A roadtrip trough the italian countryside

von Andreas König

Die erfolgreiche Saison des Ruhmreichen wurde bekanntlich mit dem Aufstieg, aber nicht der Meisterschaft, gekrönt. Die Niederlage noch nicht final verdaut ging es für mich mit dem irischen Ferienflieger gen Bergamo: Die übliche Destination für meine Reisen in Oberitalien. Die Abholung und das Auffinden meines Mietwagens gestaltete sich aufgrund einer entfernteren Abhollocation etwas langwieriger, aber klappte am Ende auch.
Der geneigte Leser kennt auch die erste Zieldestination eines fast jeden meiner Italientrips. VERONA. Nach einer sportlichen Einlage checkte ich in meine Unterkunft für die nächsten Tage ein und ich ließ den Abend mit dem EL-Finale ausklingen. Nach einer Pizza und dem üblichen Besuch im Goethezentrum bummelte ich ein wenig durch die Stadt und wurde Opfer eines kleinen norditalienischen Platzregens. Diesem trotzte ich mit ein paar Gläsern Weißwein und nach dem Ende ging es zurück in die Unterkunft und einem chilligen Abend mit der Relegation. Freitag schaute ich nochmal an verschiedenen Orten vorbei bevor es für mich endlich wieder hieß: Livefußball. Mein Ziel war die toskanische Stadt Empoli, denn der dortige Zweitligist sollte an diesem letzten Spieltag Zweitligameister werden und somit nach einer einjährigen Abstinenz seine Rückkehr in die Serie A feiern.
Den heutigen Gegner AC Perugia hatte ich Ende letzten Jahres bei ihrem Pokalauftritt in Udine gesehen, welchen sie leider sehr deutlich verloren hatten. Vor diesem Spieltag standen sie auf dem 8. Tabellenplatz, welcher der letzte Platz für die Relegation wäre. Diese sollten sie nach diesem Spiel auch erreichen. Gleich die erste Chance der von Alessandro Nesta trainierten Gegner saß und sie gingen nach nicht einmal zwei Minuten in Führung. Zu dieser Zeit war die Hauptgruppe der Gäste noch nicht im Stadion. Trotz dieser Führung spielte nur der Gastgeber, die von ihren Fans auf der Gegentribüne immer wieder nach vorne gepeitscht wurden. Trotz bester Chancen wurde in der Mitte der ersten Hälfte getroffen, aber der Schiri gab das Tor zu Recht nicht und so dauerte es bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit bis der mehr als verdiente Ausgleich erzielt werden konnte. Mit diesem Ergebnis ging es in die Kabinen und ich freute mich nach dem Spaziergang durch die Altstadt auf die zweite Halbzeit. Einer der älteren Brüder von AC Milans Torhüter Gianluigi Donnarumma – Alfredo – erzielte das letzte Saisontor für den FC Empoli und besiegelte damit den Heimsieg für den frisch gebackenen Meister. Mit 37 Jahren wurde u.a. der Ex-Romanista Matteo Brighi eingewechselt, der mit der Roma 2007/08 den Coppa Italia gewonnen hatte.
Perugia blieb am Saisonende trotz der Niederlage auf Platz acht in der Tabelle und spielt am 03. Juni bei Venezia FC um den Aufstieg.
Mit Abpfiff wurde mit den Fans und der Mannschaft gefeiert und das Siegerpodest aufgebaut. Dieses Spektakel konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Jeder einzelne Spieler wurde zu „We will rock you“ auf die Bühne gebeten und wurde geehrt. Als letzter Spiel betrat der Kapitän die Bühne reckte unter Konfettiregen die Trophäe in den abendlichen toskanischen Himmel. Die gesamten Feierlichkeiten wurden natürlich immer wieder von bengalischen Feuern untermalt, was immer wieder ein schönes Bild gab. Jedoch waren die Feierlichkeiten mit der Pokalübergabe noch nicht abgeschlossen und es sollte in der Innenstadt auf dem zentralen Platz weitergehen. Dort schaute ich noch kurz vorbei, machte mich jedoch dann zeitig auf den Rückweg, da ich am nächsten Tag einen Doppler in Florenz und Livorno hatte und aktuell noch keine Karten für die beiden Spiele hatte.
