Auf den stolzen Spuren der KuK Monarchie

von Andreas König

Nach der WM ist vor der Bundesliga, aber die internationalen Qualifikationsrunden gibt es ja glücklicherweise auch noch.
So machte ich mich dank Wizzair direkt auf den Weg gen Budapest, um sowohl endlich mal Budapest zu besichtigen und zu erkunden als auch um endlich den Länderpunkt Ungarn zu machen. Da das erste Spiel außerhalb von Budapest stattfand, wurde sich ein Mietwagen organisiert, der uns durch die Straßen Budapests führen sollte. Frisch gestärkt nach dem Einchecken und einem kleinen Einkauf wurde sich auf den Weg nach Felcsút gemacht. Der Orban-Verein Videoton spielte gegen den luxemburgischen Vertreter F91 Dudelange, welche die Dosentruppe in der CL-Quali 2012 rausgeschmissen hatten. Die neue Puskás Akadémia Pancho Aréna ist jetzt keine Offenbarung, sondern eine rein zweckmäßig gebaute Arena.
Nach dem frühzeitigen Erwerb der Eintrittskarten wurde noch ein Eis konsumiert, um dann mit paprikagewürzten Kernen bewaffnet ins Stadion zu marschieren. Schließlich wollte man den Länderpunkt ohne eigenverschuldete Verspätung begehen v.a. da man direkt neben dem Stadion geparkt hatte. Im Stadion zeigte sich auch gleich, dass es keine Gästefans aus Luxemburg in das Rund in Ungarn geschafft haben und der Gästeblock somit leer blieb. Einen organisierten Support habe ich zumindest bei diesem Spiel nicht wirklich erlebt. Das Spiel war zwar gut besucht, aber Gesänge o.ä. hallten nicht durch das Rund. Der Gästetrainer Dino Toppmüller ließ mit Marc-Andre Kruska und Dominik Stolz unter anderem zwei Landsleute auflaufen, die versuchten dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken und auch immer wieder das Offensivspiel ihrer Mannschaft ankurbeln während bei den Gastgebern Szabolcs Huszti die Fäden im Spiel zog. Die Gäste agierten gefühlt gefälliger, aber nutzten ihre Chancen nicht. Dies hatte zur Folge, dass Damir Lazović die Führung für die Heimmannschaft erzielte, was das Hinspielergebnis obsolet machte. Es ging hin und her, aber keine Mannschaft konnte ihre teilweise sehr guten Chancen nutzen und so ging es mit dieser knappen Führung in die Halbzeit. Das Stadion strahlte eine Sauberkeit und Ruhe aus, welche man nur sehr selten im Fußball findet. Die Toiletten waren rein und auch in genügender Anzahl vorhanden, was auch nicht immer selbstverständlich ist. Mit diesem positiven Gefühl und einer Hoffnung auf mehr Tore etc. ging es in die zweite Halbzeit. In dieser konnte sich der 10er Dominik Stolz, der Ex-Spieler vom TSV Windsbach, leider nicht in die Torschützenliste eintragen. Das wäre echt was gewesen. In der 54. Minute gelang den Luxemburgern aber dennoch der viel „umjubelte“ Ausgleich, welcher leider nur kurzen Bestand hatte, denn in 58. Minute führten die Gastgeber erneut. Dies sollte dann auch bis zum Abpfiff Bestand haben. Zwar fielen keine Tore mehr, aber es war noch genügend Gift und Motivation in der Partie, da es schließlich um das Weiterkommen im internationalen Geschäft ging. Zwar sollte der Verlierer sich weiter um die Europa League bewerben können, aber Champions League ist doch interessanter. Somit nahmen die Nickligkeiten zu und in der Nachspielzeit gab es für eine klare Tätlichkeit durch den Franzosen Bryan Mélisse noch einen Platzverweis für die Gäste. Da es bei einer Zuschaueranzahl von knapp über 2500 Zuschauer kaum Probleme gab, ging es zügig zurück in die Hauptstadt und zum gekauften überwachten Parkplatz. Nur wurde dieser kurz nach 23 Uhr erreicht und war somit für den Tag geschlossen, aber in einer Nebenstraße wurde ein Parkplatz gefunden, welcher für die Nacht über ausreichte. Die Erkundung Budapests stand am nächsten Tag auf dem Plan und bei wunderbaren