wobei ihnen die Mannschaft in nichts nachstand, aber zu Beginn konnten sich auch die Gäste immer wieder Chancen erspielten. Welche sie aber nicht nutzen konnten, womit auch die alte Fußballerphrase wahr wurde, dass du die Folgen in Form von Gegentoren dann zu tragen hast. So ging folgerichtig Finnland nach 30 Minuten mit 1:0 in Führung, was auch der Halbzeitstand war. Die Pukkifestspiele sollten erst in der zweiten Halbzeit stattfinden, denn nach 60 Minuten konnte der Nationalheld auf Vorarbeit von Joel Pohjanpalo auf 2:0 stellen, ehe er dann kurz vor Ende noch auf 3:0 erhöhte. Der Sieg war am Ende nicht mehr gefährdet und auch die Sangeslust ist den Gästen v.a. im zweiten Durchgang abhanden gekommen. Nach einer kurzen Blocksperre ging es u.a. über die Baustelle der Universität von Turku in unsere Unterkunft, wo noch das letzte Bier getrunken wurde und sich dann auch zügig ins Bett begeben wurde, da am nächsten Morgen die Heimfahrt anstand.
Gesagt getan, so standen wir rechtzeitig in der Frühe am Busbahnhof, um gen Flughafen Helsinki zu kommen. Ursprünglich dachten wir, dass wir ohne Umstieg durchfahren würden, was aber ein Trugschluss war, denn kurz vor Helsinki sollten wir den Bus verlassen und in den hinteren Bus umsteigen, welcher ohne Halt in der Innenstadt uns zum Flughafen bringen würde. Scheinbar sprachen die Busfahrer kein oder nur kaum Englisch und da meine Finnischkenntnisse inexistent sind, wurde mit Händen und Füßen kommuniziert, aber am Ende wurde der Flughafen rechtzeitig erreicht. Entspannt ging es gen Tegel, um am späteren Abend nach Nürnberg mit dem Zug zu fahren. Vorher wurden noch darmlose Currywürste in zwei unterschiedlichen Buden probiert und für gut befunden. Da das Wetter aber nicht so pralle war und wir noch Zeit hatten, wurde noch eine Bierwirtschaft gesucht. Mit der Hinterhofbrauerei Flessa hatten wir dann auch einen Jackpot, denn das Bier war vorzüglich und das Schnacken mit den Leuten der Brauerei etc. war einfach wunderbar entspannt. Mit ein paar Bier ausgestattet ging es mit der S-Bahn zum HBF und von dort entspannt mit dem ICE gen Nürnberg.
So war auch der Trip nach Lettland, Estland und Finnland Geschichte und die Sehnsucht nach neuen wärmeren Zielen gegeben. Wobei warten wir ab, wohin die Reise im kommenden Jahr geht.

Zurück