Nach dem Checkout aus meinem kleinen BB machte ich mich mit dem Auto zum ersten Spiel des Tages. Während der Fahrt habe ich dank ein paar Umwege herausgefunden, wie schmal Straßen sein müssen, um nicht mehr durchzukommen, aber der Franzose hat alles Schrammenfrei überlebt. Aufgrund meiner frühen Anreise erkundete ich die Umgebung des Stadions und machte mich, da ich noch ein wenig Zeit hatte, mit dem Bus auf den Weg ins centro città von Florenz. Ausgerüstet mit dem üblichen neuen Hard Rock Café Shirt und gestärkt durch einen leichten Imbiss inklusive Hauswein fuhr ich zurück zum Stadion. Die Fans der beiden Finalgegner des Coppa Italia Serie D sammelten sich immer mehr vor dem Stadion und es gab auf der Tribüne auch eine Fantrennung. Wie in der Serie D üblich, mussten auch keine Daten abgegeben werden.
Die Fans des in der Nähe liegenden San Donato Tavarnelle und des im Veneto liegende Campodarsego nahmen auf den jeweiligen Seiten der Tribüne Platz. Im Vorhinein habe ich ein bisschen im Internet geschaut und mir von San Donato ein paar Eindrücke verschaffen können. Am Einlass hätte ich auch noch einen Schal haben können, aber da ich mich neutral verhalten wollte, habe ich diesen abgelehnt. Zum Einmarsch der beiden Mannschaften veranstalten die Fans der Gastgeber aus San Donato eine kleine Rauchshow in ihren Vereinsfarben blau und gelb. Dabei wurde auch ein Rauchkörper über den Zaun an den Spielfeldrand geworfen. Was passiert als Fotografen etc. vorbeigehen??? Nichts, die interessieren sich nicht dafür und machen einfach ihre Arbeit.
Beide Seiten versuchten ihr bestes und erspielten sich bei schönem Wetter auch die ein oder anderen Chancen und die ausverkaufte Tribüne fiebert mit den Teams mit. Dabei ist die Tribüne bis auf die Stufen mit Zuschauern gefüllt. Trotz guter Chancen, wobei die Heimmannschaft ein leichtes Übergewicht hat, geht es torlos in die Halbzeit. Mit der Zeit schwanden die Kräfte und die Fehler wurden mehr, jedoch konnten die Gastgeber ihre teilweise vorhandene Überlegenheit nicht in Tore ummünzen, so dass nach der regulären Spielzeit das Elfmeterschießen entscheiden musste und die „Gäste“ hierbei das glücklichere Ende für sich hatten und mit 5:4 den Cup gewinnen konnten.
Leider ohne die Siegerehrung mitnehmen zu können, ging es für mich mit dem Auto in das „traumhafte“ Livorno. Dort stand das zweite Spiel des Supercoppa Serie C zwischen den drei Gewinnern der jeweiligen Staffeln. In der Gründungsstadt der kommunistischen Partei Italiens ist die Fanszene traditionell sehr links eingestellt. So war es in früheren Zeiten nicht unüblich Stalin-, Ho Chi Minhdoppelhalter o.ä. in der Kurve zu sehen. Neben dem Gründungsort der PCI, welche v.a. durch die Hafenarbeiter gefördert wurde, ist Livorno nur noch für eine Raffinerie und den großen Hafen bekannt, denn mehr gibt es hier wirklich nicht zu sehen.
