Auf den Spuren von Heiligen und neuzeitlichen Gladiatoren

von Andreas König

Da Neapel und Rom aktuell noch nicht von Nürnberg per Flieger zu erreichen sind, ging es mit dem ICE gen München. Aus den prophezeiten zehn Minuten zum Flughafen sind natürlich eher vierzig Minuten geworden, da es ja doch keinen Transrapid in München gibt. Am Flughafen waren neben einigen Sechzigfans natürlich auch Fans von Besiktas Istanbul. Nach einem entspannten Flug und dem einchecken in dem kleinen B&B in der Altstadt wurden im örtlichen Boxoffice die Tickets für die beiden anstehenden Spiele – SSC Neapel vs. Besiktas Istanbul und AS Roma vs. Austria Wien – gekauft.
Nach einer Pizza Margherita bei Da michele wurden noch ein paar Bier am Piazza Bellini konsumiert. Auf dem Rückweg wurde noch ein Stopp in einer kleinen Bar gemacht, dabei lernten wir einen Sowjetbürger kennen, der meinte, dass sein Herkunftsland aktuell besetzt sei. Vor dem abendlichen Spiel wurde weiter Sightseeing u.a. im Untergrund von Neapel betrieben und natürlich durfte auch die Promenade nicht fehlen, an der bei schönem Wetter entlang flaniert wurde. Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es voller Vorfreude in Richtung U-Bahn.
Das Stadion in Neapel trägt den Namen San Paolo und liegt der Sage nach auf dem Flecken Erde den der Apostel Paulus als erstes in Italien betreten haben soll und gleichzeitig im Vorort Fuorigrotta ("Hinaus aus der Grotte"). Gestärkt mit einem Kaffee Borghetti und einem Bier ging es in das riesige Rund, welches am Ende nur von knapp über 28.000 Leuten besucht wurde, was u.a. auch an den deftigen Eintrittspreisen liegen dürfte, denn unter 30 € gab es keine Karte. Am Ende war nicht einmal die Hälfte der Plätze belegt, da u.a. auch der Unterrang immer leer bleibt. Mein Platz sollte eigentlich an sich fast an der Mittellinie sein, aber am Ende gab es freie Platzwahl und so saß ich dann am Ende fast neben der Südkurve. Beide Kurven – Nord und Süd – verzichteten auf Choreographien.
Das Spiel verlief teilweise wie beim Club, denn Neapel machte fast immer das Spiel, aber es unterliefen ihnen teilweise haarsträubende Fehler. So z.B. Jorginho vor dem 1:2, der einen viel zu kurzen Rückpass spielte. Auch die circa 17 Ecken sprachen für den SSC Neapel, aber in den entscheidenden Phasen war Besiktas einfach die clevere Mannschaft.
An sich hatte ich mir ein volleres Stadion gewünscht und auch nach der Lektüre des Buches von Oliver Birkner "Eines Tages im Mai: Die Geschichte des SSC Neapel" und den vielen angeschauten Videos, habe ich einfach eine höhere Erwartungshaltung an den Support gehabt.
Mit dem zweiten Elfmeter konnte Neapel zwar ausgleichen, aber belohnte sich am Ende nicht, da sie wieder in der Defensive sehr schlecht standen und ein Gegentor kassierten und daher am Ende 2:3 verloren. Um das Spiel herum blieb es relativ ruhig, jedoch mussten die Gästefans noch etwas länger im Block bleiben.

