Alle Wege führen nach Verona - There is no world without Verona walls

von Andreas König

Begonnen hatte der Trip mit der Fahrt des Schnellzugs nach Florenz, um sich an einem Donnerstagabend das Spiel zwischen der heimischen Fiorentina und Tottenham Hotspurs in der Europa League anzuschauen. Nach einem kleinen Spaziergang in der Gegend vom Stadion ging es knapp eine Stunde vor Anpfiff ins altehrwürdige Stadion „Artemio Franchi“ in die Heimkurve. Alle Zaunfahnen waren falsch herum aufgehängt und die verschiedenen Ultragruppierungen kamen erst verspätet ins Stadion - wohl aus Protest gegen irgendetwas. Aufgrund der Uhrzeit und des Tages war das Stadion nicht ansatzweise ausverkauft, jedoch waren auch einige Fans von Hellas Verona im Stadion, die eine Fanfreundschaft mit den Fans vom AC Florenz pflegen.
In der ersten Halbzeit war Tottenham, deren Gästebereich nahezu ausverkauft war, mehr am Drücker und spielbestimmender. Dabei haben sie sich auch mit dem Führungstor per Elfmeter belohnt. Nach dem Betreten des Stadions durch die Ultras wurden von Ihnen auch verschiedene Fahnen geschwenkt und es wurde auch immer wieder gesungen. Die Gesänge waren aber nicht sehr abwechslungsreich und lange. Sie waren klassisch und auf die eigene Mannschaft mit Gesangseinlagen wie Firenze oder Forza Firenze bezogen.
In der zweiten Halbzeit hatte Florenz mehr vom Spiel, aber es gab dennoch erstmal ein nicht gegebenes Abseitstor für Tottenham. Ein abgefälschter Schuss von Bernadeschi sorgte für den Ausgleich. Danach war Florenz weiter am Drücker, konnte aber nicht mehr treffen, obwohl sie teilweise aussichtsreiche Chancen hatten.
Leider waren trotz eines internationalen Wettbewerbes nicht immer die besten Spieler auf dem Platz, was wohl unter anderem damit zusammenhängt, dass die Reputation der EL nicht sehr hoch ist. Am Ende ist das Ergebnis mit einem 1:1 aber gerecht und der Abend endet mit der Vorfreude auf das anstehende Derby in Verona.

Am Samstag ging es mit dem Zug nach Verona, um nach einem Spaziergang und dem ein oder anderen Spritz sich auf den Weg in die Gegend um das Stadion aufzumachen. Das Wetter sollte einen an dem Tag auch keinen Strich durch die Rechnung machen, denn die gesamte Zeit schien die Sonne und bei knapp über 10 Grad konnte man den kommenden Frühling praktisch schon spüren. Wie immer waren auch wieder Fans aus Kaiserslautern in der Südkurve in Verona anwesend. Am Ende hat Hellas Verona den zweiten Saisonsieg mit einem 3:1 eingefahren, aber alles nacheinander:
Große Choreographien waren nicht zu erwarten, da die Fans von Chievo Verona nicht so zahlreich sind und die Fans von Hellas Verona hatten nichts vorbereitet, nicht einmal Spruchbänder oder dergleichen. Leider wurden bei der Aufstellung die ersten rassistischen Rufe wie "Affe" laut. Diese Rufe dauerten die gesamte Partie an und wurden teils auch noch mit Affenlauten betont. Dies hat mich v.a. in der Lautstärke und der Penetranz ziemlich geschockt, da es alle Altersschichten waren, die sich zu diesen Gesängen haben hinreißen lassen.
Das Spiel hatte alles was ein Derby ausmacht. In der ersten Halbzeit war Hellas die spielbestimmende Mannschaft und ging durch einen Elfmeternachschuss durch den ewigen Luca Toni in Führung. Nach der Pause wachte plötzlich Chievo Verona auf und drückte auf den Ausgleich. In dieser Phase fiel das 2:0 für Hellas Verona durch Pazzini. Plötzlich wird ein Spieler von Chievo im Strafraum gehalten und der Übeltäter Moras hatte bereits gelb, also spielte Hellas nur noch zu zehnt und durch den verwandelten Elfmeter durch Pellissier war Chievo wieder im Spiel v.a. da sie einen Spieler mehr auf dem Platz hatten. Dies änderte sich aber kurz danach, da Spolli bereits im Rahmen des Elfmeters in der ersten Halbzeit eine Gelbe Karte erhalten hatte nun zum Duschen geschickt wurde. Damit war das Spiel wieder offen v.a. da Hellas in der Abwehr alles andere als eine bella figura machte. In der Nachspielzeit erzielte Ionita das vielumjubelte 3:1 für Hellas. Die Fans von Hellas sangen im Anschluss ausdauernd „Nessuno nessuno vafanculo“. Wer das versteht, merkt sofort, dass sie vom Stadtteilverein Chievo Verona relativ wenig halten...
Ergo war es ein rassiges Derby mit aggresiven Zweikämpfen auf dem Platz, aber auf den Rängen nicht immer schöne Gesänge. Die Fans von Chievo wurden dabei kontinuierlich niedergesungen, was natürlich u.a. damit zusammenhängt, dass sie Gäste waren und grundsätzlich keine große Tifoseria haben.