Dieselbe politische Haltung inklusive einer Verurteilung zu 30.000 € durch den italienischen Verband wegen des kommunistischen Gruß hat der Liebling der Livornofans Cristiano Lucarelli. Die verhängte Geldstrafe ist deutlich höher gewesen als die 10.000 € Geldstrafe für Paulo di Canio und seinen faschistischen Gruß. Seine Rückennummer 99 ist eine Reminiszenz an die Brigate Autonome Livornesi, welche 1999 gegründet wurden und lange Zeit die führende Gruppe in der Heimkurve waren. Diese Gruppierung ging 1999 unter anderem aus der damals verbotenen Armata Stalinista und anderen Ultrà-Gruppen Livornos hervor, um die Kräfte zu bündeln. Dabei wurde sie u.a. auch von der Mitte-rechts Regierung unter der Führung von Silvio Berlusconi unter Druck gesetzt. Wer sich mehr mit der Geschichte des Vereins auseinandersetzen möchte: http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/as-livorno-aufgeblueht-wie-ein-bolschewik-beim-klassenkampf-1305590.html
Die Begegnung zwischen AS Livorno und US Lecce sollte an diesem Tag mein zweites Spiel werden. Die Gastgeber gaben gleich Vollgas und erzielten nach nicht einmal fünf Minuten die frühe Führung und bauten sie in diesem teilweise sehr schön anzusehenden Spiel bereits nach 18 Minuten auf eine „beruhigende“ 2:0 Führung aus. Die Gäste aus dem schönen Salento, von denen Teile der Szene erst später kamen, konnten kurz danach noch verkürzen. Leider gelang Ihnen bis zur Halbzeit kein weiteres Tor und so ging es mit drei Toren in die Teepause. Die Heimkurve füllte sich in der zweiten Halbzeit und war mit fast doppelt so vielen Personen gefüllt. Natürlich kam sie nicht an die alten Hochzeiten heran, aber sie machte in dem Rund doch deutlich Rabatz, so dass auch die ein oder andere Möwe vertrieben wurde, die immer wieder rund um das, in einem Wohngebiet gelegene, Stadion zu sehen waren. Das Niveau der ersten Halbzeit konnte nicht mehr gehalten werden und das Spiel endete nach einem schönen abschließenden Tor für die Heimmannschaft mit 3:1. Im Anschluss an das Spiel wurde bereits ein Pokal überreicht und für mich ging es noch auf ein paar Bier- und Weinabsacker in eine Bar, um die Ecke meiner Unterkunft.
Auch der nächste Tag hatte einige interessante Ereignisse über. Entspannt ging es mit dem Auto wieder in den Norden. Das Ziel der heutigen Fahrt war Modena. Da es recht problemlos möglich war, das Quartier umzubuchen, war ich nur eine statt ursprünglich geplanten zwei Nächten in meiner netten Air-bnb-Unterkunft in Laufdistanz zur Innenstadt.
Doch bevor die Innenstadt Modenas auf dem Plan steht, gibt es noch einen Doppler ;-) Die Abstiegsentscheidung in der Serie D Staffel D stand auf dem Plan. Wie bei dem Pokalspiel waren auch hier die beiden Dörfer in voller Mannstärke am Sportplatz. Dieses Mal hieß die Begegnung Castelvetro di Modena Calcio gegen Mezzolara. Pünktlich mit dem Anpfiff drinnen und erstmal einen Platz gesucht, was eher schwierig war. Das Spiel wogte hin und her, leider ging es ohne Tore in die Halbzeit und ich gönnte mir erstmal ein leckeres Wasser, um ein bisschen fitter zu werden, da der Abend noch lang werden würde. Trotz der besseren Platzierung in der Abschlusstabelle verloren am Ende die Gastgeber mit 0:2 und stehen damit wahrscheinlich als Absteiger fest. Da noch ein wenig Zeit war und die Altstadt oben auf dem Hügel ziemlich malerisch aussah, machte ich noch für einen Aperitivo einen Abstecher in die historische Altstadt und genoss dabei den Rundblick über die Gegend. Allzulange konnte ich mich aber nicht aufhalten, da noch ein weiteres Schmankerl auf dem Zettel für den Abend stand.
Mit dem Auto ging es wieder gen Autobahn und als Ziel war Piacenza ins Navi eingegeben. Im dortigen Stadion bin ich zwar bereits gewesen, aber bei dem uninteressanteren Verein von beiden und so freute ich mich auf Relegation Serie C für Serie B zwischen Piacenza Calcio – ehemaliger Erstligist – gegen Sambenedettese aus San Benedetto del Tronto. Die Gäste von Samba haben in Deutschland u.a. Freunde in Freiburg und München. Von beiden Szenen hatte ich mir durchaus etwas erwartet und neben Pyro etc. wurde ich auch durch die sehr guten Mitmachquoten in meiner Erwartungshaltung bestätigt. Dabei war der Gästeblock trotz einer Distanz von ca. 440 Kilometern oneway an einem Sonntagabend fast komplett voll, was natürlich auch an diesem wichtigen Relegationshinspielcharakter lag. Von den Gästen und ihren Gesanges- und regelmäßigen Hüpfeinlagen war ich echt beeindruckt, denn die Mitmachquote pendelte sich bei ca. 90% ein. Solche Spiele leben von einer guten Mitmachquote und diese fand sich auf beiden Seiten. Diese Groundbestätigung bereute ich in keinster Weise.