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Schnellzug nach Rom zum nächsten Kick. Das EuroLeague-Spiel zwischen der Roma und Austria Wien stand auf dem Programm. Die Übernachtung fand in Sichtweite des Stadions statt und wir hatten in dem kleinen Restaurant auch noch 10% Rabatt. Aber zuerst wurde erneut Rom unsicher gemacht. Aus Wien waren knapp 2000 Fans angekündigt und bei einem Rundgang durch den historischen Teil der römischen Innenstadt sind einem diese in mehreren Gruppen immer wieder über den Weg gelaufen. Nach einem leckeren Kaffee und einem Eis ging es zurück in die Unterkunft, um sich bei römischen Spezialitäten und Craftbeer auf das anstehende Spiel einzustimmen.
Im Vergleich zum Vortag gab es diesmal weit strängere Kontrollen. Am Ende wurde jeder Zuschauer mehrmals von Ordnern und Kräften der Polizei gecheckt. Einen Mehrwert konnte ich hierbei nicht erkennen, aber es war eine neue Erkenntnis.
In den Tagen rund um diesen Stadionbesuch habe ich mir in verschiedenen Artikeln (u.a. http://www.altravita.com/totti-de-rossi-und-florenzi-zur-curva-sud.php) die traurige Situation in der Curva Sud verdeutlicht. Dabei schwang natürlich auch die Angst im Hintergrund mit, dass ich mir ggf. mit einem Fehlverhalten – falscher Platz – ein SV o.ä. einhandeln könnte. Nach der Suche des Platzes der sich nahezu an der Brüstung zu einem Ausgang der Kurve befand, stieg doch ein wenig die Vorfreude, denn ich konnte mein persönliches Idol Francesco Totti erneut live erleben. Am Ende ist er mit einer Distanz von knapp 5 Metern an mir vorbeigelaufen. Für ein gemeinsames Foto stellte sich diese Distanz als zu groß heraus, aber einem meiner Idole so nah zu kommen, war eine unbeschreibliche Situation.
Die Austrianer hatten eine kleine Choreographie bestehend aus Vereinsfarben und einer kleinen Blockfahne vorbereitet. Zusätzlich wurde diese Choreo mit ein bisschen Rauch und weiteren Pyroelementen untermalt. Durch die bauliche Teilung in der Kurve gab es selbstverständlich keine Choreo, aber es verloren sich auch nur knapp 18.000 Zuschauer in das an die 70.000 Zuschauer fassende Rund. Dass die EL in vielen Ligen und bei den Vereinen keinen hohen Stellenwert hat, ist bekannt, aber es ist doch immer wieder enttäuschend, wie gering der Zuspruch ist. Natürlich liegt es auch an den Eintrittspreisen und Regularien, die die Fans veranlassen, nicht ins Stadion zu gehen.
Der erste richtige Angriff der Austrianer führte auch leider zu einem Tor, was jedoch wie eine Art Initialzündung angesehen werden kann, denn praktisch im Gegenzug sorgte der kleine Pharao Stephan El Shaarawy für den umjubelten Ausgleich. Leider musste das Spiel kurz danach für einige Minuten unterbrochen werden, da sich Robert Almer bei einer Rettungstat schwer am Knie verletzte. Nach der Unterbrechung ging die Vorstellung vom Pharao weiter und er drehte das Spiel vor der Pause. Von der ersten Minuten an zeigte Totti seine ausgesprochene Spitzenklasse. Es war einfach ein Traum diesen Fußballer spielen zu sehen. Die Krönung bildete die Außenrissvorlage in den Lauf von Florenzi zum 3:1, da war natürlich der Jubel groß. Leider konnten die Veilchen das Spiel noch zu einem 3:3 drehen und feierten dies wie einen Sieg, was bei zwei Toren kurz vor Ende auch verständlich ist. Leider wurde u.a. kurz vor Ende noch ein Tor wegen Abseits nicht gegeben, sonst wäre es ein Heimsieg gewesen.
So bleiben am Ende zwei Spiele mit elf Toren, aber v.a. das zweite Spiel fühlte sich für mich eher wie eine Niederlage an.
Am nächsten Tag ging es nach einem leckeren abschließenden Essen in Trastevere mit dem Flieger zurück ins trübe Deutschland und mit dem Zug aus München schließlich nach Nürnberg.



  

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