Wetter wurden verschiedene Wahrzeichen der Stadt bewundert inklusive dem obligatorischen Besuch im örtlichen Hard Rock Café ;-) Dabei wurde auch die Tramlinie 2, welche schon seit über einem Jahrhundert entlang der Donau und vorbei am Parlament verkehrt, genutzt. Ein weiteres Highlight neben dem Blick über die Stadt bildete die von der kuk Monarchie entwickelte und gebaute M1, deren Bahnhöfe noch im originalen Stile der vorletzten Jahrhundertwende ist. Alle Haltestellen sind mit Wandfließen gestaltet und auch die Züge sind deutlich kürzer. Auch wenn die Distanz zwischen den Haltestellen kürzer ist, ist die Fahrt mit dieser historischen U-Bahn ein wirkliches Erlebnis. Sie kreuzt sich auch nicht mit den anderen Linien o.ä.. Aber natürlich stand noch ein zweites Spiel auf der Reise in die zweite Hauptstadt des versunkenen Habsburgerreiches auf dem Plan. Wobei natürlich auch die Kulinarik nicht zu kurz kommen durfte. Das hierbei besuchte all-you-can-eat Restaurant war dabei wirklich erste Sahne, da die Qualität der Speisen wirklich gut waren. Hierbei gilt auch ein Dank an die Vermieterin, die dieses Lokal vorgeschlagen hatte.
Videoton bildete bei den Spielen in der Region Budapest in der CL-Quali nur die zweite Wahl, aber da Honved unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wurde, gab es keine Möglichkeit, dieses Spiel zu besuchen. Aber nach der CL-Quali gab es auch noch die EL-Quali. In dieser spielte Ujpest Budapest gegen Neftçi Baku. Nach einem 3:1 Heimsieg sah es für den geneigten Zuschauer so aus, dass es für aserbaidschanischen Gästefans aus der Hauptstadt weiter in Richtung Europa gehen könnte.
Die Farbe Lila und auch noch die Wappennähe zur Austria aus Wien bereiteten mir durchaus Bauchschmerzen, aber das waren fast die einzigen Probleme. Statt Auto ging es dieses Mal in die Arbeitergegend mit dem Bus, was auch problemlos gelang und nach einem kleinen Happen bei einem nahen Bäcker wurden wieder die ähnlichen Kerne wie bei Videoton gekauft, wobei die beim ersten Spiel nicht so trocken waren. Ujpest war auch mit ihrer Szene im Stadion und fiel durch Gesänge, Fahnen etc. auf, aber auch hier war das Stadion mit knapp über 3000 Zuschauer nicht annährend ausverkauft. Der Heimmob feuerte seine Mannschaft kontinuierlich an und die Gäste konnten nur durch ihre Zaunfahnen und die Leere um sie herum erspäht werden. Im ersten Spiel meiner Reise kannte ich noch einige Spieler, aber bei diesem Spiel, welches Ujpest von Anfang an dominierte, kannte ich niemanden. Der Ordnungsdienstcapo war auch recht cool drauf: Es gab immer wieder herausgebrochene Sitze, welche er einsammelte und in eine Art Pufferblock schmiss. Die Überlegenheit auf dem Spielfeld wurde durch zwei Tore innerhalb weniger Minuten in der ersten Halbzeit auch auf die Habenseite umgemünzt. Leider konnte die Gästemannschaft unter ihrem italienischen Trainer auch in der zweiten Halbzeit ihre Chancen nicht in Tore ummünzen. Dies wäre für die Spannung sicher positiv gewesen. Wobei ich keine Verlängerung haben wollte, da ich sonst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu meiner Airbnbwohnung gekommen wäre. Aber diese Befürchtung sollte sich als unbegründet erweisen, da die Heimmannschaft noch zwei Tore nachlegte und spätestens da war der Widerstand der Gäste gebrochen. Somit zog Ujpest mit einem ungefährdeten Heimsieg in die nächste Runde, aber sollte sich schließlich nicht für das internationale Geschäft qualifizieren. Schnellen Schrittes ging es an einigen Betrunkenen vorbei in Richtung Bus und dank dessen Pünktlichkeit, welche durch einen kurzen Polizeieinsatz zur Fantrennung beeinträchtigt wurde, erwischte ich noch die letzte U-Bahn zu mir in die Unterkunft.