Samba ging in einer Druckphase der Heimmannschaft in Führung, aber konnte diese nicht lange halten und es gelang bereits vor der Pause der Heimmannschaft das Spiel zu drehen. Leider verflachte in der zweiten Halbzeit das Spiel zusehends, wodurch ich das kulinarische Angebot in Form von Chips und einem Wasser testen konnte. Leider hat diese geile alte Schüssel ihre besten Zeiten hinter sich, aber ich würde es mir doch wünschen, wenn diese Szene in die zweite Liga aufsteigen würde, denn dort tummeln sich bereits einige hochkarätige Szenen. Dazu ist auch das in der Nähe liegende Ascoli zu nennen.
Kurz nach dem Abpfiff machte ich mich auf den Rückweg und war dann auch zu später Stunde in meiner Unterkunft, in der ich zumindest noch einen Absacker trinken konnte, nachdem ich mir auf den Straßen Modenas noch einen Döner habe besorgen können.
Mit einem Spaziergang durch die Innenstadt Modenas und einem Besuch im botanischen Garten und dem obligatorischen Aperitivo auf der Piazza wurde das Kapitel Modena für dieses Mal geschlossen. Da ich bisher noch nicht in Modena im Stadion war, werde ich, sobald es den Verein wieder gibt, nach Modena zurückkehren.
Mein heutiges Ziel war ein kleines Häuschen in der Toskana mit einem schönen Blick in die Hügellandschaft südlich von Livorno. Trotz einer kleinen Verspätung konnte ich noch rechtzeitig den Checkin meiner neuen Unterkunft machen, um noch ein paar Lebensmittel und Getränke unten in der nächstgrößeren Stadt zu besorgen.
Da es am nächsten Tag keine Spiele in der Region gab und auch das Wetter meinte, dass es eher Regnen denn Sonnenstrahlen geben sollte, ging es durch die Hügellandschaft inklusive Kraftwerke gen Siena. Dabei habe ich vergessen, dass in Deutschland Schulferien sind und dementsprechend viele Familien Urlaub in der Toskana machen. Die Zufriedenheit mancher junger Mitreisender war dabei förmlich zu spüren. Die Stadt wurde dementsprechend von Touris geflutet und du hast praktisch nur deutsch in der Stadt vernommen. Trotzdem fand ich ein paar schöne Flecken in der Stadt, die dem Touristentrubel ein wenig entgangen waren, denn dort trieben sich fast nur Einheimische herum, was doch sehr angenehm war. Natürlich habe ich mir auch die älteste Bank der Welt angeschaut – Monte die Paschi Siena –, aber ich habe leider aktuell keine Aktien o.ä., um mir die Hauptzentrale intensiver anschauen zu können. Das Stadion und den örtlichen Fußballclub habe ich leider noch nicht sehen können, aber ich bin mir sicher, dass sich dazu auch bald die Gelegenheit ergeben wird.
Am nächsten Tag stand neben Fußball auch wieder Kultur auf dem Plan. Bei meinem langen Toskanaurlaub vor acht Jahren habe ich mir relativ viel angeschaut und dabei auch Pisa einen Halbtagesbesuch abgestattet, was nach meiner bisherigen Meinung auch vollkommen ausreichte, denn mehr als Piazza die Miracoli u.a. mit dem schiefen Turm gibt es dort eigentlich nicht. Diesen habe ich auch dieses Mal nicht bestiegen, da mir der Eintritt einfach zu teuer ist. Da es jedoch eine Universitätsstadt ist, ist die Bevölkerung recht gut durchmischt und es gab auch eine Bereiche, deren politische Orientierung mit Grafitis an den Wänden deutlich gemacht wurde. Eine besondere Erfahrung machte ich an o.g. Platz, denn dort stand für längere Zeit „herrenloses“ Gepäck von einer Reisegruppe herum und