Nach dem Derby ging es am Tag darauf gemäß Shakespeare in die Verbannung nach Mantua. Dort stand als Abschluss noch die Partie in der Lega Pro zwischen Mantua FC und Cuneo Calcio an. Dabei traf der Tabellensechszehnte auf den Tabellenzwölften aufeinander. Nachdem ich nach einer frühzeitigen Anreise noch ein bisschen Zeit hatte, habe ich die Sonne genossen, die sich wie am Vortag von ihrer besten Seite zeigte. Nach dem Erwerb des Tickets für die Heimkurve ging es in das Stadion Danilo Martelli. Benannt ist dieses Stadion nach einem Spieler, der zum Team von Grande Torino gehörte und bei dem verhängnisvollen Flugzeugunglück von Superga, einem Berg in der Nähe von Turin, ums Leben gekommen ist. Im Zusammenhang mit dem Aufstieg in die Serie B im Jahr 2005 musste der AC Mantova die Zweitliga-Auflagen erfüllen. Dafür wurde u.a. in einer Kurve hinter dem Tor eine hochaufragende Stahlrohrtribüne aufgestellt, wie auf den beigefügten Fotos zu sehen. Die Fanszene von Cuneo ist nicht sehr groß und reiselustig, daher war es auch nicht verwunderlich, dass aus Cuneo keine Gästefans angereist sind.
Die Heimkurve war mittelprächtig besucht, wobei es auch eine kleine Gruppe Ultras gab, die kontinuierlich Gesänge angestimmt haben. Diese kamen mir inzwischen bekannt vor und drehten sich v.a. um den Verein und den herbeigesehnten Sieg. Zu Beginn gab es auch ein wenig Rauch und es wurden ein paar Schwenkfahnen herausgeholt, die auch kontinuierlich geschwenkt wurden. Alles in allem eine ganz nette kleine Schar an Fans, die da für Stimmung sorgten, es aber nicht vermochten, die gesamte Kurve zum Mitsingen zu animieren.
Recht früh ging Mantua in Führung und diese hätten sie sogar ausbauen können. Sie schafften es aber nicht, ihre Gelegenheiten zu Ende zu spielen bzw. den Ball im Tor unterzubringen. Cuneo kam nur selten gefährlich vor das Tor, so dass auch in der zweiten Halbzeit das Spiel mehrheitlich von Mantua bestimmt wurde. Und so kam es, dass Mantua nachlegen konnte und am Ende das Spiel auch verdient mit 2:0 gewonnen hat.

Nach der Rückfahrt nach Pavia ging es am nächsten Tag zum Spiel des Ruhmreichen nach Düsseldorf, aber das ist eine andere Geschichte, die inzwischen auch schon wieder Vergangenheit ist.

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