Aber auch nach diesem Spiel und dem Checkout am nächsten Tag inklusive einem entspannten Mittagessen und Aufenthalt im größten Bahnhofs Budapest ging es mit dem Railjet gen Wien. Natürlich musste neben Budapest auch noch die ursprüngliche Hauptstadt der Donaumonarchie inklusive der Freunde besucht werden. Hierbei belassen wir es dabei, dass das was in Wien passiert, in Wien bleibt ;-) Auf jeden Fall war das Balkanessen zur Vorbereitung inklusive Palinka als Beilage eine gute Basis, um auf eine Rock- und Metalparty im Wiener U4 den Abend und die Nacht ausklingen zu lassen. Dass dabei nicht alle Partygäste zur gleichen Zeit heimgekommen sind, versteht sich von selbst. Aufgrund der Verspätung des Zuges am Vortag und der Faulheit sich zu sputen u.ä. wurde am Vortag Karabakh Wien ausgelassen und es sollte am Samstag nur in den zehnten Bezirk gehen. „Zufälligerweise“ musste an der U-Bahnhaltestelle altes Landgut in Sichtweite vom Stadion des Verteilerkreises umgestiegen werden. Kurze Schmähungen in deren Richtung kamen einem dabei natürlich über die Lippen. Denn in Wien nur Rapid! Die erste Runde des Cups führte zu der Begegnung Wiener Linien gegen Wacker Innsbruck. Leider meinte es der Wettergott nicht komplett gut mit uns und so fing es mitten in der ersten Halbzeit an zu regnen. Aber bei einem leckeren Plescavica und Bier ließ es sich im Bierzelt mit Blick auf das Spiel gut aushalten. Dabei hielt der Regionalligist gegen den Erstligaaufsteiger sehr gut mit und konnte das Spiel sehr offen gestalten. Meine Sympathien hatte dabei eindeutig der Underdog, dem ich ein Weiterkommen durchaus gewünscht hätte. Der Gastgeber konnte innerhalb kurzer Zeit die zweimalige Gästeführung vor der Halbzeit egalisieren und erzielte sogar das 3:2 Führungstor, welches ihm wegen einem angeblichen Foul aberkannt wurde. Rund um die 60. Minute ging der Gast in Führung und konnte auf dem schlechten teilweise auch sehr nassen Geläuf die Führung über die Zeit bringen. Da der Regen auch zugenommen hatte, war die Partie in der zweiten Halbzeit unter den professionellen Traineraugen der Austria etc. kein Augenschmaus. Es gab eine „Tribüne“ mit ca. fünf Stufen und einem abgetrennten Gästebereich, was für ein Cupspiel in der ersten Runde gereicht hätte, aber in Deutschland würde auf so einem Platz inzwischen kein DFB-Pokalspiel mehr ausgetragen werden. Was ich persönlich leider schade finde, denn von solchen Grounds lebt der Fußball. Nicht die großen modernen Arenen sorgen für eine heimelige Atmosphäre in meinen Augen, sondern individuelle Klasse und bei einem Pokalspiel sollte auch möglichst auf dem Sportplatz o.ä. des Gastgebers gespielt werden.
Nach einem leckeren und süffigen Ausklang im Gürtelbräu und Papperlapp bei Bier und Haselnuss ließ man es am nächsten Tag ruhig angehen und sparte sich das Spiel der Verteilerkreiskicker aufm Sportclubplatz. Leicht angekatert und trotzdem glücklich ging es dann mit dem Zug zurück nach Nürnberg.
Neben dem neuen Länderpunkt bleibt die Quintessenz „RAPID WIEN UND DER FCN!“
Dass es noch weitere Besuche in Wien bzw. Fahrten mit Rapid Wien geben wird, ist eh kloar. Auch wenn es teilweise Oarschpartien sein werden, aber dies kennen wir aus Nürnberg genauso.

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