alle, auch die Polizei, schlenderte teilnahmslos an dem Gepäck vorbei. Das habe ich so auch noch nie erlebt. Ist aber nichts passiert und alles ist gut gegangen. Nach einer leckeren Stärkung ging es zu Fuß zum Stadion, welches fuori muori ist, aber doch in enger Nachbarschaft zum schiefen Turm liegt. Wie häufiger in Italien üblich liegt das Stadion an einem Wohngebiet. Der Eingang wurde auch zügig gefunden und man machte es sich auf einem der freien Plätze gemütlich, da das Spiel gegen Viterbese nicht ausverkauft war. Das Hinspiel hatte Viterbo mit 1:0 für sich entscheiden können. Leider war der Gästemob nicht sehr groß, dafür wusste die Heimkurve und auch die Gegengerade zu überzeugen. Auch die Fans bei mir auf der Haupttribüne, neben derer direkt der Gästeblock ist, stimmten in Schimpfereien etc. mit ein und es war eine Schau, was sich dort abgespielt hatte. Nach einer schönen Zettelchoreo ging die Heimmannschaft dank der kontinuierlichen Unterstützung des Heimanhanges nach nicht einmal zehn Minuten in Führung. Das Hinspielergebnis war dementsprechend egalisiert und man spielte weiter nach vorne, aber man konnte seine Chancen nicht in weitere Tore ummünzen, so dass sich Viterbese befreien konnte und nach etwas mehr als einer halben Stunde zum Ausgleich kam. So ging es mit einem Unentschieden in die verdiente Halbzeit und die Hoffnung auf ein Weiterkommen lebte bei Pisa. Jedoch wurden diese Träume in der ersten Viertelstunde nach der Halbzeit auf brutale Art und Weise mit zwei Toren für Viterbo zerstört. Die Mannschaft und die Fans jubelten und da half auch kein Zaun mehr, um die Fans zurückzuhalten. Es war die pure Extase und Freude, während natürlich die Pöbeleien weitergingen. Da half auch der Anschlusstreffer kurz nach dem 1:3 dank eines Elfmeters nicht mehr viel. Leider konnte der Traum von der direkten Rückkehr in die zweite Liga nicht weitergeträumt werden.
Die Gästefans feierten während ihrer Blocksperre mit ihrer Mannschaft. Die Heimtifosi schlichen in ihren teilweise sehr schick gestalteten Klamotten – v.a. häufig das Wappen der alten Republik Pisa – nach Hause. Mein Auto erreichte ich auch nach einem kleineren Umweg und dann rollte ich über den Straßenstrich gen Unterkunft.
Nach einem Mitternachtssnack und einem Gläschen Wein fiel ich in mein komfortables Bett. Der nächste Tag hielt das letzte Spiel dieser Tour für mich parat.
Bei strahlendem blauen Himmel ging es in eine weitere toskanische Perle – Lucca – mit einer schicken Innenstadt, die innerhalb der alten Mauern noch relativ gut erhalten ist. Natürlich hat sich die Stadt in den letzten Jahrzehnten auch außerhalb der Mauern ausgebreitet. Auch auf diesem Rundgang durch die Stadt traf ich auf viele Touristen, wobei es dieses Mal nicht nur deutsche Gäste waren. Als Highlight empfand ich einen mit Eichengewächsen bedeckten Turm. Diese Eichen wachsen oben auf der Aussichtsplattform dieses jahrhundertealten Gebäudes, welches nun regelmäßig von Touristen inklusive mir bestiegen wird. Die Aussicht war schon beeindruckend, aber der Wind pfiff dort schon in einer gewissen Intensität. Gestärkt mit einer Kleinigkeit und einem Aperitiv ging die Reise in Richtung Chiavari. Dabei konnte ich das erste Mal die berühmten Marmorsteinbrüche von Carrara sehen, wenn auch nur aus dem Autofenster auf der Autobahn gen Genua fahrend.
Das Spiel Virtus Entella und Ascoli Picchio FC 1898 war das Hinspiel der Abstiegsentscheidungsspiele zwischen dem 18. Ascoli und dem 19. Virtus Entella. Bei Gleichstand nach beiden Spielen hält der höherplatzierte im Endklassement die Klasse, während der Verlierer den vierten Absteiger aus der Serie B bildet. Leider passen in das Stadion von Chiavari, welches in unmittelbarer Nähe zu Cinque Terre liegt, nur knapp viertausend Zuschauer. Normalerweise reicht das problemlos, aber bei diesem Spiel war es nun eng. Deswegen habe ich mich online um ein Ticket bemüht, welches ich mir am Vortag in Pisa ausdrucken ließ. Am Stadioneingang erhielt ich im Tausch für mein Print@hometicket ein Originalticket, was ich so auch noch nie erlebt hatte. Leider wurde vor einiger Zeit der Naturrasen durch Kunstrasen ersetzt, was mein Romantikerherz natürlich bluten ließ, aber ändern lässt sich das natürlich nicht. So nahm ich meinen Platz in der ersten Reihe in unmittelbarer Nähe zum Gästeblock ein. Die knapp 500 Kilometer für die einfache Fahrt nahmen knapp 200 bis 250 Fans auf sich. Dabei wurden sie von Freunden aus Monaco unterstützt. Es waren weit mehr Fans da, als ich eigentlich erwartet hatte. Fanszenetechnisch bin ich mit recht wenigen Erwartungen an das Spiel gegangen. Die ausverkaufte Heimkurve hatte eine Wurfrollenchoreo vorbereitet, die auch recht gut gelang und die Gäste hatten auch ein bisschen Pyro dabei. Also alles nichts Weltbewegendes aber es war positiv. Aufgrund meines Platzes in der Nähe der Gäste vernahm ich die größte Zeit des Spieles die Gäste, die immer wieder für Aktionen und Gesänge sorgten. Beide Mannschaften suchten ihr Heil in der Flucht und erspielten sich immer wieder in ansehnlichen Aktionen Chancen, aber leider konnte in der gesamten Spielzeit kein Tor erzielt werden, wobei Entella teilweise die klareren Chancen hatte. Diese konnten sie aber nicht nutzen, da teilweise Unvermögen, Pech oder eine gute Torwartleistung dem Erfolg im Wege standen. Da mein Auto kostenlos um die Ecke vorm Stadion geparkt war, ging es nach Spielende auch zügig die knapp 2,5 Stunden zurück gen Unterkunft. Dort verbrachte ich eine letzte Nacht und nach einem kurzen Abstecher zum Bahnhof von Pisa ging es für mich gen BB Bergamo. Dort verbringe ich schon fast traditionell die Nacht vor meinem Rückflug gen Deutschland. Auf der entspannten Rückfahrt fuhr ich eine neue Autobahn die zwischen La Spezia und Parma verläuft. Durch die Bergpassagen ging es teilweise mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 oder 80 kmh die Kehren und Kurven den Berg runter. Das fühlte sich teilweise eher wie eine Passstraße denn einer Autobahn an. Mit knapp 35€ Maut war das auch die teuerste und selbstverständlich auch längste Strecke bei diesem Trip auf den italienischen Autobahnen. Das Wetter und teilweise auch die Aussicht entschädigten mich für die lange Fahrerei, die mich u.a. auch an Cremona vorbeibrachte. Dorthin will ich in der kommenden Saison auf jeden Fall mal wieder fahren, da es neben Umbauten am Stadion auch einfach mal wieder an der Zeit ist dort vorbeizuschauen.
Nach einem entspannten Check-in und einer erfrischenden Dusche chillte ich ein wenig und trank in einem Pub um die Ecke noch zwei Bier, um dann frühzeitig ins Bett zu fallen, da am nächsten Tag mit der SC-Feier und dem Berg ein anstrengender Tag auf meinem Terminkalender stand. Trotz einer kleinen Schrecksekunde nach der Autorückgabe klappte am Ende alles wie am Schnürchen und der nächste Tag war einfach traumhaft und schön mit so vielen Leuten einen Nachmittag zu verbringen. Bei Speis und Trank lauschte man u.a. den Erlebnissen von Trainerlegende Hans Meyer rund um den Pokalsieg, der sich an dem Tag zum 11. Mal jährte. Ein Riesendank an die Organisatoren der Feier.
In den zehn Tagen bin ich knapp 2700 Kilometer auf italienischen Straßen unterwegs gewesen und neben bekannten Städten und neuen Stadien habe ich wieder viele neue Erkenntnisse und auch in Teilen Kontakte knüpfen können, die sich gelohnt haben.
Ich freue mich schon auf meinen nächsten Trip nach Italien, um dort die letzten Stadien in der B zu kreuzen und das Leben vor Ort zu genießen. Aktuell sind es bereits 45 Stadien, die ich bei Spielen in Italien von innen gesehen habe. Bis zum Jahresende peile ich die 50 an und vielleicht ergibt sich eine schöne Tour durch Italien mit Abstechern nach Rom zur Roma oder weiter in den Süden. Schauen wir, was die Spielpläne in Deutschland und Italien in der kommenden Saison ermöglichen.


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